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Fachbeitrag · Diagnosen & Krankheitsbilder

Long COVID: vier Mechanismen, die die Forschung untersucht

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 19 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • LongCOVID ist eine systemische Erkrankung, die Nervensystem, Immunsystem und Zellstoffwechsel betrifft – funktionell ähnlich wie ME/CFS.
  • Vier Mechanismen im Fokus der Forschung: Spike-Protein, Entzündung, vegetatives Nervensystem, Mitochondrien.
  • Das Spike-Protein kann den Vagusnerv infizieren und eine Dysautonomie auslösen (Woo et al., 2023).

Du bist nach einer COVID-Infektion nicht mehr derselbe? Chronische Erschöpfung, Brain Fog, Herzrasen bei minimaler Anstrengung, Schlafstörungen oder Verdauungsprobleme, die einfach nicht weggehen? Wenn diese Symptome länger als 12 Wochen anhalten, spricht man von LongCOVID – und du bist nicht allein.

Was im Körper passiert

LongCOVID entsteht nicht durch ein einzelnes Problem, sondern durch ein Zusammenspiel: Das Spike-Protein kann in Geweben persistieren und dort chronische Immunreaktionen auslösen. Der Vagusnerv – die zentrale Schaltstelle zwischen Gehirn und Organen – kann durch direkte Infektion entzündet sein. Und die Mitochondrien, deine Zellkraftwerke, arbeiten unter chronischer Entzündung ineffizient. Das Ergebnis: Dein Körper kann nicht genug Energie produzieren und seine Regulationssysteme nicht mehr koordinieren.

Long-COVID gehört vor allem zum Immunsystem: Infekt und Entzündung.

Weltweit leben Millionen Menschen mit LongCOVID, und die Medizin versteht das Krankheitsbild erst in Teilen. Die Regenerationsmedizin zeigt: LongCOVID ist keine Einbildung und kein reines Nachwirkungsproblem. Es ist eine messbare, systemische Dysregulation, deren Mechanismen die Forschung zunehmend beschreibt.

Hierarchisches Diagramm: Mitochondrie oben, drei Systeme (blau, gelb, lila), Konzept-Icons, unten die Sechs Säulen (Atmung, Nahrung, Verbindung, Bewegung, Naturkraft, Story).

Unser ganzheitliches System vereint verschiedene Säulen der Regenerationsmedizin – von den Mitochondrien bis zur persönlichen Geschichte.

Long COVID betrifft Menschen, deren Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion über Monate bestehen bleiben: Erschöpfung, Gehirnnebel, Herzrasen, Schlafprobleme, eine schlechte Belastbarkeit. Die Forschung findet dabei Veränderungen in mehreren Systemen zugleich, im Nervensystem, im Immunsystem und im Energiestoffwechsel der Zellen. Dieser Beitrag ordnet vier Mechanismen ein, die Studien derzeit untersuchen, und zeigt, wie belastbar die Daten jeweils sind.

Perspektivwechsel: Long COVID wird oft als reine Nachwirkung des Virus gesehen. Die Studienlage zeigt ein breiteres Bild: Nervensystem, Immunsystem und Energiestoffwechsel geraten gemeinsam aus dem Gleichgewicht und beeinflussen sich gegenseitig. Die Frage verschiebt sich damit von „Ist das Virus noch da?“ zu „Warum findet der Organismus nicht in seine Regulation zurück?“

Wie man Long COVID verstehen kann

Long COVID lässt sich als Syndrom beschreiben, das durch eine Infektion ausgelöst wird, auch durch einen milden Verlauf. Für das Verständnis hilft der Blick auf ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom), zu dem es rund 30 Jahre Forschung gibt. Vier Beobachtungen aus dieser Forschung passen auch auf Long COVID.

Erstens ist ME/CFS eine schwere Erkrankung. In einer dänischen Erhebung lag die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Menschen mit ME/CFS niedriger als bei vielen anderen häufigen chronischen Erkrankungen, darunter Krebs, Multiple Sklerose und Diabetes. Bei Long COVID zeigen Befragungen ein ähnliches Bild.

Lebensqualität nach EQ-5D bei ME/CFS im Vergleich zu anderen chronischen Erkrankungen

Der EQ-5D-Fragebogen fasst den Gesundheitszustand in einer Zahl von 0 (sehr schlecht) bis 1 (bestmöglich) zusammen. Die ME/CFS-Daten stammen von 112 Personen aus dem Umfeld der dänischen ME/CFS-Vereinigung; zum Vergleich diente dieselbe standardisierte Umfrage mit 23.000 Personen zur Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen (Hvidberg et al. 2015).

Funktionsfähigkeit bei ME/CFS im Vergleich zu rheumatoider Arthritis, Krebs und Depression

Eine britische Studie aus dem Jahr 2011 verglich die Funktionsfähigkeit von Menschen mit ME/CFS, rheumatoider Arthritis, Krebs und Depression. Bis auf die emotionale und mentale Gesundheit, die bei Depression und ME/CFS ähnlich ausfiel, lagen die funktionellen Werte bei ME/CFS deutlich niedriger.

Zweitens schwanken die Beschwerden stark. Manche Betroffene sind schwer eingeschränkt, bei anderen wechseln die Symptome und verstärken sich nach geistiger oder körperlicher Anstrengung.

