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Überblick · Symptome & Beschwerden

Schlafstörungen: Ursachen, Arten und was wirklich hilft

Schlafstörungen verstehen: die Arten nach ICSD-3, organische Ursachen von Schlafapnoe bis Schilddrüse und was bei Ein- und Durchschlafproblemen hilft.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Die internationale Einteilung ICSD-3 kennt sechs Hauptgruppen: Insomnie, schlafbezogene Atmungsstörungen, zentrale Hypersomnien wie Narkolepsie, Störungen der inneren Uhr, Parasomnien und schlafbezogene Bewegungsstörungen (Mensch; Lehrbuchwissen).
  • Schlaf entsteht, wenn ein Schalter im Hypothalamus die Wachzentren hemmt; bei chronischer Insomnie bleibt das Wachsystem aktiv, obwohl der Schlafdruck hoch ist (Tier und Mensch; Saper et al., 2005; Modell nach Borbély).
  • Bei chronischer Insomnie empfiehlt die europäische Leitlinie zuerst die kognitive Verhaltenstherapie, Schlafmittel nur kurz und ärztlich begleitet (Mensch; Riemann et al., 2017).

„Warum schlafe ich schlecht, welche Arten von Schlafstörungen gibt es, steckt eine organische Ursache dahinter, und was hilft wirklich?“

Du kennst den Satz: „Schlafen Sie einfach ein bisschen mehr.“ Vielleicht liegst du abends eine Stunde wach, obwohl du todmüde bist. Vielleicht wachst du um drei Uhr auf und der Kopf springt sofort an. Oder du schläfst acht Stunden und stehst trotzdem auf, als hättest du gar nicht geschlafen. Und du fragst dich, ob dahinter eine organische Ursache steckt oder ob du einfach nicht abschalten kannst.

Die mechanische Sicht der Medizin sucht nach dem Defekt. Im Schlaflabor misst sie Hirnströme, Atmung, Sauerstoff und Beinbewegungen und findet so Schlafapnoe, Narkolepsie oder unruhige Beine mit großer Genauigkeit. Für diese Störungen gibt es wirksame Behandlungen, und diese Präzision ist unverzichtbar. Und trotzdem: Was ist mit den vielen Menschen, deren Messung unauffällig ist und die trotzdem Nacht für Nacht wach liegen?

Die energetische Sicht der Erfahrungsheilkunde spricht von innerer Unruhe, von einem Leben aus dem Takt, von Kräutern, Ritualen und Rückzug. Sie spürt richtig, dass Schlaf kein Schalter ist, sondern ein Loslassen, das man nicht erzwingen kann. Und trotzdem: Das Bild der inneren Unruhe erklärt nicht, warum der Körper überhaupt wach bleibt und warum Tee allein bei chronischer Schlaflosigkeit selten reicht.

Die biologische Sicht verbindet beides. Schlaf ist ein Übergang, den dein Nervensystem aktiv einleitet, wenn Schlafdruck, innere Uhr und das Gefühl von Sicherheit zusammenpassen.

Oft heißt es: „Die Ärztin müsste das lösen.“ Für Schlafapnoe, Narkolepsie oder Schilddrüse ist die Schlafmedizin genau richtig. Ein Wachsystem, das nachts nicht abschaltet, braucht zusätzlich Zeit und neue Signale. Nicht die Ärztin versagt. Das System ist für Notfälle gebaut.

Was im Körper passiert

Stell dir einen Lichtschalter vor, der nur zwei Stellungen kennt: an oder aus. Genau so beschreibt die Forschung den Wechsel zwischen Wachen und Schlafen. Im Hypothalamus hemmen sich Schlafzentrum und Wachzentren gegenseitig. Gewinnt das eine, schaltet es das andere ab, darum kippen wir meist rasch in den Schlaf und nicht langsam (Tier; Saper et al., 2005).

Zwei Kräfte drücken auf diesen Schalter. Die erste ist der Schlafdruck: Je länger du wach bist, desto mehr Adenosin sammelt sich im Gehirn. Die zweite ist die innere Uhr, die abends das Signal für die Nacht gibt (Modell nach Borbély; Borbély et al., 2016). Eine dritte Kraft drückt dagegen: das Wachsystem mit Botenstoffen wie Noradrenalin und Orexin. Es bleibt aktiv, solange das Gehirn die Lage als unsicher bewertet.

