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Glossar · Therapien & Interventionen

Biofeedback: Definition, Arten und wie das Training wirkt

Auch: Bio-Feedback · Biofeedback-Training · Biologische Rückkopplung · Physiologisches Feedback
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Biofeedback misst Körpersignale wie Herzschlag, Atmung oder Muskelspannung und meldet sie in Echtzeit zurück, damit das Nervensystem lernt, sie zu regulieren (Modell des Lernens durch Rückmeldung).
  • HRV-Biofeedback nutzt langsames Atmen um etwa sechs Atemzüge pro Minute, bei dem Herzschlag und Blutdruck in Resonanz schwingen (Mensch; Lehrer und Gevirtz, 2014).
  • Eine Meta-Analyse fand nach HRV-Biofeedback deutlich weniger Stress und Angst, bei überwiegend kleinen Studien (Mensch; Goessl et al., 2017).

„Was ist Biofeedback, wie funktioniert das Training, und was bringt es nach heutigem Wissen?“

Vielleicht hast du das Wort Biofeedback in der Physiotherapie gehört, bei Kopfschmerzen oder in einer App, die dir beim Atmen eine Kurve zeigt. Oder dir wurde gesagt: „Sie müssen einfach lernen, sich zu entspannen.“ Und du fragst dich: Wie soll das gehen, wenn ich gar nicht merke, dass ich angespannt bin?

Die mechanische Sicht der Medizin sieht in Biofeedback ein Messverfahren: Sensoren, Signale, klare Abläufe, Ergebnisse, die sich in Studien vergleichen lassen. Das ist ihre Stärke, denn sie macht aus einem vagen Gefühl eine Zahl. Und trotzdem: Warum hält die Wirkung bei vielen an, auch wenn das Gerät längst aus ist?

Die energetische Sicht der Erfahrungsheilkunde sagt: Der Körper weiß selbst, wie Ruhe geht, man muss nur wieder hinspüren. Sie hat recht damit, dass Körperwahrnehmung trainierbar ist. Und trotzdem: Woran merkst du, ob du ruhig bist oder dich nur ruhig fühlst?

Die biologische Sicht verbindet beides: Biofeedback ist ein Lernvorgang im Nervensystem. Die Messung macht ein Signal sichtbar, und das Gehirn lernt, es auch ohne Gerät zu lesen und zu beeinflussen.

Oft heißt es: „Resilienz ist Psychologie.“ Sich selbst regulieren ist nicht nur Kopfsache: Das Nervensystem lernt über Rückmeldung, und Biofeedback macht dieses Lernen sichtbar.

Was im Körper passiert

Stell dir vor, du stimmst eine Gitarre, ohne die Töne zu hören. Das klappt nicht. Mit einem Stimmgerät siehst du sofort, ob die Saite zu hoch oder zu tief ist, und nach einer Weile hört dein Ohr es von allein. So arbeitet Biofeedback.

Dein autonomes Nervensystem regelt Herzschlag, Atmung, Gefäßweite und Muskelgrundspannung ohne dein Zutun. Die meisten Meldungen aus dem Körper erreichen dein Bewusstsein nur grob. Biofeedback schaltet ein Messgerät dazwischen: Jeder Atemzug und jede Veränderung im Herzrhythmus wird sofort sichtbar. Das Gehirn verknüpft dann ein inneres Gefühl mit dem äußeren Signal. Diese Wahrnehmung von innen heißt Interozeption.

Beim HRV-Biofeedback kommt eine Besonderheit dazu. Atmet ein Mensch etwa sechsmal pro Minute, schwingen Herzschlag und Blutdruck im Gleichtakt mit dem Atem, und die Schwankung des Herzschlags wird besonders groß (Mensch). Dahinter steht der Baroreflex, ein Regelkreis, der über Druckfühler in den Gefäßen den Blutdruck stabil hält. Wird diese Resonanz regelmäßig geübt, verändert sich in Studien die Regelung selbst, nicht nur der Moment der Übung (Mensch; Lehrer und Gevirtz, 2014).

