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Überblick · Diagnosen & Krankheitsbilder

Fibromyalgie: Symptome, Ursachen und Behandlung im Überblick

Fibromyalgie verstehen: welche Symptome typisch sind, warum das Nervensystem Schmerz lauter stellt, wie die Diagnose läuft und was laut Leitlinie hilft.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Fibromyalgie ist eine Störung der Schmerzverarbeitung: Rückenmark und Gehirn verstärken Signale, Muskeln und Gelenke sind nicht geschädigt (Mensch; Clauw, 2014).
  • Die Ärztin stellt die Diagnose aus Schmerzausbreitung, Erschöpfung, Schlaf und Konzentration über mindestens drei Monate; einen Bluttest dafür gibt es nicht (Mensch, Kriterienstudie; Wolfe et al., 2016).
  • Am besten belegt ist angepasste Bewegung, die einzige starke Empfehlung der europäischen Rheumafachgesellschaft (Mensch, Leitlinie; Macfarlane et al., 2017).

„Was ist Fibromyalgie, woran erkenne ich sie, und was hilft laut Leitlinie wirklich?“

Du kennst das: Es tut an vielen Stellen weh, mal im Nacken, mal in den Armen, dann in den Beinen. Dazu eine Müdigkeit, die kein Schlaf vertreibt, und ein Kopf wie in Watte. Röntgen, MRT und Blut sind unauffällig, und irgendwann fällt der Satz: „Wir finden nichts.“ Vielleicht suchst du nach Fibromyalgie Symptomen, weil du endlich einen Namen für das willst, was du jeden Tag erlebst.

Die mechanische Sicht sucht den Schaden: eine Entzündung im Gelenk, einen Verschleiß, einen eingeklemmten Nerv. Deshalb hieß Fibromyalgie früher Fibrositis, Entzündung des Bindegewebes. Diese Sicht schützt dich, denn sie sorgt dafür, dass Rheuma, eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Mangel nicht übersehen werden. Und trotzdem: Warum tut leichter Druck weh, wenn das Gewebe heil ist?

Die energetische Sicht sagt: Dein System ist überreizt und aus dem Gleichgewicht, es braucht Ruhe und Wärme. Sie spürt richtig, dass Stress, Kälte und schlechter Schlaf die Schmerzen heben und Wärme sie senkt. Und trotzdem: Wo im Körper entsteht dieser Schmerz, und warum reicht Schonung allein auf Dauer nicht?

Die biologische Sicht verbindet beides: Der Schmerz ist echt, und er entsteht in der Verarbeitung. Dein Nervensystem hat die Lautstärke hochgestellt.

Oft heißt es: „Wir sind wie ein Auto, das sich abnutzt.“ Fibromyalgie heißt Faser-Muskel-Schmerz, doch kein Muskel ist verschlissen. Das Nervensystem hat die Lautstärke verstellt, und Lautstärke lässt sich verändern.

Was im Körper passiert

Stell dir eine Alarmanlage vor, deren Empfindlichkeit jemand hochgedreht hat. Eine Katze im Garten löst denselben Alarm aus wie ein Einbrecher. So beschreibt die Forschung Fibromyalgie: Rückenmark und Gehirn verstärken eingehende Signale, und die Bahnen, die Schmerz von oben dämpfen, bremsen schwächer (Mensch; Clauw, 2014). Fachleute nennen das zentrale Sensitivierung (Modell nach Woolf, 2011). Normaler Druck kommt als Schmerz an, und wiederholte Reize summieren sich stärker auf als bei Gesunden (Mensch; Staud et al., 2001).

Wozu tut der Körper das? Ein Nervensystem, das lange Gefahr misst, stellt seine Melder empfindlicher: lieber zu früh warnen als zu spät. Gefahr sind dabei nicht nur Verletzungen, sondern auch Infekte, wenig Tiefschlaf, Dauerbelastung oder der Schmerz selbst. Wir nennen das Schutzmodus; in der Forschung heißt ein solches Schutzprogramm der Zellen Cell Danger Response. Das ist ein Modell. Es erklärt, warum ein Schutz, der in der Gefahr sinnvoll ist, zur Last wird, wenn er eingeschaltet bleibt.

