„Ich habe Hashimoto und verliere Haare. Was hilft wirklich, und wachsen sie wieder nach?“
Du kennst das vielleicht: Die Bürste ist voller, im Abfluss sammeln sich Haare, der Scheitel wirkt breiter, und die Haare fühlen sich strohig an. Du hast Hashimoto, vielleicht ist die Schilddrüse schon eingestellt, und du fragst dich, was jetzt hilft und ob die Haare wieder dichter werden.
Die mechanische Sicht sagt: Bei Hashimoto fehlt Schilddrüsenhormon, also wird es ersetzt. Bleibt der Haarausfall, prüft die Hautärztin andere Formen, und es gibt Mittel für die Kopfhaut. Das ist klar, sicher und behandelt die wichtigste Ursache. Und trotzdem: Warum fallen die Haare nach der Einstellung manchmal noch Monate weiter aus?
Die energetische Sicht sagt: Das Haar zeigt, wie viel Kraft der Körper übrig hat. Wenn du zur Ruhe kommst und dich gut versorgst, kommen auch die Haare zurück. Sie spürt richtig, dass Erschöpfung und Haarausfall oft zusammengehören. Und trotzdem: Was genau braucht die Haarwurzel, und wie lange dauert es, bis man es sieht?
Die biologische Sicht verbindet beides: Die Haarwurzel folgt einer langsamen Uhr. Sie hört auf Schilddrüsenhormon, braucht Baustoffe wie Eisen und zeigt jede Veränderung mit Monaten Verzögerung.
Oft heißt es: „Gesund werden heißt, Symptome zu bekämpfen.“ Haarausfall bei Hashimoto lässt sich selten direkt bekämpfen. Die Haare folgen, wenn die Haarwurzel wieder bekommt, was sie braucht, mit Monaten Verzögerung.
Was im Körper passiert
Stell dir vor, du pflanzt Blumenzwiebeln im Herbst und siehst die Blüten erst im Frühling. So arbeitet die Haarwurzel. Gerät sie aus dem Takt, etwa weil Schilddrüsenhormon fehlt, wechseln viele Haare gleichzeitig in die Ruhephase. Dort bleiben sie etwa drei Monate, dann fallen sie aus (Mensch; Malkud 2015). Der Ausfall, den du siehst, ist also die Folge von etwas, das vor Wochen geschehen ist.
Wozu tut der Körper das? Haare zu bilden kostet Baustoff und Energie. Steht der Stoffwechsel auf Sparflamme, wie bei einer Unterfunktion, oder fehlen Baustoffe wie Eisen, stellt die Haarwurzel zuerst zurück. Das ist kein Defekt, sondern eine Rangfolge: Lebenswichtige Gewebe gehen vor (Modell).
Die Rangfolge kann sich wieder ändern. Stimmen Hormon und Baustoffe, kehren die Haarwurzeln in die Wachstumsphase zurück. Der Ausfall lässt meist erst nach einigen Monaten nach, und das neue Haar wächst etwa einen Zentimeter im Monat (Mensch, Lehrbuchwissen; Paus und Cotsarelis 1999). Bis der Zopf wieder voller wirkt, vergeht darum oft ein halbes Jahr oder mehr.
„Das wird schon wieder.“ Oder: „Da kann man nichts machen.“ Beides hören viele mit Hashimoto, wenn die Haare dünner werden. Und beides hilft wenig, wenn morgens Haare im Waschbecken liegen und der Zopf jede Woche schmaler wird. Die Frage dahinter ist berechtigt: Was hilft bei Haarausfall durch Hashimoto, und wachsen die Haare wieder?
Die kurze Antwort: Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann diffusen Haarausfall auslösen, gleichmäßig über den ganzen Kopf, oft mit trockenem, brüchigem Haar (Mensch; Chaker und Kollegen 2017). Bei dieser Form bleibt die Haarwurzel erhalten. Fällt der Auslöser weg, kann das Haar nachwachsen (Mensch; Malkud 2015). Am besten belegt ist dabei die Einstellung der Schilddrüse; leere Eisenspeicher und andere Ursachen kommen dazu.
Das Missverständnis liegt in der Erwartung, dass Haare sofort reagieren. Die Haarwurzel arbeitet in einem langsamen Zyklus. Was heute ausfällt, hat oft vor zwei bis drei Monaten begonnen, und was du heute änderst, zeigt sich erst Monate später. Warum Haare auch bei guten Werten weiter ausfallen können, erklärt die Seite Haarausfall bei Hashimoto: wie Schilddrüse und Eisen zusammenhängen.
Wirkung und Mechanismus
Stell dir die Haarwurzel als Uhr mit drei Zeigerstellungen vor. In der Wachstumsphase, der Anagenphase, bildet sie über Jahre Haar. Dann folgt eine kurze Übergangsphase und eine Ruhephase von etwa drei Monaten, die Telogenphase; danach fällt das Haar aus, und ein neues wächst nach (Mensch, Lehrbuchwissen; Paus und Cotsarelis 1999). Normalerweise ruht nur ein kleiner Teil der Haare gleichzeitig.
Schilddrüsenhormon hält die Uhr in der Wachstumsphase. Van Beek und Kollegen (2008) haben Haarwurzeln aus menschlicher Kopfhaut im Labor mit den Schilddrüsenhormonen T3 und T4 versorgt. Die Wurzeln blieben länger in der Wachstumsphase, die haarbildenden Zellen teilten sich häufiger, und die Haare bildeten mehr Farbstoff (Zelle, Gewebe vom Menschen). Fehlt Hormon, springen mehr Haare gleichzeitig in die Ruhephase. Ausfallen werden sie erst Wochen später.
