MOJO LogoMOJO

Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

Insulinresistenz

Auch: Insulin Resistance · IR · Verringerte Insulinempfindlichkeit · Herabgesetzte Insulinsensitivität
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Insulinresistenz = verminderte Insulinansprechbarkeit der Zellen → kompensatorische Hyperinsulinämie.
  • Bei PCOS: 'Selektive Insulinresistenz' – metabolisch resistent, ovariell responsiv (Dunaif, 1997).
  • Insulin stimuliert ovarielle Androgenproduktion über CYP17α und supprimiert hepatisches SHBG.

Du hast PCOS und nimmst leicht zu, besonders am Bauch? Heißhungerattacken nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten? Dein Nüchternblutzucker ist 'normal', aber du fühlst dich nach dem Essen müde und energielos? Dunkle Hautstellen am Nacken oder in den Achseln (Acanthosis nigricans)? Diese Zeichen können auf eine Insulinresistenz hinweisen.

Was im Körper passiert

Deine Zellen reagieren nicht mehr ausreichend auf Insulin – also produziert deine Bauchspeicheldrüse immer mehr davon. Dieses Zuviel an Insulin hat bei PCOS einen direkten Effekt auf deine Eierstöcke: Es stimuliert die Testosteronproduktion in den Thekazellen und hemmt gleichzeitig SHBG in der Leber, sodass mehr Testosteron frei im Blut zirkuliert. Das Paradox: Dein Blutzucker kann normal sein, während dein Insulinspiegel bereits pathologisch erhöht ist.

Insulinresistenz: Insulinresistenz ist ein Zustand, bei dem Zellen (insbesondere Muskel-, Fett- und Leberzellen) vermindert auf Insulin reagieren. Die Bauchspeicheldrüse kompensiert mit erhöhter Insulinproduktion (Hyperinsulinämie). Bei PCOS ist diese Hyperinsulinämie der zentrale Treiber der ovariellen Androgenproduktion.

Bei Insulinresistenz ist die Signalübertragung vom Insulinrezeptor gestört – die Zellen nehmen weniger Glukose auf, obwohl genug Insulin vorhanden ist. Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit gesteigerter Insulinsekretion: kompensatorische Hyperinsulinämie. Der Blutzucker bleibt zunächst normal, aber der Insulinspiegel ist pathologisch erhöht.

Bei PCOS hat Insulinresistenz eine Sonderstellung, die Dunaif (1997) als 'selektive Insulinresistenz' beschrieb: Die metabolische Insulinwirkung (Glukoseaufnahme) ist gestört, aber die ovarielle Steroidogenese bleibt insulinresponsiv. Der Mechanismus: Insulin wirkt als Co-Gonadotropin auf die Thekazellen des Eierstocks und stimuliert das Schlüsselenzym CYP17α (17α-Hydroxylase/17,20-Lyase) – die Androgenproduktion steigt. Gleichzeitig hemmt Hyperinsulinämie die hepatische SHBG-Synthese: weniger SHBG bedeutet mehr freies, biologisch aktives Testosteron.

Die Diagnostik erfolgt über den HOMA-IR (Homeostasis Model Assessment: Nüchterninsulin × Nüchternglukose / 22,5; Werte > 2,5 als Hinweis), den oralen Glukosetoleranztest (OGTT) mit Insulinbestimmung und den Free Androgen Index (FAI = Gesamttestosteron × 100 / SHBG). Diamanti-Kandarakis und Dunaif (2012) betonten, dass 50–70 % aller PCOS-Frauen insulinresistent sind – unabhängig vom BMI. Auch schlanke Frauen mit PCOS können eine pathologische Insulindynamik zeigen, die über den Nüchternblutzucker allein nicht erkennbar ist.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Der erste Schritt ist die korrekte Diagnostik: Nüchterninsulin und HOMA-IR, idealerweise ein OGTT mit Insulinbestimmung. In der Literatur werden Ernährungsinterventionen (Reduktion schneller Kohlenhydrate, erhöhte Ballaststoff- und Proteinzufuhr), regelmäßige Bewegung (Kraft- und Ausdauertraining verbessern die Insulinsensitivität), Inositol und Metformin als Maßnahmen zur Verbesserung der Insulinsensitivität bei PCOS beschrieben. Besprich die Ergebnisse mit deinem Arzt.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (3)

Ist Insulinresistenz bei PCOS anders als bei Typ-2-Diabetes?

Der Grundmechanismus ist ähnlich, aber bei PCOS gibt es die Besonderheit der 'selektiven Insulinresistenz': Die metabolische Insulinwirkung ist gestört, aber die ovarielle Steroidogenese bleibt insulinresponsiv. PCOS-assoziierte Insulinresistenz erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes (7-fach), ist aber eine eigenständige Entität.

Kann man Insulinresistenz bei PCOS im Blut sehen?

Der Nüchternblutzucker ist häufig noch normal. Sensitiver sind: Nüchterninsulin, HOMA-IR (> 2,5 als Hinweis) und der OGTT mit Insulinbestimmung. Indirekte Marker: SHBG (erniedrigt), FAI (erhöht), Triglyceride (erhöht), HDL (erniedrigt).

Brauche ich Metformin bei PCOS?

Das hängt vom individuellen Befund ab. In Studien wurde Metformin bei PCOS eingesetzt, um die Insulinsensitivität zu verbessern, den Androgenspiegel zu senken und die Ovulation zu fördern. Die Entscheidung sollte auf Basis deiner Laborwerte (HOMA-IR, Insulin, FAI) und Symptomatik gemeinsam mit deinem Arzt getroffen werden.
Quellen (2)
  • Insulin resistance and the polycystic ovary syndrome: mechanism and implications for pathogenesis
    Dunaif A. – Endocrine Reviews (1997) DOI: 10.1210/edrv.18.6.0318
  • Insulin Resistance and the Polycystic Ovary Syndrome Revisited: An Update on Mechanisms and Implications
    Diamanti-Kandarakis E., Dunaif A. – Endocrine Reviews (2012) DOI: 10.1210/er.2011-1034
“
Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
MOJO

War das hilfreich?

Niemand hat die Wahrheit allein. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Schreib es in einen Kommentar. Wie wir arbeiten

KommentareAls Erste schreiben

0/2000

Dein Kommentar wird nach E-Mail-Bestätigung sichtbar.