Die Vitamin-C-Frage zeigt, wie der Stoffwechsel mit knappen Stoffen haushaltet: aufnehmen, recyceln, zurückholen. Vitamin C ist dabei auch ein Werkzeug des Immunsystems; Fresszellen reichern es weit über den Blutspiegel an (Carr und Maggini 2017). Im Bild der sechs Ärzte der Regeneration plus Dr. Pharma ist das Dr. Nahrung. Ob eine Kost genug liefert, hängt an Frische, Auswahl und Zubereitung, nicht an der Überschrift der Kostform, pflanzlich wie tierisch. Deine ärztliche Behandlung läuft dabei weiter.
Oft heißt es: „Wer richtig isst, macht alles richtig.“ Vitamin C ist kein reines Pflanzenvitamin, und Fleisch ist kein Freibrief. Es zählt, was frisch auf dem Teller liegt und wie viel die Zubereitung davon übrig lässt.
Die kurze Antwort. Für den Schutz vor Skorbut wahrscheinlich ja, wenn frisches, wenig gegartes Fleisch und Innereien dazugehören. Ob es für mehr reicht als den Schutz vor Skorbut, weiß niemand genau.
Hat Fleisch Vitamin C? Ja, aber wenig, und es hängt am Teil des Tieres und an der Zubereitung. Geraci und Smith (1979) maßen in einem Robbenjagdlager in der kanadischen Arktis 13 Lebensmittel roh und gekocht. Muskelfleisch von Robbe, Karibu und Moschusochse enthielt roh nur 1 bis 3 mg je 100 g, rohe Robbenleber 35 mg und die Haut des Belugawals, Muktuk genannt, 38 mg. Zehn Minuten Kochen senkte den Gehalt der Leber auf knapp 14 mg (Mensch, Feldmessung). Die drei Familien kamen nach Schätzung der Autoren auf 11 bis 118 mg am Tag, im Mittel mindestens 30 mg; Pflanzen waren nur Beiwerk.
Wie viel es braucht. Um Skorbut zu verhindern, genügen nach einer Übersicht etwa 10 mg am Tag (Carr und Maggini 2017). Die Referenzwerte der Fachgesellschaften liegen um ein Vielfaches höher, weil sie volle Speicher in Blut und Geweben anstreben (Levine und Kollegen 1996). Zwischen Skorbutschutz und vollen Speichern liegt ein Bereich, über den es für eine rein tierische Ernährung kaum Daten gibt.
Zwei Sichten, die viele kennen. Die mechanische Sicht sagt: Vitamin C kommt aus Obst und Gemüse, ohne Pflanzen droht Skorbut, die Seefahrer haben es gezeigt. Sie hat recht, dass der Mensch Vitamin C von außen braucht und ein Mangel gefährlich ist. Und trotzdem: Warum blieben Menschen in der Arktis mit kaum Pflanzen frei von Skorbut?
Die energetische Sicht sagt: Der Körper holt sich aus ursprünglicher Nahrung, was er braucht, und Fleisch liefert alles. Sie spürt richtig, dass frische tierische Lebensmittel mehr enthalten als ihr Ruf. Und trotzdem: Durchgebratenes Muskelfleisch ist etwas anderes als rohe Robbenleber, und unter moderner karnivorer Kost hat noch niemand gemessen.
Die biologische Sicht schaut auf den Weg des Vitamins: woher es kommt, wie es über die Vitamin-C-Transporter in die Zellen gelangt und wie der Körper mit wenig haushaltet.
Im Detail
Vitamin-C-Transporter: zwei Wege in die Zelle. Stell dir Vitamin C als Pendler vor, der in zwei Formen unterwegs ist. Die reduzierte Form, Ascorbinsäure, nutzt eigene Pforten: den Transporter SVCT1 in Darm und Niere und SVCT2 in fast allen Geweben. Die oxidierte Form, Dehydroascorbinsäure, nimmt den Eingang der Glukose, die Transporter GLUT1 und GLUT3 (Übersicht; Wilson 2005). In der Zelle wird sie wieder zu Ascorbinsäure, so recycelt der Körper sein Vitamin C.