Drittens ist der Verlauf offen. Viele erholen sich nur langsam, und es gibt noch keine etablierte Behandlung, die für alle passt. Für Forschung und Medizin ist das Neuland.

Viertens ist ME/CFS wie Long COVID körperlich begründet und entsteht nicht „im Kopf“. Die Belege für körperliche Veränderungen sind umfangreich; psychische Belastungen erscheinen als nachvollziehbare Folge dieser Einschränkungen.

Ein systemisches Problem, ein systemisches Modell

Bisher gibt es keine Erklärung, die das ganze Spektrum der Long-COVID-Beschwerden abdeckt. Oft hängen objektive Befunde und die erlebte Symptomlast nur lose zusammen. Gebraucht wird deshalb ein Modell, das Auslöser, verstärkende Mechanismen und Symptome zusammendenkt. Long COVID lässt sich als systemische Erkrankung beschreiben, in der biologische, psychische und soziale Faktoren ineinandergreifen.

Das Modell der Regenerationsmedizin beschreibt die Wechselwirkungen von Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel und ordnet jedem Bereich mögliche Messgrößen zu. Es ist ein Erklärungsmodell, das Fragen für Diagnostik und Forschung ordnet.

Wechselbeziehungen von Nervensystem, Immunsystem und Energiestoffwechsel im Modell der Regenerationsmedizin

Die Wechselbeziehungen der energetisch relevanten Systeme im Modell der Regenerationsmedizin, hier als Störungsmodell für Long COVID.

Nervensystem: Häufig zeigt sich eine Dysautonomie, also eine Fehlregulation des vegetativen Nervensystems mit geringerer Aktivität des Vagusnervs (vertiefend: Vagusnerv und der entzündliche Reflex). Eine Hamburger Arbeitsgruppe fand Hinweise, dass das Virus Hirnstamm und Vagusnerv direkt erreichen kann (Woo et al. 2023).

Immunsystem: Beschrieben werden eine Verschiebung der T-Helferzellen in Richtung Th2 mit geringerer Th1-Aktivität, eine niedriggradige chronische Entzündung mit aktivierten Makrophagen, die vermehrt TNF-α ausschütten, und Hinweise auf Neuroinflammation, also Entzündungsprozesse im Gehirn.

Energiestoffwechsel: In den Mitochondrien zeigen sich Funktionsverluste. Mitochondrien brauchen Reize, um sich zu erneuern, und Nährstoffe, um Kalorien in die Zellenergie ATP umzuwandeln statt in oxidativen Stress. Lange Schonung kann den Abbau verstärken, zu viel Belastung kann Beschwerden auslösen.

Mechanismus 1: Spike-Protein und Viruspersistenz

Das Spike-Protein ist der Teil des Virus, mit dem es an Körperzellen andockt. Die Forschung untersucht, ob Reste davon nach der Infektion an der Gefäßinnenwand haften, Blutplättchen zum Verklumpen anregen, Immunzellen dauerhaft aktivieren und die Zellalterung (Seneszenz) beschleunigen können.

Daraus ergeben sich Forschungsfragen, aber noch keine gesicherten Behandlungen. Ein Ansatz ist die Autophagie, die zelluläre Selbstreinigung, über die Zellen beschädigte Bestandteile abbauen. Fasten regt die Autophagie an; ob das bei Long COVID Reste des Spike-Proteins beeinflusst, ist am Menschen nicht untersucht.

Für Ivermectin, ein Mittel gegen Parasiten, zeigten große randomisierte Studien bei akuter COVID-19 keinen klinischen Nutzen; für Long COVID gibt es keine kontrollierten Daten. Die Enzyme Nattokinase (aus dem fermentierten Sojaprodukt Natto) und Serrapeptase lösen im Labor Fibrin auf, und Nattokinase baute in einer Zellstudie das Spike-Protein ab. Daten am Menschen fehlen.

Mechanismus 2: Entzündung und Neuroinflammation

Bei Long COVID finden Studien häufig Zeichen einer niedriggradigen Entzündung. Als Ursachen werden das Spike-Protein und Schäden an den Mitochondrien diskutiert: Geschädigte Mitochondrien setzen eigene DNA frei, die das Immunsystem als Gefahrensignal erkennt. Das könnte zur Post-Exertional Malaise (PEM) beitragen, der deutlichen Verschlechterung nach schon leichter Belastung.

Eine wichtige Rolle spielt die Neuroinflammation, etwa im Hypothalamus. Sie wird mit Gehirnnebel, Konzentrations- und Schlafstörungen in Verbindung gebracht (mehr dazu: Neuroinflammation bei Long COVID).

Untersucht werden Substanzen, die an Entzündungswegen ansetzen. Niedrig dosiertes Naltrexon (LDN) ist für Long COVID nicht zugelassen; es soll die Aktivierung der Mikroglia, der Immunzellen des Gehirns, dämpfen und wird in kleinen Studien geprüft. Ob und wie es eingesetzt wird, entscheidet die Ärztin. Omega-3-Fettsäuren beeinflussen, in welchen Zustand Makrophagen wechseln, Melatonin wirkt im zentralen Nervensystem entzündungsdämpfend und ist am Schlaf-wach-Rhythmus beteiligt, N-Acetylcystein ist eine Vorstufe des körpereigenen Antioxidans Glutathion. Für keine dieser Substanzen gibt es bisher abgeschlossene große Studien bei Long COVID.