Was ihn lockern lässt, sind Signale von Sicherheit, die sich wiederholen: Bewegung in einer Dosis, die du verträgst, Schlaf, der tiefer wird, ein Alltag mit Pausen. Dein Nervensystem lernt, was du wiederholst, in beide Richtungen.

Fibromyalgie, auch Fibromyalgiesyndrom (FMS), ist eine chronische Schmerzerkrankung: Schmerzen in mehreren Körperregionen, Erschöpfung, Schlaf, der nicht erholt, und Probleme mit Konzentration und Gedächtnis. Der Name heißt wörtlich Faser-Muskel-Schmerz, doch Muskeln und Gelenke sind nicht geschädigt. Die alten Namen Fibrositis und Weichteilrheuma gelten heute als irreführend, weil im Gewebe keine Entzündung vorliegt.

In Deutschland verschlüsselt die Ärztin Fibromyalgie nach ICD-10-GM als M79.7, bei Schmerzen an mehreren Stellen als M79.70, „Fibromyalgie: Mehrere Lokalisationen“. Das G hinter dem Code, etwa M79.70 G, steht für eine gesicherte Diagnose. Je nach Kriterien betrifft Fibromyalgie 2 bis 8 Prozent der Bevölkerung (Clauw, 2014). Der Schmerz entsteht nach heutigem Verständnis durch eine verstärkte Schmerzverarbeitung im Nervensystem (Clauw, 2014), nicht durch zerstörte Gelenke oder Organe; die Diagnose setzt voraus, dass keine andere körperliche Erkrankung die Beschwerden ausreichend erklärt (Häuser et al., 2015).

Dieser Überblick führt durch Symptome, Ursachen, Nervensystem, Darm und Ernährung, Diagnose und Behandlung nach Leitlinie. Jeder Abschnitt verweist auf die Seite, die das Thema vertieft.

Fibromyalgie Symptome: mehr als Schmerz

Fibromyalgie erkennen heißt, ein Muster zu sehen, nicht ein einzelnes Zeichen. Im Mittelpunkt steht ausgebreiteter Schmerz an mehreren Stellen: links und rechts, oben und unten, oft entlang der Wirbelsäule. Viele beschreiben ihn als tief, ziehend oder brennend, er wandert und ist morgens mit Steifigkeit verbunden. Leichter Druck, enge Kleidung oder eine Umarmung können wehtun. Fachleute nennen das Allodynie, wenn Harmloses schmerzt, und Hyperalgesie, wenn Schmerz stärker ankommt als erwartet.

Erschöpfung und Schlaf. Die Müdigkeit geht über normale Müdigkeit hinaus, und der Schlaf erholt nicht. Nicht erholsamer Schlaf gehört zu den Diagnosekriterien (Wolfe et al., 2010). Schon 1975 fanden Schlafmessungen bei Menschen mit damals so genannter Fibrositis Wachwellen, die den Tiefschlaf stören (Mensch; Moldofsky et al., 1975). Mehr dazu in den Seiten zu Erschöpfung und Schlafproblemen.

Fibro Fog. Wortfindung, Konzentration und Merkfähigkeit lassen nach, als würdest du durch Watte denken. Für viele ist das belastender als der Schmerz. Fibro Fog ist eine Funktionsstörung, die mit Schmerz, Schlaf und Belastung schwankt, und keine Demenz. Lässt das Gedächtnis über Monate zunehmend nach, gehört das in eine ruhige ärztliche Abklärung.

