„Was ist POTS genau, ab wann spricht man davon, und wie wird es festgestellt?“
Vielleicht hast du nach vielen Untersuchungen den Satz gehört: Ihre Werte sind normal, das ist wohl Stress. Und trotzdem rast dein Herz jedes Mal, wenn du aufstehst. Du fragst dich, ob es dafür einen Namen gibt.
Die mechanische Sicht untersucht das Herz im Liegen: EKG, Ultraschall, Blutwerte. Ihre Stärke ist, dass sie eine Herzerkrankung sicher erkennt oder ausschließt. Und trotzdem: POTS zeigt sich nicht im Liegen, sondern erst nach Minuten im Stehen.
Die energetische Sicht sagt: Deine Nerven sind überreizt, das ist Anspannung. Sie hat recht, dass das Nervensystem beteiligt ist und dass Angst den Puls treiben kann. Und trotzdem: Bei POTS kommt der schnelle Puls mit der Körperlage, nicht mit dem Gedanken, und im Liegen geht er zurück.
Die biologische Sicht gibt beidem einen Ort. POTS ist eine messbare Regelstörung zwischen Nervensystem, Gefäßen und Blutvolumen, und sie hat klare Kriterien.
Oft heißt es: „Das ist psychisch überlagert.“ Herzrasen, das im Stehen kommt und im Liegen geht, ist keine Einbildung: Ein Stehtest macht es messbar.
Was im Körper passiert
Der Name sagt schon viel: postural heißt abhängig von der Körperhaltung, Tachykardie heißt schneller Puls. Gemeint ist ein Puls, der im Stehen deutlich schneller wird als im Liegen.
Beim Aufstehen sackt Blut in die Beine. Normalerweise verengt der Sympathikus dort die Gefäße, und der Puls steigt nur wenig. Bei POTS gelingt die Verengung nicht ausreichend, oder es fehlt Blutvolumen, und das Herz gleicht mit einem hohen Puls aus. Der Blutdruck bleibt dadurch meist stabil, darum fällt POTS bei einer einzelnen Messung im Liegen nicht auf (Mensch; Raj, 2013).
Deshalb misst der Stehtest über zehn Minuten. Wie es zu den einzelnen Typen kommt und was im Alltag hilft, erklärt der Fachbeitrag POTS: Herzrasen im Stehen verstehen.
Posturales Tachykardiesyndrom (POTS): Definition und Kriterien: Das posturale Tachykardiesyndrom (POTS), auch posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom, ist eine Störung der Kreislaufsteuerung durch das autonome Nervensystem. Beim Wechsel vom Liegen ins Stehen steigt der Puls innerhalb von zehn Minuten um mindestens 30 Schläge pro Minute, der Blutdruck fällt dabei nicht ab, und typische Beschwerden im Stehen bestehen seit Monaten.
Die Kriterien. Nach den Konsensdefinitionen gehören drei Dinge zusammen (Mensch, Konsens; Freeman et al., 2011):
- Der Puls steigt innerhalb von zehn Minuten nach dem Aufstehen oder auf dem Kipptisch dauerhaft um mindestens 30 Schläge pro Minute, bei Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren um mindestens 40.
- Der Blutdruck fällt dabei nicht um mehr als 20 zu 10 mmHg. Fällt er stärker, spricht man von orthostatischer Hypotonie, einem anderen Bild.
- Es gibt Beschwerden im Stehen, die im Liegen nachlassen: Schwindel, Herzklopfen, Zittern, Schwäche, verschwommenes Sehen, Konzentrationsprobleme, Erschöpfung. Die neuere Konsensdefinition nennt eine Dauer von mindestens drei Monaten (Vernino et al., 2021).
Der Puls im Stehen liegt dann oft bei 120 oder mehr, entscheidend ist aber der Anstieg (Freeman et al., 2011). Andere Ursachen für einen schnellen Puls im Stehen müssen ausgeschlossen sein, etwa Flüssigkeitsmangel, Fieber, Blutarmut, eine Schilddrüsenüberfunktion, Medikamente oder lange Bettruhe (Vernino et al., 2021).
Der Stehtest. Beim aktiven Stehtest, oft Schellong-Test genannt, liegst du einige Minuten, dann werden Puls und Blutdruck nach etwa einer, drei, fünf und zehn Minuten Stehen gemessen. Die Kipptischuntersuchung ist die genauere Form in der Klinik. Der Puls schwankt von Tag zu Tag, ein einzelner unauffälliger Test schließt POTS nicht immer aus.
Wer betroffen ist. Überwiegend Frauen zwischen 15 und 50 Jahren, häufig nach einem Virusinfekt, einer Operation, einer Schwangerschaft oder langer Bettruhe (Raj, 2013). Seit 2020 wird POTS auch nach Covid-19 beschrieben. Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre, und nicht selten werden die Beschwerden zunächst als Angst gedeutet (Vernino et al., 2021).
Die drei Typen. Beim neuropathischen POTS arbeiten feine Nervenfasern in den Beinen nur teilweise. Beim hypovolämischen POTS ist zu wenig Blut im Kreislauf. Beim hyperadrenergen POTS schüttet das Nervensystem im Stehen viel Noradrenalin aus, im Labor 600 Pikogramm pro Milliliter oder mehr, und der Blutdruck steigt eher an (Raj, 2013). Die Herzratenvariabilität, die feine Schwankung zwischen den Herzschlägen, ist bei POTS häufig verändert, als Kriterium dient sie aber nicht.
POTS sieht man nicht im Liegen. Es zeigt sich im Stehen, und dort lässt es sich messen.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Verbindung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Deine Entscheidung beginnt mit einem klaren Bild.
Du kannst notieren, wann die Beschwerden kommen: im Stehen, nach dem Essen, bei Wärme, morgens. Und ob sie im Liegen nachlassen. Diese Notizen machen das Gespräch mit deiner Hausärztin leichter.
Du kannst mit ihr besprechen, ob ein Stehtest für dich sinnvoll ist und ob andere Ursachen schon geklärt sind. Für die Kipptischuntersuchung gibt es Zentren mit Erfahrung in autonomen Störungen.
Was im Körper bei POTS passiert und welche Wege im Alltag beschrieben sind, steht im Fachbeitrag POTS. Neue Brustschmerzen, Atemnot oder eine Ohnmacht gehören sofort in ärztliche Hände, im Zweifel über die 112.
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Die Kriterien sind eine Vereinbarung von Fachleuten, keine Naturkonstante: Die Grenze von 30 Schlägen ist gesetzt, und der Puls schwankt mit Tageszeit, Trinkmenge und Zyklus. Die drei Typen sind ein Modell nach Raj und überlappen. Warum POTS entsteht, ist nicht vollständig verstanden; ob Antikörper gegen Andockstellen des Kreislaufs eine Ursache sind, ist offen. Einen einzelnen Bluttest, der POTS beweist, gibt es nicht.