MOJO LogoMOJO

Fachbeitrag · Symptome & Beschwerden

Vegetatives Nervensystem und Herzrhythmusstörungen: Gas und Bremse

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Der Sympathikus beschleunigt das Herz über Noradrenalin, der Vagusnerv bremst es über Acetylcholin; in Ruhe überwiegt beim gesunden Menschen die Bremse (Mensch).
  • Eine niedrige Herzratenvariabilität zeigt eine schwächere Vagusbremse und geht mit weniger Aktivität im dämpfenden Stirnhirn einher (Mensch, Metaanalyse; Thayer und Kollegen 2012).
  • Dauerstress verschiebt die Balance in Richtung Sympathikus, Herzrasen und Extraschläge ohne Befund am Herzen werden dann häufiger (Modell der allostatischen Last nach McEwen 2007).

„Mein Herz rast und stolpert, aber das EKG ist unauffällig. Kann das vegetative Nervensystem dahinterstecken?“

Du kennst das vielleicht: In stressigen Wochen pocht das Herz bis zum Hals, abends im Bett stolpert es, beim Aufstehen springt der Puls. Das EKG ist unauffällig, und es fällt der Satz: „Das ist vegetativ.“ Das klingt nach nichts Greifbarem.

Die mechanische Sicht sagt: Das Herz ist eine Pumpe mit elektrischem Taktgeber. EKG, Langzeit-EKG und Ultraschall finden Rhythmusstörungen, Klappenfehler und verengte Gefäße, und wo etwas defekt ist, wird es behandelt. Das ist der erste und wichtigste Schritt. Und trotzdem: Wenn die Pumpe intakt ist, wer bestimmt dann ihren Takt?

Die energetische Sicht sagt: Das Herz zeigt, wie es dir geht. Druck, Sorge und Anspannung schlagen aufs Herz, Ruhe und Atem lassen es ruhiger werden. Sie spürt richtig, dass das Erleben bis in den Herzschlag reicht. Und trotzdem: Über welche Leitung kommt eine Sorge beim Herzen an?

Die biologische Sicht verbindet beides: Das vegetative Nervensystem ist diese Leitung. Es stellt den Takt des Herzens Schlag für Schlag ein, und wie gut es das tut, lässt sich messen.

Oft heißt es: „Das ist psychisch überlagert.“ Vegetative Herzrhythmusstörungen sind nicht eingebildet. Das Nervensystem stellt den Takt des Herzens ein, und wie gut es bremst, lässt sich messen.

Was im Körper passiert

Stell dir das Herz wie ein Fahrrad am Hang vor. Sein Taktgeber, der Sinusknoten, würde allein etwa 100 Mal pro Minute schlagen. Dass dein Ruhepuls darunter liegt, verdankst du einer ständig leicht gezogenen Bremse: dem Vagusnerv, dem wichtigsten Nerv des Parasympathikus (Mensch, Lehrbuchwissen der Physiologie).

Das Gaspedal ist der Sympathikus. Er beschleunigt über Noradrenalin den Takt und macht jeden Schlag kräftiger. Meldet dein Gehirn Gefahr, lässt es zuerst die Bremse los und gibt dann Gas. Wozu? Wer ausweichen oder sich wehren muss, braucht sofort mehr Blut in den Muskeln.

Wie fest die Bremse greift, entscheidet nicht das Herz, sondern das Gehirn. Thayer und Kollegen (2012) fassten Bildgebungsstudien zusammen: Eine höhere Herzratenvariabilität ging mit mehr Aktivität in Teilen des Stirnhirns einher, die Alarmzentren wie die Amygdala dämpfen (Mensch, Metaanalyse). Hält Stress über Monate an, verschiebt sich die Einstellung: Die Bremse bleibt lockerer, das Gas ist leichter gedrückt (Modell der allostatischen Last nach McEwen 2007). Dann reichen kleine Reize wie Kaffee, Aufstehen oder ein Gedanke für einen großen Sprung.