Glukose als Konkurrent. In Zellversuchen bremste Glukose die Aufnahme der oxidierten Form über GLUT1 und GLUT3, beide nutzen dieselbe Pforte (Zelle; Rumsey und Kollegen 1997). Daraus leiten Befürworter der karnivoren Kost ab, dass bei wenig Kohlenhydraten weniger Vitamin C nötig sei. Eine Übersicht zur karnivoren Ernährung nennt solche Spareffekte ketogener Kost als möglich, beschreibt die Kostform aber als kaum untersucht (O'Hearn 2020). Ob der Bedarf des Menschen unter Ketose sinkt, hat keine Studie gemessen.
Rote Blutkörperchen als Recycler. Bei Säugetieren, die Vitamin C nicht selbst bilden, sitzt auf den roten Blutkörperchen viel GLUT1, das zusammen mit dem Eiweiß Stomatin die oxidierte Form bevorzugt vor Glukose aufnimmt (Zelle, Vergleich zwischen Arten; Montel-Hagen und Kollegen 2008). So holt der Körper verbrauchtes Vitamin C aus dem Blut zurück.
Warum der Mensch es nicht selbst bildet. Die meisten Säugetiere stellen Vitamin C in der Leber aus Glukose her. Beim Menschen ist das Gen für den letzten Schritt, die Gulonolacton-Oxidase, durch Mutationen stillgelegt (Nishikimi und Yagi 1991). Andere Primaten und Meerschweinchen haben die Fähigkeit ebenfalls verloren (Chatterjee 1973).
Der Körper haushaltet. Ist wenig Vitamin C im Blut, nimmt der Darm einen größeren Anteil auf, und die Niere holt mehr zurück; erst bei vollen Speichern wird mehr ausgeschieden (Mensch; Lykkesfeldt und Tveden-Nyborg 2019).
Das Bellevue-Experiment. Ende der 1920er Jahre aßen zwei Männer, darunter der Polarforscher Vilhjalmur Stefansson, ein Jahr lang nur Fleisch und Fett unter ärztlicher Aufsicht in New York. Zeichen von Skorbut traten nach dem Bericht nicht auf (Mensch, zwei Personen; McClellan 1930). Blutwerte für Vitamin C gab es damals nicht.
Deine Entscheidung. Beobachten lässt sich, wie oft Leber oder andere Innereien auf deinem Teller liegen und wie stark du Fleisch garst. Zahnfleischbluten, schnell blaue Flecken oder schlecht heilende Wunden unter rein tierischer Kost sind ein Grund, mit deiner Ärztin zu sprechen; sie kann Vitamin C im Blut messen lassen und einordnen. Nimmst du Medikamente oder hast du eine Nierenerkrankung, stellst du deine Ernährung nur zusammen mit der Ärztin um. Mehr zur Kostform: Karnivore Ernährung im Überblick.
Frisches Fleisch und Innereien liefern etwas Vitamin C, durchgebratenes Muskelfleisch kaum. Ob das auf Dauer reicht, hat noch niemand gemessen.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Es gibt keine Studie, die Vitamin C im Blut von Menschen über Monate unter moderner karnivorer Kost gemessen hat. Die Arktis-Daten stammen aus einem Sommer mit drei Familien, die Organe und Walhaut roh aßen (Geraci und Smith 1979); das Bellevue-Experiment umfasste zwei Männer ohne Blutwerte für Vitamin C (McClellan 1930). Die Konkurrenz mit Glukose ist im Zellversuch gezeigt, nicht als geringerer Bedarf beim Menschen (Rumsey und Kollegen 1997). Dass kein Skorbut auftrat, heißt nicht, dass Bindegewebe, Wundheilung und Abwehr gut versorgt waren.