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Haarausfall: Ursachen, Diagnose und was hilft

Haarausfall hat vier Formen und viele Ursachen, von Eisen über Schilddrüse bis Stoffwechsel der Haarwurzel. Was die Diagnose klärt und was je Form hilft.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Diffuser Haarausfall folgt meist acht bis zwölf Wochen auf einen Auslöser wie Eisenmangel, Schilddrüse, Infekt, Geburt oder Stress; die Haarwurzel bleibt erhalten und das Haar kann nachwachsen (Mensch; Malkud 2015).
  • Kreisrunder Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung der Haarwurzel; Wirkstoffe, die das Signal der angreifenden Abwehrzellen blockieren, ließen in großen Studien bei einem Teil der Menschen mit schwerem Verlauf das Haar nachwachsen (Mensch; King und Kollegen 2022).
  • Bei Mäusen löste ein Ausfall der Mitochondrien in der Haut Haarausfall aus, der zurückging, als ihre Funktion wiederkam; ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist offen (Tier; Singh und Kollegen 2018).

„Mir fallen seit Wochen viele Haare aus. Woher kommt das, und was kann ich tun?“

Du kennst das vielleicht: Im Abfluss liegt ein Knäuel, auf dem Kopfkissen viele Haare, und der Pferdeschwanz ist dünner als früher. Vielleicht siehst du auch eine kahle, runde Stelle oder einen breiteren Scheitel. Dazu die Sorge, dass es immer so weitergeht.

Die mechanische Sicht sagt: Haarausfall hat eine Form und eine Ursache. Die Hautärztin bestimmt das Muster, schaut die Kopfhaut unter der Lupe an und behandelt gezielt, bei erblichem Haarausfall etwa mit Wirkstoffen, die das Wachstum anregen oder ein Hormon an der Haarwurzel bremsen. Das ist genau und gut untersucht. Und trotzdem: Warum beginnt der Haarausfall gerade jetzt, und warum oft gleichzeitig mit Müdigkeit oder anderen Beschwerden?

Die energetische Sicht sagt: Das Haar zeigt, wie es dem ganzen Menschen geht. Erschöpfung, Kummer und Mangel lassen es dünn werden, und Ruhe und gute Ernährung lassen es wieder wachsen. Sie spürt richtig, dass Haar und Allgemeinbefinden zusammenhängen. Und trotzdem: Über welchen Weg kommt eine schwere Zeit an der Haarwurzel an?

Die biologische Sicht verbindet beides: Die Haarwurzel ist ein Organ mit eigenem Zyklus und eigenem Stoffwechsel. Sie reagiert auf Hormone, Nährstoffe, Immunsystem und Stress, und sie zeigt das Monate später.

Oft heißt es: „Gesund werden heißt, Symptome zu bekämpfen.“ Haarausfall ist kein Gegner für ein Shampoo, sondern ein spätes Signal. Die bessere Frage lautet, was dein Körper vor einigen Monaten erlebt hat.

Was im Körper passiert

Stell dir jedes Haar als eigene kleine Pflanze vor, die über Jahre wächst, dann kurz welkt, ruht und neu austreibt. Diese Phasen heißen Wachstumsphase, Übergangsphase und Ruhephase. Bei gesundem Kopfhaar wächst der weitaus größte Teil, ein kleiner Teil ruht, und jede Haarwurzel folgt ihrem eigenen Takt (Mensch, Lehrbuchwissen; Paus und Cotsarelis 1999). Darum fällt im Alltag nie viel auf einmal aus.

Wozu tut der Körper das? Die Matrixzellen in der Haarwurzel teilen sich in der Wachstumsphase so schnell wie kaum ein anderes Gewebe (Paus und Cotsarelis 1999). Das kostet Baustoffe und Energie. Gerät der Körper unter Druck, durch Fieber, Blutverlust, Eisenmangel, eine Unterfunktion der Schilddrüse, eine Geburt oder eine lange Belastung, wechseln viele Haarwurzeln gleichzeitig in die Ruhephase. Zwei bis drei Monate später fallen diese Haare aus (Mensch; Malkud 2015). Der Körper stellt zurück, was er gerade nicht dringend braucht.