Biofeedback: Definition, Arten und wie das Training wirkt: Biofeedback ist ein Trainingsverfahren, bei dem Körpersignale wie Herzschlag, Atmung, Muskelspannung oder Hauttemperatur gemessen und in Echtzeit als Ton, Bild oder Kurve zurückgemeldet werden. So werden Vorgänge sichtbar, die sonst unbemerkt ablaufen, und das Nervensystem kann lernen, sie gezielter zu regulieren.

Das Wort setzt sich aus Bio (Leben) und Feedback (Rückmeldung) zusammen, man schreibt es auch Bio-Feedback. Ein Sensor misst ein Körpersignal, ein Bildschirm, ein Ton oder eine Vibration zeigt es sofort an. Wer übt, sieht, was eine Veränderung im Atem oder in der Haltung im Körper auslöst, und lernt so, das Signal gezielt zu verändern.

Arten von Biofeedback

HRV-Biofeedback: Die am besten untersuchte Form. Angezeigt wird die Herzratenvariabilität (HRV), also wie stark die Abstände zwischen den Herzschlägen schwanken. Geübt wird langsames Atmen, bei dem Herzschlag und Atem in einen gemeinsamen Takt finden (Mensch).

Atem-Biofeedback: Misst Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemmuster. Es ist eng mit HRV-Biofeedback verwandt, weil der Atem der stärkste willentliche Einfluss auf die HRV ist.

EMG-Biofeedback: Die Elektromyographie misst die elektrische Aktivität der Muskeln. Sie macht unbemerkte Anspannung sichtbar, etwa im Nacken, im Kiefer oder im Beckenboden. Am besten untersucht ist sie bei Spannungskopfschmerz, wo mehrere Meta-Analysen günstige Ergebnisse zeigen (Mensch).

Neurofeedback (EEG-Biofeedback): Misst Hirnströme über Elektroden auf der Kopfhaut und trainiert bestimmte Frequenzbereiche. Untersucht wird es vor allem bei ADHS, Schlafstörungen und Angst. Die Ergebnisse sind uneinheitlich; in Studien mit verblindeter Bewertung fallen die Effekte kleiner aus (Mensch).

Temperatur-Biofeedback: Misst die Hauttemperatur an den Fingern als Zeichen für die Durchblutung. Untersucht wurde es bei Migräne und beim Raynaud-Syndrom.

Hautleitwert-Biofeedback (EDA): Misst, wie gut die Haut Strom leitet. Das hängt von den Schweißdrüsen ab und steigt bei Anspannung und Erregung.

Biofeedback-Atmung und Resonanzfrequenz

Beim HRV-Biofeedback suchen Übende ihre Resonanzfrequenz, meist um etwa sechs Atemzüge pro Minute. In diesem Takt schwingen Herzschlag und Blutdruck im Gleichklang mit dem Atem, und die Schwankung des Herzschlags wird besonders groß. Dahinter steht der Baroreflex, ein Regelkreis, der über Druckfühler in den Gefäßwänden den Blutdruck stabil hält (Mensch; Lehrer und Gevirtz, 2014).

Wie Biofeedback wirkt

Erklärt wird die Wirkung über mehrere Wege. Erstens Lernen durch Rückmeldung: Was zur gewünschten Anzeige führt, wird wiederholt und gefestigt. Zweitens Körperwahrnehmung: Wer die Anzeige mit dem eigenen Gefühl verknüpft, spürt Anspannung früher; das heißt Interozeption. Drittens Übung der Regelkreise selbst, etwa des Baroreflexes beim HRV-Biofeedback (Mensch). Viertens Selbstwirksamkeit: die Erfahrung, Körpervorgänge beeinflussen zu können.

Wie gut ist Biofeedback untersucht?

Eine Meta-Analyse zu HRV-Biofeedback fand deutlich weniger erlebten Stress und weniger Angst nach dem Training, bei überwiegend kleinen Studien (Mensch; Goessl et al., 2017). Eine ältere kritische Übersicht beschrieb günstige Effekte bei verschiedenen Beschwerden, aber auch methodische Schwächen wie fehlende Kontrollgruppen (Mensch; Wheat und Larkin, 2010).

