Neuroinflammation
Neuroinflammation · Neuroinflammation bezeichnet entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem (ZNS), die durch Aktivierung von Mikroglia und Astrozyten, proinflammatorische Zytokine und Störung der Blut-Hirn-Schranke charakterisiert sind.
Neuroinflammation – Entzündung im Gehirn und Rückenmark – unterscheidet sich fundamental von peripherer Entzündung. Das zentrale Nervensystem verfügt über eigene Immunzellen: Mikroglia. Diese residenten Immunzellen des Gehirns überwachen die neuronale Umgebung und reagieren auf Gefahrensignale mit der Freisetzung proinflammatorischer Mediatoren.
Bei CFS/ME zeigt die Forschung eine chronische Mikroglia-Aktivierung. Aktivierte Mikroglia setzen TNF-α, IL-1β, IL-6 und reaktive Sauerstoffspezies frei, die Neurone schädigen und die synaptische Funktion beeinträchtigen. Das klinische Resultat ist Brain Fog: kognitive Verlangsamung, Konzentrationsstörungen, Wortfindungsprobleme, reduzierte Informationsverarbeitung.
Dantzer et al. (2008) beschrieben den Mechanismus, über den periphere Entzündung das Gehirn beeinflusst: Proinflammatorische Zytokine aus der Peripherie erreichen das Gehirn über den Vagusnerv, über zirkumventrikuläre Organe (Bereiche ohne Blut-Hirn-Schranke) und über aktiven Transport. Im Gehirn induzieren sie Sickness Behavior – ein evolutionär konserviertes Programm aus Rückzug, Antriebslosigkeit, Schlafbedürfnis und depressiver Stimmung. Bei chronischer Entzündung wird dieses Programm zum Problem: Es wird zum Dauerzustand.
Komaroff und Lipkin (2023) bestätigten Neuroinflammation als eines der zentralen biologischen Merkmale, die CFS/ME und Long COVID teilen. Die klinische Konsequenz: Brain Fog, kognitive Einschränkungen und depressive Symptomatik bei CFS/ME sind nicht psychosomatisch – sie sind das Ergebnis messbarer entzündlicher Prozesse im Gehirn.
, Die MOJO Perspektive
Neuroinflammation ist der Nexus zwischen Immunsystem und Gehirn. In der Regenerationsmedizin ist die Reduktion der Neuroinflammation ein zentrales Ziel: über die Regulation des Immunsystems (weniger proinflammatorische Zytokine), die Aktivierung des Vagusnerv (antiinflammatorischer Pathway) und die Stärkung der mitochondrialen Funktion im Gehirn. Gesundheit entsteht, wenn die Mitochondrien genug Lebensenergie produzieren und diese Energie über Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel optimal verteilt wird. Wie man das erreicht, vermitteln wir im Kurs LEBENSENERGIE für Betroffene und in der Grundausbildung Regenerationsmedizin für Fachkräfte.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Mikroglia-Aktivierung ist der zentrale Mechanismus — M1 (proinflammatorisch) vs. M2 (reparativ)
- 2Blut-Hirn-Schranken-Störung ermöglicht periphere Entzündungssignale ins ZNS
- 3Beteiligt an Depression, Neurodegeneration (Alzheimer, Parkinson), CFS/ME, Long COVID
- 4Messung: PET-Imaging mit TSPO-Liganden (Forschung), Surrogatmarker: Neopterin, IL-6 im Liquor
- 5IL-6 und TNF-α im Blut korrelieren mit Neuroinflammation, sind aber keine direkten ZNS-Marker
Quellen & Referenzen
- From inflammation to sickness and depression: when the immune system subjugates the brain
- ME/CFS and Long COVID share similar symptoms and biological abnormalities: road map to the literature
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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