MOJO LogoMOJO

Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

Bredesen-Subtypen der Alzheimer-Erkrankung

Auch: ReCODE-Subtypen · Bredesen-Alzheimer-Klassifikation · Alzheimer-Subtypen nach Bredesen · Hot/Cold/Vile Subtypes
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Typ 1 (inflammatorisch/'hot'): Chronische Inflammation → Mikroglia-Aktivierung → neuronaler Schaden. Marker: hsCRP ↑, IL-6 ↑.
  • Typ 2 (atrophisch/'cold'): Fehlende trophische Unterstützung → neuronaler Rückzug. Marker: Hormone ↓, BDNF ↓, Vitamin D ↓.
  • Typ 3 (toxisch/'vile'): Umwelttoxine → Blut-Hirn-Schranke-Schaden → Neuroinflammation. Oft jüngere Patienten, atypisches Bild.

Du oder ein Angehöriger hat eine Alzheimer-Diagnose oder Mild Cognitive Impairment (MCI)? Die konventionelle Therapie (Cholinesterasehemmer) bringt kaum Verbesserung? Die Frage 'Welcher Typ ist es?' wurde nie gestellt? Bredesen zeigte, dass die Antwort auf diese Frage die therapeutische Strategie fundamental verändern kann.

Was im Körper passiert

Alzheimer ist nicht eine Krankheit – es sind mindestens fünf. Typ 1 wird durch Inflammation getrieben (chronische Infektionen, Darmdysbiose, Insulinresistenz). Typ 2 durch fehlende trophische Unterstützung (Hormonmangel, BDNF-Mangel, Vitamin-D-Mangel). Typ 3 durch Toxine (Schwermetalle, Mykotoxine). Typ 4 durch Gefäßprobleme. Typ 5 durch Traumata. Die konventionelle Therapie – ein Medikament für alle – wird dieser Heterogenität nicht gerecht. Bredesens Ansatz: Erst den Subtyp bestimmen, dann gezielt intervenieren.

Bredesen-Subtypen der Alzheimer-Erkrankung: Die Bredesen-Subtypen beschreiben eine Klassifikation der Alzheimer-Erkrankung nach dem primären pathophysiologischen Treiber. Bredesen (2014) beschrieb zunächst drei Haupttypen: Typ 1 (inflammatorisch/'hot'), Typ 2 (atrophisch/'cold'), Typ 3 (toxisch/'vile'). Später kamen Typ 4 (vaskulär) und Typ 5 (traumatisch) hinzu. Die Subtypisierung hat therapeutische Konsequenzen: Jeder Typ erfordert einen spezifischen Interventionsansatz.

Dale Bredesen, Professor für Neurologie an der UCLA, veröffentlichte 2014 in Aging die erste Studie zur Umkehrung kognitiver Verschlechterung durch einen personalisierten, multimodalen Ansatz (ReCODE – Reversal of Cognitive Decline). Zentral für sein Modell ist die Erkenntnis, dass Alzheimer keine einheitliche Erkrankung ist, sondern mindestens fünf Subtypen mit unterschiedlichen Treibern umfasst:

Typ 1 – Inflammatorisch ('Hot'): Gekennzeichnet durch chronische systemische oder zerebrale Inflammation. Labormarker: erhöhtes hsCRP, erhöhtes IL-6, erhöhtes TNF-α, niedriges Albumin/Globulin-Verhältnis. Der Mechanismus: Chronische Inflammation – ausgelöst durch Infektionen, Darmdysbiose, Insulinresistenz, Parodontitis oder Autoimmunprozesse – aktiviert Mikroglia im Gehirn (M1-Polarisierung), die proinflammatorische Zytokine freisetzen und neuronalen Schaden verursachen. Amyloid-Beta hat antimikrobielle Eigenschaften und könnte als Abwehrmechanismus produziert werden – die Plaques wären dann eine Schutzreaktion, keine primäre Pathologie.

Typ 2 – Atrophisch ('Cold'): Gekennzeichnet durch reduzierte trophische (wachstumsfördernde) Unterstützung. Labormarker: niedriges Östradiol, niedriges Testosteron, niedriges DHEA, niedriges Progesteron, niedriger BDNF, niedriges Vitamin D, niedriges Pregnenolon, erhöhte Homocysteinspiegel. Der Mechanismus: Ohne ausreichende hormonelle und neurotrophische Unterstützung schaltet das Gehirn in einen 'Rückzugsmodus' – synaptische Verbindungen werden reduziert, Neuronen atrophieren. Bredesen beschrieb dies als programmierten Rückzug: Das Gehirn verkleinert sein Netzwerk, weil es nicht genug Ressourcen hat, um es aufrechtzuerhalten.