Wie die Haarwurzel entscheidet, ob sie wächst oder ruht, hängt auch an ihrem eigenen Stoffwechsel. Bei Mäusen schalten die Stammzellen der Haarwurzel beim Start der Wachstumsphase ihren Zuckerstoffwechsel um (Tier; Flores und Kollegen 2017). Die Mitochondrien wirken dabei als Sensor und Umsetzer, nicht nur als Kraftwerk. Und weil die Haarwurzel bei diffusem Haarausfall erhalten bleibt, kann sie wieder wachsen, wenn der Druck nachlässt (Mensch; Malkud 2015).

Haarausfall heißt: Es fallen über Wochen mehr Haare aus, als nachwachsen, oder das Haar wird sichtbar dünner. Bis etwa hundert Haare am Tag gelten als normal (Mensch, Lehrbuchwissen). Haarausfall ist ein Symptom, keine Diagnose. Wie er aussieht, verrät oft schon, welche der vier Hauptformen vorliegt, und davon hängt ab, was hilft.

Diese Seite ordnet die Formen ein, erklärt, was Stoffwechsel, Hormone und Immunsystem an der Haarwurzel tun, und sagt, was eine ärztliche Diagnose zeigt. Für einzelne Fragen gibt es eigene Seiten, etwa zu Hashimoto, Eisenmangel und MCAS, die unten im Text verlinkt sind, dazu die Liste der Nährstoffe bei Haarausfall.

Wie sieht Haarausfall aus? Die vier Hauptformen

Erblicher Haarausfall (androgenetische Alopezie): Die häufigste Form. Bei Männern beginnt sie meist mit Geheimratsecken und einer lichten Stelle am Hinterkopf, bei Frauen mit einem breiter werdenden Scheitel. Das Hormon Dihydrotestosteron, kurz DHT, lässt empfindliche Haarwurzeln über Jahre kleiner werden, bis sie nur noch feine Härchen bilden. Wie empfindlich eine Haarwurzel ist, ist erblich; die Hormonwerte im Blut sind dabei oft normal. In der kahlen Kopfhaut von Männern mit erblichem Haarausfall fanden Garza und Kollegen (2012) zudem mehr Prostaglandin D2, einen Botenstoff, der das Haarwachstum hemmt (Mensch, Gewebe; Tier).

Diffuser Haarausfall (Telogeneffluvium): Das Haar wird gleichmäßig über den ganzen Kopf dünner. Auslöser sind etwa Fieber, eine Operation, eine Geburt, eine Diät, Eisenmangel, eine Störung der Schilddrüse, Medikamente oder eine schwere Zeit. Der Ausfall beginnt meist einige Wochen bis Monate danach, und das Haar wächst nach, wenn der Auslöser wegfällt (Mensch; Malkud 2015).

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Runde, scharf begrenzte, glatte kahle Stellen, manchmal auch am Bart oder an den Augenbrauen. Hier richtet sich das Immunsystem gegen die Haarwurzel. Etwa zwei von hundert Menschen erleben ihn im Lauf ihres Lebens (Mensch; Strazzulla und Kollegen 2018).

Vernarbender Haarausfall: Selten. Eine Entzündung zerstört die Haarwurzel dauerhaft. Zeichen sind Rötung, Schuppen, Jucken oder Brennen an der Kopfhaut und glänzende Stellen ohne Haaröffnungen. Diese Form gehört früh zur Hautärztin, weil verlorene Haarwurzeln nicht zurückkommen.

Haarausfall und Mitochondrien: was die Forschung zeigt

Mitochondrien sind die kleinen Strukturen in der Zelle, die aus Nahrung Energie gewinnen und dabei laufend prüfen, ob die Lage sicher ist. In der Haarwurzel haben sie offenbar eine Schlüsselrolle, bisher vor allem bei Mäusen gezeigt.

Singh und Kollegen (2018) schalteten bei Mäusen gezielt die Erbsubstanz der Mitochondrien herunter. Innerhalb weniger Wochen bekamen die Tiere faltige Haut und verloren Fell. Als die Forscher den Eingriff beendeten und die Mitochondrien sich erholten, wuchs das Fell wieder nach (Tier). Flores und Kollegen (2017) zeigten, dass die Stammzellen der Haarwurzel bei Mäusen zu Beginn der Wachstumsphase stärker auf einen schnellen Zuckerabbau zu Laktat umschalten. Blockierten die Forscher diesen Schritt, startete das Wachstum nicht; leiteten sie den Stoffwechsel von den Mitochondrien weg, startete es schneller (Tier).

