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Liste · Therapien & Interventionen · 8 Punkte

Carninutrients: Nährstoffe, die fast nur in Tierprodukten vorkommen

Carninutrients sind Nährstoffe, die in nennenswerter Menge fast nur in Fleisch, Fisch und anderen tierischen Lebensmitteln vorkommen und die der Körper zum Teil selbst bilden kann. Meist sind Carnitin, Kreatin, Taurin, Carnosin und Anserin gemeint. Oft mitgenannt werden Cholin, die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA, Häm-Eisen und Retinol, die streng genommen andere Gruppen sind. Diese Liste zeigt für jeden Stoff, was er tut, wo er vorkommt, wie viel der Körper selbst bildet und wie gut die Belege sind.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Carnitin, Kreatin, Taurin und Carnosin bildet der Körper selbst aus Aminosäuren; im Essen kommen sie fast nur in Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten vor (Mensch, Übersicht; Wu 2020).
  • Bei veganer Kost hält die Niere Taurin zurück, und Vegetarier hatten in einer Studie aus Taiwan sogar mehr Carnitin im Blut als Fleischesser (Mensch; Laidlaw und Kollegen 1988, Lin und Kollegen 2019).
  • Zusätzliches Kreatin verbesserte in kleinen Doppelblindstudien das Gedächtnis von Menschen, die vegetarisch leben, nicht das von Fleischessern (Mensch; Benton und Donohoe 2011).

„Was sind Carninutrients, und fehlen sie mir, wenn ich wenig oder kein Fleisch esse?“

Du isst wenig oder kein Fleisch und hast gelesen, dass dir Carninutrients fehlen könnten, Stoffe, von denen du vorher nie gehört hast. Oder du isst viel Fleisch und fragst dich, was daran eigentlich wertvoll ist.

Die mechanische Sicht der klassischen Ernährungslehre sagt: Was der Körper selbst bilden kann, ist nicht essenziell, also gibt es keinen Bedarf und keinen Mangel. Ihre Stärke ist die nüchterne Trennung zwischen lebensnotwendig und verzichtbar. Und trotzdem: Warum verbesserte Kreatin das Gedächtnis von Menschen, die vegetarisch leben, aber nicht das von Fleischessern?

Die energetische Sicht der Erfahrungsheilkunde sagt: Tierische Kost gibt Kraft, pflanzliche Kost macht leicht, und jeder spürt selbst, was ihm guttut. Sie nimmt ernst, was Menschen an sich erleben. Und trotzdem: Welcher Stoff steckt hinter dem Gefühl von Kraft, und was davon kann der Körper selbst?

Die biologische Sicht verbindet beides: Dein Körper ist Hersteller und Sparer zugleich. Die Frage ist, wann Bildung, Zufuhr und Bedarf zusammenpassen.

Oft heißt es: „Wer richtig isst, macht alles richtig.“ Nicht essenziell heißt nicht unwichtig. Dein Körper bildet viele dieser Stoffe selbst, spart, wenn wenig kommt, und stößt unter Last an Grenzen.

Was im Körper passiert

Stell dir deinen Körper als Betrieb vor, der viele Teile selbst fertigt und einige zukauft. Carnitin, Kreatin, Taurin und Carnosin kann er aus Aminosäuren selbst herstellen, Leber und Niere sind die Werkstätten (Mensch; Rebouche 1986, Wyss und Kaddurah-Daouk 2000). Fleisch und Fisch liefern dieselben Teile fertig mit (Wu 2020).

Kommt wenig von außen, stellt der Betrieb um. Die Niere hält mehr zurück: Bei veganer Kost schied sie nur etwa ein Drittel des Taurins aus (Mensch; Laidlaw und Kollegen 1988), und Vegetarier hatten in einer Studie sogar mehr Carnitin im Blut als Fleischesser (Mensch; Lin und Kollegen 2019). Beim Kreatin reicht das Sparen nicht ganz: Der Speicher im Muskel ist bei pflanzlicher Kost im Mittel kleiner, und das Gehirn reagierte in kleinen Studien auf zusätzliches Kreatin (Mensch; Rae und Kollegen 2003).

Andere Teile kann der Betrieb nur schlecht selbst fertigen: EPA und DHA aus pflanzlichen Vorstufen, Retinol aus Beta-Carotin. Hier zählt, wie gut die Umwandlung bei dir läuft.

1. L-Carnitin: die Fähre für Fettsäuren

Carnitin bringt langkettige Fettsäuren über die innere Membran der Mitochondrien, damit sie dort zu Energie werden. Leber und Niere bilden es aus den Aminosäuren Lysin und Methionin; der Muskel, in dem fast alles Carnitin liegt, holt es aus dem Blut (Mensch; Rebouche 1986). Reich daran sind Rind- und Lammfleisch, Pflanzen enthalten kaum etwas. Wer vegetarisch lebt, deckt fast alles über die Eigenbildung, und die Niere hält Carnitin sparsam zurück. In einer Querschnittsstudie aus Taiwan mit 63 gesunden Erwachsenen hatten Vegetarier sogar mehr Carnitin im Blut als Fleischesser (Mensch; Lin und Kollegen 2019). Den Muskelgehalt hat diese Studie nicht gemessen.

