Persistence of SARS CoV-2 S1 Protein in CD16+ Monocytes (Patterson et al., 2022) und Detection of S1 spike protein up to 245 days in PCVS individuals (Patterson et al., 2025)
Das S1-Fragment des SARS-CoV-2-Spike-Proteins wurde mittels Durchflusszytometrie in CD16+ nicht-klassischen Monozyten nachgewiesen: bis zu 15 Monate nach Infektion bei PASC-Patienten (Patterson et al., 2022) und bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung bei SARS-CoV-2-negativen PCVS-Patienten (Patterson et al., 2025). Die Betroffenen hatten keine aktive SARS-CoV-2-Infektion mehr, aber das Spike-Protein war in ihren Immunzellen nachweisbar – die biologische Grundlage für chronische Immunaktivierung und Endotheliopathie.
Die zentrale Frage der Long-COVID-Forschung war von Anfang an: Warum bleiben Symptome Monate bis Jahre bestehen, wenn die akute Infektion längst vorüber ist? Zwei Hypothesen dominieren die Debatte:
- Autoimmunität: Das Immunsystem hat durch die Infektion gelernt, körpereigene Strukturen anzugreifen (molekulare Mimikry, Bystander-Aktivierung)
- Antigen-Persistenz: Das Virus oder Virusproteine verbleiben im Körper und unterhalten eine chronische Immunantwort
Die Arbeiten von Bruce Patterson und Kollegen liefern die stärkste Evidenz für die zweite Hypothese: Das Spike-Protein – oder zumindest seine S1-Untereinheit – persistiert in einer spezifischen Immunzellpopulation: den CD16+ nicht-klassischen Monozyten. Diese Zellen machen nur 5–10 % der Monozyten im Blut aus, haben aber eine besondere Funktion: Sie patrouillieren entlang der Gefäßinnenwände und überwachen das Endothel.
Die S1-Untereinheit enthält die Rezeptorbindungsdomäne (RBD), die an ACE2 bindet. Wenn Spike-tragende Monozyten entlang des Endothels patrouillieren, können sie ACE2-exprimierende Endothelzellen aktivieren – ein Mechanismus, der Gefäßentzündung, Gerinnungsaktivierung und Mikrothrombenbildung erklärt.
Ergebnisse
Patterson et al. (2022, Frontiers in Immunology):
- S1-Spike-Protein wurde in CD16+ nicht-klassischen Monozyten bei PASC-Patienten nachgewiesen – bis zu 15 Monate nach dokumentierter SARS-CoV-2-Infektion
- Alle Patienten waren zum Zeitpunkt der Untersuchung SARS-CoV-2-PCR-negativ – keine aktive Infektion
- Die S1-positiven Monozyten korrelierten mit dem Symptomprofil: Patienten mit höherer S1-Last in Monozyten hatten schwerere PASC-Symptome
- Die Befunde deuten auf eine intrazelluläre Sequestrierung hin: Die Monozyten hatten S1 phagozytiert, konnten es aber nicht vollständig degradieren
Patterson et al. (2025, Human Vaccines & Immunotherapeutics):
- S1-Spike-Protein wurde in CD16+ Monozyten bei Patienten mit Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS) nachgewiesen – bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung
- Alle PCVS-Patienten waren SARS-CoV-2-negativ (kein Nukleokapsid-Antikörper, PCR-negativ) – das nachgewiesene Spike stammte definitiv von der Impfung, nicht von einer Infektion
- Die Symptomatik der PCVS-Kohorte ähnelte der der Post-Infektions-PASC-Kohorte: Fatigue, Brain Fog, autonome Dysfunktion, Belastungsintoleranz
- Die Schlussfolgerung: Das von der mRNA-Impfung produzierte Spike-Protein kann bei einer Subgruppe ebenso persistieren wie das virale Spike-Protein
Swank et al. (2023, Clinical Infectious Diseases):
Ergänzend wiesen Swank et al. zirkulierendes Spike-Protein im Plasma von Long-COVID-Patienten nach – mittels ultrasensitivem Simoa-Assay. Die Spike-Präsenz im Plasma war mit dem Auftreten von PASC-Symptomen assoziiert und könnte als Biomarker für die Erkrankung dienen.
, Die MOJO Perspektive
Die Patterson-Studien bilden das empirische Fundament für das regenerationsmedizinische Verständnis von Long COVID: Es gibt ein nachweisbares Antigen, das eine chronische Immunantwort unterhält. Das ist keine Theorie mehr – es ist ein messbarer Befund. Die klinische Konsequenz: Spike-Nachweis in Monozyten kann als diagnostisches Instrument eingesetzt werden, und die Forschung an Spike-Elimination hat ein konkretes therapeutisches Ziel. Gleichzeitig zeigt die PCVS-Studie (2025), dass diese Diskussion nicht auf „Virus vs. Impfung" reduziert werden darf: Das Spike-Protein ist das Problem – nicht seine Quelle. Gesundheit entsteht, wenn die Mitochondrien genug Lebensenergie produzieren und diese Energie über Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel optimal verteilt wird. Wie man das erreicht, vermitteln wir im Kurs LEBENSENERGIE für Betroffene und in der Grundausbildung Regenerationsmedizin für Fachkräfte.