Was heißt das? Die Haarwurzel ist keine Maschine, die stur Haar herstellt. Sie liest den Zustand des Körpers über ihren Stoffwechsel. Mitochondrien sind dabei Sensor und Umsetzer zugleich, ein Ort, an dem Signale aus Hormonen, Nährstoffen und Stress zusammenlaufen. Schilddrüsenhormon zum Beispiel steuert sowohl den Haarzyklus als auch die Mitochondrien, mehr dazu auf der Seite Haarausfall bei Hashimoto. Ob sich die Befunde aus der Maus auf den Menschen übertragen lassen und ob sich der Haarausfall über die Mitochondrien beeinflussen lässt, ist am Menschen nicht untersucht. Wie Mitochondrien grundsätzlich arbeiten, erklärt die Seite Mitochondrien: Kraftwerke deiner Gesundheit.

Stoffwechsel, Hormone, Entzündung: was der Körper über das Haar zeigt

Eisen: Ein Eisenmangel kann Haarausfall begünstigen, auch wenn das Blutbild noch unauffällig ist (Mensch; Soppi 2018). Die Studien zum genauen Zusammenhang sind uneinheitlich, und einen gesicherten Ferritinwert, ab dem das Haar leidet, gibt es nicht (Mensch; Trost und Kollegen 2006). Mehr dazu unter Haarausfall durch Eisenmangel.

Schilddrüse: Unter- und Überfunktion können diffusen Haarausfall auslösen. Bei Hashimoto kommen manchmal leere Eisenspeicher und kreisrunder Haarausfall dazu.

Andere Nährstoffe: Zink, Vitamin D, Eiweiß und Vitamin B12 können bei einem Mangel eine Rolle spielen. Ohne Mangel zeigen die Studien für zusätzliche Präparate keinen sicheren Nutzen fürs Haar (Mensch; Almohanna und Kollegen 2019). Die Liste Nährstoffe bei Haarausfall geht die acht wichtigsten durch.

Hormone: Nach einer Geburt fällt der hohe Östrogenspiegel der Schwangerschaft ab, und viele Haare gehen gleichzeitig in die Ruhephase. Auch in den Wechseljahren und bei einem Überschuss männlicher Hormone, etwa beim polyzystischen Ovarsyndrom, kann sich das Haar verändern.

Entzündung und Stress: Fieber, schwere Infekte und lange Belastung sind bekannte Auslöser des diffusen Haarausfalls (Mensch; Malkud 2015). Bei einer Mastzellaktivierung wirken Botenstoffe wie Histamin und Prostaglandine auch an der Haarwurzel, mehr dazu unter Haarausfall bei MCAS. Haarausfall ist bei Stoffwechselstörungen darum oft ein frühes, sichtbares Zeichen, nicht die Krankheit selbst.

Alopecia areata: wenn das Immunsystem die Haarwurzel erfasst

Die Haarwurzel in der Wachstumsphase ist normalerweise vor dem Immunsystem geschützt, Fachleute sprechen von ihrem Immunprivileg. Bei kreisrundem Haarausfall bricht dieser Schutz zusammen. Xing und Kollegen (2014) zeigten, dass dann bestimmte angreifende Abwehrzellen, zytotoxische T-Zellen, die Haarwurzel erkennen, und dass das Signal dafür über sogenannte JAK-Enzyme läuft (Tier; Mensch, Gewebe). Die Haarwurzel wird dabei nicht zerstört, sondern in die Ruhe gezwungen.

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Bei vielen Menschen mit einzelnen Stellen wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von selbst nach, Rückfälle sind aber häufig (Mensch; Strazzulla und Kollegen 2018). Kreisrunder Haarausfall tritt gehäuft zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, vor allem der Schilddrüse (Strazzulla und Kollegen 2018).

Für schwere Verläufe sind in der EU seit 2022 und 2023 die verschreibungspflichtigen JAK-Hemmer Baricitinib und Ritlecitinib zugelassen. In zwei großen Studien mit Baricitinib wuchs nach 36 Wochen bei gut einem Drittel der Teilnehmenden mit der höheren Dosis das Kopfhaar weitgehend nach, unter Placebo bei wenigen Prozent (Mensch; King und Kollegen 2022). Nach dem Absetzen kann der Haarausfall zurückkehren, und Infektionen und Laborveränderungen gehören zu den Nebenwirkungen. Ob und wie behandelt wird, entscheidet die Hautärztin mit dir. Kreisrunder Haarausfall ist für viele seelisch belastend; auch dafür ist ärztliche oder psychotherapeutische Begleitung da.