Bei chronischer Insomnie ist genau das der Fall. Stress, Grübeln oder Schmerz halten das Wachsystem in Bereitschaft, und der Schalter kippt nicht, obwohl du müde bist. Die Forschung nennt das Hyperarousal, eine Übererregung von Nervensystem und Stressachse (Mensch). Das ist kein Versagen. Es ist ein Schutzmechanismus: Ein Körper, der Gefahr erwartet, schläft nicht tief. Darum kommt Schlaf zurück, wenn das Nervensystem wieder Sicherheit meldet.

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. Je nach Studie erfüllen sechs bis zehn von hundert Erwachsenen die Kriterien einer chronischen Insomnie, viele mehr schlafen phasenweise schlecht (Mensch; Riemann et al., 2017). Hinter dem Satz „Ich schlafe schlecht“ stecken aber sehr verschiedene Dinge: ein Kopf, der nachts weiterarbeitet, eine innere Uhr, die zu spät tickt, Atemaussetzer, unruhige Beine oder eine Schilddrüse, die den Körper auf Tempo hält.

Darum beginnt Hilfe mit der Frage, welche Art von Schlafstörung vorliegt. Hier findest du die Arten nach der internationalen Einteilung, die organischen und nicht organischen Ursachen, den Mechanismus hinter dem Wachliegen, die Rolle von innerer Uhr und Melatonin und das, was nach heutiger Studienlage hilft. Vertiefungen findest du in den Artikeln zu Schlaf und Nervensystem, zur Schlafarchitektur und zur Frage Warum kann ich nicht einschlafen?.

Arten von Schlafstörungen nach ICSD-3

Die internationale Klassifikation der Schlafstörungen in ihrer dritten Fassung (ICSD-3) ordnet die Diagnosen in sechs Hauptgruppen, dazu eine Restgruppe. Die alte Einteilung in primäre und sekundäre Schlafstörungen gilt nicht mehr.

Insomnie: Schwierigkeiten beim Einschlafen, Durchschlafen oder zu frühes Erwachen, mit Folgen für den Tag. Chronisch heißt sie, wenn sie an mindestens drei Nächten pro Woche über mindestens drei Monate auftritt. Sie ist die häufigste Form.

Schlafbezogene Atmungsstörungen: Vor allem die obstruktive Schlafapnoe, bei der die Rachenmuskulatur im Schlaf erschlafft und die Atmung immer wieder kurz aussetzt.

Zentrale Hypersomnien: Übermäßige Tagesschläfrigkeit ohne Schlafmangel, etwa bei Narkolepsie mit Schlafattacken am Tag.

Störungen der inneren Uhr: Der Schlaf ist gut, liegt aber zur falschen Zeit, etwa bei Spättypen mit verschobener Schlafphase, bei Schichtarbeit oder Jetlag.

Parasomnien: Ungewöhnliches Verhalten im Schlaf, etwa Schlafwandeln, Albträume oder das Ausleben von Träumen im REM-Schlaf.

Schlafbezogene Bewegungsstörungen: Allen voran das Restless-Legs-Syndrom mit einem Bewegungsdrang der Beine am Abend, der sich durch Bewegung bessert.

Organische Ursachen: wenn der Körper den Schlaf stört

Von organischen Schlafstörungen spricht man, wenn eine körperliche Ursache den Schlaf stört. Die wichtigsten sind:

  • Atemaussetzer: Lautes Schnarchen mit Pausen, die jemand neben dir bemerkt, starke Tagesmüdigkeit und Kopfschmerz am Morgen passen zur Schlafapnoe. Das klärt die Schlafmedizin mit einer Messung zu Hause oder im Schlaflabor, und es gibt gut wirksame Behandlungen.
  • Schlafattacken am Tag: Wer tagsüber gegen seinen Willen einschläft oder bei starken Gefühlen plötzlich Muskelkraft verliert, gehört ebenfalls in die Schlafmedizin oder Neurologie. Dort wird eine Narkolepsie abgeklärt.
  • Unruhige Beine: Beim Restless-Legs-Syndrom lohnt der Blick auf den Eisenstatus, auf die Nieren und auf Medikamente. Das bespricht deine Ärztin mit dir.
  • Schilddrüse: Eine Überfunktion hält den Körper auf Tempo, eine Unterfunktion macht schläfrig und schlapp. Mehr dazu in Schlafstörungen bei Hashimoto.
  • Schmerz, Sodbrennen, nächtlicher Harndrang, Atemnot, Hitzewallungen in den Wechseljahren: Alles, was nachts weckt, zerteilt den Schlaf.
  • Medikamente und Genussmittel: Manche Blutdruckmittel, Kortison, entwässernde Mittel am Abend, Koffein, Alkohol und Nikotin verändern den Schlaf. Eine Umstellung von Medikamenten nur mit deiner Ärztin.