Reize. Licht, Lärm, Gerüche, Kälte oder ein volles Kaufhaus werden schnell zu viel, danach braucht es lange Ruhe. Das passt zum selben Bild: Ein Nervensystem, das Schmerz verstärkt, filtert oft auch andere Reize schwächer (Mensch; Clauw, 2014).

Weitere Zeichen. Häufig kommen Kopfschmerzen, Kieferschmerzen, Reizdarmbeschwerden, Herzklopfen, Kribbeln an Händen und Füßen und eine gedrückte Stimmung dazu.

Ursachen: was die Forschung über die Entstehung weiß

Eine einzelne Ursache kennt niemand. Gut belegt ist der gemeinsame Weg: die zentrale Sensitivierung, also eine verstärkte Schmerzverarbeitung in Rückenmark und Gehirn (Mensch; Woolf, 2011). Dorthin führen offenbar mehrere Wege. Fibromyalgie tritt in Familien gehäuft auf (Mensch, Familienstudie; Arnold et al., 2004). Nach einem Modell wirken körperliche und seelische Einflüsse bei Anlage, Auslöser und Verstärkung zusammen; im Einzelnen ist das noch unklar (Modell nach Häuser et al., 2015).

Kleine Nervenfasern. Eine Metaanalyse fand bei rund der Hälfte der untersuchten Menschen mit Fibromyalgie veränderte dünne Nervenfasern in der Haut (Mensch, Metaanalyse; Grayston et al., 2019). Mehr dazu: Small-Fiber-Neuropathie.

Immunsystem. Antikörper aus dem Blut von Betroffenen machten Mäuse empfindlicher für Druck und Kälte (Tier; Goebel et al., 2021). Das ist ein starkes Argument dafür, dass Fibromyalgie im Körper entsteht, und zeigt eine Verbindung zum Immunsystem. Eine klassische Autoimmunerkrankung ist Fibromyalgie damit nicht.

Mitochondrien. In Blutzellen von Menschen mit Fibromyalgie fanden sich weniger Coenzym Q10 und Zeichen gestörter Mitochondrien (Zelle, kleine Studie; Cordero et al., 2010). Mitochondrien sind die Sensoren und Kraftwerke der Zelle; bei Fibromyalgie sind sie ein Ort, an dem mehrere Wege zusammenlaufen, nicht die eine Ursache. Mehr dazu: Mitochondrien.

Psyche. Depressionen und Angststörungen kommen bei Fibromyalgie häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung (Mensch, Übersicht; Kleykamp et al., 2021). Sie sind Begleiter einer belastenden Erkrankung, nicht ihre Ursache. Steht die seelische Last im Vordergrund, gehört sie in eine Psychotherapie, die genau das behandelt; was dein Nervensystem stabilisiert, läuft daneben weiter. Wenn dunkle Gedanken kommen, erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111. Mehr dazu: Ist das psychisch?

Nervensystem: Sympathikus, Vagusnerv und Herzratenvariabilität

Das autonome Nervensystem steuert ohne dein Zutun Herzschlag, Verdauung und Erholung. Sein Kampf-oder-Flucht-Teil, der Sympathikus, ist bei Fibromyalgie dauerhaft stärker aktiv, sein Gegenspieler, der Parasympathikus mit dem Vagusnerv, bremst schwächer (Mensch, Übersicht; Martinez-Lavin, 2012).

Sichtbar wird das in der Herzratenvariabilität (HRV), der feinen Schwankung zwischen zwei Herzschlägen. Beim Einatmen schlägt das Herz etwas schneller, beim Ausatmen langsamer; diese Atemschwankung heißt respiratorische Sinusarrhythmie und zeigt, wie gut der Vagusnerv arbeitet. Bei Fibromyalgie ist die HRV in den meisten Studien niedriger (Mensch, Übersicht; Meeus et al., 2013).

Langsames, tiefes Atmen senkte bei gesunden Freiwilligen die Schmerzwahrnehmung und die sympathische Aktivität (Mensch, experimentell; Busch et al., 2012). Ob es die Fibromyalgie selbst verändert, zeigen größere Studien noch nicht. Mehr dazu: der Vagusnerv und Studien zur Vagusnervstimulation.