Die Darmflora beeinflusst das Immunsystem; zu Probiotika bei Long COVID gibt es erste kleine Studien. Auch das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren in Ernährung und Blutzellen lässt sich messen. Ganzkörperkälte wird ebenfalls untersucht, mehr dazu weiter unten.

Mechanismus 3: Das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem steuert unbewusste Abläufe wie Herzschlag, Atmung und Verdauung. Bei vielen Menschen mit Long COVID ist es in Richtung Sympathikus verschoben: Das Kampf-oder-Flucht-System ist überaktiv, der Parasympathikus mit dem vorderen Vagus kommt zu wenig zum Zug. Das kann sich als Unruhe, Herzklopfen, Pulsanstieg, Angst oder Panikattacken zeigen.

Untersucht werden Atemtechniken wie die Zwerchfellatmung, progressive Muskelentspannung und Yoga, die den Parasympathikus ansprechen. Welche Methode zu wem passt, ist sehr verschieden.

Diese Methoden bedeuten nicht, dass Long COVID „im Kopf“ entsteht. Viele Betroffene haben erlebt, als rein psychosomatisch eingeordnet zu werden. Long COVID ist eine messbare Fehlregulation im Zusammenspiel von Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel; mit solchen Zusammenhängen befasst sich die Neuroimmunologie.

Mechanismus 4: Mitochondrien und Energiestoffwechsel

Mitochondrien sind die Orte der Energiegewinnung in der Zelle. Bei Long COVID finden Studien häufig Hinweise auf eine eingeschränkte Mitochondrienfunktion. Für ihre Arbeit brauchen Mitochondrien unter anderem Carnitin, Taurin, Anserin, B-Vitamine, Coenzym Q10, Cholin, Kupfer, Eisen und Magnesium. Mehrere davon stecken in tierischen Lebensmitteln in größeren Mengen als in pflanzlichen, deshalb wird die Versorgung bei rein pflanzlicher Ernährung häufig genauer betrachtet.

Körperliche Aktivität ist ein hormetischer Reiz: Ein dosierter Stress regt über den Schalter PGC-1α die Bildung neuer Mitochondrien an. Auch die Sauerstoffversorgung (Atmung, in Studien die hyperbare Sauerstofftherapie) und weniger oxidativer Stress werden untersucht.

Entscheidend ist die Dosis. Zu wenig Reiz lässt Mitochondrien abbauen, zu viel kann bei Long COVID eine PEM auslösen. Die Sportwissenschaft hat viel Erfahrung damit, Belastung fein zu dosieren, und davon kann die Medizin lernen.

Was die Forschung zu Mitochondrien und SARS-CoV-2 zeigt

Eine wachsende Zahl von Arbeiten bringt Long COVID mit einer eingeschränkten Funktion der Mitochondrien in Verbindung (Nunn et al. 2022; vertiefend: Mitochondrien und ihre Schlüsselrolle). Mitochondrien liefern Energie, steuern den Calciumhaushalt und regulieren oxidativen Stress. Wie gut sie vor der Infektion arbeiteten, könnte Verlauf und Erholung mitbestimmen: Bewegungsmangel, Alterungsprozesse oder Vorerkrankungen können ihre Funktion schon vorher einschränken.

Mitochondrien und das Virus

Laborstudien zeigen, dass SARS-CoV-2 direkt mit Mitochondrien interagiert: Das Virus hemmt die Bildung mitochondrialer Bausteine, verändert die Durchlässigkeit und das Potenzial der Mitochondrienmembran und stört die ATP-Synthase. Es kann außerdem Gehirn und Darm infizieren und dort mitochondriale Netzwerke verändern.

Mitochondrien und Blutplättchen

Blutplättchen sind für die Blutgerinnung wichtig und auf funktionierende Mitochondrien angewiesen. Eine geschwächte Mitochondrienfunktion kann ihre Lebensdauer verkürzen und mit einem höheren Thromboserisiko einhergehen. Diskutiert wird auch, dass Blutplättchen geschädigte Mitochondrien aufnehmen und an andere Zellen weitergeben.

Der Krebs-Zyklus als Schaltstelle

Mitochondrien sind mehr als Kraftwerke. Zwischenprodukte des Krebs-Zyklus wirken als Signalstoffe: Succinat ist an Entzündung und Epigenetik beteiligt, Fumarat und Itaconat wirken antiviral und immunmodulierend und beeinflussen Nrf2, einen zentralen Schalter für den Schutz vor oxidativem Stress. Der Tumornekrosefaktor (TNF) kann die Succinatbildung steigern und über Komplex 1 die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies fördern. Das hilft bei der Abwehr von Erregern, kann unkontrolliert aber schaden. Metformin hemmt Komplex 1 und wird in diesem Zusammenhang erforscht.

Metabolomische Studien fanden bei COVID-19 höhere Succinat- und Milchsäurewerte und niedrigere Zitronensäurewerte als bei Gesunden. Das passt zu einer mitochondrialen Funktionsstörung und Sauerstoffmangel im Gewebe.

