Eisen
Eisen — Eisen (Fe) ist ein essenzielles Spurenelement und zentraler Bestandteil von Hämoglobin (Sauerstofftransport), Myoglobin (Sauerstoffspeicher in Muskeln) und Eisen-Schwefel-Clustern in der mitochondrialen Atmungskette. Es ist eines der wenigen Spurenelemente, bei denen sowohl Mangel als auch Überladung pathologisch sind - was eine präzise Regulation über das Hepcidin-Ferroportin-System erfordert.
Der menschliche Körper enthält etwa 3 - 5 g Eisen, wovon der Großteil (ca. 65 %) im Hämoglobin gebunden ist, 10 % in Myoglobin und Enzymen und der Rest als Speichereisen (Ferritin und Hämosiderin) in Leber, Milz und Knochenmark vorliegt.
Eisen in der Atmungskette: Eisen-Schwefel-Cluster (Fe-S-Cluster) sind prosthetische Gruppen in Komplex I, II und III der Atmungskette. Cytochrom c enthält ein Häm-Eisen, und Komplex IV (Cytochrom-c-Oxidase) enthält zwei Häm-Gruppen und zwei Kupferzentren. Ohne Eisen ist keine oxidative Phosphorylierung möglich.
Hepcidin-Ferroportin-System: Der Körper hat keinen aktiven Ausscheidungsmechanismus für Eisen - die Regulation erfolgt über die Absorption. Hepcidin, ein von der Leber produziertes Peptidhormon, ist der zentrale Regulator:
- Hohe Eisenspeicher -> hohes Hepcidin: Hepcidin bindet an Ferroportin (den einzigen Eisen-Exportkanal auf Enterozyten und Makrophagen) und führt zu dessen Internalisierung -> Eisenabsorption sinkt.
- Niedrige Eisenspeicher -> niedriges Hepcidin: Ferroportin bleibt aktiv -> Eisenabsorption steigt.
- Entzündung -> hohes Hepcidin (via IL-6): Dies erklärt die Eisensequestration bei chronischer Entzündung (Anemia of Chronic Disease) - Eisen wird in Makrophagen 'eingesperrt' und steht der Erythropoese nicht zur Verfügung.
Eisenmangel: Eisenmangel ist der weltweit häufigste Nährstoffmangel (ca. 25 % der Weltbevölkerung). Er manifestiert sich in drei Stadien:
- Speicherentleerung: Ferritin sinkt, aber Hämoglobin und Transferrinsättigung noch normal.
- Eisendefiziente Erythropoese: Transferrinsättigung sinkt (< 20 %), löslicher Transferrinrezeptor steigt.
- Eisenmangelanämie: Hämoglobin sinkt, mikrozytäre hypochrome Erythrozyten.
Symptome: Fatigue, Belastungsintoleranz, Blässe, Tachykardie, Haarausfall, brüchige Nägel, Restless-Legs-Syndrom, Pica (Verlangen nach ungewöhnlichen Substanzen).
Eisenüberladung: Ebenso problematisch: Freies Eisen katalysiert die Fenton-Reaktion (Fe²' + H'O' -> Fe³' + OH' + OH') und erzeugt hochreaktive Hydroxylradikale. Eisenüberladung (Hämochromatose, wiederholte Transfusionen) führt zu oxidativem Gewebeschaden in Leber, Herz, Pankreas und Gelenken.
— Die MOJO Perspektive
Eisen ist in der Regenerationsmedizin ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit systemischer Diagnostik: Ein normales Ferritin schließt einen funktionellen Eisenmangel nicht aus (Entzündungs-Ferritin), und ein niedriges Ferritin bedeutet nicht automatisch, dass die Lösung in einer Supplementierung liegt (die Ursache kann in erhöhtem Hepcidin bei chronischer Entzündung liegen). Die Betrachtung des gesamten Eisenstoffwechsels - inklusive Entzündungsmarkern und Hepcidin - ist daher Standard in der regenerationsmedizinischen Diagnostik.
Das Wichtigste in Kürze
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— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern

Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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