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Fachbeitrag · Symptome & Beschwerden

Mitochondrien und Müdigkeit: was die Biochemie der Erschöpfung zeigt

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Aus einem Glukosemolekül bilden die Mitochondrien etwa 30 bis 32 ATP, die Glykolyse allein nur 2; Fettsäuren liefern noch mehr (Zelle).
  • Mit dem Entkoppler FCCP misst die Forschung die Reserve der Mitochondrien; bei ME/CFS war sie in Blutzellen kleiner als bei Gesunden (Mensch; Tomas und Kollegen 2017).
  • Bei ME/CFS fanden Naviaux und Kollegen ein gedrosseltes Stoffwechselmuster im Blut; die Deutung als Schutzantwort ist ein Modell (Mensch; Modell nach Naviaux).

„Meine Blutwerte sind in Ordnung. Warum bin ich trotzdem so erschöpft, und was haben meine Mitochondrien damit zu tun?“

Du schläfst, du isst genug, und deine Blutwerte sind laut Befund in Ordnung. Und doch reicht die Kraft schon am Vormittag nicht, nach einer Anstrengung brauchst du Tage, und Treppen fühlen sich an wie ein Berg.

Die mechanische Sicht sagt: Wenn die Werte normal sind, ist der Körper intakt. Was fehlt, findet man und ersetzt es. Diese Sicht schützt davor, Krankheiten zu übersehen, und sie hat Eisenmangel, Schilddrüse und Blutarmut verlässlich im Blick. Und trotzdem: Warum fehlt die Energie, wenn kein Wert aus der Reihe fällt?

Die energetische Sicht sagt: Deine Lebenskraft ist erschöpft, und sie kehrt zurück, wenn du ihr Ruhe und Nahrung gibst. Sie spürt richtig, dass Erschöpfung ein Zustand des ganzen Menschen ist und nicht ein einzelner Laborwert. Und trotzdem: Was genau ist diese Kraft, und wo in deinem Körper entsteht sie?

Die biologische Sicht verbindet beides: Energie entsteht in deinen Mitochondrien als Spannung an einer Membran, und wie viel davon bereitsteht, regeln die Mitochondrien selbst.

Oft heißt es: „Wir sind wie ein Auto, das sich abnutzt.“ Erschöpfte Mitochondrien sind meist nicht verschlissen wie ein alter Motor. Sie halten Reserve zurück, wenn sie Gefahr lesen, und diese Regel kann sich wieder ändern.

Was im Körper passiert

Stell dir deine Mitochondrien nicht als Kraftwerk mit fester Leistung vor, sondern als Wasserkraftwerk mit Stausee. Die Elektronen aus Zucker und Fett fließen die Atmungskette entlang und pumpen dabei Protonen über die innere Membran, wie Wasser hinter eine Staumauer. Durch die Turbine, die ATP-Synthase, strömen sie zurück und bilden ATP (Zelle; Brand und Nicholls 2011).

Im Alltag läuft dieses Kraftwerk nicht auf Anschlag. Es hält Reserve für den Moment, in dem du mehr brauchst. Wie groß die Reserve ist, misst die Forschung mit einem Kniff: Sie gibt FCCP zu, einen Stoff, der die Staumauer undicht macht. Die Atmungskette läuft dann mit voller Kraft, und der Abstand zur Atmung in Ruhe ist die Reservekapazität (Zelle; Brand und Nicholls 2011). In Blutzellen von Menschen mit ME/CFS war genau diese Reserve kleiner als bei Gesunden (Mensch; Tomas und Kollegen 2017). Das passt zu dem, was viele erleben: In Ruhe geht es, unter Last bricht es ein.

Warum die Reserve schrumpft, ist offen. Ein Modell sagt: Mitochondrien sind Sensor und Effektor. Sie lesen Signale von Immunsystem, Nervensystem und Stoffwechsel, und wenn sie Gefahr lesen, fahren sie die Energiebildung herunter und schalten auf Schutz, in der Forschung Cell Danger Response (Modell nach Naviaux; Naviaux 2014). Dann ist das Kraftwerk nicht kaputt. Es hält Wasser zurück. Mehr zu Aufbau und Funktion im Überblick Mitochondrien.