Darm und Ernährung: Mikrobiom und Fettsäuren

Darm und Gehirn tauschen über den Vagusnerv, Immunbotenstoffe und Stoffwechselprodukte der Darmbakterien ständig Signale aus. Bei Frauen mit Fibromyalgie unterschieden sich 19 Bakterienarten von denen gesunder Vergleichspersonen, und die Unterschiede hingen mit der Stärke der Beschwerden zusammen (Mensch, Querschnitt; Minerbi et al., 2019). Ob das Ursache, Folge oder Begleiterscheinung ist, zeigt diese Art Studie nicht. Mehr dazu: Darm und Schmerz.

Auch Fette sprechen mit den Schmerzfasern. Aus Linolsäure, einer Omega-6-Fettsäure, entstehen oxidierte Abbauprodukte, die Schmerzrezeptoren reizen können. In einer Studie mit Menschen mit chronischen Kopfschmerzen senkte eine Kost mit weniger Linolsäure und mehr Omega-3-Fettsäuren die Kopfschmerzlast (Mensch, randomisiert; Ramsden et al., 2013). Bei Fibromyalgie ist das nicht untersucht. Mehr dazu: Linolsäure, Schmerzrezeptoren und Omega-3.

Für Nahrungsergänzungen, auch für Magnesium und Magnesiummalat, gibt es bei Fibromyalgie nur kleine Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen; eine Empfehlung der Leitlinien folgt daraus nicht. Nimmst du Medikamente oder hast du eine Nierenerkrankung, klärst du jede Umstellung mit deiner Ärztin.

Diagnose: Kriterien, Blutwerte und wer sie stellt

Fibromyalgie ist eine klinische Diagnose. Die Kriterien des American College of Rheumatology von 2010, überarbeitet 2016, fragen ab, in wie vielen von 19 Körperregionen du Schmerzen hattest, und wie stark Müdigkeit, Schlaf ohne Erholung und Denkprobleme sind. Der Schmerz muss in mindestens vier von fünf Körperbereichen auftreten und die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen. Seit 2016 gilt die Diagnose auch dann, wenn daneben eine andere Erkrankung besteht (Mensch, Kriterienstudie; Wolfe et al., 2016). Die 18 Tender Points von 1990 braucht es nicht mehr.

Stellen kann die Diagnose die Hausärztin, bei Unsicherheit die Rheumatologie oder Schmerzmedizin. Blutwerte helfen, andere Ursachen auszuschließen, etwa Entzündung, Blutarmut, eine Muskelerkrankung oder eine Störung der Schilddrüse; die Diagnose setzt voraus, dass keine andere Erkrankung die Beschwerden ausreichend erklärt (Häuser et al., 2015). Je nach Beschwerden kommen Vitamin D oder Rheuma-Antikörper dazu, und ein Blick auf deine Medikamente, weil manche Mittel Muskelschmerzen machen. Ob Rheuma, eine Schilddrüsenerkrankung, ein Vitamin-D-Mangel oder ein Medikament mitspielt, klärt deine Ärztin.

Mehr dazu: wer die Diagnose stellt und wie, die zehn wichtigsten Laborwerte und die Abgrenzung zu Rheuma.

Fibromyalgie und andere Diagnosen

Fibromyalgie kommt selten allein. Sie überschneidet sich mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom ME/CFS, tritt neben Hashimoto, entzündlichem Rheuma oder einer Mastzellaktivierung auf und folgt manchmal auf einen Infekt. Wichtig ist, beides zu sehen: was die andere Erkrankung erklärt und was die Schmerzverarbeitung dazugibt. Mehr dazu: die Überlappung mit CFS, Hashimoto und MCAS.