Vagusnerv: kurze Definition

Der Vagusnerv (Nervus vagus) ist der zehnte Hirnnerv und der wichtigste Nerv des Parasympathikus, des Teils des Nervensystems, der auf Erholung schaltet. Er verlangsamt das Herz, beeinflusst die Verdauung und meldet laufend aus den Organen an das Gehirn. Wie stark der Herzschlag mit dem Atem schwankt, gibt einen Hinweis auf seine Aktivität. Darum spielt er beim HRV-Biofeedback eine zentrale Rolle (Mensch).

zum Merken
Was du sehen kannst, kannst du lernen. Biofeedback zeigt dir dein Nervensystem, bis du es ohne Gerät spürst.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Nervensystem, im Austausch mit dem Immunsystem (Neuroimmunologie).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten.

Du kannst ein paar Tage lang darauf achten, wo du Anspannung zuerst bemerkst: in den Schultern, im Kiefer, im Atem oder im Herzschlag. Schon diese Aufmerksamkeit ist der erste Teil von Biofeedback, nur ohne Gerät.

Du kannst ausprobieren, wie sich langsames Atmen anfühlt, etwa sechs Atemzüge pro Minute, ein paar Minuten in Ruhe, und was danach mit Puls und Anspannung passiert. In Studien zu HRV-Biofeedback ist genau diese Atmung die zentrale Übung (Mensch). Wird dir dabei schwindelig, ist der Atem meist zu tief; flacher und langsamer fühlt sich für viele angenehmer an.

Wenn du ein Gerät oder eine App mit Sensor nutzt, sagt die Richtung über Wochen mehr als ein einzelner Wert. Bei Kopfschmerzen, Schmerzen oder Angst, die dich im Alltag einschränken, ordnen deine Ärztin oder deine Psychotherapeutin ein, ob Biofeedback in eine Behandlung passt.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Studienlage hängt stark von der Art ab. Für HRV-Biofeedback bei Stress und Angst und für EMG-Biofeedback bei Spannungskopfschmerz gibt es Meta-Analysen mit günstigen Ergebnissen (Mensch). Viele Studien sind aber klein, unterschiedlich aufgebaut und schwer zu verblinden: Wer auf einen Bildschirm schaut und sich bemüht, entspannt sich vielleicht auch ohne echte Rückmeldung (Mensch; Wheat und Larkin, 2010). Bei Neurofeedback fallen die Effekte in Studien mit verblindeter Bewertung kleiner aus. Wie lange Wirkungen anhalten und für wen Biofeedback besonders passt, ist wenig untersucht. Messgeräte für zu Hause unterscheiden sich in ihrer Genauigkeit, und eine HRV-Zahl stellt keine Diagnose.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Ich merke meine Anspannung erst, wenn es weh tut: eingeschränkte Interozeption
  • Training mit Messgerät für Atem und Herzschlag: HRV-Biofeedback, Resonanzfrequenzatmung
  • Training für verspannte Muskeln: EMG-Biofeedback
  • Training mit Hirnströmen: Neurofeedback, EEG-Biofeedback
  • Wie flexibel mein Herzschlag ist: Herzratenvariabilität (HRV)
  • Der Nerv, der auf Ruhe schaltet: Nervus vagus, Parasympathikus
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Quellen (3)
  • Biofeedback of Heart Rate Variability and Related Physiology: A Critical Review
    Wheat A.L., Larkin K.T. – Applied Psychophysiology and Biofeedback (2010) DOI: 10.1007/s10484-010-9133-y
  • Heart rate variability biofeedback: how and why does it work?
    Lehrer P., Gevirtz R. – Frontiers in Psychology (2014) DOI: 10.3389/fpsyg.2014.00756
  • The effect of heart rate variability biofeedback training on stress and anxiety: a meta-analysis
    Goessl V.C., Curtiss J.E., Hofmann S.G. – Psychological Medicine (2017) DOI: 10.1017/S0033291717001003
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Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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