Wer seine Träume im Schlaf auslebt, um sich schlägt oder tritt, lässt das neurologisch abklären. Diese REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist gut erkennbar, und eine frühe Einordnung hilft.

Nicht organisch heißt nicht eingebildet. Auch Stress, Grübeln, eine verschobene innere Uhr, Lärm oder Hitze im Schlafzimmer wirken über körperliche Wege, nur liegt die Ursache nicht in einem Organ.

Wenn das Nervensystem nicht abschaltet

Bei den meisten Menschen mit chronischer Insomnie findet das Schlaflabor keinen Defekt. Was sich zeigt, ist ein Zuviel an Wachheit: schnellerer Puls, mehr Stresshormone am Abend, mehr schnelle Hirnwellen in der Nacht (Mensch). Das Wachsystem im Hirnstamm und im Hypothalamus bleibt aktiv, und der Schalter zum Schlaf kippt nicht (Tier; Saper et al., 2005).

Normalerweise sinkt Cortisol am Abend auf seinen Tiefstwert. In einer Studie mit elf jungen Männern lag es schon nach sechs Nächten mit nur vier Stunden Schlaf am Abend höher, und der Körper verarbeitete Zucker schlechter (Mensch; Spiegel et al., 1999). Schlechter Schlaf und Stressachse verstärken sich also gegenseitig. Cortisol ist dabei dein Feuerlöscher, nicht das Feuer: Es zeigt an, dass der Körper Alarm verarbeitet.

Wie Sympathikus und Parasympathikus den Schlaf steuern, zeigt der Artikel Schlaf und Nervensystem. Das ganze System erklärt die Seite Nervensystem.

Innere Uhr und Melatonin: der circadiane Rhythmus

Der circadiane Rhythmus ist die innere Uhr des Körpers, die in etwa 24 Stunden schwingt. Ihr Taktgeber sitzt im Nucleus suprachiasmaticus, einem kleinen Kern im Hypothalamus. Er bekommt Licht über die Augen gemeldet und gibt den Takt an die Uhren in Leber, Darm, Herz und Immunzellen weiter (Tier und Mensch; Reppert & Weaver, 2002). In jeder dieser Zellen laufen Uhrengene wie CLOCK, BMAL1, PER und CRY in einer Schleife, die sich selbst bremst und neu startet. Für ihre Entdeckung gab es 2017 den Nobelpreis.

Melatonin ist das Signal der Dunkelheit. Die Zirbeldrüse bildet es abends, sobald es dunkel wird, aus Serotonin; helles Licht, vor allem blaues, bremst die Bildung (Mensch; Claustrat et al., 2005). Melatonin macht nicht schläfrig wie ein Schlafmittel. Es sagt dem Körper, dass Nacht ist: Die Kerntemperatur sinkt, und die Uhren der Organe stellen sich ein. Mit dem Alter bildet die Zirbeldrüse weniger davon.

Auch Cortisol folgt der Uhr: Es steigt in den frühen Morgenstunden und fällt bis zum Abend. Die Darmuhr wiederum richtet sich stark nach den Essenszeiten. Laufen Lichtuhr und Organuhren auseinander, etwa bei Schichtarbeit oder spätem Essen, wird Schlaf flacher und kürzer.

Schlaf, Immunsystem und Stoffwechsel

Schlaf ist die Zeit, in der Immunsystem und Stoffwechsel neu eingestellt werden. Gestörter Schlaf geht mit höheren Entzündungsmarkern wie CRP und Interleukin-6 einher, und Schlafmangel verschiebt Immunzellen in Richtung Entzündung (Mensch; Irwin, 2015). Zugleich wirkt Entzündung zurück aufs Gehirn und zerteilt den Schlaf. So entsteht ein Kreis, der sich selbst hält.

Auch der Zuckerstoffwechsel reagiert schnell. Schon wenige Nächte mit verkürztem Schlaf verschlechtern die Zuckertoleranz messbar (Mensch; Spiegel et al., 1999). Wie tief und wie lange du in den einzelnen Schlafphasen bist, beschreibt die Schlafarchitektur.