Behandlung nach Leitlinie: was hilft

Die Leitlinien in Deutschland und Europa setzen auf mehrere Bausteine statt auf ein Mittel. Am besten belegt ist Bewegung: Sie ist die einzige starke Empfehlung der europäischen Rheumafachgesellschaft EULAR (Mensch, Leitlinie; Macfarlane et al., 2017). Gemeint ist Bewegung, angepasst an deine Tagesform: ruhiges Ausdauertraining, leichtes Krafttraining, Wassergymnastik, Funktionstraining, Tai Chi, Qigong oder Yoga. Der Einstieg liegt unter deiner Grenze und steigt langsam. Wer an guten Tagen alles nachholt, zahlt oft an den nächsten. Mehr dazu: Hilft Sport?

Dazu kommen Wissen über die Erkrankung, Wärme, etwa in Thermalbädern, Verfahren, die den Umgang mit Schmerz und Stress verändern, und bei schwerem Verlauf eine multimodale Schmerztherapie, in der Bewegung, Psychotherapie und ärztliche Behandlung zusammenarbeiten. Psychotherapie hilft hier nicht, weil der Schmerz psychisch wäre, sondern weil sie die Verarbeitung im Nervensystem mitverändert.

Einzelne Medikamente, die auf die Schmerzverarbeitung wirken, können für begrenzte Zeit eine Rolle spielen; übliche Schmerzmittel wie Ibuprofen helfen meist wenig, von starken Opioiden raten die Empfehlungen ab (Macfarlane et al., 2017). Ob du ein Medikament nimmst, änderst oder absetzt, entscheidest du nach dem Gespräch mit deiner Ärztin.

In der Regenerationsmedizin sprechen wir von den sechs Ärzten der Regeneration plus Dr. Pharma. Hier passen vor allem drei: Dr. Bewegung, etwa mit ruhigem Ausdauertraining, bei dem du dich noch unterhalten kannst, Dr. Atmung mit langsamem Ausatmen und Dr. Naturkraft mit Wärme, etwa in der Sauna. Dr. Pharma heißt: Deine ärztliche Behandlung läuft weiter. Mehr dazu: Atemübungen.

Verlauf und Aussicht

Eine Heilung im Sinne einer Garantie kennt die Medizin bei Fibromyalgie nicht. Die Beschwerden schwanken: In einer US-Studie mit 1555 Betroffenen über bis zu elf Jahre blieben sie bei vielen hoch, rund ein Viertel erlebte eine zumindest mäßige Besserung der Schmerzen, und fast die Hälfte erfüllte zwischendurch die Kriterien nicht mehr (Mensch, Kohortenstudie; Walitt et al., 2011). Was sich zeigt: Wer versteht, was im Nervensystem passiert, und Bewegung, Schlaf und Pausen in eine eigene Reihenfolge bringt, gewinnt oft Spielraum im Alltag zurück. Krankheit kann chronisch werden. Gesundheit auch.

Mehr dazu: zehn verbreitete Irrtümer und ein Text für Angehörige.

zum Merken
Dein Körper ist bei Fibromyalgie nicht kaputt. Sein Nervensystem meldet lauter, als es nötig wäre, und das kann sich ändern.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Nervensystem (Neuroimmunologie).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Atmung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du deinen eigenen Mustern auf die Spur kommen möchtest, kannst du eine Woche lang auf drei Dinge achten:

Wie verändern Schlaf, Belastung und Stress deine Schmerzen am nächsten Tag?

Welche Bewegung tut dir gut, und ab welcher Dauer kippt es? Zehn ruhige Minuten sind ein anderer Reiz als eine Stunde.

Was beruhigt dich spürbar: Wärme, langsames Ausatmen, eine Pause zur rechten Zeit?

