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Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

Autoantikörper bei Long COVID

Auch: Autoimmunantikörper · Auto-Antikörper · Selbst-Antikörper
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Autoantikörper gegen GPCR-Rezeptoren können autonome Dysfunktion (POTS, Herzrasen) bei Long COVID vermitteln.
  • Anti-ACE2-Antikörper stören die Renin-Angiotensin-Regulation.
  • Molekulare Mimikry zwischen Spike-Protein und körpereigenen Strukturen ist ein möglicher Entstehungsmechanismus.

Du hast Long COVID und Symptome, die an eine Autoimmunerkrankung erinnern – Gelenkschmerzen, Hautveränderungen, autonome Dysfunktion ohne klare Ursache? Autoantikörper könnten eine Rolle spielen.

Was im Körper passiert

Bei Long COVID kann das Immunsystem durch die Spike-Protein-Exposition „verwirrt" werden: Strukturen auf dem Spike-Protein ähneln körpereigenen Proteinen (molekulare Mimikry). Das Immunsystem bildet Antikörper, die nicht nur das Virus, sondern auch den eigenen Körper angreifen – insbesondere Rezeptoren, die Herzfrequenz, Gefäßtonus und autonome Funktionen steuern.

Long-COVID gehört vor allem zum Immunsystem: Infekt und Entzündung.

Autoantikörper bei Long COVID: Autoantikörper sind Antikörper, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. Bei Long COVID werden zunehmend Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR), ACE2-Rezeptoren und andere Zielstrukturen nachgewiesen, die autonome Dysfunktion, Gefäßschäden und Immunfehlregulation vermitteln können.

Autoantikörper entstehen, wenn das Immunsystem die Unterscheidung zwischen „selbst" und „fremd" verliert – ein Prozess, der durch Infektionen ausgelöst werden kann (molekulare Mimikry, Bystander-Aktivierung).

Relevante Autoantikörper bei Long COVID:

  • Anti-GPCR-Antikörper: Antikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, insbesondere gegen β2-adrenerge und muskarinerge Rezeptoren. Diese Rezeptoren steuern Herzfrequenz, Gefäßtonus, Bronchialweite und Verdauung. Autoantikörper können die Rezeptorfunktion stören und autonome Dysfunktion (POTS, Herzrasen, Verdauungsprobleme) verursachen.

  • Anti-ACE2-Antikörper: ACE2 ist der Rezeptor, den SARS-CoV-2 nutzt, um in Zellen einzudringen. Autoantikörper gegen ACE2 können die Funktion des Renin-Angiotensin-Systems stören und Blutdruckregulation, Gefäßfunktion und Entzündungsregulation beeinträchtigen.

  • Antinukleäre Antikörper (ANA): Unspezifische Autoimmunmarker, die bei Long COVID häufiger positiv sind.

Klein et al. (2023, Nature) identifizierten in einer umfassenden immunologischen Charakterisierung von Long COVID signifikante Unterschiede in Autoantikörper-Profilen zwischen Long-COVID-Patienten und gesunden Kontrollen.

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Quellen (2)
  • Distinguishing features of long COVID identified through immune profiling
    Klein J., Wood J., Jaycox J.R. et al. – Nature (2023) DOI: 10.1038/s41586-023-06651-y
  • Long COVID: major findings, mechanisms and recommendations
    Davis H.E., McCorkell L., Vogel J.M. et al. – Nature Reviews Microbiology (2023) DOI: 10.1038/s41579-022-00846-2
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