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Forschungsupdate · Regenerationsmedizin

Mikroplastik in Gehirn, Leber und Niere Verstorbener: Messungen aus den Jahren 2016 und 2024

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Im Stirnhirn Verstorbener lag der gemessene Plastikgehalt 2024 im Median bei 4.917 Mikrogramm je Gramm, 2016 bei 3.345, und höher als in Leber und Niere (Mensch, Gewebe Verstorbener; Nihart et al., 2025).
  • In 12 Gehirnen mit Demenz war der Wert höher; die Autoren sehen darin keinen Beleg für eine Ursache (Mensch, Zusammenhang; Nihart et al., 2025).
  • Fette im Hirngewebe können bei der Messmethode wie Polyethylen erscheinen; die Höhe der Werte ist darum umstritten (Mensch, Methodenkritik; Monikh et al., 2025).

Vorläufige Evidenz. Vielversprechende frühe Ergebnisse, größere Studien stehen aus.

„Stimmt es, dass sich Mikroplastik im Gehirn ansammelt, und hat das etwas mit Demenz zu tun?“

Du hast die Schlagzeile vielleicht gelesen: ein Löffel Plastik im Gehirn, bei Demenz noch mehr. Und dann die Frage, die hängen bleibt: Was macht das mit mir, und kann ich es wieder loswerden?

Die mechanische Sicht sagt: Ein Fremdkörper im Organ ist ein Schaden und gehört entfernt. Ihre Stärke ist der klare Blick auf Giftstoffe, die Menschen tatsächlich krank machen. Und trotzdem: Für Mikroplastik gibt es weder einen belegten Schaden im Gehirn noch einen Weg, es zu entfernen.

Die energetische Sicht sagt: Unsere Umwelt ist belastet, und der Körper nimmt all das auf. Sie sieht richtig, dass wir in einer veränderten Umwelt leben. Und trotzdem: Angst vor dem Unsichtbaren hilft deinem Körper nicht, eher im Gegenteil.

Die biologische Sicht fragt zuerst: Wie sicher ist die Messung, was tut ein Teilchen im Gewebe, und was entscheidet, ob ein Körper mit einer Belastung umgehen kann?

Was im Körper passiert

Das Gehirn ist durch die Blut-Hirn-Schranke geschützt, eine dichte Wand aus Gefäßzellen, die nur ausgewählte Stoffe durchlässt. Ob und wie Plastikteilchen sie beim Menschen überwinden, ist nicht geklärt. Die Studie fand die Teilchen gerade dort, wo Blut und Gehirn sich berühren: in Gefäßwänden und bei Immunzellen (Mensch, Gewebe Verstorbener; Nihart et al., 2025).

Im Gehirn räumen die Mikroglia Fremdmaterial auf, die Immunzellen des Gehirns. Plastik können sie nicht abbauen. Nach einem verbreiteten Modell bleiben Immunzellen, die Unverdauliches nicht loswerden, länger im Alarm, und eine stille Entzündung kann bestehen bleiben (Modell; für Plastik im menschlichen Gehirn nicht untersucht).

Für die Messung zählt eine zweite Ebene: Py-GC/MS erkennt Kunststoffe an den Bruchstücken, in die sie beim Erhitzen zerfallen. Polyethylen ist eine lange Kette aus Kohlenstoff und Wasserstoff, ähnlich wie Fettsäuren. Darum können Fettreste wie Polyethylen aussehen, und das fettreiche Gehirn ist dafür besonders anfällig (Monikh et al., 2025; Rauert et al., 2025).

Eine Studie aus New Mexico maß in Gewebe Verstorbener Mikro- und Nanoplastik, im Gehirn deutlich mehr als in Leber und Niere: im Median 4.917 Mikrogramm je Gramm Hirngewebe im Jahr 2024, rund 0,5 Prozent, und 3.345 im Jahr 2016 (Nihart et al., 2025). Fachleute bezweifeln die Höhe dieser Werte, weil Fette im Gehirn bei der verwendeten Methode wie Plastik erscheinen können (Monikh et al., 2025).

Studiendesign: Beobachtungsstudie an Gewebe Verstorbener, Vergleich zweier Jahrgänge · Obduktionen der Rechtsmedizin in New Mexico aus den Jahren 2016 und 2024, ältere Vergleichsgehirne von der US-Ostküste (1997 bis 2013) und 12 Gehirne mit dokumentierter Demenz · Stichprobe 20 bis 28 Verstorbene je Jahrgang und Organ, dazu 28 ältere Gehirne und 12 Gehirne mit Demenz

Hintergrund

Mikroplastik sind Kunststoffteilchen unter fünf Millimetern, Nanoplastik solche unter einem Tausendstel Millimeter. Sie entstehen, wenn Verpackungen, Textilien oder Reifen zerfallen, und finden sich in Luft, Wasser und Nahrung. Frühere Arbeiten, auf die sich die Studie bezieht, beschrieben Plastikteilchen bereits in Plazenta und Hoden.