Vom Zustand zur Eigenschaft: wie Schlaflosigkeit gelernt wird

Fast jede chronische Insomnie beginnt mit einem Auslöser: eine Trennung, eine Krankheit, eine harte Zeit im Beruf. Meist erholt sich der Schlaf danach. Bei manchen bleibt er gestört, weil das Gehirn etwas Neues gelernt hat. Das Modell nach Spielman beschreibt drei Faktoren: eine Neigung zu Wachheit, den Auslöser und Gewohnheiten, die das Wachliegen halten, etwa früher ins Bett gehen, lange liegen bleiben, auf die Uhr schauen.

Das Bett wird so zum Ort des Wachliegens. Schon der Gedanke an die Nacht startet das Wachsystem. Aus einem Zustand wird eine Eigenschaft. Dein Körper lernt, was du wiederholst, und das gilt in beide Richtungen: Was Wachheit gelernt hat, kann Schlaf wieder lernen. Genau dort setzt die kognitive Verhaltenstherapie an.

Was bei Schlafstörungen hilft: Therapie, Schlafhygiene, Schlafmittel

Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I): Für chronische Insomnie ist sie nach der europäischen Leitlinie die erste Wahl, für Erwachsene jeden Alters (Mensch; Riemann et al., 2017). Sie verbindet Wissen über Schlaf, eine begrenzte Bettzeit, die den Schlafdruck erhöht, die Regel, das Bett nur zum Schlafen zu nutzen, Entspannung und die Arbeit an kreisenden Gedanken. Ihre Wirkung hält über die Therapie hinaus an. In den ersten Wochen kann der Schlaf vorübergehend schlechter werden. Es gibt sie bei Psychotherapeutinnen, in Schlafambulanzen und als ärztlich verordnete digitale Programme.

Schlafhygiene: Regelmäßige Zeiten, Tageslicht am Morgen, wenig Licht am Abend, ein kühles, dunkles Zimmer, Koffein früh am Tag. Als alleinige Maßnahme reicht Schlafhygiene bei chronischer Insomnie meist nicht, als Baustein ist sie sinnvoll (Mensch; Irish et al., 2015). Konkrete Schritte, nach Studienlage geordnet, zeigt die Liste Besser schlafen.

Schlafmittel: Die Leitlinie sieht Benzodiazepine und die verwandten Z-Substanzen nur für kurze Zeit vor, in der Regel bis zu vier Wochen, weil Gewöhnung und Abhängigkeit drohen und das Sturzrisiko im Alter steigt (Mensch; Riemann et al., 2017). Sedierende Antidepressiva werden ebenfalls kurzzeitig eingesetzt, Orexin-Rezeptor-Antagonisten dämpfen gezielt das Wachsystem. Alle sind verschreibungspflichtig, Auswahl, Dauer und Absetzen gehören in ärztliche Hand.

Melatonin: Bei Störungen der inneren Uhr wie Jetlag oder verschobener Schlafphase verschiebt es den Takt, wenn der Zeitpunkt stimmt (Mensch; Claustrat et al., 2005). Bei Insomnie ohne Rhythmusproblem fällt der Effekt in Studien klein aus, die Leitlinie empfiehlt es dafür nicht allgemein (Mensch; Riemann et al., 2017).

Diagnostik: vom Schlaftagebuch bis zum Schlaflabor

Am Anfang steht das Gespräch. Ein Schlaftagebuch über zwei Wochen zeigt, wann du ins Bett gehst, wie lange du wach liegst, wie oft du aufwachst und wie du dich am Tag fühlst. Es sagt oft mehr als eine einzelne Messnacht.

Danach ordnet die Ärztin ein: Einschlaf- oder Durchschlafstörung oder Tagesschläfrigkeit, akut oder chronisch, und ob eine Begleiterkrankung wie Depression, Angst, Schmerz oder Reflux mitspielt. Blutwerte wie Schilddrüse, Blutbild und Eisenstatus helfen bei der Suche nach organischen Ursachen.

Besteht Verdacht auf Schlafapnoe, Narkolepsie oder eine Parasomnie, folgt eine Messung zu Hause oder eine Nacht im Schlaflabor, die Polysomnografie. Ein Bewegungssensor am Handgelenk über ein bis zwei Wochen zeigt den Rhythmus von Schlafen und Wachen.

Akutmedizin und Regeneration: zwei Blicke auf denselben Schlaf

Die Schlafmedizin ist unverzichtbar, wenn Atmung, Nerven oder Organe den Schlaf stören. Bei vielen Menschen mit chronischer Insomnie gibt es diesen einen Defekt aber nicht. Dann hilft ein zweiter Blick: Was hält das Wachsystem in Bereitschaft, und was braucht der Körper, um wieder Sicherheit zu melden?

