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ForschungsupdateRegenerationsmedizin

Chronische entzündliche Erkrankungen werden durch unseren modernen Lebensstil gefördert

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Das Wichtigste in Kürze

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass chronische entzündliche Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Krebs, stark von unserem modernen Lebensstil beeinflus

Perspektivwechsel: Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass chronische entzündliche Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Krebs, stark von unserem modernen Lebensstil beeinflus

Dieser Artikel richtet sich an:

  • Ärzt:innen und Therapeut:innen, die neuroimmunologische Zusammenhänge in ihre Praxis integrieren möchten
  • Betroffene und Gesundheitsinteressierte, die aktuelle Forschung verstehen wollen
  • Fachkräfte in Ausbildung im Bereich Nervensystem & Neuroimmunologie

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass chronische entzündliche Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Krebs, stark von unserem modernen Lebensstil beeinflusst werden. Die Forscher haben herausgefunden, dass unser Immunsystem nicht mehr in der Lage ist, Entzündungsreaktionen richtig abzuschließen und somit chronische Entzündungen entstehen.

Die Wissenschaftler bezeichnen den Prozess der Entzündungsauflösung als "Resoleomics". Dieser Prozess wird normalerweise vom angeborenen Immunsystem kontrolliert und gesteuert und sollte Entzündungen erfolgreich abschließen. Allerdings kommen moderne Lebensstilfaktoren wie Ernährung und chronischer Stress in Konflikt mit dem natürlichen Ablauf der Entzündungsauflösung und stören diesen Prozess.

Der Körper braucht mehr Energie eine Entzündung aufzulösen, als sie aufrechtzuerhalten. Energie ist der Anfang von allem.

Dr. Gerrit Keferstein

Besonders die Veränderungen in unserer Ernährung spielen eine große Rolle. Die heutige westliche Ernährung ist stark von verarbeiteten Lebensmitteln und einem hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren geprägt. Dieses Ungleichgewicht zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren stört den Entzündungsregulationsprozess und führt zu anhaltenden Entzündungen.

Die entzündliche Wirkung des hohen Verhältnisses von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren während einer Entzündungsreaktion wurde in jüngsten humanen Studien, In-vitro-Studien und Tierstudien nachgewiesen. Die höheren Gehalte an Linolsäure (LA) in Phospholipiden im Plasma und in Zellmembranen scheinen ein Hauptfaktor für unvollständige Resoleomics-Reaktionen zu sein. Ein erhöhter Verzehr von Omega-3-Fettsäuren in Form von DHA und EPA reguliert sowohl die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen als auch die LA-Gehalte in Phospholipiden im Plasma und in Zellmembranen.

Chronischer Stress

Auch chronischer Stress hat einen großen Einfluss auf die Entzündungsreaktion. Stress aktiviert das zentrale Stresssystem, das wiederum das Immunsystem beeinflusst und zu einer chronischen Aktivierung führt. Chronischer Stress führt zu einer Aktivierung des sympathisch-adrenalen Mark-Systems und der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, was die Entzündungsreaktion verstärkt und den natürlichen Ablauf der Entzündungsauflösung behindert.

Kohlenhydratreiche Nahrung

Eine erhöhte Aufnahme von kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index scheint mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung chronischer Entzündungen verbunden zu sein. Dies wurde von mehreren Forschungsgruppen gezeigt. Hoher Blutzucker und erhöhter Insulinspiegel, typisch für Menschen mit Übergewicht oder Stoffwechselstörungen, führen zu einer gestörten Homöostase und einem erhöhten Risiko für chronische Entzündungen. Eine hohe glykämische Ernährung führt zu entzündlichen Markern im Körper, wie z.B. erhöhten Spiegeln von C-reaktivem Protein (CRP), Interleukinen und freien Radikalen. Dies sind wichtige Indikatoren für das Risiko von Herzerkrankungen und metabolischem Syndrom. Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) und Androgene, die durch erhöhte Insulinspiegel beeinflusst werden, sind mit verschiedenen Erkrankungen verbunden. Eine niedrige glykämische Ernährung kann die Insulinsensitivität verbessern und das Risiko für diese Erkrankungen reduzieren.

Ein hoher Verzehr von stark zuckerhaltigen Lebensmitteln kann Entzündungen und Krankheiten aufgrund von Hyperinsulinämie verursachen. Die in dem markierten Bereich dargestellten Mechanismen wurden von Cordain ausführlich beschrieben (Teil B). Teil A: Die daraus resultierende reaktive Hyperglykämie ist ein weiterer schädlicher Mechanismus. Hyperglykämie ist ein Warnsignal, das das systemische Stresssystem aktiviert. Eine chronische Aktivierung unterdrückt das angeborene Immunsystem und führt zu einer geringen, aber anhaltenden Entzündung und einer erhöhten Anfälligkeit für übermäßige Entzündungsreaktionen.

Einsatz von Kortison bei chronischer Entzündung

Darüber hinaus kann der langfristige Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten wie NSAR und Glukokortikoiden die Entzündungsauflösung unterdrücken. Obwohl diese Medikamente die Symptome von Entzündungen lindern können, verhindern sie eine vollständige Heilung und Auflösung der Entzündung und können sogar zu einem erhöhten Risiko für weitere chronische Krankheiten führen.

Die Ergebnisse der Studie finden sich wieder sehr treffend im MOJO Modell der Regenerationsmedizin und den engen Zusammenhängen zwischen Nervensystem, Immunsystem, und Stoffwechsel.

Zusammenfassung

Insgesamt verdeutlicht diese Studie die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes zur Behandlung chronischer entzündlicher Erkrankungen. Ernährungsumstellungen, Stressabbau und Bewegung sollten in die Behandlung einbezogen werden, um die Entzündungsreaktion des Körpers zu regulieren und die Entzündung vollständig aufzulösen.

Quellen

Bosma-den Boer, M.M., van Wetten, M.-L., & Pruimboom, L. (2012). Chronic inflammatory diseases are stimulated by current lifestyle: how diet, stress levels and medication prevent our body from recovering. Immunity & Ageing, 9(32). DOI: 10.1186/1743-7075-9-32


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