Haarausfall Diagnose: welche Untersuchungen Klarheit schaffen

Die Diagnose beantwortet zwei Fragen: Welche Form liegt vor, und was hat sie ausgelöst?

Gespräch und Blick: Seit wann, wie viel, welches Muster? Was war in den Monaten davor, etwa Infekt, Geburt, Diät, neue Medikamente oder eine schwere Zeit? Beim Zupftest zieht die Ärztin sanft an einer Haarsträhne; lösen sich mehrere Haare leicht, spricht das für einen aktiven Ausfall.

Trichoskopie: Die Hautärztin betrachtet Kopfhaut und Haare mit einer Lupe oder Kamera. So erkennt sie kleiner werdende Haarwurzeln beim erblichen Haarausfall, typische Zeichen des kreisrunden Haarausfalls und Hinweise auf Vernarbung. Ein Trichogramm oder eine digitale Haaranalyse zählt, wie viele Haare wachsen und wie viele ruhen. Eine Haarmineralanalyse aus abgeschnittenen Haaren ist dagegen kein verlässliches Maß für Nährstoffmängel.

Blutwerte: Häufig bestimmt werden Blutbild, Ferritin, Schilddrüsenwerte und je nach Lage Vitamin D, Zink, Vitamin B12, Entzündungswerte oder Hormone wie Testosteron und DHEA-S. Welche Werte bei dir sinnvoll sind, entscheidet die Ärztin. Nimmst du Biotin ein, sag es vor der Blutabnahme, denn es kann Laborwerte verfälschen (Mensch; Patel und Kollegen 2017).

Biopsie: Eine kleine Gewebeprobe ist nur nötig, wenn ein vernarbender Haarausfall möglich ist oder die Form unklar bleibt.

Haarausfall stoppen: was je nach Form hilft

Diffuser Haarausfall: Hier hilft vor allem, den Auslöser zu finden und zu beheben, etwa einen Eisenmangel auszugleichen oder die Schilddrüse einzustellen. Die Haarwurzeln sind erhalten, und das Haar wächst über Monate nach (Mensch; Malkud 2015).

Erblicher Haarausfall: Am besten untersucht sind Minoxidil als Lösung oder Schaum für die Kopfhaut und Finasterid als Tablette für Männer. Eine Metaanalyse fand für beide und für Lichttherapie mit schwachem Laser einen Vorteil gegenüber Placebo (Mensch; Adil und Godwin 2017). Beide wirken nur, solange sie angewendet werden. Finasterid ist verschreibungspflichtig und hat Nebenwirkungen, über die die Ärztin aufklärt. Den Vergleich mit PRP, einer Behandlung mit Blutplasma, zeigt die Seite Minoxidil, Finasterid und PRP im Vergleich.

Kreisrunder Haarausfall: Je nach Ausmaß setzt die Hautärztin Kortison auf oder in die Haut, eine örtliche Immuntherapie oder bei schweren Verläufen JAK-Hemmer ein (Strazzulla und Kollegen 2018; King und Kollegen 2022).

Was ohne Mangel nicht belegt ist: Biotin hilft in den veröffentlichten Fällen nur, wenn ein Mangel oder eine zugrunde liegende Erkrankung bestand (Mensch; Patel und Kollegen 2017). Für viele Haarpräparate, Shampoos und Seren fehlen Studien, die eine Wirkung am menschlichen Haar zeigen.

Der Haarzyklus: warum Geduld zur Biologie gehört

Vom Auslöser bis zum sichtbaren Ausfall vergehen meist zwei bis drei Monate (Mensch; Malkud 2015). Fällt der Auslöser weg, lässt der Ausfall oft nach einigen Monaten nach, und neues Haar braucht weitere Monate, bis es sichtbar länger ist. Kopfhaar wächst etwa einen Zentimeter im Monat (Mensch, Lehrbuchwissen).