Lange galt Erschöpfung ohne auffällige Blutwerte als schwer greifbar. Seit einigen Jahren messen Forschungsgruppen Stoffwechselprodukte im Blut und die Atmung von Blutzellen direkt. Bei ME/CFS finden sie Muster, die zu einem gedrosselten Energiestoffwechsel passen, aber noch keinen Test für den Alltag. Dieser Beitrag erklärt die Biochemie dahinter: wie ATP entsteht, wie ihre Reserve gemessen wird und was die Befunde bedeuten.

Wie ATP in den Mitochondrien entsteht

ATP, Adenosintriphosphat, ist die Energiewährung jeder Zelle. Den größten Teil davon bilden die Mitochondrien über die Atmungskette, in der Fachsprache Elektronentransportkette. Sie besteht aus fünf Komplexen in der inneren Membran (Zelle):

Komplex I nimmt Elektronen von NADH an und gibt sie an Coenzym Q10 weiter. Er braucht Eisen-Schwefel-Zentren und FMN, eine Form von Riboflavin (Vitamin B2), und pumpt dabei Protonen über die Membran.

Komplex II nimmt Elektronen von FADH2 aus dem Citratzyklus an und gibt sie ebenfalls an Q10. Er pumpt keine Protonen.

Komplex III reicht die Elektronen von Q10 an Cytochrom c weiter und pumpt Protonen. Er braucht Eisen.

Komplex IV gibt die Elektronen an Sauerstoff ab, es entsteht Wasser. Er braucht Kupfer und Eisen und pumpt ebenfalls Protonen.

Komplex V, die ATP-Synthase, ist die Turbine. Die Protonen strömen durch sie zurück und treiben die Bildung von ATP an. Magnesium bindet ATP und macht es nutzbar.

So entsteht an der inneren Membran eine Spannung, der Protonengradient. Aus einem Glukosemolekül gewinnt die Zelle so etwa 30 bis 32 ATP, über die Glykolyse allein nur 2 (Lehrbuchwissen).

FCCP: wie die Forschung die Reserve der Mitochondrien misst

Mitochondrien arbeiten im Alltag nicht auf Anschlag. Sie halten eine Reserve für den Moment, in dem du die Treppe nimmst, ein Infekt kommt oder der Tag lang wird. Diese Reserve heißt in der Forschung Reservekapazität, englisch spare respiratory capacity.

Gemessen wird sie an lebenden Zellen, die in einer Messkammer atmen. Nacheinander kommen drei Stoffe hinzu (Zelle; Brand und Nicholls 2011):

  1. Oligomycin blockiert die ATP-Synthase. Was dann noch an Atmung bleibt, ist das Protonenleck, also Protonen, die ohne ATP zurückfließen.
  2. FCCP ist ein Entkoppler. Der Stoff macht die innere Membran durchlässig für Protonen, die Staumauer wird undicht. Die Atmungskette läuft dann so schnell, wie sie kann. Das ist die maximale Atmung.
  3. Rotenon und Antimycin A schalten die Atmungskette ab. Was bleibt, ist Sauerstoffverbrauch außerhalb der Mitochondrien.

Die Reservekapazität ist der Abstand zwischen maximaler Atmung nach FCCP und Atmung in Ruhe. FCCP ist ein Werkzeug für Zellen im Labor, kein Mittel für Menschen: Ein entkoppeltes Kraftwerk setzt seine Energie als Wärme frei statt als ATP. Dein Körper nutzt dieses Prinzip gezielt im braunen Fettgewebe. Dort lässt das Protein UCP1 Protonen zurückfließen, und es entsteht Wärme (Zelle, Tier; Nicholls 2021).

Tomas und Kollegen (2017) haben auf diese Weise Blutzellen von Menschen mit ME/CFS und von Gesunden gemessen. Bei ME/CFS waren die maximale Atmung und die Reservekapazität kleiner (Mensch, Fall-Kontroll-Studie). Das passt zu dem, was viele Betroffene beschreiben: In Ruhe geht es, unter Last bricht es ein.

