Kreatin
Kreatin — Kreatin ist eine nicht-essenzielle, stickstoffhaltige organische Säure, die in der Leber, den Nieren und dem Pankreas aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin synthetisiert wird. Als Phosphokreatin dient es als schnellster ATP-Regenerator des Körpers: Die Kreatinkinase überträgt eine Phosphatgruppe von Phosphokreatin auf ADP und regeneriert damit ATP in weniger als einer Sekunde.
Der menschliche Körper enthält etwa 120 - 140 g Kreatin, wovon ca. 95 % in der Skelettmuskulatur gespeichert sind (davon etwa zwei Drittel als Phosphokreatin und ein Drittel als freies Kreatin). Die restlichen 5 % verteilen sich auf Gehirn, Herz, Nieren und Testes.
Das Phosphokreatin-System (PCr-System):
Das PCr-System funktioniert als temporärer Energiepuffer:
- Schnelle ATP-Regeneration: Bei plötzlichem Energiebedarf (Muskelkontraktion, neuronale Aktivität) überträgt die Kreatinkinase (CK) eine Phosphatgruppe von Phosphokreatin auf ADP -> ATP. Diese Reaktion ist schneller als Glykolyse oder OXPHOS und liefert ATP in weniger als einer Sekunde.
- Zeitbrücke: Das PCr-System überbrückt die wenigen Sekunden, bis Glykolyse und OXPHOS die Energieproduktion hochfahren.
- Räumlicher Energietransfer (Kreatin-Shuttle): Phosphokreatin transportiert hochenergetische Phosphatgruppen von den Mitochondrien (Produktionsort) zu den Verbrauchsorten (Myofibrillen, synaptische Enden). Die mitochondriale CK produziert Phosphokreatin, die zytosolische CK regeneriert daraus ATP am Verbrauchsort.
Gehirnenergie: Das Gehirn verbraucht ca. 20 % des Gesamtenergiebedarfs, obwohl es nur 2 % der Körpermasse ausmacht. Die Kreatin-/Phosphokreatin-Konzentration im Gehirn ist geringer als in der Muskulatur, aber funktionell essenziell. Kreatin-Deficiency-Syndrome (genetische Defekte der Kreatinsynthese oder des Kreatintransporters) manifestieren sich primär neurologisch: geistige Retardierung, Sprachstörungen, Epilepsie.
In der CFS/ME-Forschung hat Kreatin Interesse geweckt: Studien untersuchten, ob eine Erhöhung des zerebralen Phosphokreatinspiegels kognitive Fatigue und Brain Fog verbessern kann. Die Rationale: Bei mitochondrialer Dysfunktion ist die oxidative Phosphorylierung eingeschränkt - ein größerer Phosphokreatin-Pool könnte als Energiepuffer die Zeitspanne verlängern, in der das Gehirn Hochleistung erbringen kann.
Endogene Synthese und Nahrungszufuhr: Der Körper synthetisiert täglich etwa 1 g Kreatin endogen. Über die Nahrung werden bei omnivorer Ernährung zusätzlich 1 - 2 g/Tag aufgenommen (Fleisch, Fisch). Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist die alimentäre Zufuhr deutlich reduziert oder null - die intramuskulären Kreatinspeicher sind bei Vegetariern daher in Studien im Durchschnitt 20 - 30 % niedriger als bei Mischköstlern.
— Die MOJO Perspektive
Kreatin ist in der Regenerationsmedizin ein unterschätztes Molekül, das über den reinen Sportkontext hinausgeht. Das Konzept: Bei mitochondrialer Dysfunktion - dem zentralen Mechanismus chronischer Erkrankungen - ist nicht nur die ATP-Produktion eingeschränkt, sondern auch der Energiepuffer. Die Optimierung des Phosphokreatin-Systems wird als komplementäre Strategie zur mitochondrialen Restauration betrachtet: Während Cofaktoren die ATP-Produktion verbessern, vergrößert Kreatin den Energiepuffer, der Lastspitzen abfedert.
Das Wichtigste in Kürze
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— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern

Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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