2. Kreatin: der Energiepuffer in Muskel und Gehirn

Als Phosphokreatin lädt Kreatin ATP, die Energiewährung der Zelle, in Sekundenbruchteilen nach, in Muskel, Herz und Gehirn. Niere und Leber bilden es aus Arginin, Glycin und Methionin (Mensch; Wyss und Kaddurah-Daouk 2000). Fleisch und Fisch liefern zusätzlich Kreatin, Pflanzen keines (Wu 2020). In zwei kleinen Doppelblindstudien verbesserte zusätzliches Kreatin das Gedächtnis von jungen Menschen, die vegetarisch lebten, bei Fleischesserinnen zeigte sich das nicht (Mensch; Rae und Kollegen 2003, Benton und Donohoe 2011). Wie Phosphokreatin arbeitet, erklärt das Glossar Kreatin.

3. Taurin: Regler von Zellvolumen und Galle

Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosulfonsäure, die keine Eiweiße baut, sondern frei in der Zelle arbeitet: Sie hält das Zellvolumen stabil, bindet in der Leber Gallensäuren und kommt in Herz, Gehirn, Muskel und Netzhaut reichlich vor (Wu 2020). Die Leber bildet Taurin aus Cystein. Am meisten liefern Meeresfrüchte, Fisch und dunkles Geflügelfleisch. Bei Menschen, die im Mittel vier Jahre vegan lebten, lag Taurin im Blut etwas niedriger, im Urin schieden sie nur etwa ein Drittel aus: Die Niere hält zurück, was fehlt (Mensch; Laidlaw und Kollegen 1988). Bei Mäusen und Affen sank Taurin im Alter, und zusätzliches Taurin verlängerte bei Mäusen die gesunde Lebenszeit (Tier; Singh und Kollegen 2023). Ob das beim Menschen gilt, ist offen.

4. Carnosin und Anserin: pH-Puffer im Muskel

Carnosin ist ein kleines Eiweißstück aus den Aminosäuren Beta-Alanin und Histidin, Anserin seine abgewandelte Form. Beide puffern im Muskel die Säure, die bei harter Belastung entsteht, und fangen Metalle und reaktive Moleküle ab (Wu 2020). Der Körper bildet Carnosin selbst, im Essen kommen beide nur in tierischem Muskelfleisch und Fisch vor; Pflanzen liefern keines (Wu 2020). Wie stark sich der Carnosingehalt im Muskel bei pflanzlicher Kost ändert, ist wenig untersucht.

5. Cholin: oft mitgenannt, aber essenziell

Cholin gehört streng genommen nicht zu den Carninutrients: Die Leber bildet zwar etwas, aber zu wenig, darum gilt Cholin als essenzieller Nährstoff. Es wird für Zellmembranen, den Botenstoff Acetylcholin und den Fetttransport aus der Leber gebraucht (Lehrbuchwissen). Eier und Leber sind die reichsten Quellen, Sojabohnen und Hülsenfrüchte liefern nennenswerte Mengen. In US-Ernährungsdaten erreichten die meisten Menschen den Schätzwert für eine ausreichende Zufuhr nicht; wer Eier und eiweißreiche Lebensmittel aß, kam eher hin (Mensch, Querschnitt; Wallace und Fulgoni 2017).

6. EPA und DHA: langkettige Omega-3-Fettsäuren

EPA und DHA sind Bausteine von Zellmembranen, DHA vor allem in Gehirn und Netzhaut. Fertig gebildet stecken sie in fettem Fisch, Meeresfrüchten und Algen; Algen sind die pflanzliche Quelle. Der Körper kann sie aus der pflanzlichen Alpha-Linolensäure bilden, aber nur zu einem kleinen Teil: Bei jungen Frauen wurden rund 21 Prozent zu EPA und 9 Prozent zu DHA (Mensch; Burdge und Wootton 2002), bei jungen Männern rund 8 Prozent zu EPA und kaum etwas zu DHA (Mensch; Burdge, Jones und Wootton 2002). Männer, die vegan lebten, hatten weniger EPA und DHA im Blut als Fleischesser (Mensch; Rosell und Kollegen 2005).

7. Häm-Eisen: Eisen mit eigenem Aufnahmeweg

Eisen ist essenziell, ein Carninutrient im engeren Sinn ist es nicht. Besonders ist seine Form: Häm-Eisen aus dem Blutfarbstoff von Fleisch und Fisch nimmt der Darm über einen eigenen Weg auf, der von Stoffen wie Phytat aus Getreide kaum gebremst wird (Mensch, Übersicht; West und Oates 2008). Pflanzen liefern nur Nicht-Häm-Eisen, dessen Aufnahme stark von der Mahlzeit abhängt. In einer Metaanalyse hatten Menschen, die vegetarisch lebten, im Mittel kleinere Eisenspeicher, gemessen am Ferritin (Mensch; Haider und Kollegen 2018). Mehr dazu im Glossar Häm-Eisen.