Beta-Oxidation: Fettsäuren als Brennstoff

Neben Zucker verbrennen die Mitochondrien Fett. Herz, Skelettmuskeln und Leber decken einen großen Teil ihres Bedarfs aus Fettsäuren. Den Abbau übernimmt die Beta-Oxidation (Zelle):

  1. Aktivierung: Im Zellplasma wird die Fettsäure an Coenzym A gehängt.
  2. Carnitin-Shuttle: Langkettige Fettsäuren gelangen nur gebunden an Carnitin, als Acylcarnitine, durch die innere Membran.
  3. Vier Schritte je Runde: In der Matrix wird die Fettsäure in jeder Runde um zwei Kohlenstoffatome gekürzt. Jede Runde liefert ein NADH, ein FADH2 und ein Acetyl-CoA.
  4. Weiter in die Atmungskette: Acetyl-CoA geht in den Citratzyklus, NADH und FADH2 geben ihre Elektronen an die Atmungskette ab.

Eine Fettsäure mit 18 Kohlenstoffatomen, die Stearinsäure, liefert so rund 120 ATP, ein Glukosemolekül etwa 30 bis 32 (Lehrbuchwissen). Wie gut der Körper zwischen Zucker und Fett wechselt, heißt metabolische Flexibilität. Sie hängt davon ab, ob die Atmungskette die Elektronen auch abnehmen kann: Staut es sich dort, wird die Beta-Oxidation langsamer, obwohl Fett da ist (Zelle).

Was Naviaux 2016 bei ME/CFS gemessen hat

Naviaux und Kollegen (2016) maßen bei 45 Menschen mit ME/CFS und 39 Gesunden 612 Stoffwechselprodukte aus 63 Stoffwechselwegen im Blut. 20 dieser Wege waren verändert, und 80 Prozent der auffälligen Stoffwechselprodukte lagen niedriger als bei den Gesunden (Mensch, Fall-Kontroll-Studie).

Betroffen waren unter anderem Sphingolipide und Phospholipide, also Bausteine von Zellmembranen, der Purinstoffwechsel, zu dem auch die Bausteine von ATP gehören, Cholesterin, Riboflavin, verzweigtkettige Aminosäuren und der Stoffwechsel von Mitochondrien und Peroxisomen. Das Team nennt das ein hypometabolisches Muster, einen heruntergefahrenen Stoffwechsel. Es vergleicht ihn mit dem Dauerzustand, den Fadenwürmer bei Umweltstress einnehmen: Sie sparen Energie, bis die Bedingungen wieder sicher sind.

Naviaux deutet das als Cell Danger Response, eine Schutzantwort der Zellen: Lesen sie Gefahr, etwa durch Infektion, Gifte oder Dauerstress, fahren sie Energiebildung und Austausch herunter. Akut schützt das. Bleibt die Antwort stehen, weil das Signal zur Entwarnung ausbleibt, wird aus dem Schutz ein Dauerzustand (Modell nach Naviaux; Naviaux 2014). Was die Studie im Einzelnen zeigt und was offen bleibt, erklärt das Forschungsupdate zu Naviaux 2016, den Schutzmodus das Glossar Cell Danger Response.

Oxidativer Stress: wie sich ein Kreislauf schließen kann

Morris und Maes (2013) beschreiben ein Modell, in dem bei ME/CFS Immunaktivierung, oxidativer Stress und gestörte Mitochondrien zusammenwirken (Modell nach Morris und Maes).

Oxidativer Stress: In der Atmungskette entstehen als Nebenprodukt reaktive Sauerstoffverbindungen. In kleinen Mengen sind sie Signale, Glutathion und andere Schutzsysteme fangen sie ab. Überwiegen sie, schädigen sie Membranen und Enzyme (Zelle).

Nitrosativer Stress: Bei Immunaktivierung bilden Abwehrzellen Stickstoffmonoxid. Es reagiert mit Superoxid zu Peroxynitrit, das Komplexe der Atmungskette hemmen kann (Zelle).

Der Kreislauf im Modell: Gehemmte Mitochondrien bilden mehr reaktive Sauerstoffverbindungen, diese hemmen die Mitochondrien weiter, und die Zelle weicht stärker auf die Glykolyse aus, die weniger ATP liefert (Modell nach Morris und Maes). Ob und wie oft dieser Kreislauf beim einzelnen Menschen läuft, lässt sich im Alltag nicht messen. Wie Stress, Entzündung und Umweltgifte die ATP-Produktion drosseln, ordnet der Beitrag ATP in den Mitochondrien ein.