Mitochondrien und Fettstoffwechsel

Wirt und Virus konkurrieren um Stoffwechselressourcen, man spricht von ernährungsbedingter Immunität. SARS-CoV-2 programmiert den Fettstoffwechsel der Wirtszelle um und bildet Lipidtröpfchen. Mitochondrien besitzen eine eigene Fettsäuresynthese (mtFAS), die den oxidativen Stoffwechsel koordiniert; fällt sie aus, leidet der Aufbau der Atmungskette. Die NAD-Kinase hält gemeinsam mit mtFAS die mitochondriale Masse aufrecht. Eine vom Virus ausgelöste Verschiebung in diesem System könnte zur Funktionsstörung beitragen.

Gestörter Fettstoffwechsel bei Long COVID

Viele Menschen mit Long COVID vertragen Belastung schlecht. In Belastungstests fielen bei ihnen mehr Laktat im arteriellen Blut und eine geringere Fettverbrennung auf. Eine Studie verglich das Blutplasma von Menschen mit Long COVID mit dem von Genesenen ohne Folgen und von Gesunden; alle Erkrankten hatten COVID-19 ohne Krankenhausaufenthalt durchgemacht. Untersucht wurde mit Massenspektrometrie (untargeted Metabolomics).

Im Plasma der Long-COVID-Gruppe lagen Fettsäuren und Acylcarnitine, besonders ungesättigte Fettsäuren, deutlich höher; Mono-, Di- und Tricarboxylate, Polyamine und Taurin lagen deutlich niedriger. Die Profile deuten auf einen gestörten Fettsäurestoffwechsel und eine ineffiziente Fettverwertung in den Mitochondrien hin, auch in Ruhe. Das passt zu früheren Befunden unter Belastung. Ob sich daraus Behandlungsansätze ergeben, müssen weitere Studien klären.

Oxidativer Stress und antioxidative Abwehr

In einer Studie von Al-Hakeim und Kollegen (2023) hatten Menschen mit Long COVID eine geringere antioxidative Kapazität und mehr Entzündungszeichen. Eine Untergruppe mit schwereren Beschwerden zeigte mehr oxidativen Stress und eine niedrigere Sauerstoffsättigung (SpO2). Niedrige SpO2-Werte und hohe Körpertemperatur während der akuten Infektion sagten die Schwere späterer Beschwerden wie Depression, Angst und Erschöpfung voraus.

Marker für oxidativen und neuroentzündlichen Stress (MDA, MPO, NO, CRP) hingen deutlich mit den Symptomen zusammen. Etwa 60 % der Unterschiede in den neuropsychiatrischen Symptomen ließen sich statistisch durch das Verhältnis von oxidativen zu antioxidativen Markern, die Körpertemperatur und die SpO2 erklären; niedrige Glutathion- und Zinkspiegel spielten dabei eine Rolle. Das ist ein Zusammenhang, kein Nachweis von Ursache und Wirkung.

Lipidperoxidation bei Beschäftigten einer italienischen Universität

Wenn reaktive Sauerstoffspezies Fette in Zellmembranen schädigen, spricht man von Lipidperoxidation; ein Marker dafür ist Malondialdehyd (MDA). Eine Querschnittsstudie untersuchte 127 Beschäftigte einer italienischen Universität: 80 hatten COVID-19 durchgemacht, 47 nicht (Stufano et al. 2023). Nach COVID-19 lag MDA im Serum deutlich höher, auch nach milden Verläufen.

Von den 80 Personen nach COVID-19 hatten 34 anhaltende Beschwerden, 46 nicht. Bei denen mit anhaltenden Beschwerden lag MDA höher. Zusammen mit dem Hämatokrit und dem IgG-Titer gegen SARS-CoV-2 trennte MDA beide Gruppen. Die Autoren sehen darin einen Hinweis, dass oxidativer Stress, Entzündung und Gerinnungsstörungen am Post-COVID-Syndrom beteiligt sein könnten.

Sind Long COVID und ME/CFS dieselbe Erkrankung?

Für das postvirale Erschöpfungssyndrom nach COVID-19 und für ME/CFS gibt es viele Erklärungsansätze. Die meisten gehen von einer immunologischen Grundlage aus. Zunehmend im Blick ist die Entzündung im zentralen Nervensystem: Sie setzt Zytokine und Chemokine frei, kann die Blut-Hirn-Schranke vorübergehend stören und wird von Mikroglia, Astrozyten, Gefäßzellen und Makrophagen gesteuert (Chaves et al. 2023).

Ein vereinheitlichendes Modell geht davon aus, dass die typischen Auslöser von ME/CFS, also Infektionen, Impfungen, chemische Belastungen, emotionale Traumata und COVID-19 selbst, eines gemeinsam haben: Sie sind starke Stressoren, die eine akute neuroimmune Reaktion auslösen. Ein mögliches Ziel ist der paraventrikuläre Kern im Hypothalamus, ein Stresszentrum, das hormonelle und vegetative Regulation steuert.

Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-6, TNF-α und IL-1β erreichen das Gehirn über Bereiche mit durchlässigerer Blut-Hirn-Schranke oder über den Vagusnerv. Zudem gibt es Hinweise, dass SARS-CoV-2 in Nervengewebe eindringen und Mikroglia direkt aktivieren kann.