Eisen ist Baustoff. Die Zellen der Haarwurzel teilen sich so schnell wie kaum ein anderes Gewebe, und dafür brauchen sie Eisen. Ob leere Eisenspeicher allein Haarausfall erklären, ist in Studien uneinheitlich; viele Fachleute prüfen sie bei diffusem Haarausfall trotzdem, weil ein Mangel häufig und gut behebbar ist (Mensch; Trost und Kollegen 2006). Bei Hashimoto lohnt der Blick besonders, weil die Eisenaufnahme über den Magen mitbetroffen sein kann. Mehr dazu auf der Seite Haarausfall durch Eisenmangel.
Das Immunsystem kann die Haarwurzel selbst erfassen. Kreisrunder Haarausfall, die Alopecia areata, ist eine eigene Autoimmunerkrankung der Haarwurzel und tritt gehäuft mit Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse auf (Mensch; Strazzulla und Kollegen 2018). Er zeigt sich als scharf begrenzte, runde kahle Stellen und folgt einem eigenen Verlauf.
Was sagt die Forschung
Dass Schilddrüsenhormone die Haarwurzel direkt steuern, zeigt die Studie von van Beek und Kollegen (2008) an Haarwurzeln aus menschlicher Kopfhaut, die im Labor weiterwuchsen. Das ist ein starkes Modell, aber kein Mensch: Wie viel Hormon im Alltag an der Kopfhaut ankommt, misst diese Studie nicht. Dass Haarausfall zu den Zeichen einer Unterfunktion gehört, ist klinisches Lehrbuchwissen (Chaker und Kollegen 2017).
Wie der Haarzyklus abläuft und warum Haare mit Verzögerung ausfallen und nachwachsen, beschreiben Übersichten zur Biologie der Haarwurzel (Paus und Cotsarelis 1999) und zum diffusen Haarausfall (Malkud 2015). Zu Eisen gibt es Beobachtungsstudien und Übersichten mit uneinheitlichen Ergebnissen (Trost und Kollegen 2006; Almohanna und Kollegen 2019). Für Zink, Biotin und andere Nährstoffe zeigen Übersichten, dass ein Ausgleich vor allem bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll erscheint, nicht als Vorsorge für alle (Almohanna und Kollegen 2019).
Selen senkt bei Hashimoto in einer Metaanalyse die Antikörper gegen die Schilddrüse (Mensch; Wichman und Kollegen 2016). Ob das den Haarausfall verändert, hat keine dieser Studien untersucht. Eine kontrollierte Studie, die Haarwachstum bei Hashimoto unter einer bestimmten Einstellung der Hormone, unter Eisen oder unter Selen gemessen hat, kennen wir nicht.
Was heute ausfällt, hat vor Monaten begonnen. Was du heute veränderst, siehst du in Monaten.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Immunmetabolismus).
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Deine Entscheidung. Wenn du verstehen möchtest, wie es um deine Haare steht, kannst du drei Dinge beobachten:
Wie verläuft der Ausfall? Ein Foto vom Scheitel bei gleichem Licht, einmal pro Woche, zeigt mehr als das tägliche Zählen. Achte auf kurze, nachwachsende Haare am Scheitel und an der Stirn: Sie sind das erste Zeichen, dass die Wurzeln wieder wachsen.
Was war vor drei Monaten? Eine neue Dosis deiner Schilddrüsentabletten, eine Geburt, ein Infekt, eine Diät, eine schwere Zeit?
Welche Werte gibt es schon? Neben TSH vielleicht fT4, fT3, Ferritin und ein Blutbild. Mit diesen Antworten wird das Gespräch mit deiner Ärztin genauer. Was du daraus machst, entscheidest du.
- Nachwachsende Haare suchen: Kurze, feine Haare am Scheitel und am Haaransatz zeigen, dass die Haarwurzeln in die Wachstumsphase zurückgekehrt sind. Sie erscheinen oft, bevor der Ausfall ganz aufhört (Malkud 2015).
- Den Zeitpunkt der Einstellung mitdenken: Wurde deine Schilddrüse gerade neu eingestellt, kann der Ausfall noch aus der Zeit davor stammen. Zu Beginn einer Behandlung mit Schilddrüsenhormon wird auch vorübergehender Haarausfall beschrieben. Eine Änderung der Dosis geschieht nur mit deiner Ärztin.
- Nährstoffe nach Befund: Übersichten sehen einen Nutzen von Eisen, Zink und anderen Nährstoffen vor allem bei nachgewiesenem Mangel (Almohanna und Kollegen 2019). Biotin kann außerdem Laborwerte der Schilddrüse verfälschen; sag deiner Ärztin, was du einnimmst.
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Was Schilddrüsenhormone an der Haarwurzel tun, ist vor allem an Gewebe im Labor gezeigt. Wie häufig Haarausfall bei Hashimoto ist und wie oft Hormon, Eisen oder Immunsystem dahinterstehen, ist in Studien nicht sauber getrennt. Eine kontrollierte Studie, die Haarwachstum bei Hashimoto unter einer bestimmten Einstellung der Hormone, unter Eisen oder unter Selen gemessen hat, kennen wir nicht. Die Wege oben sind darum Möglichkeiten zum Klären, kein Rezept.
Haarausfall hat auch bei Hashimoto oft mehrere Ursachen, darunter erblichen Haarausfall, Hormonumstellungen nach einer Geburt oder in den Wechseljahren, Medikamente und Stress. Auch zu viel Schilddrüsenhormon kann Haarausfall machen. Kreisrunde kahle Stellen, Rötung, Schuppen oder Brennen an der Kopfhaut gehören zur Hautärztin. Die Einstellung deiner Schilddrüsenhormone bleibt bei deiner Ärztin; eine Umstellung geschieht nur mit ihr.