Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA)
Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) — Omega-3-Fettsäuren sind eine Klasse mehrfach ungesättigter Fettsäuren (PUFAs), bei denen die erste Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom vom Omega-Ende liegt. Die drei wichtigsten Vertreter sind ALA (α-Linolensäure, pflanzlich), EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure, beide marin). EPA und DHA sind Vorläufer von Resolvinen, Protektinen und Maresinen - spezialisierten pro-resolvierenden Mediatoren (SPMs), die aktiv Entzündung beenden.
Die drei Hauptvertreter:
- ALA (α-Linolensäure, C18:3 n-3): Pflanzliche Omega-3-Fettsäure (Leinsamen, Walnüsse, Chiasamen). Essenziell, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Die Konversion zu EPA und DHA ist beim Menschen sehr ineffizient (< 5 % zu EPA, < 0,5 % zu DHA).
- EPA (Eicosapentaensäure, C20:5 n-3): Marine Omega-3-Fettsäure. Vorläufer antiinflammatorischer Eicosanoide (Prostaglandine der Serie 3, Leukotriene der Serie 5) und der E-Serie Resolvine.
- DHA (Docosahexaensäure, C22:6 n-3): Höchste Konzentration im Gehirn (ca. 40 % der Fettsäuren in synaptischen Membranen), in der Retina (60 %) und im Herzgewebe. Vorläufer der D-Serie Resolvine, Protektine und Maresine.
Antiinflammatorische Mechanismen: Omega-3-Fettsäuren wirken auf mehreren Ebenen entzündungsmodulierend:
- Substratverdrängung: EPA verdrängt Arachidonsäure (AA, Omega-6) aus Zellmembranen und reduziert die Verfügbarkeit für proinflammatorische Eicosanoide.
- SPM-Produktion: EPA und DHA werden zu Resolvinen, Protektinen und Maresinen metabolisiert, die aktiv Entzündung auflösen (Resolution of Inflammation).
- GPR120-Aktivierung: DHA aktiviert den Fettsäurerezeptor GPR120 auf Makrophagen, was NF-κB hemmt und die NLRP3-Inflammasom-Aktivierung reduziert.
- Membranfluidität: Der Einbau von EPA/DHA in Zellmembranen erhöht deren Fluidität, was Rezeptorfunktion und Signaltransduktion beeinflusst.
Gehirnfunktion: DHA ist die dominante Fettsäure in synaptischen Membranen und essenziell für synaptische Plastizität, Neurogenese und Neuroprotection. Ein niedriger DHA-Status wird in epidemiologischen Studien mit einem erhöhten Risiko für Depression, kognitive Verschlechterung und neurodegenerative Erkrankungen assoziiert.
Der Omega-3-Index (EPA + DHA als Prozentsatz der Erythrozyten-Fettsäuren) hat sich als Biomarker etabliert. Ein Index von 8 - 11 % gilt als kardioprotektiv; in westlichen Bevölkerungen liegen die Durchschnittswerte bei 4 - 6 %.
— Die MOJO Perspektive
Omega-3-Fettsäuren sind in der Regenerationsmedizin ein zentraler Interventionspunkt, weil sie das Gleichgewicht zwischen Entzündungsentstehung und Entzündungsauflösung direkt beeinflussen. Das Paradigma: Chronische Entzündung entsteht nicht nur durch zu viele proinflammatorische Signale, sondern auch durch zu wenige pro-resolvierende Signale. Die Optimierung des Omega-3-Index wird als eine der effektivsten und am besten messbaren Maßnahmen zur Entzündungsmodulation betrachtet.
Das Wichtigste in Kürze
- 1
- 2
- 3
- 4
— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern

Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
Mehr über den Autor