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Glossar · Therapien & Interventionen

Selen im Vollblut: was der Blutwert über die Versorgung sagt

Auch: Selen im Vollblut · Se · Selen im Serum · Selenspiegel · Selenium (englisch)
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Selen ist Baustein von rund 25 Selenoproteinen, darunter Enzyme, die Zellen vor Oxidation schützen und Schilddrüsenhormon aktivieren (Zelle und Mensch; Rayman 2012).
  • Vollblut zeigt die Versorgung der letzten Monate, Serum oder Plasma reagieren schneller auf die Ernährung; die Referenzbereiche legt jedes Labor für sein Material fest (Mensch; Rayman 2012).
  • Selen folgt einer U-Kurve: Zu wenig und zu viel sind mit Nachteilen verbunden, bei gut Versorgten brachte zusätzliches Selen in Studien eher Risiken (Mensch; Rayman 2012).

„Wie heißt Selen im Blutbild, was zeigt Selen im Vollblut, und welcher Normwert gilt?“

Du suchst auf deinem Befund nach Selen und findest es nicht im Blutbild, sondern unter „Spurenelemente“ oder „Vollblutmineralanalyse“, vielleicht mit dem Kürzel Se. Oder du hast Hashimoto, liest überall von Selen und fragst dich, ob dein Wert reicht.

Die mechanische Sicht liest Selen wie jeden Laborwert: innerhalb des Referenzbereichs gut, darunter ein Mangel, darüber zu viel. Das ist klar und schützt, denn Selen ist eines der wenigen Spurenelemente, bei denen zu viel schnell schadet. Und trotzdem: Warum unterscheiden sich die Bereiche von Labor zu Labor so stark, und warum misst das eine im Serum, das andere im Vollblut?

Die energetische Sicht sagt: Selen schützt die Zellen und stärkt die Abwehr, mehr davon kann nicht schaden. Sie spürt richtig, dass Schutz vor Oxidation und eine wache Abwehr zusammengehören. Und trotzdem: Warum zeigen Studien bei gut versorgten Menschen, dass zusätzliches Selen eher Nachteile hat?

Die biologische Sicht verbindet beides: Selen wirkt nicht selbst, sondern als Baustein von Schutzeiweißen. Zu wenig lässt sie schwächeln, zu viel wird giftig. Der Vollblutwert zeigt, wie die Versorgung über Monate war.

Oft heißt es: „Wer richtig isst, macht alles richtig.“ Bei Selen ist mehr nicht besser. Zu wenig und zu viel schaden, und der Boden bestimmt mit, wie viel im Essen steckt.

Was im Körper passiert

Stell dir Selen als seltenes Ersatzteil vor, ohne das bestimmte Maschinen in der Zelle nicht laufen. Der Körper baut es als Aminosäure Selenocystein in rund 25 Eiweiße ein, die Selenoproteine (Zelle und Mensch; Rayman 2012). Die Glutathionperoxidasen entschärfen Wasserstoffperoxid und andere reaktive Sauerstoffverbindungen, bevor sie Zellwände und Erbgut schädigen. Die Deiodinasen wandeln das Schilddrüsenhormon T4 in seine aktive Form T3 um. Selenoprotein P bringt Selen über das Blut in die Gewebe (Zelle; Rayman 2012).

Wie viel Selen ankommt, hängt stark vom Boden ab, auf dem Nahrung wächst. Böden in weiten Teilen Europas sind selenärmer als etwa in Nordamerika, und entsprechend ist die Versorgung niedriger (Mensch; Rayman 2012). In Regionen Chinas mit niedrigem Selen waren Schilddrüsenerkrankungen häufiger als in Regionen mit ausreichendem Selen (Mensch, Querschnittsstudie; Wu et al. 2015).

Selen folgt einer U-Kurve. Zu wenig schwächt die Schutzeiweiße. Zu viel wird giftig: Fachleute sprechen von Selenose, mit knoblauchartigem Atem, brüchigen Nägeln und Haarausfall. Dazwischen liegt kein „je mehr, desto besser“; in Studien mit gut versorgten Menschen ging zusätzliches Selen mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes einher (Mensch, randomisierte Studien; Rayman 2012).

MOJO Laborsystem gehört vor allem zum Stoffwechsel: Energie, Labor, Nährstoffe.

Selen im Vollblut: was der Blutwert über die Versorgung sagt: Selen im Vollblut misst das Spurenelement Selen im ganzen Blut, auch in den roten Blutkörperchen. Der Wert zeigt die Versorgung der letzten Monate, der Serumwert eher die der letzten Wochen. Selen ist Baustein von Eiweißen, die Zellen vor Oxidation schützen und Schilddrüsenhormon aktivieren.

Wie heißt Selen im Blutbild?

Zum Blutbild gehört Selen nicht; es wird eigens angefordert. Auf dem Befund steht es als „Selen“ oder mit dem Zeichen „Se“, meist unter Spurenelementen, mit dem Material: „im Serum“, „im Plasma“ oder „im Vollblut“. Manche Labore führen es in einer Vollblutmineralanalyse zusammen mit Magnesium, Zink und anderen Elementen. Für die Messung braucht es spezielle Röhrchen, damit kein Metall aus dem Gefäß den Wert verfälscht.

