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Glossar · Symptome & Beschwerden

Silent Inflammation

Auch: Stille Entzündung · Low-grade Chronic Inflammation · Chronische subklinische Entzündung · Metaflammation
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Miller & Raison (2016): Chronische Low-grade-Inflammation als zentraler Treiber von Depression und Fatigue.
  • Herbert & Cohen (1993): Bidirektionale Verbindung zwischen Depression und Immunfunktion in Metaanalyse.
  • Quellen: viszerales Fettgewebe, Darmpermeabilität, chronischer Stress, Schlafmangel, Umwelttoxine.

Du hast keine 'richtige' Entzündung – keinen Infekt, keine geschwollenen Gelenke – aber dein hsCRP liegt bei 1,5–3,0 mg/l (statt <0,5)? Du fühlst dich dauerhaft 'unterschwellig krank'? Silent Inflammation ist die Entzündung, die man nicht spürt, aber messen kann.

Was im Körper passiert

Stille Entzündung ist wie ein Schwelbrand: Kein offenes Feuer, aber die Hitze zerstört langsam die Substanz. Die pro-inflammatorischen Zytokine, die dabei freigesetzt werden, wirken auf alle drei Regulationssysteme: Sie hemmen Dopamin (Antrieb), aktivieren Sickness Behavior (Rückzug), induzieren Kortisolresistenz (Stressintoleranz) und stören die mitochondriale Funktion (Energieproduktion).

Silent Inflammation: Silent Inflammation (stille Entzündung, Low-grade Chronic Inflammation) bezeichnet eine chronische, subklinische Entzündungsaktivität, die keine klassischen Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Schmerz) zeigt, aber über erhöhte Entzündungsmarker (hsCRP, IL-6, TNF-α) messbar ist und langfristig Gewebe schädigt.

Miller und Raison (2016) beschrieben in Nature Reviews Immunology die zentrale Rolle chronischer Low-grade-Inflammation bei Depression und Fatigue: Dauerhaft erhöhte pro-inflammatorische Zytokine (IL-6, IL-1β, TNF-α) aktivieren neuroinflammatorische Kaskaden, hemmen die Neurotransmitter-Synthese und induzieren Sickness Behavior. Die Quellen dieser stillen Entzündung sind vielfältig: viszerales Fettgewebe (Adipokine), erhöhte Darmpermeabilität (Translokation bakterieller Produkte), chronischer psychosozialer Stress (über die HPA-Achse), Umwelttoxine und Schlafmangel.

Herbert und Cohen (1993) zeigten in einer Metaanalyse im Psychological Bulletin, dass Depression mit messbaren Veränderungen der Immunfunktion einhergeht – eine Verbindung, die heute als bidirektional verstanden wird: Entzündung kann Depression verursachen, und Depression kann Entzündung verstärken. Dieser Kreislauf ist einer der Mechanismen, durch die Silent Inflammation chronische Müdigkeit chronisch hält.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

In der klinischen Praxis wird Silent Inflammation über hsCRP (hochsensitives C-reaktives Protein), IL-6, Ferritin und das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3-Fettsäuren quantifiziert. Die Identifikation der Entzündungsquelle (viszerales Fett, Darm, Stress, Infektionen) ist der erste therapeutische Schritt.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (1)

Welche Laborwerte zeigen Silent Inflammation?

Die wichtigsten Marker sind: hsCRP (hochsensitives CRP, optimal <0,5 mg/l), IL-6 (Interleukin-6), TNF-α und Ferritin (als Akute-Phase-Protein). Ein hsCRP zwischen 1,0 und 3,0 mg/l gilt als Hinweis auf chronische Low-grade-Inflammation – auch wenn es unter dem 'Normbereich' der meisten Labore liegt.
Quellen (2)
  • The role of inflammation in depression: from evolutionary imperative to modern treatment target
    Miller A.H., Raison C.L. – Nature Reviews Immunology (2016) DOI: 10.1038/nri.2015.5
  • Depression and immunity: A meta-analytic review
    Herbert T.B., Cohen S. – Psychological Bulletin (1993) DOI: 10.1037/0033-2909.113.3.472
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