Diese Einstellung ist keine feste Eigenschaft. Dein Körper lernt, was er wiederholt erlebt: Alarm ebenso wie Ruhe.

Viele Menschen mit Herzrasen oder Herzstolpern hören nach EKG und Ultraschall: „Ihr Herz ist gesund.“ Das ist eine gute Nachricht und lässt trotzdem eine Frage offen: Warum schlägt es dann so?

Die Forschung zur Verbindung von Gehirn und Herz hat gezeigt, wie eng Stressverarbeitung, Nervensystem und Herzrhythmus zusammenhängen. Die Herzratenvariabilität, kurz HRV, macht diese Verbindung messbar, und sie lässt sich heute mit einem Brustgurt im Alltag verfolgen.

Sympathikus und Parasympathikus am Herzen: Gas und Bremse

Das Herz besitzt einen eigenen Schrittmacher, den Sinusknoten. Wie schnell er schlägt, stellt das vegetative Nervensystem ständig nach. Zwei Äste wirken dabei gegeneinander:

Sympathikus, das Gas: Er beschleunigt den Herzschlag, macht ihn kräftiger und die Weiterleitung im Herzen schneller. Sein Botenstoff Noradrenalin wirkt über Beta-1-Rezeptoren am Sinusknoten und am Herzmuskel.

Parasympathikus, die Bremse: Er verlangsamt den Herzschlag über den Vagusnerv. Sein Botenstoff Acetylcholin wirkt am Sinusknoten. Der Vagus bremst dauerhaft ein wenig, Fachleute sprechen vom Vagustonus. Ohne ihn läge der Ruhepuls bei etwa 100 Schlägen pro Minute (Mensch, Lehrbuchwissen der Physiologie).

Geregelt wird diese Balance nicht am Herzen, sondern im Gehirn. Teile des Stirnhirns dämpfen die Amygdala, das Alarmzentrum, und diese beeinflusst über den Hirnstamm Gas und Bremse. Fühlt sich das Gehirn sicher, überwiegt die Bremse. Meldet es Gefahr, überwiegt das Gas (Modell der neuroviszeralen Integration, gestützt durch Bildgebung am Menschen; Thayer und Kollegen 2012). Wie das Nervensystem als Ganzes Signale liest und Zustände einstellt, beschreibt der Überblick zum Nervensystem.

Sympathikus-Überfunktion: Symptome am Herzen und im Körper

„Sympathikus-Überfunktion“ ist keine eigene Diagnose. Gemeint ist ein Zustand, in dem das Gas über längere Zeit stärker gedrückt ist als die Bremse. Fachleute sprechen von sympathischer Überaktivität oder einem erhöhten Sympathikotonus.

Typische Zeichen am Herzen sind ein hoher Ruhepuls, Herzklopfen bis zum Hals, Herzrasen bei kleinen Anlässen und Extraschläge, die sich wie Stolpern anfühlen. Im übrigen Körper zeigen sich oft kalte Hände, Schwitzen, flache und schnelle Atmung, angespannte Muskeln, ein unruhiger Schlaf und eine träge Verdauung. Diese Zeichen beschreiben, was der Sympathikus in jedem Organ tut (Mensch, Lehrbuchwissen).

Dieselben Zeichen haben auch andere Ursachen: eine Überfunktion der Schilddrüse, Blutarmut, Flüssigkeitsmangel, Koffein, Alkohol, Nikotin, manche Medikamente und selten hormonbildende Geschwülste der Nebenniere. Darum klärt die Ärztin zuerst diese Ursachen, bevor die Erklärung beim Nervensystem landet.

Herzratenvariabilität: wie stark die Bremse greift

Ein gesundes Herz schlägt nicht wie ein Metronom. Die Abstände zwischen zwei Schlägen schwanken um einige Millisekunden, beim Einatmen werden sie kürzer, beim Ausatmen länger. Diese Schwankung heißt Herzratenvariabilität (HRV), und ein großer Teil davon geht auf den Vagus zurück.