Cofaktoren: wo die Kette Bausteine braucht

Jeder Schritt der Energiebildung braucht bestimmte Bausteine. Fehlt einer nachweislich, kann er die Kette begrenzen (Zelle):

  • Coenzym Q10 bringt die Elektronen von Komplex I und II zu Komplex III. Der Körper bildet es selbst, über denselben Weg wie Cholesterin. Statine, die diesen Weg hemmen, senken darum auch Q10. Ob das bei dir eine Rolle spielt, besprichst du mit deiner Ärztin; eine Umstellung der Medikamente gehört in ihre Hände.
  • Eisen steckt in den Eisen-Schwefel-Zentren von Komplex I bis III und in den Cytochromen. Bei Frauen mit unerklärter Müdigkeit ohne Blutarmut verringerte Eisen die Müdigkeit stärker als Placebo, vor allem bei niedrigem Ferritin (Mensch, randomisierte Studie; Verdon und Kollegen 2003). Mehr dazu im Beitrag Eisenmangel bei Müdigkeit.
  • Thiamin (Vitamin B1) braucht die Pyruvatdehydrogenase, die Brücke vom Zucker in den Citratzyklus.
  • Riboflavin (Vitamin B2) ist die Vorstufe von FAD und FMN in Komplex I und II und in der Beta-Oxidation.
  • Niacin (Vitamin B3) ist die Vorstufe von NAD, das die Elektronen zu Komplex I bringt.
  • Magnesium bindet ATP und macht es für die Zelle nutzbar.

Diese Liste beschreibt, wo die Biochemie Bausteine braucht. Sie sagt nicht, dass bei Müdigkeit einer davon fehlt. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt erst die Abklärung bei deiner Ärztin.

Praxisrelevanz

Für dich heißt das dreierlei. Erstens: Unauffällige Routinewerte schließen eine biologische Seite deiner Erschöpfung nicht aus, denn diese Reserve misst kein Routinelabor. Zweitens: Was das Routinelabor findet, kommt zuerst. Eisenmangel, eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Vitamin-B12-Mangel oder eine Blutarmut sind häufig und gut behandelbar; ihre Abklärung übernimmt deine Ärztin. Drittens: Wenn deine Energie unter Last einbricht und Tage braucht, um zurückzukommen, ist das eine Beobachtung fürs Arztgespräch. Bei ME/CFS heißt sie Belastungsintoleranz, und Antreiben ist dann nicht der naheliegende Weg; mehr dazu im Überblick zu ME/CFS.

Die Atmungsmessung an Blutzellen, die Metabolomik nach Naviaux und das Acylcarnitin-Profil sind bei Erschöpfung Forschungsinstrumente. Sie zeigen Unterschiede zwischen Gruppen, aber sie stellen beim einzelnen Menschen keine Diagnose. Echte Mitochondrienerkrankungen durch Genveränderungen sind selten; ihre Diagnostik gehört in eine spezialisierte Ambulanz.

zum Merken
Müdigkeit zeigt sich oft nicht in Ruhe, sondern unter Last. Deine Mitochondrien halten Reserve zurück, wenn sie Gefahr lesen.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du wissen möchtest, wie es um deine Reserve steht, kannst du eine Woche lang auf drei Dinge achten:

Wie geht es dir am Tag nach einer Anstrengung, körperlich oder geistig: erholt, gleich, oder schlechter als davor?

Welche Tageszeit ist deine stärkste, und was ging ihr voraus: Schlaf, Essen, Licht, Ruhe?

Bei welcher Belastung kippt es, und spürst du den Punkt schon, bevor er kommt?

Solche Notizen machen sichtbar, wie viel Reserve dir gerade zur Verfügung steht, und sie geben dem Gespräch mit deiner Ärztin eine Grundlage. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Biochemie von Atmungskette und Beta-Oxidation ist Lehrbuchwissen. Die Befunde bei Erschöpfung stammen dagegen aus kleinen Fall-Kontroll-Studien mit einer einzigen Messung: Naviaux und Kollegen untersuchten 84 Menschen, Tomas und Kollegen die Blutzellen von rund 40 Menschen mit ME/CFS und nur 12 bis 16 Gesunden. Solche Studien zeigen Unterschiede, aber nicht, ob die gedrosselte Energiebildung Ursache oder Folge der Erschöpfung ist; auch weniger Bewegung verändert Mitochondrien. Blutzellen sind nicht Muskel oder Gehirn. Spätere Studien fanden Auffälligkeiten, aber kein einheitliches Muster. Die Deutung als Schutzantwort ist ein Modell nach Naviaux, der Kreislauf aus oxidativem Stress ein Modell nach Morris und Maes. Studien, die zeigen, dass eine bestimmte Maßnahme die Reservekapazität bei Erschöpfung wiederherstellt, fehlen.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Nach Anstrengung bin ich tagelang platt: Belastungsintoleranz, Post-Exertional Malaise (PEM)
  • Meine Zellkraftwerke haben keine Reserve: mitochondriale Reservekapazität (spare respiratory capacity)
  • Meine Zellen machen zu wenig Energie: mitochondriale Dysfunktion, oxidative Phosphorylierung
  • Mein Eisenspeicher ist niedrig, aber kein Blutmangel: Ferritin, Eisenmangel ohne Anämie
  • Mein Körper steckt im Schutzmodus: Cell Danger Response (Modell nach Naviaux)
  • Fett wird schlecht verbrannt: Beta-Oxidation, Acylcarnitin-Profil
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (4)