Vollblut oder Serum: was der Wert zeigt

Im Serum oder Plasma kreist vor allem Selen, das gerade transportiert wird, gebunden an Selenoprotein P. Dieser Wert reagiert innerhalb von Wochen auf die Ernährung. Vollblut enthält zusätzlich die roten Blutkörperchen, die etwa 120 Tage leben; der Vollblutwert zeigt darum eher die Versorgung über Monate (Rayman 2012). Welcher Bereich normal ist, legt jedes Labor für seine Methode fest; die Zahlen unterscheiden sich deutlich. Maßgeblich ist der Referenzbereich auf deinem Befund.

Mit welchen Werten man Selen liest

Bei Fragen zur Schilddrüse gehören TSH, fT3, fT4 und die Schilddrüsenantikörper dazu; was Studien zu Selen bei Hashimoto zeigen, steht unter Selen bei Hashimoto: was die Metaanalyse zeigt. Selen und Quecksilber binden sich sehr fest aneinander; Methylquecksilber kann so Selen abfangen und selenabhängige Enzyme hemmen, und im Tierversuch schützte eine gute Selenversorgung vor seinen Folgen (Tier, Übersicht; Ralston und Raymond 2010). In der Lehre der Regenerationsmedizin wird darum bei einem erhöhten Quecksilberwert das Selen im Vollblut mitgelesen; das ist ein Modell, kein Leitlinienstandard.

Was oft missverstanden wird

„Selen schützt, also hilft viel viel.“ Für Selen stimmt das nicht. Der Abstand zwischen ausreichender und zu hoher Zufuhr ist kleiner als bei den meisten Nährstoffen, und Selen bleibt lange im Körper (Rayman 2012). Ein Wert oben im Bereich ist darum kein Ziel, sondern eine Frage, woher er kommt, etwa aus Präparaten oder vielen Paranüssen.

zum Merken
Selen ist ein Ersatzteil für Schutzeiweiße, kein Je-mehr-desto-besser. Zu wenig und zu viel schaden, der Vollblutwert zeigt die letzten Monate.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Drei Systeme antworten gemeinsam: Stoffwechsel, Nervensystem und Immunsystem; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt damit, den Wert richtig einzuordnen.

Du kannst auf dem Befund nachsehen, ob Selen im Serum, im Plasma oder im Vollblut gemessen wurde und welcher Referenzbereich danebensteht.

Du kannst eine Woche lang notieren, woher Selen bei dir kommt: Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Fleisch, Paranüsse, und ob du Präparate oder Mischpräparate nimmst, in denen Selen enthalten ist. Eine streng pflanzliche Ernährung, Darmerkrankungen oder Dialyse können die Versorgung senken.

Und du kannst mit diesen Notizen und deinen Schilddrüsenwerten ins Gespräch gehen. Ob ein Wert außerhalb des Bereichs behandelt wird und wie, klärt deine Ärztin; Präparate besprichst du bei einer Schilddrüsenerkrankung vorher mit ihr.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Funktion der Selenoproteine ist an Zellen und am Menschen gut belegt, ebenso die U-Kurve aus Beobachtungs- und randomisierten Studien. Dass Vollblut die Versorgung über Monate zeigt, folgt aus der Lebensdauer der roten Blutkörperchen; einheitliche, leitliniengestützte Bereiche für Vollblut gibt es nicht. Einen Zielwert nennen wir nicht; maßgeblich ist der Referenzbereich deines Labors.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Selen im ganzen Blut: Selen im Vollblut
  • Das Eiweiß, das Selen im Blut transportiert: Selenoprotein P
  • Die Schutzenzyme mit Selen: Glutathionperoxidase
  • Wird mein Schilddrüsenhormon gut aktiviert?: Deiodinase, T4 zu T3
  • Zu wenig Selen: Selenmangel
  • Zu viel Selen: Selenose
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ein Laborwert zeigt, wie dein Körper reguliert. Ob eine Krankheit dahintersteckt oder nicht, kann er nicht sagen; das klärt die Ärztin.

Häufige Fragen (3)

Wie heißt Selen im Blutbild?

Selen gehört nicht zum Blutbild, sondern wird eigens angefordert. Auf dem Befund steht es als „Selen“ oder „Se“, meist unter Spurenelementen, mit dem Material Serum, Plasma oder Vollblut.

Was ist der Normalwert für Selen im Blut?

Den Referenzbereich legt jedes Labor für sein Material und seine Methode fest; er steht auf deinem Befund. Vollblut und Serum haben verschiedene Bereiche, und auch zwischen Laboren unterscheiden sich die Zahlen deutlich. Ein Wert oben im Bereich ist kein Ziel, denn Selen folgt einer U-Kurve (Rayman 2012).

Selen im Vollblut oder im Serum messen?

Serum oder Plasma reagieren schneller auf die Ernährung und zeigen die Versorgung der letzten Wochen. Vollblut zeigt eher die letzten Monate, weil es die roten Blutkörperchen mit erfasst (Rayman 2012). Welcher Wert für deine Frage passt, besprichst du mit deiner Ärztin.
Quellen (3)
  • Selenium and human health
    Rayman M.P. – The Lancet (2012) DOI: 10.1016/S0140-6736(11)61452-9
  • Dietary selenium's protective effects against methylmercury toxicity
    Ralston N.V.C., Raymond L.J. – Toxicology (2010) DOI: 10.1016/j.tox.2010.06.004
  • Low Population Selenium Status Is Associated With Increased Prevalence of Thyroid Disease
    Wu Q., Rayman M.P., Lv H. et al. – The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2015) DOI: 10.1210/jc.2015-2222

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
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