Eine irische Studie fand allerdings keinen Zusammenhang zwischen der Stärke der akuten Entzündung (IL-6, sCD25, CRP, Verhältnis von Neutrophilen zu Lymphozyten) oder einem Krankenhausaufenthalt und der Erschöpfung zehn Wochen nach der Infektion. Weibliches Geschlecht und eine bereits bestehende Depression oder Angststörung gingen mit stärkerer Erschöpfung einher. Das spricht dafür, dass auch ein milder Verlauf eine ausreichend starke Stressreaktion auslösen kann und psychosoziale Belastungen das entzündliche Milieu im Gehirn verstärken.

Illustration zu Long COVID und ME/CFS

Darmflora bei Long COVID und ME/CFS

Die Darmflora bildet Stoffe, die das Immunsystem regulieren, etwa kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, das die Darmbarriere stärkt. Die meisten Butyratbildner gehören zu den Firmicutes. Bei ME/CFS fanden Studien weniger Faecalibacterium prausnitzii und Eubacterium rectale; je weniger Faecalibacterium, desto stärker die Erschöpfung.

Auch bei COVID-19 verändert sich die Darmflora, und Faecalibacterium prausnitzii hängt umgekehrt mit der Schwere der Erkrankung zusammen. Nach der Genesung blieb die Veränderung teils bestehen. Bei anhaltenden Beschwerden fanden Studien mehr Ruminococcus gnavus und Bacteroides vulgatus und weniger Faecalibacterium prausnitzii; Butyratbildner wie Bifidobacterium pseudocatenulatum hingen umgekehrt mit Erschöpfung und kognitiven Beschwerden zusammen. Ein Verlust an Butyratbildnern könnte ein gemeinsamer Mechanismus beider Erkrankungen sein und auch veränderte Spiegel der Plasmalogene erklären, einer Gruppe von Membranfetten, die auch Darmbakterien bilden.

Darmbarriere und mikrobielle Translokation

Ist die Darmbarriere geschädigt, können Bakterienbestandteile wie Lipopolysaccharide (LPS) ins Blut gelangen und Entzündungen auslösen. Dieser Vorgang, die mikrobielle Translokation, wurde auch bei Long COVID beobachtet und wird mit kognitiven Beschwerden in Verbindung gebracht.

Tau-Protein und Zellfusion

Eine Hypothese von Sfera und Kollegen (2023) beschreibt Long COVID als mögliche Tauopathie: SARS-CoV-2 könnte die Phosphorylierung des Tau-Proteins verstärken und die Verschmelzung von Zellen zu Synzytien erleichtern, was kognitive Beschwerden erklären könnte.

Vagusnervstimulation

Die transkutane Vagusnervstimulation am Ohr (taVNS) ist ein nicht invasives Verfahren, das den Vagusnerv über die Haut anregt. Sie wird bei Long COVID in Studien untersucht; diskutiert werden Effekte auf Darmbarriere, Immunsystem und die Ausschüttung von Acetylcholin.

Ein entzündeter Vagusnerv

Eine Hamburger Studie (Woo et al. 2023) untersuchte Vagusnerven von Verstorbenen mit COVID-19 und von Kontrollpersonen. Sie fand SARS-CoV-2-RNA und Entzündungszellen, vor allem Monozyten. In den Vaguskernen im Hirnstamm waren Monozyten und CD8+-T-Zellen vermehrt. Bei 27 Verstorbenen waren Gene für Entzündung und den antiviralen Interferon-Signalweg stärker aktiv; je mehr Virus-RNA, desto stärker die Entzündungsantwort und desto schwächer Gene für Signalübertragung und Transport in den Nervenfasern (mehr dazu: Vagusnerv-Entzündung bei COVID-19).

Neuronen, Endothelzellen und Schwann-Zellen zeigten eine starke Interferonantwort und zelluläre Stressreaktionen. Gewebeuntersuchungen bestätigten die Befunde.

In einer klinischen Kohorte mit 323 Menschen mit COVID-19 war eine verringerte Atemfrequenz der stärkste Vorhersagewert für Sterblichkeit bei kritischem Verlauf, unabhängig von Blutgaswerten. Die Autoren deuten das als Zeichen einer gestörten Vagusnervfunktion. Die Studie betrifft akute, schwere Verläufe und liefert Hinweise darauf, wie SARS-CoV-2 das vegetative Nervensystem beeinflussen kann. Für Long COVID ist der Mechanismus weiter offen.

Grafik zu Vagusnerv und Long COVID

Nährstoffe und Long COVID

Eine Übersichtsarbeit von Schloss (2023) beschreibt, dass niedrige Spiegel von Vitamin B12, Zink, Selen, Vitamin D, Eisen und Magnesium mit einem höheren Risiko für COVID-19 und schwere Verläufe zusammenhängen. Diese Nährstoffe sind an der Immunabwehr beteiligt: Zink an der Bildung von Antikörpern und der Regulation von Entzündung, Selen an der DNA-Synthese und der Vermehrung von Immunzellen. Menschen mit Long COVID hatten in Studien häufiger niedrige Nährstoffspiegel.

Zink und der Verlust von Geruch und Geschmack

Geruchsverlust ist ein häufiges Symptom bei COVID-19. Eine mögliche Erklärung: Im Nasen-Rachen-Raum, dem Ort der ersten Infektion, verbraucht die Vermehrung des Virus Zink. Zink ist an zwei Schritten der Geruchswahrnehmung beteiligt, unter anderem über die Enzyme UDP-Glucuronosyltransferase (UGT) und β-Glucuronidase. Weil sowohl Zinkmangel als auch sehr hohe Zinkkonzentrationen diese Enzyme stören, wird ein paradoxer Zusammenhang zwischen Zink und Geruchsverlust diskutiert.