Offen war, ob Plastikteilchen auch das Gehirn erreichen, das durch die Blut-Hirn-Schranke besonders geschützt ist, und ob die Mengen über die Jahre zunehmen. Das Team um Matthew Campen untersuchte dafür Gewebe aus rechtsmedizinischen Obduktionen in Albuquerque aus zwei Jahrgängen und verglich es mit Gehirnen von Menschen mit Demenz (Nihart et al., 2025).

Mikroskopische Aufnahmen von Hirngewebe Verstorbener: gefärbte Gewebeschnitte mit hellen Teilchen nahe Blutgefäßen und Zellen, dazu elektronenmikroskopische Bilder splitterförmiger Teilchen im Nanometerbereich.

Teilchen, die die Studie als Plastik deutet, in Gefäßwänden und bei Immunzellen des Gehirns. Abbildung aus Nihart et al. (2025).

Ergebnisse

Wie gemessen wurde. Aus jeweils rund einem halben Gramm Gewebe lösten die Forschenden das Gewebe mit Lauge auf und erhitzten den Rest, bis die Kunststoffe in Bruchstücke zerfielen. Diese Bruchstücke ordnete die Pyrolyse-Gaschromatographie mit Massenspektrometrie, kurz Py-GC/MS, einzelnen Kunststoffen zu. Infrarotspektroskopie und Elektronenmikroskopie sollten den Befund bestätigen (Nihart et al., 2025).

Was gefunden wurde. Im Stirnhirn lag der Median 2016 bei 3.345 und 2024 bei 4.917 Mikrogramm je Gramm, in Leber und Niere 2024 bei rund 430 und 400. Das Gehirn enthielt nach dieser Messung 7- bis 30-mal mehr als die anderen Organe. Rund drei Viertel war Polyethylen, ein häufiger Verpackungskunststoff. Unter dem Elektronenmikroskop zeigten sich vor allem winzige, splitterförmige Teilchen im Nanometerbereich. Alter, Geschlecht und Todesursache hingen nicht mit der Menge zusammen, das Todesjahr schon (Mensch, Gewebe Verstorbener; Nihart et al., 2025).

Mikroplastik und Demenz. In 12 Gehirnen von Menschen mit dokumentierter Demenz lag der Median bei 26.076 Mikrogramm je Gramm, mit Ablagerungen in Gefäßwänden und Immunzellen. Die Autoren betonen selbst, dass daraus keine Ursache folgt: Bei Demenz schrumpft Hirngewebe, die Blut-Hirn-Schranke ist oft geschädigt, und der Abtransport kann gestört sein. Das alles kann höhere Werte erklären, ohne dass Plastik die Demenz auslöst (Nihart et al., 2025).

Woher die Gramm-Zahl kommt. Eine Grammzahl je Gehirn steht nicht in der Studie. Sie ist eine Hochrechnung: Rund 0,5 Prozent auf ein Gehirn von etwa 1,3 bis 1,4 Kilogramm ergeben einige Gramm, in Medien oft als Löffel beschrieben. Gemessen wurde je Person eine kleine Probe aus dem Stirnhirn; die Kritik an der Methode gilt für die Hochrechnung genauso.

Die Kritik. Im November 2025 veröffentlichten Forschende aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und Großbritannien in derselben Zeitschrift einen kritischen Kommentar (Monikh et al., 2025). Ihre Hauptpunkte: Kontrollen gegen Verunreinigung aus Laborplastik, Chemikalien und Raumluft seien kaum berichtet, und die Methode sei nicht mit zugesetzten Kunststoffmengen geprüft worden. Vor allem zerfallen Fettsäuren beim Erhitzen in ähnliche Bruchstücke wie Polyethylen. Hirngewebe besteht in der Trockenmasse zu rund 60 Prozent aus Fett, Leber und Niere zu weniger als 5 Prozent, und die Lauge löste einige Hirnproben nur unvollständig auf. Das könnte gerade die hohen Hirnwerte erklären, und auch der Anstieg über die Jahre könnte teilweise mit mehr Fett im Gewebe zusammenhängen. Eine australische Arbeit kam für Blut zu dem Schluss, dass Py-GC/MS Polyethylen und PVC in biologischem Material derzeit nicht verlässlich bestimmt (Rauert et al., 2025).

Was bedeutet das für dich

Für dich heißt das: Dass Plastikteilchen das menschliche Gehirn erreichen können, halten viele Fachleute für plausibel; die Elektronenmikroskopie zeigt Teilchen im Gewebe. Wie viel es wirklich ist, ist offen. Die Zahlen dieser Studie können zu hoch sein, und solange die Messmethoden nicht abgeglichen sind, lassen sich Werte verschiedener Studien kaum vergleichen.

Was daraus nicht folgt: dass Mikroplastik Demenz auslöst. Die Studie zeigt einen Zusammenhang an 12 Gehirnen, keine Ursache; ein höherer Wert im erkrankten Gehirn kann auch Folge der Erkrankung sein. Ebenso wenig folgt, dass sich Plastik aus dem Gehirn ausleiten ließe. Dafür gibt es keinen belegten Weg, auch nicht über Schwitzen oder Nährstoffe.