Hohe HRV: Die Bremse arbeitet beweglich. Das Herz kann schnell auf eine Anforderung reagieren und genauso schnell zurückfinden.

Niedrige HRV: Die Bremse greift schwächer, der Takt wird gleichförmig. Was nach Stabilität klingt, zeigt eine geringere Anpassungsfähigkeit. Eine niedrige HRV geht in Studien mit Stress, Angst, Depression und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher (Mensch, Beobachtungsdaten).

Thayer und Kollegen (2012) werteten Bildgebungsstudien in einer Metaanalyse aus: Eine höhere HRV ging mit mehr Aktivität in Regionen des Stirnhirns einher, die Bedrohung einordnen und Alarm dämpfen (Mensch). Das Herz wird so zum Fenster auf das Gehirn.

HRV-Werte aus Uhren und Ringen schwanken je nach Gerät, Tageszeit, Atmung und Körperlage. Ein einzelner Morgen sagt wenig, der Verlauf über Wochen mehr.

Chronischer Stress und allostatische Last am Herzen

McEwen (2007) beschrieb in Physiological Reviews die allostatische Last: den Preis, den der Körper zahlt, wenn er sich lange an Belastung anpassen muss. Kurzfristig ist die Stressreaktion eine Leistung. Dauert sie an, verschiebt sich die Grundeinstellung (Modell nach McEwen, gestützt durch Daten an Mensch und Tier).

Am Herzen: Adrenalin und Noradrenalin bleiben häufiger erhöht, die Vagusbremse greift seltener. Der Ruhepuls steigt, Extraschläge werden leichter ausgelöst.

Cortisol: Das Hormon der Stressachse macht Herz und Gefäße empfindlicher für Adrenalin und Noradrenalin. Es ist eher der Verstärker als der Auslöser des schnellen Pulses.

Im Gehirn: Lupien und Kollegen (2009) fassten zusammen, dass anhaltender Stress Stirnhirn, Hippocampus und Amygdala verändert: Das Stirnhirn verliert an Vernetzung, die Amygdala reagiert stärker (Mensch und Tier). Weil das Stirnhirn die Bremse mit einstellt, schließt sich hier der Kreis: weniger Dämpfung im Gehirn, weniger Bremse am Herzen.

Polyvagal-Theorie: ein Modell für Sicherheit und Alarm

Ein bekanntes Modell für diese Umschaltungen ist die Polyvagal-Theorie nach Porges (2007). Sie beschreibt drei Stufen: einen Zustand von Sicherheit und sozialer Verbindung über den vorderen Teil des Vagus, Kampf und Flucht über den Sympathikus und Erstarrung über den hinteren Vagus. Welche Stufe aktiv wird, hängt im Modell davon ab, ob das Nervensystem neben einer Gefahr auch Sicherheit wahrnimmt, etwa über Stimme, Blick und Nähe.

Das Modell hilft vielen Menschen, ihr Erleben einzuordnen. Es ist ein Modell, keine gesicherte Anatomie: Einzelne Annahmen, etwa zur Entwicklungsgeschichte der Vagusfasern, sind unter Fachleuten umstritten. Gut belegt ist der Kern, auf den es hier ankommt: Sicherheit stärkt die Bremse, Bedrohung löst sie.

Vagusnerv und Entzündung: eine zweite Bremse

Der Vagus bremst nicht nur das Herz. Tracey (2002) beschrieb den entzündlichen Reflex: Der Vagus meldet Entzündung an das Gehirn und dämpft über eine Leitung zur Milz die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen wie TNF (Tier, Zelle). Am Menschen ist dieser Weg weniger direkt untersucht.

Für das Herz ist das bedeutsam, weil Entzündungsbotenstoffe die Erregbarkeit des Herzens beeinflussen und die Balance ihrerseits Richtung Sympathikus verschieben können. Eine niedrige HRV geht in Studien oft mit höheren Entzündungswerten einher (Mensch, Beobachtungsdaten). Wie der Vagus als Leitung zwischen Gehirn, Herz, Darm und Immunsystem arbeitet, erklärt der Überblick zum Vagusnerv.