Diese Notizen helfen dir und deiner Ärztin. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Gut belegt ist, dass das Nervensystem bei Fibromyalgie Schmerz verstärkt verarbeitet und dass angepasste Bewegung hilft (Mensch). Warum die Verarbeitung kippt, weiß niemand genau; vermutlich wirken Veranlagung, Auslöser und Dauerbelastung zusammen. Die Befunde zu kleinen Nervenfasern, Antikörpern, Darmbakterien und Mitochondrien stammen aus Querschnittsstudien, kleinen Gruppen oder Tierversuchen; sie zeigen Zusammenhänge, keine Ursache. Für Ernährung und Nahrungsergänzung fehlen gute Studien bei Fibromyalgie. Dass ein Schutzmodus das Bild zusammenhält, ist ein Modell.

Ob deine Beschwerden zu Fibromyalgie passen und ob daneben etwas anderes vorliegt, klärt deine Ärztin. Du bringst mit, wo es wehtut, seit wann und was es besser oder schlechter macht; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Alles kommt lauter bei mir an: zentrale Sensitivierung
  • Leichter Druck tut weh: Allodynie, Hyperalgesie
  • Schmerz an vielen Stellen: Widespread Pain Index (WPI), generalisierter Schmerz
  • Müdigkeit, Schlaf, Konzentration: Symptom Severity Scale (SSS)
  • Ich wache auf wie gerädert: nicht erholsamer Schlaf
  • Die Bremse im Nervensystem greift nicht: verminderter Vagotonus, Herzratenvariabilität (HRV)
  • Brennen in der Haut: Small-Fiber-Pathologie, Hautbiopsie
  • Bewegung, die ich vertrage: angepasstes Ausdauer- und Krafttraining, Pacing
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (9)

Ist Fibromyalgie eine psychische Erkrankung?

Nein. Fibromyalgie ist eine Störung der Schmerzverarbeitung im Nervensystem (Mensch; Clauw, 2014). Antikörper aus dem Blut von Betroffenen machten im Versuch sogar Mäuse schmerzempfindlicher (Tier; Goebel et al., 2021). Depression und Angst kommen häufiger vor, sind aber Begleiter, nicht die Ursache.

Gibt es einen Test für Fibromyalgie?

Einen Bluttest oder ein Bild, das Fibromyalgie beweist, gibt es nicht. Die Ärztin stellt die Diagnose aus Gespräch, Fragebogen nach den Kriterien von 2016 und Untersuchung; Blutwerte klären, ob etwas anderes die Beschwerden erklärt (Wolfe et al., 2016; Häuser et al., 2015).

Ist Fibromyalgie eine Autoimmunerkrankung?

Nicht im klassischen Sinn: Es gibt keinen Autoantikörper, der sie anzeigt. Das Immunsystem ist trotzdem beteiligt; im Tierversuch übertrugen Antikörper von Betroffenen die Schmerzempfindlichkeit auf Mäuse (Tier; Goebel et al., 2021). Was das für Menschen bedeutet, wird noch erforscht.

Kann Fibromyalgie plötzlich auftreten?

Sie entwickelt sich meist schleichend, wird aber oft nach einem Einschnitt deutlich: einem Infekt, einem Unfall, einer Operation oder einer langen Phase ohne Erholung (Clauw, 2014). Ein Nervensystem, das schon empfindlich eingestellt ist, kann dann auf Dauerschutz umschalten.

Ist Fibro Fog eine Demenz?

Nein. Fibro Fog ist eine Funktionsstörung von Konzentration und Gedächtnis, die mit Schmerz, Schlaf und Belastung schwankt; Nervenzellen gehen dabei nicht zugrunde. Lässt das Gedächtnis über Monate zunehmend nach, klärt das die Ärztin in Ruhe ab.

Warum helfen normale Schmerzmittel oft wenig?

Mittel wie Ibuprofen wirken vor allem dort, wo Gewebe entzündet ist. Bei Fibromyalgie entsteht der Schmerz in der Verarbeitung von Rückenmark und Gehirn, die solche Mittel kaum erreichen. Darum raten die Empfehlungen eher zu Bewegung und mehreren Bausteinen (Macfarlane et al., 2017).