Das heißt: Wer nach vier Wochen aufgibt, weiß noch nichts. Wer ständig etwas Neues ausprobiert, kann nicht mehr erkennen, was gewirkt hat. Für den Verlauf eignen sich Fotos vom Scheitel bei gleichem Licht alle vier bis acht Wochen besser als das tägliche Zählen von Haaren, das vor allem Sorgen macht.

Dein Körper lernt, was er wiederholt erlebt, Belastung ebenso wie Erholung. Die Haarwurzel ist ein Teil davon, und sie zeigt Veränderungen in beide Richtungen, nur eben mit Verspätung.

zum Merken
Dein Haar ist ein Messfühler mit Verspätung. Es zeigt heute, was dein Körper vor zwei bis drei Monaten erlebt hat.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du verstehen möchtest, was dein Haar dir zeigt, kannst du drei Dinge beobachten:

Welches Muster ist es? Gleichmäßig dünner, Scheitel oder Geheimratsecken, runde kahle Stellen? Ein Foto vom Scheitel bei Tageslicht hilft dir und der Ärztin.

Was war in den Monaten davor? Infekt, Fieber, Geburt, Diät, neue Medikamente, eine schwere Zeit?

Was nimmst du ein, und welche Werte gibt es schon? Schreib Präparate auf, auch Haarvitamine mit Biotin, und frag nach Ferritin und Schilddrüsenwerten.

Mit diesen Antworten wird das Gespräch mit deiner Ärztin oder Hautärztin genauer. Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die vier Formen und der Haarzyklus sind am Menschen gut beschrieben. Wie oft hinter diffusem Haarausfall Eisen, Schilddrüse, Stress oder andere Ursachen stehen, ist in Studien uneinheitlich, und für viele Nährstoffe gibt es nur Beobachtungsstudien. Die Forschung zu Mitochondrien und Stoffwechsel der Haarwurzel stammt vor allem aus Mäusen; ob sich daraus etwas für Menschen ableiten lässt, ist offen. Für erblichen Haarausfall gibt es wirksame Behandlungen, aber keine, die ihn dauerhaft beendet.

Plötzlicher, starker Haarausfall, kahle Stellen, Rötung, Schuppen, Brennen oder Schmerzen an der Kopfhaut, Haarausfall bei Kindern und Haarausfall mit Fieber oder Gewichtsverlust gehören zur Ärztin oder Hautärztin. Belastet dich der Haarausfall seelisch stark, ist auch eine Psychotherapeutin eine gute Adresse.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Meine Haare fallen überall aus: diffuses Effluvium, Telogeneffluvium
  • Erblicher Haarausfall: androgenetische Alopezie
  • Runde kahle Stellen: Alopecia areata
  • Haarausfall mit Narben: vernarbende Alopezie
  • Die Kopfhaut unter der Lupe: Trichoskopie, Trichogramm
  • Ziehen an der Haarsträhne: Zupftest (Pull-Test)
  • Meine Eisenspeicher: Ferritin
  • Schilddrüsenwerte: TSH, fT3, fT4, TPO-Antikörper
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (6)

Ab wann ist Haarausfall krankhaft?

Bis etwa hundert Haare am Tag gelten als normal, nach dem Waschen können es einmalig mehr sein. Auffällig ist ein Ausfall, der über Wochen deutlich höher bleibt, sichtbar dünneres Haar oder kahle Stellen. Entscheidend ist der Verlauf über Wochen, nicht ein einzelner Tag.

Wächst ausgefallenes Haar wieder nach?

Das hängt von der Form ab. Bei diffusem Haarausfall bleibt die Haarwurzel erhalten, und das Haar wächst nach, wenn der Auslöser wegfällt (Malkud 2015). Bei kreisrundem Haarausfall wachsen die Haare oft nach, Rückfälle sind aber häufig (Strazzulla und Kollegen 2018). Bei erblichem Haarausfall lässt sich das Fortschreiten bremsen, bei vernarbendem sind die Haarwurzeln verloren.

Kann Stress Haarausfall verursachen?

Ja. Eine schwere Zeit, eine Operation oder ein hohes Fieber können viele Haarwurzeln gleichzeitig in die Ruhephase schicken. Der Ausfall beginnt meist erst Wochen später, darum erkennen viele den Zusammenhang nicht (Malkud 2015). Bei kreisrundem Haarausfall kann Stress einen Schub begleiten, ist aber nicht die alleinige Ursache.