Was du beeinflussen kannst, ist die Aufnahme, etwa wenn Kunststoff mit heißem Essen oder Getränken in Kontakt kommt. Wie stark das die Menge im Gewebe verändert, ist nicht untersucht. Wenn dich Vergesslichkeit oder Konzentrationsprobleme beschäftigen, die anhalten oder zunehmen, klärt deine Hausärztin oder Neurologin, was dahintersteckt. Bring mit, seit wann du es bemerkst und was sich im Alltag verändert hat.

zum Merken
Ein Nachweis ist noch kein Schaden, und eine Hochrechnung noch keine Messung. Bei Mikroplastik im Gehirn ist beides offen.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Ruhe statt Alarm.

Du kannst Schlagzeilen zu Mikroplastik mit drei Fragen lesen: gemessen oder hochgerechnet, mit welcher Methode, und was sagen Kritiker?

Du kannst überlegen, wo in deinem Alltag Kunststoff mit warmem Essen oder Getränken in Kontakt kommt, und dort ansetzen, wo es dir leichtfällt.

Du kannst Angeboten zur Ausleitung von Mikroplastik mit der Frage begegnen, welche Studie am Menschen zeigt, dass Plastik dadurch den Körper verlässt.

Und wenn dich Vergesslichkeit oder Konzentrationsprobleme beschäftigen, klärt deine Hausärztin oder Neurologin, was dahintersteckt. Die Begriffe unten helfen dir im Gespräch.

  • Zahlen in Schlagzeilen prüfen: Steht eine Gramm- oder Löffelzahl in der Überschrift, lohnt die Frage: gemessen oder hochgerechnet, mit welcher Methode, und gibt es Kritik daran? Bei Mikroplastik im Gewebe sind die Methoden noch nicht abgeglichen.
  • Bei der Aufnahme ansetzen: Wenn du deine Aufnahme senken möchtest, kannst du bei Alltagsquellen ansetzen, etwa Speisen nicht in Kunststoff zu erhitzen. Wie stark das die Menge im Gewebe verändert, ist nicht untersucht.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Belegt ist am Menschen ein Nachweis in Gewebe Verstorbener mit einer umstrittenen Methode. Wie viel Plastik ein lebendes Gehirn enthält, ob es dort schadet und ob es mit Demenz ursächlich zusammenhängt, wissen wir nicht.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Plastikteilchen im Gewebe: Mikro- und Nanoplastik (MNP)
  • Die Schutzwand ums Gehirn: Blut-Hirn-Schranke
  • Immunzellen im Gehirn: Mikroglia, Neuroinflammation
  • Ich vergesse in letzter Zeit mehr: subjektive kognitive Beschwerden, Gedächtnisabklärung
  • Wie die Plastikmenge gemessen wurde: Pyrolyse-GC/MS
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (3)

Wie viel Mikroplastik ist im Gehirn?

Die Studie von Nihart und Kollegen (2025) maß 2024 im Median 4.917 Mikrogramm je Gramm Hirngewebe, rund 0,5 Prozent. Hochgerechnet auf ein ganzes Gehirn wären das einige Gramm. Fachleute halten diese Werte für möglicherweise zu hoch, weil Fette bei der Messmethode wie Plastik erscheinen können (Monikh et al., 2025).

Hängt Mikroplastik mit Demenz zusammen?

In 12 Gehirnen von Menschen mit Demenz war der gemessene Wert höher als in den anderen Gruppen (Nihart et al., 2025). Das ist ein Zusammenhang, keine Ursache: Ein erkranktes Gehirn kann Teilchen schlechter abtransportieren. Ob Mikroplastik das Demenzrisiko verändert, ist nicht untersucht.

Kann man Mikroplastik aus dem Gehirn ausleiten?

Dafür gibt es keinen belegten Weg. Weder für Schwitzen noch für Nährstoffe oder Ausleitungskuren zeigt eine Studie am Menschen, dass Plastik das Gehirn verlässt. Was sich beeinflussen lässt, ist die Aufnahme.
Quellen (3)
  • Bioaccumulation of microplastics in decedent human brains
    Alexander J. Nihart, Marcus A. Garcia, Eliane El Hayek, Rui Liu – Nature Medicine (2025) DOI: 10.1038/s41591-024-03453-1
  • Challenges in studying microplastics in human brain
    Monikh F.A., Materić D., Valsami-Jones E., Grossart H.-P., Altmann K., Holzinger R., Lynch I., Stubenrauch J., Peijnenburg W. – Nature Medicine (2025) DOI: 10.1038/s41591-025-04045-3
  • Assessing the Efficacy of Pyrolysis–Gas Chromatography–Mass Spectrometry for Nanoplastic and Microplastic Analysis in Human Blood
    Rauert C., Charlton N., Bagley A., Dunlop S.A. et al. – Environmental Science & Technology (2025) DOI: 10.1021/acs.est.4c12599

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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