Ein Schlafmittel kann helfen, durch eine schwere Zeit zu kommen. Ein gesenktes Symptom ist aber nicht dasselbe wie ein beendetes Programm. In der Regenerationsmedizin schauen wir darum auf Licht und Dunkelheit, Atmung, Bewegung und Verbindung zu anderen Menschen. Unter den sechs Ärzten der Regeneration plus Dr. Pharma sind das vor allem Dr. Naturkraft mit Morgenlicht und Abenddunkel und Dr. Atmung mit einem ruhigen, langsamen Atem. Deine ärztliche Behandlung läuft weiter.

zum Merken
Schlaf lässt sich nicht erzwingen. Er kommt, wenn dein Nervensystem Sicherheit meldet.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Nervensystem (Neurometabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Naturkraft; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten, nicht mit einem Mittel.

Du kannst eine Woche lang notieren, wann du ins Bett gehst, wann du ungefähr einschläfst, wie oft du aufwachst und wann du aufstehst. Oft zeigt sich, dass du viel länger im Bett liegst, als du schläfst.

Du kannst beobachten, was in den Stunden vor dem Schlaf passiert: Licht, Bildschirm, Essen, Alkohol, Arbeit, Streit. Und wie lange es nach einem aufregenden Abend dauert, bis du ruhig wirst.

Und du kannst eine Person, die neben dir schläft, fragen, ob du laut schnarchst, Atempausen hast oder dich viel bewegst. Mit diesen Notizen wird das Gespräch mit deiner Ärztin konkreter. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Einteilung nach ICSD-3 und die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie bei chronischer Insomnie sind gut belegt, auch durch Leitlinien. Der Schlaf-Wach-Schalter stammt vor allem aus Tierstudien, das Zwei-Prozess-Modell und das Modell nach Spielman sind Modelle. Dass Schlafmangel Entzündung und Zuckerstoffwechsel verändert, zeigen kurze Studien mit wenigen Menschen und Beobachtungsdaten; was das über Jahre für den Einzelnen heißt, ist offen. Für Atemübungen, Biofeedback oder Licht bei Insomnie gibt es meist nur kleine Studien. Ein Schlaftracker ersetzt keine Messung im Schlaflabor.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Ich liege abends lange wach, obwohl ich müde bin: Einschlafstörung, verlängerte Schlaflatenz
  • Ich wache nachts auf und schlafe nicht mehr ein: Durchschlafstörung, Früherwachen
  • Das geht schon seit Monaten so: chronische Insomnie (ICSD-3)
  • Ich schnarche laut und habe Atempausen: obstruktive Schlafapnoe, Polygrafie
  • Meine Beine kribbeln abends und wollen sich bewegen: Restless-Legs-Syndrom, Eisenstatus
  • Mein Kopf und Körper fahren nachts nicht herunter: Hyperarousal
  • Eine Therapie, die den Schlaf neu lernt: kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I)
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (7)

Was sind organische Ursachen von Schlafstörungen?

Organisch heißt, eine körperliche Erkrankung stört den Schlaf. Häufig sind obstruktive Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom, eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Schmerzen, Sodbrennen, nächtlicher Harndrang, Herz- und Lungenerkrankungen, Hitzewallungen und Medikamente. Seltener sind Narkolepsie und andere neurologische Ursachen. All das klärt die Ärztin, bei Verdacht auf Atemaussetzer oder Schlafattacken die Schlafmedizin.

Wie viel Schlaf brauche ich?

Fachgesellschaften empfehlen Erwachsenen regelmäßig mindestens sieben Stunden pro Nacht (Mensch; Watson et al., 2015). Der Bedarf schwankt von Mensch zu Mensch. Entscheidend ist, ob du dich tagsüber erholt fühlst. Wer neun Stunden im Bett liegt, aber nur sechs schläft, braucht oft nicht mehr Bettzeit, sondern weniger.

Was ist der circadiane Rhythmus?

Der circadiane Rhythmus ist die innere Uhr, die in etwa 24 Stunden Schlaf, Hormone, Körpertemperatur, Verdauung und Immunsystem taktet. Der zentrale Taktgeber im Hypothalamus wird über Licht gestellt und synchronisiert die Uhren in den Organen, etwa die Darmuhr (Tier und Mensch; Reppert & Weaver, 2002). Licht am Morgen und Dunkelheit am Abend sind seine stärksten Zeitgeber.