Metabolische Flexibilität

Metabolische Flexibilität ist die Fähigkeit des Körpers, zwischen Energiequellen wie Zucker und Fett zu wechseln. Bewegungsmangel, eine Ernährung mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln und unregelmäßiger Schlaf können sie einschränken. Das wird mit niedriggradiger Entzündung und einer schwächeren Immunantwort in Verbindung gebracht.

In einer Untersuchung (Gupta et al. 2022) zeigten Menschen nach COVID-19 im oralen Glukosetoleranztest mit Insulinmessung eine größere Fläche unter der Kurve als Gesunde, ein Hinweis auf Insulinresistenz und eine verringerte metabolische Flexibilität.

Grafik zur metabolischen Flexibilität nach COVID-19

Kohlenhydratarme Ernährung, Intervallfasten und Krafttraining verbessern in Studien die metabolische Flexibilität bei Stoffwechselstörungen. Ob das bei Long COVID den Verlauf beeinflusst, ist nicht untersucht.

Eine entzündungshemmende Immunsignatur

Eine explorative Studie (Kovarik et al. 2023) verglich das Blutplasma von gesunden Geimpften, Genesenen und Menschen mit Long COVID. In der Long-COVID-Gruppe waren die Entzündungswerte leicht erhöht, Akute-Phase-Proteine und von Makrophagen abgegebene Proteine dagegen niedrig. Gleichzeitig fanden sich viele entzündungshemmende Moleküle wie Omega-3-Fettsäuren und die Osmolyte Taurin und Hypaphorin, während Aminosäuren und Triglyceride niedrig und Acylcarnitine verändert waren.

Die Autoren schlagen ein Modell vor, in dem alternativ polarisierte Makrophagen diese Veränderungen erklären. Long COVID wäre danach nicht nur von zu viel Entzündung geprägt, sondern von einer fehlgesteuerten Gegenregulation.

Hormesis als Forschungsansatz

Hormesis beschreibt, dass milde, gut dosierte Reize den Körper zur Anpassung anregen. Wenn Long COVID ein sich selbst verstärkender Zustand eines aus dem Gleichgewicht geratenen Stoffwechsels ist (mehr dazu: Wie chronischer Stress Mitochondrien schädigt), stellt sich die Frage, ob passende Reize zur Erholung beitragen können: Bewegung, Kalorienrestriktion, Licht oder elektromagnetische Felder. Studien dazu bei Long COVID stehen noch aus (Nunn et al. 2022).

Laufende Studien testen sehr unterschiedliche Ansätze: hyperbaren Sauerstoff und Radiofrequenztherapie, Kortikosteroide und Statine, entzündungshemmende Biologika, Vitamin C, Nicotinamid, Coenzym Q10, Melatonin, Polyphenole und Aktivatoren von Nrf2, dazu Bewegung und Atemübungen. Oxalacetat, ein Zwischenprodukt des Citratzyklus, wurde in kleinen Studien bei ME/CFS und Erschöpfung nach COVID-19 untersucht; auch Endocannabinoide werden geprüft. Ein kombinierter hormetischer Ansatz ist bei Long COVID bisher nicht untersucht.

Ein Leben ohne hormetische Reize wird mit schwereren Verläufen in Verbindung gebracht. Beim metabolischen Syndrom kann eine dauerhafte Aktivierung des NLRP3-Inflammasoms Entzündung fördern. Da auch Blutplättchen NLRP3 enthalten, könnte eine bereits bestehende Aktivierung ihre Funktion bei einer Infektion zusätzlich stören. Das metabolische Syndrom hängt mit schwereren COVID-19-Verläufen zusammen.

Grafik zu Hormesis und Mitochondrien

Kalorienrestriktion, ketogene Ernährung und Sirtuine

Kalorienrestriktion regt die Autophagie und die Erneuerung von Mitochondrien an und aktiviert Sirtuine. Diese Enzyme steuern Energiestoffwechsel und antioxidative Systeme; das wichtigste, SIRT1, lenkt die Neubildung von Mitochondrien mit. Eine ketogene Ernährung, bei der der Körper vorwiegend Fett statt Zucker verbrennt, hat ähnliche Effekte auf die Mitochondrien. Bei Long COVID sind beide Ansätze nicht in kontrollierten Studien geprüft.

NAD+ ist ein Coenzym, das unter anderem Sirtuine aktiviert. SARS-CoV-2 codiert ein Enzym, das den NAD+-Haushalt stört. Vorstufen wie Nicotinamidmononukleotid (NMN) und Nicotinamidribosid (NR) zeigten in Laborstudien antivirale Eigenschaften; ob sie bei Long COVID die Mitochondrienfunktion verbessern, ist offen.

Nikotinische Rezeptoren: eine Hypothese

Eine Forschungsgruppe um Changeux (2020) schlug vor, dass SARS-CoV-2 nicht nur an ACE2-Rezeptoren bindet, sondern auch an nikotinische Acetylcholinrezeptoren, die im Nervensystem und in der Entzündungsregulation eine Rolle spielen. Computermodelle von Farsalinos und Kollegen (2020) fanden im Spike-Protein eine Sequenz, die Schlangengiften ähnelt, die an diese Rezeptoren binden. Daraus ergeben sich Forschungsfragen zur Neuroinflammation bei Long COVID; eine Behandlung lässt sich daraus bisher nicht ableiten.