Vegetative Herzrhythmusstörungen: welche Formen es gibt

Wenn das Nervensystem den Takt verschiebt, zeigen sich vor allem vier Muster. Alle setzen voraus, dass die Ärztin eine Erkrankung des Herzens selbst ausgeschlossen hat.

Sinustachykardie: Der Puls liegt in Ruhe über 100 Schlägen pro Minute, der Takt kommt aber vom normalen Taktgeber. Häufige Gründe sind Stress, Angst, Fieber, Flüssigkeitsmangel oder eine Überfunktion der Schilddrüse.

Extrasystolen: Einzelne Extraschläge unterbrechen den Rhythmus und fühlen sich wie Stolpern oder Aussetzen an. Bei einem gesunden Herzen sind sie meist harmlos. Sympathikus, Koffein, Alkohol, Schlafmangel und Verschiebungen bei Kalium und Magnesium machen sie wahrscheinlicher.

Posturales Tachykardiesyndrom (POTS): Beim Aufstehen steigt der Puls innerhalb von zehn Minuten um 30 Schläge oder mehr, ohne dass der Blutdruck abfällt, und die Beschwerden halten über Monate an (Mensch; Raj 2013). Dahinter können zu wenig Blutvolumen, eine gestörte Gefäßsteuerung oder eine übermäßige Antwort des Sympathikus stehen.

Herzrasen bei Panik: Die Amygdala kann den Sympathikus in Bruchteilen einer Sekunde aktivieren. Das Herzrasen ist echt und messbar, sein Ursprung liegt aber im Alarmsystem, nicht im Herzmuskel. Hier sind Ärztin und Psychotherapeutin gemeinsam die richtigen Ansprechpartnerinnen.

Zurück zur Balance: was Studien zeigen

Die Bremse ist kein fester Wert. Einige Wege, die in Studien mit einer kräftigeren Vagusaktivität einhergehen:

Langsames Atmen: Längeres Aus- als Einatmen verstärkt die natürliche Schwankung des Herzschlags. In kleinen Studien stiegen vagale Messwerte schon während der Übung (Mensch). HRV-Biofeedback nutzt diesen Effekt mit Rückmeldung am Bildschirm.

Kaltes Wasser im Gesicht: Kälte an Stirn und Augen löst den Tauchreflex aus, eine der kräftigsten Vagusantworten des Körpers. Der Puls sinkt für einige Sekunden (Mensch, Lehrbuchwissen). Bei bekannten Rhythmusstörungen gehört das vorher in das Gespräch mit der Ärztin.

Regelmäßige, ruhige Bewegung: Ausdauertraining geht in Studien mit einer höheren Ruhe-HRV einher (Mensch). Bei POTS empfehlen Fachleute ein langsam gesteigertes Training, anfangs im Sitzen oder Liegen (Raj 2013).

Erholung und Sicherheit: Was die allostatische Last senkt, entlastet auch das Herz (Modell nach McEwen 2007). Schlaf, Pausen und Menschen, bei denen du dich sicher fühlst, sind dafür keine Nebensache.

Wie Stress und Elektrolyte beim Herzrasen zusammenspielen, beschreibt der Vergleich Herzrasen durch Stress oder Elektrolytmangel.

Praxisrelevanz

Herzrasen und Herzstolpern gehören zu den häufigen Gründen für einen Termin in der Kardiologie, und oft findet die Untersuchung kein krankes Herz. Das ist eine gute Nachricht, aber keine Erklärung.

Der Blick auf das vegetative Nervensystem schließt diese Lücke: Er verschiebt die Frage von „Herz krank oder nicht“ zu „Wie fest greift die Bremse gerade?“. Die Herzratenvariabilität macht das sichtbar, über Wochen statt an einem Tag, und hilft, Beobachtungen aus dem Alltag mit der Ärztin zu besprechen.

zum Merken
Ein gesundes Herz kann trotzdem stolpern. Den Takt gibt das Nervensystem vor, und seine Bremse lässt sich messen.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Verbindung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du verstehen möchtest, wie dein Nervensystem deinen Herzschlag stellt, kannst du eine Woche lang auf drei Dinge achten:

Wann rast oder stolpert dein Herz: in Ruhe, beim Aufstehen, nach Kaffee oder Alkohol, abends im Liegen, in Gesprächen unter Druck?