Typ 3 – Toxisch ('Vile'): Gekennzeichnet durch Exposition gegenüber Umwelttoxinen. Labormarker: erhöhte Schwermetalle (Quecksilber, Blei, Arsen), erhöhte Mykotoxine (Ochratoxin A, Trichothecene), niedrige Zink/Kupfer-Ratio, erhöhtes MMP-9, HLA-DR-Risikoallele für Schimmelpilzsensitivität. Typ 3 betrifft oft jüngere Patienten (unter 65), zeigt ein atypisches klinisches Bild (exekutive Dysfunktion, Rechenstörungen, Gesichtserkennung statt isoliertem Gedächtnisverlust) und spricht schlecht auf konventionelle Therapien an. Die Identifikation und Elimination der Toxinquelle ist therapeutisch entscheidend.

Typ 4 – Vaskulär: Gekennzeichnet durch zerebrale Gefäßpathologie. Risikofaktoren: Hypertonie, Diabetes, Hyperlipidämie, Vorhofflimmern, Arteriosklerose. Der Mechanismus: Reduzierte zerebrale Durchblutung → chronische Hypoxie → neuronaler Energiemangel → Neurodegeneration. Mikrovaskuläre Schäden (Lacunar Infarcts, Whiter Matter Lesions) werden im MRT sichtbar. Die Blut-Hirn-Schranke ist bei vaskulärem Subtyp häufig gestört.

Typ 5 – Traumatisch: Nach Schädel-Hirn-Traumata (TBI). Mechanismen: Axonale Scherverletzungen, chronische Mikroglia-Aktivierung, Tau-Aggregation (Chronische Traumatische Enzephalopathie, CTE), gestörte glymphatische Clearance durch Schädigung perivaskulärer Strukturen. Betrifft insbesondere Kontaktsportler, Veteranen und Unfallopfer.

Viele Patienten zeigen Mischformen – z. B. Typ 1.5 ('Glycotoxic': Insulinresistenz treibt sowohl Inflammation als auch trophischen Mangel). Die Subtypisierung leitet die Diagnostik und die Therapie: Ein Typ-3-Patient braucht Toxinscreening und Expositionsreduktion, ein Typ-2-Patient braucht Hormonoptimierung, ein Typ-1-Patient braucht anti-inflammatorische Interventionen.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Nervensystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Neurometabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Naturkraft; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Die Subtypisierung erfordert eine erweiterte Diagnostik: Inflammationsmarker (hsCRP, IL-6, TNF-α), Hormonstatus (Östradiol, Testosteron, DHEA, Progesteron, Vitamin D, Pregnenolon), Toxinscreening (Schwermetalle, Mykotoxine), Homocystein, Insulinresistenz (HOMA-IR, HbA1c), Genetik (ApoE4, HLA-DR), Bildgebung (MRT mit vaskulären Sequenzen). Besprich mit deinem Arzt, ob eine Subtypisierung sinnvoll ist und welche diagnostischen Schritte angezeigt sind.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (3)

Kann man mehrere Subtypen gleichzeitig haben?

Ja – Mischformen sind häufig. Bredesen beschrieb z. B. Typ 1.5 ('Glycotoxic'), bei dem Insulinresistenz sowohl Inflammation (Typ 1) als auch trophischen Mangel (Typ 2) treibt. Viele Patienten zeigen Überlappungen. Die Diagnostik identifiziert alle beteiligten Treiber, damit alle adressiert werden können.

Ist die Subtypisierung wissenschaftlich anerkannt?

Die Subtypisierung basiert auf Bredesens klinischer Forschung und wurde in Peer-Reviewed Journals publiziert (Aging, 2014). Sie ist nicht Teil der konventionellen Leitlinien-Diagnostik. Die grundlegende Beobachtung – dass Alzheimer heterogene Treiber hat – wird aber zunehmend auch in der Mainstream-Forschung akzeptiert. Randomisierte kontrollierte Studien zum multimodalen ReCODE-Ansatz laufen.

Wie wird der Subtyp bestimmt?

Durch eine erweiterte Labordiagnostik: Inflammationsmarker (hsCRP, Zytokine), Hormonstatus (Östradiol, Testosteron, DHEA, Progesteron, Vitamin D), Toxinscreening (Schwermetalle, Mykotoxine), Insulinresistenz (HOMA-IR), Homocystein, Genetik (ApoE4), Bildgebung (MRT). Die Konstellation der Befunde bestimmt den dominanten Subtyp und leitet die Therapie.
Quellen (1)
“
Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
MOJO

Dein nächster Schritt

Verstehen, was dein Körper tut.

LEBENSENERGIE erklärt, wie Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel deine Energie steuern: verständlich, alltagsnah, in deinem Tempo.

0 € für 14 Tage · danach 29 €/Mo · Kündigung mit einem Klick im Kursbereich

Nächster Mitmachabend: Kulturbad Rüngsdorf, 06. November 2026, 19:00 Uhr CET. Eintritt frei, einfach vorbeikommen.

Zum EventAlle Events

War das hilfreich?

Niemand hat die Wahrheit allein. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Schreib es in einen Kommentar. Wie wir arbeiten

KommentareAls Erste schreiben

0/2000

Dein Kommentar wird nach E-Mail-Bestätigung sichtbar.