Welche Blutwerte sind bei Haarausfall sinnvoll?

Häufig bestimmt werden Blutbild, Ferritin und Schilddrüsenwerte, je nach Lage auch Vitamin D, Zink, Vitamin B12, Entzündungswerte und Hormone. Welche Werte bei dir passen, entscheidet die Ärztin nach Muster und Vorgeschichte. Biotin vor der Blutabnahme erwähnen, weil es Ergebnisse verfälschen kann (Patel und Kollegen 2017).

Hilft Biotin bei Haarausfall?

Nur bei einem echten Biotinmangel, und der ist selten. In den veröffentlichten Fällen besserte sich das Haar nur bei Menschen mit einem Mangel oder einer zugrunde liegenden Erkrankung (Patel und Kollegen 2017). Hohe Mengen Biotin können Laborwerte wie Schilddrüsenwerte verfälschen.

Was ist der Unterschied zwischen erblichem und diffusem Haarausfall?

Erblicher Haarausfall folgt einem Muster, bei Männern Geheimratsecken und Hinterkopf, bei Frauen der Scheitel, und schreitet langsam über Jahre fort. Diffuser Haarausfall betrifft den ganzen Kopf gleichmäßig, beginnt meist mit Verzögerung nach einem Auslöser und geht zurück, wenn der Auslöser wegfällt (Malkud 2015).
Quellen (13)
  • The biology of hair follicles
    Paus R., Cotsarelis G. – New England Journal of Medicine (1999) DOI: 10.1056/NEJM199908123410706
  • Telogen Effluvium: A Review
    Malkud S. – Journal of Clinical and Diagnostic Research (2015) DOI: 10.7860/JCDR/2015/15219.6492
  • Prostaglandin D2 Inhibits Hair Growth and Is Elevated in Bald Scalp of Men with Androgenetic Alopecia
    Garza L.A., Liu Y., Yang Z. et al. – Science Translational Medicine (2012) DOI: 10.1126/scitranslmed.3003122
  • Alopecia areata: Disease characteristics, clinical evaluation, and new perspectives on pathogenesis
    Strazzulla L.C., Wang E.H.C., Avila L. et al. – Journal of the American Academy of Dermatology (2018) DOI: 10.1016/j.jaad.2017.04.1141
  • Alopecia areata is driven by cytotoxic T lymphocytes and is reversed by JAK inhibition
    Xing L., Dai Z., Jabbari A. et al. – Nature Medicine (2014) DOI: 10.1038/nm.3645
  • Two Phase 3 Trials of Baricitinib for Alopecia Areata
    King B., Ohyama M., Kwon O. et al. – New England Journal of Medicine (2022) DOI: 10.1056/NEJMoa2110343
  • Reversing wrinkled skin and hair loss in mice by restoring mitochondrial function
    Singh B., Schoeb T.R., Bajpai P., Slominski A., Singh K.K. – Cell Death & Disease (2018) DOI: 10.1038/s41419-018-0765-9
  • Lactate dehydrogenase activity drives hair follicle stem cell activation
    Flores A., Schell J., Krall A.S. et al. – Nature Cell Biology (2017) DOI: 10.1038/ncb3575
  • Iron deficiency without anemia – a clinical challenge
    Soppi E.T. – Clinical Case Reports (2018) DOI: 10.1002/ccr3.1529
  • The diagnosis and treatment of iron deficiency and its potential relationship to hair loss
    Trost L.B., Bergfeld W.F., Calogeras E. – Journal of the American Academy of Dermatology (2006) DOI: 10.1016/j.jaad.2005.11.1104
  • The Role of Vitamins and Minerals in Hair Loss: A Review
    Almohanna H.M., Ahmed A.A., Tsatalis J.P., Tosti A. – Dermatology and Therapy (2019) DOI: 10.1007/s13555-018-0278-6
  • The effectiveness of treatments for androgenetic alopecia: A systematic review and meta-analysis
    Adil A., Godwin M. – Journal of the American Academy of Dermatology (2017) DOI: 10.1016/j.jaad.2017.02.054
  • A Review of the Use of Biotin for Hair Loss
    Patel D.P., Swink S.M., Castelo-Soccio L. – Skin Appendage Disorders (2017) DOI: 10.1159/000462981

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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