Vitamin B1 (Thiamin) bei Müdigkeit
Thiamin ist der Schlüssel-Cofaktor für den Pyruvatdehydrogenase-Komplex (PDH) und die Alpha-Ketoglutarat-Dehydrogenase im Citratzyklus. Ohne ausreichend B1 wird Pyruvat nicht in Acetyl-CoA umgewandelt, die mitochondriale ATP-Produktion sinkt drastisch, und Laktat akkumuliert. Naviaux et al. (2016) beschrieben in PNAS das metabolische Profil von CFS-Patienten als 'Dauer-Hypometabolismus' – eine Art zellulärer Winterschlaf, bei dem die Mitochondrien ihre Leistung drosseln. Morris & Maes (2013) identifizierten mitochondriale Dysfunktion als zentrale Achse bei ME/CFS. Ein subklinischer B1-Mangel wird häufig übersehen, weil er nicht die klassische Beriberi verursacht, aber ausreicht, um die mitochondriale Effizienz messbar zu reduzieren.
Vielversprechende frühe Ergebnisse, größere Studien stehen aus.
Thiamin ist der Schlüssel-Cofaktor für den Pyruvatdehydrogenase-Komplex (PDH) und die Alpha-Ketoglutarat-Dehydrogenase im Citratzyklus. Ohne ausreichend B1 wird Pyruvat nicht in Acetyl-CoA umgewandelt, die mitochondriale ATP-Produktion sinkt drastisch, und Laktat akkumuliert. Naviaux et al. (2016) beschrieben in PNAS das metabolische Profil von CFS-Patienten als 'Dauer-Hypometabolismus' – eine Art zellulärer Winterschlaf, bei dem die Mitochondrien ihre Leistung drosseln. Morris & Maes (2013) identifizierten mitochondriale Dysfunktion als zentrale Achse bei ME/CFS. Ein subklinischer B1-Mangel wird häufig übersehen, weil er nicht die klassische Beriberi verursacht, aber ausreicht, um die mitochondriale Effizienz messbar zu reduzieren.
— Die MOJO Perspektive
Thiamin ist ein Paradebeispiel für das Konzept der Regenerationsmedizin: Ein einzelner Mikronährstoff sitzt am Nadelöhr des gesamten Energiestoffwechsels. Die MOJO Analyse identifiziert solche metabolischen Engstellen systematisch – nicht als isolierten Nährstoffmangel, sondern im Kontext der drei Regulationssysteme: Stoffwechsel (mitochondriale ATP-Produktion), Nervensystem (Thiamin-abhängige Neurotransmitter-Synthese) und Immunsystem (oxidativer Stress bei B1-Mangel). Keferstein et al. (2025) beschreiben diesen systemischen Ansatz als Kern der regenerativen Medizin.
Wirkung & Mechanismus
Thiamin wirkt an drei Schlüsselstellen des Energiestoffwechsels: (1) Pyruvatdehydrogenase-Komplex (PDH): Thiaminpyrophosphat (TPP) ist der essenzielle Cofaktor für die oxidative Decarboxylierung von Pyruvat zu Acetyl-CoA. Ohne diesen Schritt kann Pyruvat nicht in den Citratzyklus eingespeist werden – die aerobe ATP-Produktion bricht zusammen, und Pyruvat wird stattdessen zu Laktat reduziert. Das erklärt die bei vielen Müdigkeitspatienten erhöhten Laktatspiegel. (2) Alpha-Ketoglutarat-Dehydrogenase: Ein weiteres TPP-abhängiges Enzym im Citratzyklus selbst. Bei B1-Mangel wird der Citratzyklus an zwei Stellen gleichzeitig blockiert. (3) Transketolase im Pentosephosphatweg: Dieser Weg liefert NADPH für antioxidative Verteidigung und Ribose-5-Phosphat für die DNA/RNA-Synthese. B1-Mangel schwächt damit auch die zelluläre Regeneration. Naviaux et al. (2016) beschrieben, dass CFS-Patienten ein metabolisches Profil aufweisen, das einer 'Dauer-Hypometabolismus-Antwort' ähnelt – die Zellen drosseln ihre Energieproduktion als Schutzreaktion. Morris & Maes (2013) zeigten, dass oxidativer und nitrosativer Stress die mitochondrialen Enzyme zusätzlich hemmen – ein B1-Mangel verschärft diesen Teufelskreis.
Was sagt die Forschung
Naviaux et al. (2016) publizierten in PNAS eine metabolomische Studie an 45 CFS-Patienten und 39 Kontrollen: Die Ergebnisse zeigten Störungen in über 20 metabolischen Pathways, darunter zentrale Veränderungen im mitochondrialen Stoffwechsel, der Fettsäure-Oxidation und dem Purinstoffwechsel. Die Autoren beschrieben den Zustand als 'cell danger response' – eine evolutionär konservierte Schutzreaktion. Morris & Maes (2013) publizierten einen umfassenden Review in Metabolic Brain Disease, der die neuro-immunologischen und metabolischen Grundlagen von ME/CFS zusammenfasst: mitochondriale Dysfunktion, oxidativer Stress und Immunaktivierung als konvergierende Pathomechanismen. Cadegiani & Kater (2016) beschrieben in ihrem Review, dass Patienten mit chronischer Müdigkeit häufig multiple Nährstoffdefizite aufweisen – B-Vitamine eingeschlossen. Die spezifische klinische Evidenz für B1-Supplementierung bei chronischer Müdigkeit ist begrenzt, die biochemische Rationale jedoch stark.
Das Wichtigste in Kürze
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Konkret umsetzen
ETKA statt Serum-B1 bestimmen
Der Erythrozyten-Transketolase-Aktivierungskoeffizient (ETKA) wird in der Fachliteratur als sensitiverer Marker für den funktionellen B1-Status beschrieben als der Serum-B1-Spiegel.
Risikogruppen kennen
Hoher Kohlenhydratverbrauch, Alkohol, Protonenpumpenhemmer (PPI) und chronischer Stress werden in der Fachliteratur als Risikofaktoren für einen erhöhten B1-Bedarf beschrieben.
Benfotiamin als Alternative kennen
Benfotiamin ist eine fettlösliche Thiamin-Vorstufe mit in Studien höherer Bioverfügbarkeit. Dosierungen von 150–300 mg werden in der Fachliteratur beschrieben.
— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Häufige Fragen
Kann ein B1-Mangel auch bei normaler Ernährung auftreten?
Was ist der Unterschied zwischen Thiamin und Benfotiamin?
Wie hängt B1-Mangel mit erhöhten Laktatwerten zusammen?
Quellen & Referenzen
- Metabolic features of chronic fatigue syndromeNaviaux R.K., Naviaux J.C., Li K. et al. – Proceedings of the National Academy of Sciences (2016) DOI: 10.1073/pnas.1607571113
- A neuro-immune model of Myalgic Encephalomyelitis/Chronic fatigue syndrome
- Adrenal fatigue does not exist: a systematic review
- Regenerative Medicine: A System for Chronic HealthKeferstein G, Wesseling C, Höhfeld D et al. – Preprints.org (2025) DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v1
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
Unser Evidenzverständnis lesen
Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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