Neuroinflammation: Definition, Mechanismen und klinische Bedeutung
Neuroinflammation: Definition, Mechanismen und klinische Bedeutung — Neuroinflammation bezeichnet chronische Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem (ZNS), die von residenten Immunzellen – vor allem Mikroglia und Astrozyten – getragen werden.
Im Gegensatz zu peripherer Entzündung (z. B. bei einer Wunde oder Infektion) ist Neuroinflammation oft chronisch, niedriggradig und klinisch schwer fassbar. DiSabato et al. (2016) beschrieben im Journal of Neurochemistry, dass der Kontext entscheidend ist: Mikroglia können sowohl neuroprotektiv als auch neurotoxisch wirken – der Übergang von schützender zu schädlicher Immunaktivierung ist fließend und hängt von Dauer, Intensität und begleitenden Faktoren ab.
Neuroinflammation wird mit einer Vielzahl von Erkrankungen assoziiert: neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson), Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose), psychiatrische Störungen (Depression, Schizophrenie), chronische Erschöpfung (ME/CFS, Long COVID) und kognitive Beeinträchtigungen (Brain Fog).
Der Mechanismus: Periphere Immunsignale (Zytokine wie TNF-alpha, IL-1beta, IL-6) erreichen über den Vagusnerv und zirkumventrikuläre Organe das Gehirn. Dort aktivieren sie Mikroglia, die ihrerseits proinflammatorische Mediatoren produzieren und so eine Entzündungskaskade im ZNS unterhalten (Dantzer et al. 2008).
— Die MOJO Perspektive
Neuroinflammation ist in der Regenerationsmedizin das Bindeglied zwischen Immunsystem und Nervensystem. Sie erklärt, warum chronische Entzündung im Körper zu kognitiven Problemen im Kopf führt – und warum anti-inflammatorische Strategien die Kognition verbessern können.
Das Wichtigste in Kürze
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— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Quellen & Referenzen
- Neuroinflammation: the devil is in the details
- From inflammation to sickness and depression: when the immune system subjugates the brainDantzer R., O'Connor J.C., Freund G.G. et al. – Nature Reviews Neuroscience (2008) DOI: 10.1038/nrn2297
- Depression as a Microglial DiseaseYirmiya R., Rimmerman N., Reshef R. – Trends in Neurosciences (2015) DOI: 10.1016/j.tins.2015.08.001
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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