Was passiert, wenn du in einer ruhigen Minute länger aus- als einatmest? Manche spüren, wie der Puls nachgibt, andere nicht. Beides ist eine Information.

Wie waren Schlaf und Belastung an den Tagen davor?

Mit solchen Notizen wird das Gespräch mit deiner Ärztin genauer, etwa ob ein Langzeit-EKG, ein Stehtest oder Schilddrüsenwerte sinnvoll sind. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Das Modell der neuroviszeralen Integration stützt sich vor allem auf Beobachtungs- und Bildgebungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge zwischen Gehirn, HRV und Herz, nicht sicher die Ursache. Die Polyvagal-Theorie ist ein Modell, dessen Annahmen zur Entwicklungsgeschichte umstritten sind. Studien zu Atemübungen und HRV-Biofeedback sind meist klein und kurz; ob Herzrasen dadurch über Monate seltener wird, ist kaum untersucht. Der entzündliche Reflex ist vor allem im Tier belegt.

Vegetativ ist eine Erklärung, nachdem anderes geklärt ist. Erkrankungen des Herzmuskels, Klappenfehler, Vorhofflimmern, angeborene Störungen der Ionenkanäle wie das Long-QT- oder das Brugada-Syndrom, Schilddrüse, Blutarmut und Medikamente klärt die Ärztin. Kommen zu Herzrasen oder Stolpern Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht dazu, ist der Rettungsdienst unter 112 der richtige Weg.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Mein Nervensystem gibt dem Herzen zu viel Gas: sympathische Überaktivität, erhöhter Sympathikotonus
  • Die Bremse am Herzen greift schwach: verminderter Vagustonus, niedrige Herzratenvariabilität (HRV)
  • Mein Herz stolpert oder setzt aus: Extrasystolen (SVES, VES)
  • Mein Puls ist in Ruhe zu hoch: Sinustachykardie
  • Der Puls springt beim Aufstehen hoch: posturales Tachykardiesyndrom (POTS), Schellong-Test
  • Ein EKG über einen ganzen Tag: Langzeit-EKG (Holter-EKG)
  • Das vegetative Nervensystem ist aus dem Takt: autonome Dysregulation, Dysautonomie
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Brustschmerz, Atemnot, Ohnmacht oder Herzrasen, das nicht abklingt, gehören heute noch ärztlich angeschaut: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117, bei Verschlechterung Notruf 112. Alles andere klärst du in Ruhe mit deiner Ärztin.

Häufige Fragen (6)

Kann Stress allein Herzrhythmusstörungen auslösen?

Stress kann Herzrasen und Extraschläge auslösen, auch bei einem gesunden Herzen: Adrenalin und Noradrenalin beschleunigen den Takt, die Vagusbremse lässt nach (Mensch; McEwen 2007). Ob es allein der Stress ist, zeigt sich erst, wenn die Ärztin andere Ursachen wie Schilddrüse, Blutarmut, Elektrolyte und Erkrankungen des Herzens ausgeschlossen hat.

Was sind Symptome einer Sympathikus-Überfunktion?

Am Herzen zeigt sie sich als hoher Ruhepuls, Herzklopfen, Herzrasen bei kleinen Anlässen und Herzstolpern. Dazu kommen oft kalte Hände, Schwitzen, schnelle flache Atmung, Muskelanspannung, unruhiger Schlaf und eine träge Verdauung. „Sympathikus-Überfunktion“ ist keine eigene Diagnose; dieselben Zeichen hat zum Beispiel auch eine Überfunktion der Schilddrüse, darum gehört das Muster einmal zur Ärztin.