Sind meine Mitochondrien kaputt?

Meist nicht. Echte Mitochondrienerkrankungen durch Genveränderungen sind selten und gehören in eine spezialisierte Ambulanz. Bei Erschöpfung zeigen die Studien eher eine kleinere Reserve und einen gedrosselten Stoffwechsel als einen Defekt (Mensch; Tomas und Kollegen 2017, Naviaux und Kollegen 2016). Im Modell nach Naviaux ist das ein Schutzmodus, kein Verschleiß.

Was ist FCCP, und was hat es mit Mitochondrien zu tun?

FCCP ist ein Entkoppler, ein Laborstoff, der die innere Membran der Mitochondrien für Protonen durchlässig macht. Die Atmungskette läuft dann mit voller Kraft, ohne ATP zu bilden. Forschende nutzen das, um die maximale Atmung und damit ihre Reserve zu messen (Zelle; Brand und Nicholls 2011). Für Menschen ist FCCP kein Mittel, denn die Energie ginge als Wärme verloren.

Warum kann Eisen bei Müdigkeit eine Rolle spielen, auch ohne Blutarmut?

Eisen steckt nicht nur im Hämoglobin, sondern auch in den Eisen-Schwefel-Zentren und Cytochromen der Atmungskette. Bei Frauen mit unerklärter Müdigkeit ohne Blutarmut verringerte Eisen die Müdigkeit stärker als Placebo, vor allem bei niedrigem Ferritin (Mensch, randomisierte Studie; Verdon und Kollegen 2003). Ob ein Mangel vorliegt, zeigt Ferritin, das deine Ärztin bestimmt; bei einer Entzündung kann Ferritin einen Mangel verdecken.

Kann man Mitochondrien mit Nahrungsergänzung reparieren?

Q10, B-Vitamine, Eisen und Magnesium sind Bausteine der Energiebildung. Fehlt einer davon nachweislich, kann der Ausgleich die Kette entlasten, wie die Eisenstudie von Verdon und Kollegen (2003) bei niedrigem Ferritin zeigt (Mensch). Drosseln die Mitochondrien aber, weil sie Gefahr lesen, ändert ein Baustein an diesem Signal wenig (Modell nach Naviaux). Studien, die bei Erschöpfung ohne Mangel einen klaren Nutzen zeigen, fehlen weitgehend.
Quellen (4)
  • Metabolic features of chronic fatigue syndrome
    Naviaux R.K., Naviaux J.C., Li K. et al. – Proceedings of the National Academy of Sciences (2016) DOI: 10.1073/pnas.1607571113
  • A neuro-immune model of Myalgic Encephalomyelitis/Chronic fatigue syndrome
    Morris G., Maes M. – Metabolic Brain Disease (2013) DOI: 10.1007/s11011-012-9324-8
  • Iron supplementation for unexplained fatigue in non-anaemic women: double blind randomised placebo controlled trial
    Verdon F., Burnand B., Stubi C.L.F., Bonard C., Graff M., Michaud A., Bischoff T., de Vevey M., Studer J.P., Herzig L., Chapuis C., Tissot J.D., Pécoud A., Favrat B. – BMJ (2003) DOI: 10.1136/bmj.326.7399.1124
  • Toward a System for Chronic Health
    Keferstein, G.; Wesseling, C.; Höhfeld, D.; Sauren, J.; Walde, D.; Hoffmann, L.; Wilting, R.; Stenzel, J. – Preprints (2025) DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v2

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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