8. Retinol: Vitamin A in fertiger Form

Retinol ist die Form von Vitamin A, die der Körper direkt nutzt, etwa für das Sehen, die Schleimhäute und die Reifung von Abwehrzellen. Fertig kommt es nur in tierischen Lebensmitteln vor, vor allem in Leber, Eigelb und Butter (Lehrbuchwissen). Aus dem pflanzlichen Beta-Carotin bildet der Körper Retinol selbst, wie gut, hängt auch an den Genen: Bei Frauen mit zwei häufigen Varianten des Gens BCMO1 war die Umwandlung messbar geringer (Mensch; Leung und Kollegen 2009). Mehr dazu in Bioaktive Vitamine.

zum Merken
Nicht essenziell heißt nicht unwichtig. Es heißt: Dein Körper bildet es selbst und spart, wenn wenig kommt.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten, nicht mit einem Produkt.

Du kannst eine Woche lang notieren, wie oft Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier und Milchprodukte auf deinem Teller sind. Das zeigt dir, wie viel von diesen Stoffen von außen kommt und wie viel dein Körper selbst bildet.

Wenn du Laborwerte hast, etwa Ferritin, kannst du mit deiner Ärztin besprechen, was sie im Zusammenhang deiner Ernährung bedeuten.

Was du daraus machst, entscheidest du. Hast du eine Nierenerkrankung oder nimmst du Medikamente, klärst du jede Ergänzung und jede größere Umstellung vorher mit deiner Ärztin.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Studien sind meist klein und kurz: Die Kreatin-Studien untersuchten junge, gesunde Menschen über Tage bis Wochen, die Taurin-Messungen bei Veganern umfassten 26 Männer, die Carnitin-Studie aus Taiwan 63 Erwachsene und nur Blutwerte. Die Taurin-Befunde zum Altern stammen aus Tierversuchen. Ob die Eigenbildung im Alter, bei hoher Last oder bei Krankheit für jedes Gewebe reicht, ist für die meisten dieser Stoffe nicht untersucht. Einen Alltagslaborwert für Kreatin, Taurin, Carnitin oder Carnosin im Gewebe gibt es nicht.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Der Körper bildet es selbst, aber nicht immer genug: bedingt essenzieller Nährstoff
  • Die Fähre für Fett in die Mitochondrien: Carnitin-Shuttle
  • Der schnelle Energiespeicher im Muskel: Phosphokreatin
  • Mein Eisenspeicher: Ferritin
  • Eisen aus Fleisch: Häm-Eisen
  • Omega-3 aus Fisch: EPA und DHA (langkettige Omega-3-Fettsäuren)
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (3)

Was sind Carninutrients?

Carninutrients sind Stoffe, die in nennenswerter Menge fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommen und die der Körper auch selbst bilden kann, vor allem Carnitin, Kreatin, Taurin, Carnosin und Anserin (Wu 2020). Der Begriff kommt vom lateinischen Wort für Fleisch. Er ist kein Fachwort der Physiologie, sondern stellt eine Frage: Reicht die Eigenbildung, wenn über die Nahrung wenig kommt?

Braucht der Körper Carninutrients aus der Nahrung?

Unter gewöhnlichen Umständen reicht für Carnitin und Taurin meist die Eigenbildung; die Niere spart, wenn wenig kommt (Laidlaw und Kollegen 1988, Lin und Kollegen 2019). Beim Kreatin ist der Speicher bei pflanzlicher Kost im Mittel kleiner, und das Gedächtnis profitierte in kleinen Studien von zusätzlichem Kreatin (Benton und Donohoe 2011). Ob die Eigenbildung unter hoher Last, im Alter oder bei Krankheit reicht, ist offen.

Gibt es pflanzliche Quellen für Carninutrients?

Für Kreatin, Taurin, Carnosin und Anserin kaum oder keine; Carnitin steckt in Pflanzen nur in Spuren (Wu 2020, Rebouche 1986). Bei den oft mitgenannten Stoffen sieht es anders aus: Cholin liefern auch Soja und Hülsenfrüchte, EPA und DHA auch Algen, und Beta-Carotin kann der Körper in Retinol umwandeln, je nach Genen unterschiedlich gut (Leung und Kollegen 2009).
Quellen (4)
  • The influence of creatine supplementation on the cognitive functioning of vegetarians and omnivores
    Benton D., Donohoe R. – British Journal of Nutrition (2011) DOI: 10.1017/s0007114510004733
  • Taurine deficiency as a driver of aging
    Singh P., Gollapalli K., Mangiola S. et al. – Science (2023) DOI: 10.1126/science.abn9257
  • Plasma and urine taurine levels in vegans
    Laidlaw S.A., Shultz T.D., Cecchino J.T., Kopple J.D. – The American Journal of Clinical Nutrition (1988) DOI: 10.1093/ajcn/47.4.660
  • Carnitine Metabolism and Function in Humans
    Rebouche C.J. – Annual Review of Nutrition (1986) DOI: 10.1146/annurev.nutr.6.1.41

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
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