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Glossar · Therapien & Interventionen

Zink: Zinkfinger, Enzyme und was ein Mangel bedeutet

Auch: Zn · Zinc · Zink(II) · Zinkion
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Rund jedes zehnte Eiweiß, das im menschlichen Erbgut verschlüsselt ist, bindet vermutlich Zink, viele davon über Zinkfinger (Zelle, Genomanalyse; Andreini und Kollegen 2005).
  • Ein Zinkfinger ist eine Schleife aus rund 30 Aminosäuren, die ein Zinkion zwischen zwei Cysteinen und zwei Histidinen hält und mit einer Helix die DNA abliest (Zelle; Klug 2010).
  • Den Zinkmangel beim Menschen beschrieb Prasad Anfang der 1960er Jahre an jungen Männern im Iran mit Kleinwuchs und unterentwickelten Keimdrüsen (Mensch; Prasad 2013).

„Was ist ein Zinkfinger, wofür braucht mein Körper Zink, und wie entsteht ein Zinkmangel?“

Du kennst Zink vielleicht aus dem Erkältungsregal oder aus dem Biologieunterricht, als es um Zinkfinger ging. Oder deine Ärztin hat einen Zinkwert bestimmt, und du fragst dich, was er sagt.

Die mechanische Sicht sagt: Zink ist ein Bauteil. Fehlt es, arbeiten Enzyme schlechter, also wird gemessen und ersetzt. Diese Sicht ist stark, sie hat den Zinkmangel als Krankheit überhaupt erst sichtbar gemacht. Und trotzdem: Der Zinkwert im Blut fällt bei jedem Infekt ab, weil der Körper Zink in die Leber verlagert. Fehlt dann Zink, oder wird es nur umverteilt?

Die energetische Sicht sagt: Zink stärkt die Abwehr, und wer anfällig ist, braucht mehr davon. Sie spürt richtig, dass Abwehr Bausteine braucht. Und trotzdem: Mehr ist nicht besser. Wer über lange Zeit viel Zink einnimmt, kann einen Kupfermangel bekommen, und der schwächt Blutbildung und Abwehr.

Die biologische Sicht verbindet beides: Zink ist ein Baustein, den der Körper aktiv verteilt und der im Gleichgewicht mit Kupfer arbeitet.

Oft heißt es: „Schon wieder ein neuer Infekt.“ Häufige Infekte sind nicht nur Pech mit Keimen. Deine Abwehr braucht Bausteine wie Zink, und dein Körper verteilt sie selbst, sobald ein Infekt beginnt.

Was im Körper passiert

Stell dir ein Buch mit Tausenden Seiten vor und Vorleser, die nur bestimmte Sätze vorlesen dürfen. Damit sie die richtige Stelle finden, brauchen sie Finger, die die Zeilen abtasten.

So arbeiten Zinkfinger. Ein Zinkfinger ist eine kurze Eiweißschleife, rund 30 Aminosäuren lang. In ihrer Mitte hält ein Zinkion vier Ankerpunkte zusammen, zwei Cysteine und zwei Histidine. Ohne Zink fällt die Schleife in sich zusammen; mit Zink faltet sie sich zu einer festen Form, deren Helix in die Rinne der DNA greift und dort etwa drei Buchstaben abliest. Mehrere Finger hintereinander lesen längere Abschnitte, so findet ein Protein genau sein Gen (Zelle; Klug 2010).

Entdeckt wurden Zinkfinger 1985 in einem Eiweiß aus Froscheiern, das Gene für die Eiweißfabriken der Zelle anschaltet. Heute weiß man, dass die Zinkfingerdomäne zu den häufigsten Bauformen im menschlichen Erbgut gehört (Zelle; Klug 2010). Auch die Rezeptoren für Cortisol, Schilddrüsenhormon und Vitamin D greifen mit Zinkfingern an die DNA.

Das erklärt, warum ein Zinkmangel zuerst dort auffällt, wo sich Zellen schnell teilen: in Haut, Darmschleimhaut und Abwehrzellen. Jede Zellteilung braucht kopierte DNA und abgelesene Gene, und an beidem ist Zink beteiligt (Zelle, Mensch; Prasad 2013).

Zink: Zinkfinger, Enzyme und was ein Mangel bedeutet: Zink ist ein Spurenelement, für das dein Körper keinen echten Speicher hat und das er darum laufend mit der Nahrung braucht. Es arbeitet in Hunderten Enzymen und hält die Zinkfinger in Form: kleine Eiweißschleifen, mit denen Proteine an die Erbsubstanz greifen und Gene ein- und ausschalten.

Zinkfinger und Zinkfingerproteine. Zinkfingerproteine sind Eiweiße mit einem oder vielen Zinkfingern. Die meisten sind Transkriptionsfaktoren, also Schalter, die festlegen, welche Gene abgelesen werden. Andere binden RNA oder andere Eiweiße. Weil sich Zinkfinger wie Bausteine kombinieren lassen, baut die Forschung künstliche Zinkfinger, die eine gewünschte DNA-Stelle erkennen. Mit einem Schneideenzym verbunden, entstehen Zinkfinger-Nukleasen, ein frühes Werkzeug, um Gene gezielt zu verändern (Zelle; Klug 2010).

Zink in Enzymen. Zink arbeitet in Enzymen aller großen Gruppen. Beispiele sind die Superoxiddismutase im Zellplasma, die Radikale abfängt, die Carboanhydrase, die den Säurehaushalt regelt, und die alkalische Phosphatase, die als Laborwert bekannt ist. Rechnet man Enzyme und Zinkfinger zusammen, binden rund 2.800 menschliche Eiweiße vermutlich Zink (Zelle, Genomanalyse; Andreini und Kollegen 2005).

