Insulinresistenz
Insulinresistenz — Insulinresistenz ist ein Zustand, bei dem Zellen (insbesondere Muskel-, Fett- und Leberzellen) vermindert auf Insulin reagieren. Die Bauchspeicheldrüse kompensiert mit erhöhter Insulinproduktion (Hyperinsulinämie). Bei PCOS ist diese Hyperinsulinämie der zentrale Treiber der ovariellen Androgenproduktion.
Bei Insulinresistenz ist die Signalübertragung vom Insulinrezeptor gestört – die Zellen nehmen weniger Glukose auf, obwohl genug Insulin vorhanden ist. Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit gesteigerter Insulinsekretion: kompensatorische Hyperinsulinämie. Der Blutzucker bleibt zunächst normal, aber der Insulinspiegel ist pathologisch erhöht.
Bei PCOS hat Insulinresistenz eine Sonderstellung, die Dunaif (1997) als 'selektive Insulinresistenz' beschrieb: Die metabolische Insulinwirkung (Glukoseaufnahme) ist gestört, aber die ovarielle Steroidogenese bleibt insulinresponsiv. Der Mechanismus: Insulin wirkt als Co-Gonadotropin auf die Thekazellen des Eierstocks und stimuliert das Schlüsselenzym CYP17α (17α-Hydroxylase/17,20-Lyase) – die Androgenproduktion steigt. Gleichzeitig hemmt Hyperinsulinämie die hepatische SHBG-Synthese: weniger SHBG bedeutet mehr freies, biologisch aktives Testosteron.
Die Diagnostik erfolgt über den HOMA-IR (Homeostasis Model Assessment: Nüchterninsulin × Nüchternglukose / 22,5; Werte > 2,5 als Hinweis), den oralen Glukosetoleranztest (OGTT) mit Insulinbestimmung und den Free Androgen Index (FAI = Gesamttestosteron × 100 / SHBG). Diamanti-Kandarakis und Dunaif (2012) betonten, dass 50–70 % aller PCOS-Frauen insulinresistent sind – unabhängig vom BMI. Auch schlanke Frauen mit PCOS können eine pathologische Insulindynamik zeigen, die über den Nüchternblutzucker allein nicht erkennbar ist.
— Die MOJO Perspektive
Insulinresistenz bei PCOS ist kein isolierter Labormesswert – sie ist der systemische Knotenpunkt, an dem Stoffwechsel, Entzündung und Hormonbalance konvergieren. In der Regenerationsmedizin betrachten wir Insulinresistenz als Stellhebel: Verbessert sich die Insulinsensitivität, reduziert sich die ovarielle Androgenproduktion, steigt SHBG, verbessert sich die Ovulation – und die chronische Inflammation wird abgeschwächt.
Das Wichtigste in Kürze
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— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
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Quellen & Referenzen
- Insulin resistance and the polycystic ovary syndrome: mechanism and implications for pathogenesis
Dunaif A. – Endocrine Reviews (1997)DOI: 10.1210/edrv.18.6.0318 - Insulin Resistance and the Polycystic Ovary Syndrome Revisited: An Update on Mechanisms and Implications
Diamanti-Kandarakis E., Dunaif A. – Endocrine Reviews (2012)DOI: 10.1210/er.2011-1034
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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