Ganzkörperkälte in der Forschung

Bei der Ganzkörperkältetherapie hält sich der ganze Körper für wenige Minuten in sehr kalter, trockener Luft auf. Sie wird bei Gehirnnebel nach COVID-19 untersucht. Eine Pilotstudie bei Menschen mit Geruchsverlust nach COVID-19 berichtete erste Ergebnisse; größere Studien müssen sie bestätigen.

Zum Mechanismus gibt es Hypothesen: Kälte könnte den Stoffwechsel von Nervenzellen drosseln, RNA-bindende Proteine aktivieren, die vor oxidativem Stress schützen, und die Blut-Hirn-Schranke stabilisieren. In Tierstudien stieg nach Ganzkörperkälte die antioxidative Kapazität. Wirksamkeit und Sicherheit bei Long COVID sind noch nicht belegt.

Photobiomodulation

Bei der Photobiomodulation (PBM) wird Gewebe mit niedrigintensivem rotem oder nahinfrarotem Licht bestrahlt. Das Licht wird vermutlich von der Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien oder von Ionenkanälen aufgenommen. Beobachtet werden entzündungsdämpfende Effekte, die über Hormesis erklärt werden.

Dosis, Zeitpunkt und Wellenlänge sind entscheidend. Licht mit 980 nm wirkt über die Komplexe III und IV der Atmungskette: Bei niedriger Leistung hemmt es die ATP-Bildung und fördert Superoxide stärker, bei höherer Leistung regt es die ATP-Bildung an. Bei COVID-19 wurde PBM unter anderem bei Schleimhautschäden im Mund untersucht.

Auch statische magnetische und elektrische Felder werden erforscht. In einer Mausstudie mit Typ-2-Diabetes beeinflussten sie Redoxsignale und Entzündung. Für Long COVID gibt es dazu keine Daten.

Bewegung als hormetischer Reiz

Körperliche Aktivität geht mit einem geringeren Risiko für das metabolische Syndrom und für schwere COVID-19-Verläufe einher, was mit der Fitness der Mitochondrien zusammenhängt. Training verbessert die Mitochondrienfunktion im Muskel und über Botenstoffe aus dem Muskel (Myokine) auch in anderen Geweben. Eine einzelne Einheit wirkt kurzfristig entzündungsfördernd, nach der Erholung überwiegt ein entzündungsdämpfender Zustand. Der oxidative Reiz steigert die mitochondriale und die antioxidative Kapazität.

Bei Long COVID ist die Dosis die zentrale Frage, weil zu viel Belastung eine PEM auslösen kann. Rehabilitationsprogramme beginnen deshalb häufig mit niedriger Intensität und steigern langsam (Pacing); begleitend werden Laborwerte und Leistungsdaten wie VO2max oder Gehgeschwindigkeit beobachtet.

Die Forschung sucht außerdem nach Substanzen, die Signalwege des Trainings nachahmen. Metformin, Epicatechin, Resveratrol und AICAR beeinflussen in Studien den AMPK-SIRT1-PGC-1α-Signalweg; für Long COVID ist das nicht geprüft.

Fazit

Die Gesundheit der Mitochondrien scheint mitzubestimmen, wie der Körper mit SARS-CoV-2 umgeht und ob sich Long COVID entwickelt. Eine eingeschränkte Mitochondrienfunktion könnte chronische Entzündung und ein anhaltendes Stoffwechselungleichgewicht begünstigen. Viele der beschriebenen Ansätze sind noch Forschungsfragen, mit Daten aus Labor, Tiermodellen, Beobachtungsstudien oder kleinen Fallserien. Für dich heißt das: Befunde aus Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel gehören zusammen betrachtet, und welche Schritte sinnvoll sind, klärt deine Ärztin mit dir.

Quellen

  • Nunn AVW, Guy GW, Brysch W, Bell JD. Understanding Long COVID; Mitochondrial Health and Adaptation: Old Pathways, New Problems. Biomedicines 2022; 10: 3113. https://doi.org/10.3390/biomedicines10123113
  • Kovarik JJ et al. A multi-omics based anti-inflammatory immune signature characterizes long COVID-19 syndrome. iScience 2023; 26(1).
  • Chaves AM et al. Chronic inflammation, neuroglia dysfunction, and plasmalogen deficiency as a new pathobiological hypothesis addressing the overlap between post-COVID-19 symptoms and myalgic encephalomyelitis/chronic fatigue syndrome. Brain Research Bulletin 2023: 110702.
  • Gupta A, Nicholas R, McGing J et al. Dynamic assessment of multi organ level dysfunction in patients recovering from Covid-19: insulin resistance and metabolic flexibility. Thorax 2022; 77: A204-A205.
  • Al-Hakeim HK, Al-Rubaye HT, Al-Hadrawi DS et al. Long-COVID post-viral chronic fatigue and affective symptoms are associated with oxidative damage, lowered antioxidant defenses and inflammation: a proof of concept and mechanism study. Mol Psychiatry 2023; 28: 564-578. https://doi.org/10.1038/s41380-022-01836-9
  • Stufano A, Isgrò C, Palese LL, Caretta P, De Maria L, Lovreglio P, Sardanelli AM. Oxidative Damage and Post-COVID Syndrome: A Cross-Sectional Study in a Cohort of Italian Workers. Int J Mol Sci 2023; 24: 7445. https://doi.org/10.3390/ijms24087445
  • Sfera A, Rahman L, Zapata-Martín del Campo CM, Kozlakidis Z. Long COVID as a Tauopathy: Of „Brain Fog“ and „Fusogen Storms“. Int J Mol Sci 2023; 24: 12648. https://doi.org/10.3390/ijms241612648
  • Schloss JV. Nutritional deficiencies that may predispose to long COVID. Inflammopharmacol 2023; 31: 573-583. https://doi.org/10.1007/s10787-023-01183-3
  • Woo MS, Shafiq M, Fitzek A et al. Vagus nerve inflammation contributes to dysautonomia in COVID-19. Acta Neuropathol 2023; 146: 387-394. https://doi.org/10.1007/s00401-023-02612-x