Ist Fibromyalgie heilbar?

Eine Heilung im Sinne einer Garantie gibt es nicht. Der Schmerz entsteht nach heutigem Verständnis in der Schmerzverarbeitung, nicht durch zerstörte Organe (Clauw, 2014). Die Beschwerden schwanken (Walitt et al., 2011), und viele gewinnen mit Bewegung, Schlaf und einem besseren Verständnis des eigenen Nervensystems Spielraum im Alltag zurück.

Was ist der Unterschied zwischen Fibromyalgie und CFS?

Bei Fibromyalgie steht der ausgebreitete Schmerz im Vordergrund, bei ME/CFS die Verschlechterung nach Belastung, die Post-Exertional Malaise. Beide teilen Erschöpfung, schlechten Schlaf und Denkprobleme und können gleichzeitig bestehen. Mehr dazu im Vergleich mit CFS.

Hilft Magnesium bei Fibromyalgie?

Zu Magnesium, auch zu Magnesiummalat, gibt es nur kleine Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen, eine Empfehlung der Leitlinien folgt daraus nicht. Nimmst du Medikamente oder hast du eine Nierenerkrankung, klärst du Nahrungsergänzungen mit deiner Ärztin.
Quellen (11)
  • Central sensitization: Implications for the diagnosis and treatment of pain
    Woolf C.J. – Pain (2011) DOI: 10.1016/j.pain.2010.09.030
  • The American College of Rheumatology Preliminary Diagnostic Criteria for Fibromyalgia and Measurement of Symptom Severity
    Wolfe F., Clauw D.J., Fitzcharles M.-A. et al. – Arthritis Care & Research (2010) DOI: 10.1002/acr.20140
  • Altered microbiome composition in individuals with fibromyalgia
    Minerbi A., Gonzalez E., Brereton N.J.B. et al. – Pain (2019) DOI: 10.1097/j.pain.0000000000001640
  • Fibromyalgia: When Distress Becomes (Un)sympathetic Pain
    Martinez-Lavin M. – Pain Research and Treatment (2012) DOI: 10.1155/2012/981565
  • Abnormal sensitization and temporal summation of second pain (wind-up) in patients with fibromyalgia syndrome
    Staud R., Vierck C.J., Cannon R.L. et al. – Pain (2001) DOI: 10.1016/s0304-3959(00)00432-2
  • The vagus nerve and the inflammatory reflex—linking immunity and metabolism
    Pavlov V.A., Tracey K.J. – Nature Reviews Endocrinology (2012) DOI: 10.1038/nrendo.2012.189
  • The Effect of Deep and Slow Breathing on Pain Perception, Autonomic Activity, and Mood Processing—An Experimental Study
    Busch V., Magerl W., Kern U. et al. – Pain Medicine (2012) DOI: 10.1111/j.1526-4637.2011.01243.x
  • Targeted alteration of dietary n-3 and n-6 fatty acids for the treatment of chronic headaches: A randomized trial
    Ramsden C.E., Faurot K.R., Zamora D. et al. – Pain (2013) DOI: 10.1016/j.pain.2013.07.028
  • Dietary linoleic acid-induced alterations in pro- and anti-nociceptive lipid autacoids
    Ramsden C.E., Domenichiello A.F., Yuan Z.X. et al. – Molecular Pain (2016) DOI: 10.1177/1744806916636386
  • What is the meaning of "small-fiber polyneuropathy" in fibromyalgia? An alternate answer
    Oaklander A.L., Herzog Z.D., Downs H.M. et al. – Pain (2016) DOI: 10.1097/j.pain.0000000000000526
  • Toward a System for Chronic Health
    Keferstein, G.; Wesseling, C.; Höhfeld, D.; Sauren, J.; Walde, D.; Hoffmann, L.; Wilting, R.; Stenzel, J. – Preprints (2025) DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v2

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