Fibromyalgie vs. MCAS – zentrale Sensitivierung trifft Mastzellaktivierung
Fibromyalgie und MCAS (Mastzellaktivierungssyndrom) überlappen in Schmerz, Fatigue und kognitiven Einschränkungen. Doch die Pathomechanismen unterscheiden sich: Bei Fibromyalgie steht die zentrale Sensitivierung im Vordergrund, bei MCAS die aberrante Mastzell-Degranulation. Die Frage, ob Mastzellmediatoren die zentrale Sensitivierung antreiben können, eröffnet eine faszinierende Brücke.
Fibromyalgie und MCAS können koexistieren und sich gegenseitig verstärken. Mastzell-Mediatoren (Histamin, Tryptase, Prostaglandine) können Nozizeptoren sensitivieren und damit zur zentralen Sensitivierung beitragen. Umgekehrt kann Stress – ein Haupttrigger bei Fibromyalgie – Mastzellen aktivieren.
Fibromyalgie
Fibromyalgie ist ein zentrales Sensitivierungssyndrom, bei dem die Schmerzverarbeitung im Nervensystem dauerhaft hochreguliert ist. Die ACR 2010-Kriterien (Wolfe et al.) definieren die Diagnose klinisch. Neurobiologisch zeigt sich ein Muster aus erhöhter Substanz P, reduziertem Serotonin, gestörter deszendierender Hemmung und Wind-up-Phänomenen (Staud et al. 2001). Die Ätiologie ist multifaktoriell: Genetik, Stress, Schlafstörungen, Infektionen und Dysbiose werden als Trigger diskutiert.
MCAS
MCAS (Mastzellaktivierungssyndrom) ist eine Erkrankung, bei der Mastzellen inadäquat und exzessiv Mediatoren ausschütten – Histamin, Tryptase, Prostaglandine, Leukotriene und Zytokine. Die Symptome sind multisystemisch: Haut (Flush, Urtikaria), GI-Trakt (Krämpfe, Durchfall), Kreislauf (Tachykardie, Hypotonie), Neurologie (Brain Fog, Schmerzen). Die Diagnose basiert auf der Trias: typische Symptome + erhöhte Mediatoren (Tryptase, N-Methylhistamin) + Ansprechen auf Mastzell-stabilisierende Therapie.
Vergleich im Detail
| Kategorie | Fibromyalgie | MCAS |
|---|---|---|
| Pathomechanismus | ||
| Schmerzcharakter | ||
| Diagnostik | ||
| Trigger und Modulatoren | ||
| Hautsymptome | ||
| Mögliche Brücke: Mastzellen und Sensitivierung |
— Die MOJO Perspektive
In der Regenerationsmedizin sehen wir Fibromyalgie und MCAS nicht als getrennte 'Diagnose-Schubladen', sondern als Ausdruck eines gestörten neuroimmunologischen Gleichgewichts. Mastzellen und Nervenzellen kommunizieren ständig – über Mediatoren, Neuropeptide und das autonome Nervensystem. Wenn diese Kommunikation aus dem Gleichgewicht gerät, können Schmerz und Immunreaktion sich gegenseitig aufschaukeln. Die Frage ist: Was treibt das System an?
Fazit
Fibromyalgie und MCAS sind keine identischen Erkrankungen – aber sie können über neuroimmunoIogische Mechanismen miteinander verknüpft sein. Mastzell-Mediatoren können Nozizeptoren sensitivieren, Stress kann Mastzellen aktivieren. Bei Fibromyalgie-Betroffenen mit episodischen Schüben, Hautsymptomen oder GI-Beschwerden sollte MCAS differentialdiagnostisch erwogen werden. Umgekehrt sollte bei MCAS-Betroffenen mit persistierendem Schmerz eine zentrale Sensitivierung bedacht werden.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Fibromyalgie = zentrale Sensitivierung (Nervensystem), MCAS = aberrante Mastzell-Degranulation (Immunsystem).
- 2Mastzell-Mediatoren (Histamin, Tryptase, Prostaglandine) können Nozizeptoren direkt sensitivieren – eine mögliche Brücke zwischen MCAS und Fibromyalgie.
- 3MCAS-Schmerz ist episodisch und trigger-abhängig; Fibromyalgie-Schmerz ist diffus und relativ konstant.
- 4Hautsymptome (Flush, Urtikaria, Dermographismus) sprechen eher für MCAS als für Fibromyalgie.
- 5Stress aktiviert sowohl zentrale Sensitivierung als auch Mastzellen – bidirektionale Verstärkung ist möglich.
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Häufige Fragen
Kann MCAS Fibromyalgie verursachen?
Woran erkenne ich, ob ich MCAS oder Fibromyalgie habe?
Welche Laborwerte helfen bei der Unterscheidung?
Quellen & Referenzen
- Fibromyalgia: A Clinical Review
- Abnormal sensitization and temporal summation of second pain (wind-up) in patients with fibromyalgia syndrome
- Fibromyalgia: When Distress Becomes (Un)sympathetic Pain
- Central sensitization: Implications for the diagnosis and treatment of pain
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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