Praxisrelevanz

Für die Praxis ordnet das Modell Befunde vier Bereichen zu, die sich gegenseitig beeinflussen. Zum Spike-Protein gibt es Hypothesen und Laborbefunde, aber keine geprüften Behandlungen. Bei der Entzündung werden Ernährung und immunmodulierende Ansätze untersucht. Beim vegetativen Nervensystem stehen Atemarbeit, Kälte und Vagusnervstimulation im Fokus von Studien. Bei den Mitochondrien geht es um dosierte Belastung (Pacing), Ernährung und die Nährstoffversorgung.

Was wir nicht wissen

LongCOVID ist ein heterogenes Krankheitsbild mit verschiedenen Subtypen. Nicht jeder Mechanismus spielt bei jeder Person dieselbe Rolle. Die Evidenz für einzelne Interventionen (besonders Spike-Protein-Elimination) ist noch begrenzt und basiert teilweise auf Fallserien und mechanistischen Überlegungen. Kontrollierte Studien laufen, aber definitive Ergebnisse stehen für viele Ansätze noch aus.

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (4)

Wie lange dauert LongCOVID?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche erholen sich innerhalb von 6-12 Monaten, bei anderen persistieren Symptome über Jahre. Wie stark sich der Verlauf beeinflussen lässt, untersuchen laufende Studien.

Wie verläuft LongCOVID langfristig?

In der Regenerationsmedizin geht es darum, die Regulationsfähigkeit des Körpers zu verstehen und zu unterstützen. Ziel ist es, die drei Systeme (Nerven, Immun, Energie) wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Viele Betroffene erleben über die Zeit eine Besserung, bei anderen bleiben Beschwerden länger bestehen.

Was ist mit Sport bei LongCOVID?

Zu frühes oder zu intensives Training kann die Symptome verschlimmern (Post-Exertional Malaise). Der Schlüssel ist Pacing – Belastung unter der individuellen Schwelle, langsame Steigerung. Erst wenn der Vagusnerv stabil ist und die mitochondriale Kapazität ausreicht, kann intensiver trainiert werden.

Welche Labortests sind bei LongCOVID sinnvoll?

Entzündungsmarker (hsCRP, IL-6, TNF-α), Spike-Protein-Antikörper, Autonome Funktionsdiagnostik (HRV), mitochondriale Marker (Laktat-Pyruvat-Ratio, organische Säuren) und ein umfassendes metabolisches Panel.
Quellen (6)
  • Understanding Long COVID; Mitochondrial Health and Adaptation—Old Pathways, New Problems
    Alistair V. W. Nunn, Geoffrey W. Guy, Wolfgang Brysch, Jimmy D. Bell – Biomedicines (2022) DOI: 10.3390/biomedicines10123113
  • Long-COVID post-viral chronic fatigue and affective symptoms are associated with oxidative damage, lowered antioxidant defenses and inflammation: a proof of concept and mechanism study
    Hussein Kadhem Al-Hakeim, Haneen Tahseen Al-Rubaye, Dhurgham Shihab Al-Hadrawi, Abbas F. Almulla – Molecular Psychiatry (2022) DOI: 10.1038/s41380-022-01836-9
  • Oxidative Damage and Post-COVID Syndrome: A Cross-Sectional Study in a Cohort of Italian Workers
    Angela Stufano, Camilla Isgrò, Luigi Leonardo Palese, Paolo Caretta – International Journal of Molecular Sciences (2023) DOI: 10.3390/ijms24087445
  • Long COVID as a Tauopathy: Of “Brain Fog” and “Fusogen Storms”
    Adonis Sfera, Leah Rahman, Carlos Manuel Zapata-Martín del Campo, Zisis Kozlakidis – International Journal of Molecular Sciences (2023) DOI: 10.3390/ijms241612648
  • Nutritional deficiencies that may predispose to long COVID
    John V. Schloss – Inflammopharmacology (2023) DOI: 10.1007/s10787-023-01183-3
  • Vagus nerve inflammation contributes to dysautonomia in COVID-19
    Marcel S. Woo, Mohsin Shafiq, Antonia Fitzek, Matthias Dottermusch – Acta Neuropathologica (2023) DOI: 10.1007/s00401-023-02612-x
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Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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