Was macht Melatonin, und gibt es einen Gewöhnungseffekt?

Melatonin ist das Hormon der Dunkelheit. Die Zirbeldrüse bildet es abends und meldet dem Körper, dass Nacht ist (Mensch; Claustrat et al., 2005). Als Mittel kann es den Takt der inneren Uhr verschieben, etwa bei Jetlag; bei Insomnie ohne Rhythmusproblem ist der Effekt klein (Mensch; Riemann et al., 2017). Dass Melatonin von außen die eigene Bildung dauerhaft drosselt, ist nicht belegt, Langzeitdaten über Jahre fehlen. In Deutschland gibt es Melatonin als Nahrungsergänzung und als verschreibungspflichtiges Arzneimittel; bei Kindern, in der Schwangerschaft und mit anderen Medikamenten gehört die Frage in ärztliche Hand.

Kann Sport am Abend den Schlaf stören?

Moderate Bewegung am Abend stört den Schlaf bei den meisten Menschen nicht. Sehr intensive Belastung kurz vor dem Zubettgehen kann das Einschlafen verzögern, weil Puls und Körpertemperatur noch hoch sind. Bewegung am Tag erhöht den Schlafdruck am Abend. Ob dein Schlaf auf späten Sport reagiert, kannst du an dir selbst beobachten.

Was hilft bei Schlafstörungen durch Schichtarbeit?

Schichtarbeit zwingt den Schlaf gegen die innere Uhr (Tier und Mensch; Reppert & Weaver, 2002). Untersucht sind helles Licht in der ersten Hälfte der Nachtschicht, wenig Licht auf dem Heimweg, ein abgedunkeltes Schlafzimmer für den Tagschlaf und Schichtfolgen vorwärts von Früh über Spät zu Nacht. Ganz anpassen lässt sich die innere Uhr an Nachtarbeit kaum. Bei starker Müdigkeit am Steuer oder dauerhaft schlechtem Schlaf ist die Betriebs- oder Hausärztin die richtige Ansprechpartnerin.

Wann sollte ich wegen Schlafstörungen zur Ärztin?

Wenn der Schlaf über Wochen gestört ist und dich am Tag einschränkt, wenn jemand Atempausen bemerkt, wenn du tagsüber ungewollt einschläfst, wenn du Träume im Schlaf auslebst oder wenn Niedergeschlagenheit oder Ängste dazukommen. Bei Depression oder Angst sind Ärztin und Psychotherapeutin die richtigen Ansprechpartnerinnen; in einer akuten Krise erreichst du die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111.
Quellen (9)
  • Hypothalamic regulation of sleep and circadian rhythms
    Saper C.B., Scammell T.E., Lu J. – Nature (2005) DOI: 10.1038/nature04284
  • The two-process model of sleep regulation: a reappraisal
    Borbély A.A., Daan S., Wirz-Justice A., Deboer T. – Journal of Sleep Research (2016) DOI: 10.1111/jsr.12371
  • European guideline for the diagnosis and treatment of insomnia
    Riemann D., Baglioni C., Bassetti C. et al. – Journal of Sleep Research (2017) DOI: 10.1111/jsr.12594
  • The role of sleep hygiene in promoting public health: A review of empirical evidence
    Irish L.A., Kline C.E., Gunn H.E., Buysse D.J., Hall M.H. – Sleep Medicine Reviews (2015) DOI: 10.1016/j.smrv.2014.10.001
  • Why Sleep Is Important for Health: A Psychoneuroimmunology Perspective
    Irwin M.R. – Annual Review of Psychology (2015) DOI: 10.1146/annurev-psych-010213-115205
  • Impact of sleep debt on metabolic and endocrine function
    Spiegel K., Leproult R., Van Cauter E. – The Lancet (1999) DOI: 10.1016/S0140-6736(99)01376-8
  • Coordination of circadian timing in mammals
    Reppert S.M., Weaver D.R. – Nature (2002) DOI: 10.1038/nature00965
  • The basic physiology and pathophysiology of melatonin
    Claustrat B., Brun J., Chazot G. – Sleep Medicine Reviews (2005) DOI: 10.1016/j.smrv.2004.08.001
  • Recommended amount of sleep for a healthy adult: a joint consensus statement of the American Academy of Sleep Medicine and Sleep Research Society
    Watson N.F., Badr M.S., Belenky G. et al. – Sleep (2015) DOI: 10.5665/sleep.4716

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Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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