Zink und Abwehr. Die Thymusdrüse, in der T-Zellen reifen, braucht Zink. Bei Mangel schrumpft sie, und die antivirale Abwehr wird schwächer (Mensch, Tier; Wessels und Kollegen 2017). Beginnt ein Infekt, holt der Körper Zink aus dem Blut in die Leber. Darum ist der Zinkwert während eines Infekts niedrig, auch ohne echten Mangel (Mensch; Wessels und Kollegen 2017).

Wie entsteht Zinkmangel? Selten durch zu wenig Zink allein, häufiger durch eine schlechte Aufnahme oder Verluste. Phytinsäure aus Getreide und Hülsenfrüchten bindet Zink im Darm; Prasads erste Patienten im Iran aßen vor allem ungesäuertes Brot und kaum Fleisch (Mensch; Prasad 2013). Dazu kommen chronische Darmerkrankungen, viel Alkohol, ein Diabetes mit Zinkverlust über den Urin und höheres Alter. Prasad (2013) schätzt, dass weltweit bis zu zwei Milliarden Menschen betroffen sein könnten, vor allem dort, wo Getreide die Hauptnahrung ist.

Zink und Potenz. Bei Prasads ersten Patienten waren die Keimdrüsen unterentwickelt; mit Zink holten Wachstum und Reifung auf (Mensch; Prasad 2013). Zink ist also für die Hodenfunktion nötig. Ob zusätzliches Zink ohne Mangel etwas an Libido oder Potenz ändert, ist beim Menschen nicht belegt.

Zink und Kupfer. Große Mengen Zink über lange Zeit regen im Darm Metallothionein an, ein Eiweiß, das Kupfer festhält. Das Kupfer geht dann mit den abgeschilferten Darmzellen verloren (Mensch). Ein solcher Kupfermangel zeigt sich an Blutarmut, zu wenigen weißen Blutkörperchen und manchmal an Nervenschäden. In unserem Laborsystem lesen wir darum Zink im Vollblut und Kupfer im Vollblut gemeinsam; das ist unser Konzept und kein allgemeiner Standard (Modell). Auch Cadmium, etwa aus Tabakrauch, kann Zink aus Enzymen verdrängen; wir lesen es deshalb mit Zink zusammen (Modell).

Der Zinkwert im Labor. Nur ein sehr kleiner Teil des Zinks im Körper kreist im Blut, der Großteil steckt in Muskeln und Knochen. Serumzink schwankt mit Tageszeit, Mahlzeit und Infekten. Ein einzelner Wert ist darum ein Hinweis, keine Diagnose.

zum Merken
Zink hält die Finger in Form, mit denen deine Zellen ihre Gene lesen. Mehr davon hilft nur, solange Kupfer im Gleichgewicht bleibt.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten.

Du kannst eine Woche lang notieren, woher dein Zink kommt: wie oft Fleisch, Fisch, Eier oder Käse auf dem Teller sind und wie viel Vollkorn und Hülsenfrüchte, und ob sie eingeweicht, gekeimt oder mit Sauerteig zubereitet sind.

Wenn du einen Zinkwert hast, kannst du nachsehen, ob er während eines Infekts bestimmt wurde und in welchem Material. Das ist eine gute Frage für deine Ärztin.

Und wenn du Zink schon länger einnimmst, kannst du deiner Ärztin die Packung zeigen und mit ihr klären, ob auch Kupfer bestimmt wird. Bei einer Nierenerkrankung oder unter Medikamenten zum Entwässern bleibt jede Ergänzung eine Entscheidung mit ihr.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Wie Zinkfinger gebaut sind und wie sie DNA lesen, ist an Zellen und Strukturen sehr gut belegt. Wie stark ein Zinkmangel aus der Nahrung die Zinkfinger beim Menschen leert, ist nicht geklärt; sie halten ihr Zink sehr fest, und der Körper verteilt bei knappem Angebot um. Einen verlässlichen Laborwert für den Zinkstatus gibt es nicht: Serumzink schwankt mit Tageszeit, Mahlzeit und Infekten. Dass Vollblut den Zellstatus besser abbildet, ist unser Laborkonzept, kein allgemeiner Standard. Für die Abwehr gibt es gute Daten bei nachgewiesenem Mangel; ob mehr Zink ohne Mangel etwas bringt, ist beim Menschen offen.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Mein Zinkwert: Serumzink, Vollblut-Zink
  • Bin ich bei Zink knapp?: Zinkmangel (Hypozinkämie)
  • Zink und Kupfer im Gleichgewicht: Zink-Kupfer-Verhältnis, Coeruloplasmin
  • Zu wenig Kupfer durch viel Zink: zinkinduzierter Kupfermangel
  • Was Zink aus der Nahrung bindet: Phytinsäure (Phytat)
  • Der Laborwert, in dem Zink mitarbeitet: alkalische Phosphatase
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Quellen (4)
  • Discovery of Human Zinc Deficiency: Its Impact on Human Health and Disease
    Prasad A.S. – Advances in Nutrition (2013) DOI: 10.3945/an.112.003210
  • Zinc as a Gatekeeper of Immune Function
    Wessels I., Maywald M., Rink L. – Nutrients (2017) DOI: 10.3390/nu9121286
  • The Discovery of Zinc Fingers and Their Applications in Gene Regulation and Genome Manipulation
    Klug A. – Annual Review of Biochemistry (2010) DOI: 10.1146/annurev-biochem-010909-095056
  • Counting the Zinc-Proteins Encoded in the Human Genome
    Andreini C., Banci L., Bertini I., Rosato A. – Journal of Proteome Research (2006) DOI: 10.1021/pr050361j
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