Was ist der Unterschied zwischen HRV und Puls?

Der Puls zählt, wie oft das Herz pro Minute schlägt. Die HRV misst, wie stark die Abstände zwischen einzelnen Schlägen schwanken. Zwei Menschen mit Puls 70 können eine sehr unterschiedliche HRV haben: Viel Schwankung spricht für eine bewegliche Vagusbremse, wenig Schwankung für eine eingeschränkte Regulation.

Ist POTS eine Herzerkrankung?

Nein. Beim posturalen Tachykardiesyndrom ist das Herz in der Regel gesund, gestört ist die Regulation von Puls und Gefäßen beim Aufrichten. Raj (2013) beschreibt POTS als häufige, oft spät erkannte Form der autonomen Dysregulation, die vor allem jüngere Frauen betrifft. Die Diagnose stellt die Ärztin mit einem Steh- oder Kipptischtest.

Wie hängen autonome Regulation und Herzinsuffizienz zusammen?

Bei einer Herzinsuffizienz ist der Sympathikus dauerhaft stärker aktiviert und die Vagusbremse schwächer. Das ist zunächst ein Ausgleich für die schwächere Pumpleistung, belastet das Herz auf Dauer aber zusätzlich (Mensch, Lehrbuchwissen der Kardiologie). Diese Achse ist ein Ziel der kardiologischen Behandlung; eine Umstellung von Medikamenten nur mit der Ärztin.

Wann gehört Herzstolpern zur Ärztin?

Neues oder wiederkehrendes Herzrasen und Herzstolpern gehört einmal in die ärztliche Abklärung, bevor du es dem Nervensystem zuordnest. Das gilt besonders, wenn es schlagartig beginnt und endet, bei Anstrengung kommt, unregelmäßig bleibt, mit Schwindel einhergeht oder wenn in deiner Familie Herzerkrankungen in jungen Jahren vorkamen. Kommen Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht dazu, ist der Rettungsdienst unter 112 der richtige Weg.
Quellen (5)
  • A meta-analysis of heart rate variability and neuroimaging studies: Implications for heart rate variability as a marker of stress and health
    Thayer J.F., Ahs F., Fredrikson M., Sollers J.J. III, Wager T.D. – Neuroscience & Biobehavioral Reviews (2012) DOI: 10.1016/j.neubiorev.2011.11.009
  • Physiology and Neurobiology of Stress and Adaptation: Central Role of the Brain
    McEwen B.S. – Physiological Reviews (2007) DOI: 10.1152/physrev.00041.2006
  • Effects of stress throughout the lifespan on the brain, behaviour and cognition
    Lupien S.J., McEwen B.S., Gunnar M.R., Heim C. – Nature Reviews Neuroscience (2009) DOI: 10.1038/nrn2639
  • Postural Tachycardia Syndrome (POTS): Pathophysiology, Diagnosis & Management
    Raj S.R. – Circulation (2013) DOI: 10.1161/circulationaha.112.144501
  • Toward a System for Chronic Health
    Keferstein, G.; Wesseling, C.; Höhfeld, D.; Sauren, J.; Walde, D.; Hoffmann, L.; Wilting, R.; Stenzel, J. – Preprints (2025) DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v2

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
MOJO

Dein nächster Schritt

Verstehen, was dein Körper tut.

LEBENSENERGIE erklärt, wie Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel deine Energie steuern: verständlich, alltagsnah, in deinem Tempo.

0 € für 14 Tage · danach 29 €/Mo · Kündigung mit einem Klick im Kursbereich

Nächster Mitmachabend: Kulturbad Rüngsdorf, 06. November 2026, 19:00 Uhr CET. Eintritt frei, einfach vorbeikommen.

Zum EventAlle Events

War das hilfreich?

Niemand hat die Wahrheit allein. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Schreib es in einen Kommentar. Wie wir arbeiten

KommentareAls Erste schreiben

0/2000

Dein Kommentar wird nach E-Mail-Bestätigung sichtbar.