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Glossar · Therapien & Interventionen

Vitamin B1 (Thiamin)

Auch: Thiamin · Vitamin B-1 · Aneurin · Thiamine
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Definition

Vitamin B1 (Thiamin) Vitamin B1 (Thiamin) ist ein wasserlösliches Vitamin, dessen aktive Form Thiaminpyrophosphat (TPP) als Cofaktor in drei Schlüsselenzymen des Energiestoffwechsels fungiert: der Pyruvatdehydrogenase (PDH), der α-Ketoglutarat-Dehydrogenase und der Transketolase. Es ist damit unverzichtbar für die Umwandlung von Glukose in mitochondriale Energie.

Im Detail

Thiamin wird im Dünndarm über den Thiamintransporter THTR-1 und THTR-2 aufgenommen und in der Leber durch die Thiaminpyrophosphokinase zu Thiaminpyrophosphat (TPP) aktiviert.

Die drei TPP-abhängigen Schlüsselenzyme:

  • Pyruvatdehydrogenase (PDH): Katalysiert die oxidative Decarboxylierung von Pyruvat zu Acetyl-CoA - die zentrale Schnittstelle zwischen Glykolyse (Zytoplasma) und Citratzyklus (Mitochondrien). Ohne diesen Schritt kann Glukose nicht aerob verstoffwechselt werden.
  • α-Ketoglutarat-Dehydrogenase: Ein Schlüsselenzym des Citratzyklus, das α-Ketoglutarat zu Succinyl-CoA umwandelt. Bestimmt die Geschwindigkeit des Citratzyklus.
  • Transketolase: Zentrales Enzym des Pentosephosphatwegs, der NADPH (für antioxidative Verteidigung) und Ribose-5-Phosphat (für Nukleotidsynthese) liefert.

Klinische Bedeutung:
Schwerer Thiaminmangel manifestiert sich als Beriberi (kardiovaskulär: wet beriberi; neurologisch: dry beriberi) oder als Wernicke-Enzephalopathie (akute neurologische Krise mit Verwirrtheit, Ataxie und Augenbewegungsstörungen). Subklinischer Mangel ist häufiger und kann sich als Fatigue, kognitive Beeinträchtigung und Laktatazidose äußern.

In der CFS/ME-Forschung hat Thiamin besonderes Interesse geweckt: Eine gestörte PDH-Funktion führt dazu, dass Pyruvat nicht in Acetyl-CoA umgewandelt wird, sondern zu Laktat reduziert wird - ein Muster, das bei CFS/ME-Patienten beobachtet wurde. Das resultierende Bild ähnelt einer funktionellen mitochondrialen Dysfunktion.

Thiamin wird durch Alkohol (hemmt Absorption und Phosphorylierung), Tee und Kaffee (Thiaminasen), bestimmte Fische (roher Fisch enthält Thiaminasen) und Schleifendiuretika (renale Ausscheidung) depletiert.

— Die MOJO Perspektive

In der Regenerationsmedizin ist Thiamin ein Schlüssel-Cofaktor, weil es den Energiefluss von Glukose in die Mitochondrien steuert. Das Konzept: Viele Symptome chronischer Erschöpfung ähneln einem funktionellen Thiaminmangel - nicht weil kein Thiamin vorhanden ist, sondern weil der Bedarf bei mitochondrialer Dysfunktion erhöht sein kann. Die PDH als Engpass ist ein zentrales Element der bioenergetischen Diagnostik.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Thiamin (als TPP) ist Cofaktor der Pyruvatdehydrogenase - dem Tor zur mitochondrialen Energieproduktion aus Glukose.
  • 2Bei Mangel staut sich Pyruvat und wird zu Laktat - ein Muster, das bei CFS/ME-Patienten beobachtet wurde.
  • 3Benfotiamin ist eine fettlösliche Prodrug mit deutlich höherer Bioverfügbarkeit als Thiamin-HCl.
  • 4Alkohol, PPIs, Schleifendiuretika und Thiaminasen in rohem Fisch depletieren den Thiaminspeicher.

— Erkennen · Verstehen · Verändern

Erkennen

Wenn eine ausgeprägte Fatigue vorliegt, die sich bei körperlicher Belastung verschlechtert, und wenn gleichzeitig erhöhte Laktatwerte gemessen werden, kann ein unzureichender Thiaminstatus ein relevanter Faktor sein. Besonders bei Alkoholkonsum, Diuretika-Einnahme oder einseitiger Ernährung ist das Risiko erhöht.

Verstehen

Thiamin sitzt an einer der kritischsten Schaltstellen des Energiestoffwechsels: dem Übergang von Glukose zu mitochondrialer Energie. Wenn die PDH nicht ausreichend funktioniert, staut sich Pyruvat und wird zu Laktat umgewandelt - der Körper fällt auf die ineffiziente anaerobe Energiegewinnung zurück, obwohl Sauerstoff verfügbar ist. Das Ergebnis: weniger ATP, mehr Laktat, mehr Fatigue.

Verändern

In der CFS/ME-Forschung wurden Thiamindosierungen von 100 mg bis zu 1.500 - 3.000 mg pro Tag untersucht (weit über dem RDA von 1,1 - 1,2 mg). Benfotiamin, eine fettlösliche Thiamin-Prodrug, zeigte in Studien eine 5-fach höhere Bioverfügbarkeit als wasserlösliches Thiamin-HCl. Sulbutiamin, eine weitere lipophile Variante, wurde auf die Fähigkeit untersucht, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Die Erythrozyten-Transketolase-Aktivität (ETKA) wird als funktioneller Marker des Thiaminstatus eingesetzt - ein TPP-Effekt > 25 % deutet auf einen funktionellen Mangel hin.

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