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Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

Spike-Protein

Auch: S-Protein · SARS-CoV-2 Spike · S1/S2-Protein · Stachelprotein
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Definition

Spike-Protein Das Spike-Protein (S-Protein) ist das Oberflächenprotein von SARS-CoV-2, das dem Virus den Eintritt in menschliche Zellen über den ACE2-Rezeptor ermöglicht. Es besteht aus zwei Untereinheiten: S1 (Rezeptorbindung) und S2 (Membranfusion). Das Spike-Protein wird sowohl bei der Virusinfektion als auch durch mRNA-Impfstoffe produziert.

Im Detail

Das Spike-Protein ist ein trimeres Glykoprotein auf der Oberfläche von SARS-CoV-2 – die namensgebende „Krone" (Corona) des Virus. Es besteht aus zwei funktionellen Untereinheiten:

S1-Untereinheit: Enthält die Receptor-Binding Domain (RBD), die an den ACE2-Rezeptor auf menschlichen Zellen bindet. Die S1-Untereinheit ist der Teil des Spike-Proteins, der bei Long COVID besonders relevant ist: Patterson et al. (2022) wiesen S1-Fragmente in CD16+ nicht-klassischen Monozyten bis zu 15 Monate nach Infektion nach.

S2-Untereinheit: Vermittelt die Fusion der Virusmembran mit der Zellmembran – der eigentliche Eintrittsmechanismus.

Spike-Protein und Long COVID: Die Persistenz des Spike-Proteins – oder seiner S1-Fragmente – im Körper gilt als einer der zentralen Mechanismen bei Long COVID. Patterson et al. (2022) zeigten, dass das S1-Fragment in zirkulierenden Monozyten persistieren kann, was chronische Endothel-Aktivierung, Entzündung und Gerinnungsstörungen aufrechterhält. Patterson et al. (2025) wiesen zudem S1-Spike-Protein in Monozyten bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung nach – bei SARS-CoV-2-negativen Personen mit PASC-ähnlichen Symptomen.

Biologische Konsequenz: Das Spike-Protein bindet nicht nur an ACE2, sondern kann unabhängig vom intakten Virus Endothelschäden, Gerinnungsaktivierung und Immunstimulation verursachen. Diese Eigenschaft erklärt, warum die Spike-Protein-Persistenz als treibender Faktor für viele Long-COVID-Symptome diskutiert wird.

— Die MOJO Perspektive

In der Regenerationsmedizin ist das Spike-Protein der Ausgangspunkt einer Kaskade: Persistenz in Monozyten → chronische Immunaktivierung → Endothelschäden → Mikrothromben → Organschäden. Das Verständnis dieser Kaskade ist der Schlüssel zu einer rationalen Therapiestrategie bei Long COVID.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Das Spike-Protein besteht aus S1 (Rezeptorbindung) und S2 (Membranfusion).
  • 2S1-Fragmente können in CD16+ Monozyten bis zu 15 Monate nach Infektion persistieren (Patterson et al., 2022).
  • 3Nach COVID-19-Impfung wurde S1-Spike-Protein in Monozyten bis zu 245 Tage nachgewiesen (Patterson et al., 2025).
  • 4Das Spike-Protein kann unabhängig vom Virus Endothelschäden und Immunaktivierung verursachen.

— Erkennen · Verstehen · Verändern

Erkennen

Du hörst immer wieder vom „Spike-Protein" im Zusammenhang mit Long COVID. Es ist das Schlüsselmolekül – sowohl für die Infektion als auch für die Impfung. Seine Persistenz im Körper könnte erklären, warum Symptome Monate nach der Infektion oder Impfung anhalten.

Verstehen

Das Spike-Protein ist wie ein Schlüssel, der in das ACE2-Schloss deiner Zellen passt. Wenn Fragmente dieses Schlüssels – besonders die S1-Untereinheit – in deinen Immunzellen (Monozyten) persistieren, reagiert dein Immunsystem dauerhaft auf ein Antigen, das es nicht eliminieren kann. Das erklärt chronische Entzündung, Gefäßschäden und Gerinnungsstörungen.

Verändern

Die Forschung zur Spike-Protein-Eliminierung ist aktiv. Diagnostisch kann ein spezialisiertes Labor den Spike-Nachweis in Monozyten durchführen. Verschiedene Ansätze zur Reduktion der Spike-Protein-Last werden untersucht – die Evidenz ist in der Entwicklung. Ein Arzt, der mit dem aktuellen Forschungsstand vertraut ist, kann die individuelle Situation einordnen.

Quellen & Referenzen

  • Persistence of SARS CoV-2 S1 Protein in CD16+ Monocytes in Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC) up to 15 Months Post-Infection
    Patterson B.K., Francisco E.B., Yogendra R. et al.Frontiers in Immunology (2022) DOI: 10.3389/fimmu.2021.746021
  • Detection of S1 spike protein in CD16+ monocytes up to 245 days in SARS-CoV-2-negative post-COVID-19 vaccine syndrome (PCVS) individuals
    Patterson B.K., Yogendra R., Francisco E.B. et al.Human Vaccines & Immunotherapeutics (2025) DOI: 10.1080/21645515.2025.2494934

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