Was bedeutet das für dich
Die Patterson-Studien liefern die stärkste direkte Evidenz für die Spike-Persistenz-Hypothese bei Long COVID und etablieren gleichzeitig, dass der Mechanismus nicht auf die Infektion beschränkt ist, sondern auch nach Impfung auftreten kann.
Stärken:
- Spezifische Durchflusszytometrie mit intrazellulärem Spike-Nachweis – nicht nur Antikörper-Marker
- Ausschluss aktiver Infektion durch PCR und Nukleokapsid-Antikörper
- Klinische Korrelation: Spike-Last in Monozyten korreliert mit Symptom-Schwere
- Die 2025-Studie schließt eine Infektion als Quelle des Spike-Proteins definitiv aus (kein Nukleokapsid)
Limitationen:
- Keine unabhängige Replikation durch andere Forschungsgruppen (Stand 2026)
- Moderate Stichproben (N=144 in der 2022-Studie)
- Spezialisierte Durchflusszytometrie nicht breit verfügbar
- Korrelation ≠ Kausalität: Ob die Elimination von Spike-Protein die Symptome verbessert, ist nicht durch Interventionsstudien belegt
Die übergreifende Bedeutung:
Die Patterson-Daten verschieben den Diskurs: Long COVID ist nicht „die Erinnerung des Immunsystems an eine vergangene Infektion" – es ist die fortlaufende Reaktion auf ein persistierendes Antigen. Das erklärt die Chronizität, die Multisystemik und die Therapieresistenz.
Das Wichtigste in Kürze
- 1S1-Spike-Protein in CD16+ Monozyten nachgewiesen: bis zu 15 Monate nach Infektion (Patterson et al., 2022).
- 2S1-Spike-Protein in CD16+ Monozyten nachgewiesen: bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung bei SARS-CoV-2-negativen Personen (Patterson et al., 2025).
- 3Die Spike-Last in Monozyten korreliert mit dem Schweregrad der PASC-Symptome.
- 4Zirkulierendes Spike-Protein im Plasma ist mit PASC assoziiert und könnte als Biomarker dienen (Swank et al., 2023).
- 5PCVS-Patienten zeigen ein ähnliches Symptomprofil wie Post-Infektions-PASC-Patienten – der biologische Mechanismus ist vergleichbar.
Konkret umsetzen
Spike-Nachweis als diagnostisches Instrument
Spezialisierte Labore bieten den Spike-Protein-Nachweis in Monozyten mittels Durchflusszytometrie an (Patterson-Protokoll). Dieser Test ist nicht flächendeckend verfügbar, aber für Betroffene mit persistierenden Symptomen nach Infektion oder Impfung ein potenzielles diagnostisches Instrument.
Spike-Plasma-Assay als Screening
Der Nachweis von zirkulierendem Spike-Protein im Plasma (Simoa-Assay, nach Swank et al.) ist ein weniger aufwändiger Ansatz, der als Screening-Marker dienen könnte. Die Verfügbarkeit ist noch limitiert.
Biologische Validierung für Betroffene
Für viele Betroffene ist der Spike-Nachweis mehr als ein diagnostischer Marker – er ist die biologische Bestätigung, dass ihre Erkrankung real und messbar ist. Ein positiver Befund kann den Dialog mit behandelnden Ärzten erleichtern und die Therapieplanung konkretisieren.
Limitationen
Die Patterson-Studien sind bisher nicht durch unabhängige Forschungsgruppen repliziert worden. Die Stichproben sind moderat. Die spezialisierte Durchflusszytometrie ist nicht standardisiert und nicht breit verfügbar. Der kausale Zusammenhang (Spike-Elimination → Symptombesserung) ist nicht durch Interventionsstudien belegt. Die Häufigkeit von PCVS in der geimpften Bevölkerung ist epidemiologisch nicht geklärt.
, Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Häufige Fragen
Wo kann ich einen Spike-Protein-Test machen lassen?
Bedeutet ein negativer Spike-Test, dass ich kein Long COVID habe?
Sind die Patterson-Studien unabhängig repliziert?
Quellen & Referenzen
- Persistence of SARS CoV-2 S1 Protein in CD16+ Monocytes in Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC) up to 15 Months Post-InfectionPatterson B.K., Francisco E.B., Yogendra R. et al. – Frontiers in Immunology (2022) DOI: 10.3389/fimmu.2021.746021
- Detection of S1 spike protein in CD16+ monocytes up to 245 days in SARS-CoV-2-negative post-COVID-19 vaccine syndrome (PCVS) individualsPatterson B.K., Yogendra R., Francisco E.B. et al. – Human Vaccines & Immunotherapeutics (2025) DOI: 10.1080/21645515.2025.2494934
- Persistent Circulating Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2 Spike Is Associated With Post-acute Coronavirus Disease 2019 SequelaeSwank Z., Senussi Y., Manickas-Hill Z. et al. – Clinical Infectious Diseases (2023) DOI: 10.1093/cid/ciac722
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
Unser Evidenzverständnis lesen
Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
Mehr über den Autor