Du hörst immer wieder vom „Spike-Protein" im Zusammenhang mit Long COVID. Es ist das Schlüsselmolekül – sowohl für die Infektion als auch für die Impfung. Seine Persistenz im Körper könnte erklären, warum Symptome Monate nach der Infektion oder Impfung anhalten.
Was im Körper passiert
Das Spike-Protein ist wie ein Schlüssel, der in das ACE2-Schloss deiner Zellen passt. Wenn Fragmente dieses Schlüssels – besonders die S1-Untereinheit – in deinen Immunzellen (Monozyten) persistieren, reagiert dein Immunsystem dauerhaft auf ein Antigen, das es nicht eliminieren kann. Das erklärt chronische Entzündung, Gefäßschäden und Gerinnungsstörungen.
Long-COVID gehört vor allem zum Immunsystem: Infekt und Entzündung.
Spike-Protein: Das Spike-Protein (S-Protein) ist das Oberflächenprotein von SARS-CoV-2, das dem Virus den Eintritt in menschliche Zellen über den ACE2-Rezeptor ermöglicht. Es besteht aus zwei Untereinheiten: S1 (Rezeptorbindung) und S2 (Membranfusion). Das Spike-Protein wird sowohl bei der Virusinfektion als auch durch mRNA-Impfstoffe produziert.
Das Spike-Protein ist ein trimeres Glykoprotein auf der Oberfläche von SARS-CoV-2 – die namensgebende „Krone" (Corona) des Virus. Es besteht aus zwei funktionellen Untereinheiten:
S1-Untereinheit: Enthält die Receptor-Binding Domain (RBD), die an den ACE2-Rezeptor auf menschlichen Zellen bindet. Die S1-Untereinheit ist der Teil des Spike-Proteins, der bei Long COVID besonders relevant ist: Patterson et al. (2022) wiesen S1-Fragmente in CD16+ nicht-klassischen Monozyten bis zu 15 Monate nach Infektion nach.
S2-Untereinheit: Vermittelt die Fusion der Virusmembran mit der Zellmembran – der eigentliche Eintrittsmechanismus.
Spike-Protein und Long COVID:
Die Persistenz des Spike-Proteins – oder seiner S1-Fragmente – im Körper gilt als einer der zentralen Mechanismen bei Long COVID. Patterson et al. (2022) zeigten, dass das S1-Fragment in zirkulierenden Monozyten persistieren kann, was chronische Endothel-Aktivierung, Entzündung und Gerinnungsstörungen aufrechterhält. Patterson et al. (2025) wiesen zudem S1-Spike-Protein in Monozyten bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung nach – bei SARS-CoV-2-negativen Personen mit PASC-ähnlichen Symptomen.
Biologische Konsequenz:
Das Spike-Protein bindet nicht nur an ACE2, sondern kann unabhängig vom intakten Virus Endothelschäden, Gerinnungsaktivierung und Immunstimulation verursachen. Diese Eigenschaft erklärt, warum die Spike-Protein-Persistenz als treibender Faktor für viele Long-COVID-Symptome diskutiert wird.