Kann Long COVID auch von der Impfung kommen?
Die Frage, ob COVID-19-Impfungen postakute Syndrome auslösen können, ist politisch aufgeladen, aber biologisch relevant. Das Spike-Protein ist das Spike-Protein – unabhängig davon, ob es vom Virus oder von der mRNA produziert wird. Eine evidenzbasierte, neutrale Betrachtung ist notwendig.
Ja, es gibt zunehmende Evidenz dafür. Patterson et al. (2025) wiesen das S1-Spike-Protein in CD16+ Monozyten bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung bei SARS-CoV-2-negativen Personen mit PASC-ähnlichen Symptomen nach. Der biologische Mechanismus – Spike-Protein-Persistenz und chronische Immunaktivierung – ist derselbe wie nach Infektion.
Die biologische Grundlage für PASC-ähnliche Symptome nach COVID-19-Impfung ist zunehmend dokumentiert:
Die zentrale Studie: Patterson et al. (2025, Human Vaccines & Immunotherapeutics) wiesen S1-Spike-Protein in CD16+ Monozyten bei SARS-CoV-2-negativen Personen bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung nach. Diese Personen zeigten PASC-ähnliche Symptome: Fatigue, Brain Fog, Herzrasen, Atemnot.
Derselbe Mechanismus: Ob das Spike-Protein vom Virus (bei Infektion) oder von der mRNA (bei Impfung) produziert wird – es ist strukturell identisch. Die S1-Untereinheit bindet an ACE2-Rezeptoren und kann unabhängig vom Viruskontext Endothelschäden, Gerinnungsstörungen und chronische Immunaktivierung verursachen.
Wichtig zu verstehen:
- Dies betrifft eine Subgruppe von Geimpften, nicht alle
- Die Häufigkeit ist Gegenstand laufender Forschung und noch nicht verlässlich beziffert
- Die biologische Frage (Spike-Persistenz) ist unabhängig von der politischen Impfdebatte
- Die Impfung hat bei der Mehrheit der Geimpften schwere COVID-19-Verläufe verhindert – und gleichzeitig kann sie bei einer Subgruppe postakute Syndrome auslösen. Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Das Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS) wird zunehmend als eigenständige Entität anerkannt, die dieselben diagnostischen und therapeutischen Ansätze erfordert wie postinfektiöses Long COVID.
Im Detail
Die Evidenz für Spike-Protein-Persistenz nach Impfung:
Patterson et al. (2022, 2025): Die Arbeitsgruppe um Bruce Patterson zeigte in zwei Studien:
- S1-Protein in CD16+ Monozyten bis 15 Monate nach Infektion (2022, Frontiers in Immunology)
- S1-Protein in CD16+ Monozyten bis 245 Tage nach Impfung bei SARS-CoV-2-negativen PCVS-Patienten (2025, Human Vaccines & Immunotherapeutics)
Die CD16+ nicht-klassischen Monozyten sind besonders relevant: Sie patrouillieren entlang der Gefäßwände und können bei Aktivierung durch das Spike-Protein Endothelzellen schädigen. Dies erklärt die vaskulären Symptome (POTS, Mikrothromben, Raynaud-ähnliche Phänomene) sowohl nach Infektion als auch nach Impfung.
Biologische Plausibilität:
- Die mRNA-Impfung instruiert körpereigene Zellen, das Spike-Protein zu produzieren
- Das produzierte Spike-Protein ist strukturell mit dem viralen Spike identisch
- Bei den meisten Geimpften wird das Spike-Protein innerhalb von Tagen bis Wochen abgebaut
- Bei einer Subgruppe persistiert das Spike-Protein oder seine Fragmente – möglicherweise durch Sequestrierung in bestimmten Zelltypen oder Geweben
Terminologie:
- Long COVID / PASC: Nach SARS-CoV-2-Infektion
- Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS): Nach COVID-19-Impfung
- Spike-Protein-Syndrom: Übergreifender Begriff für beide Entitäten, der den gemeinsamen Mechanismus betont
— Die MOJO Perspektive
Die Regenerationsmedizin interessiert sich für Mechanismen, nicht für politische Einordnungen. Das Spike-Protein ist das Spike-Protein. Ob es vom Virus oder von der mRNA produziert wird, ist für den biologischen Mechanismus irrelevant. Die klinische Frage ist: Persistiert das Spike-Protein in diesem Patienten? Wenn ja, welche Systeme sind dadurch dysreguliert? Diese Fragen sind neutral, evidenzbasiert und unabhängig von der Impfentscheidung.
Das Wichtigste in Kürze
- 1S1-Spike-Protein wurde in CD16+ Monozyten bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung bei SARS-CoV-2-negativen Personen nachgewiesen (Patterson et al., 2025).
- 2Der biologische Mechanismus – Spike-Protein-Persistenz und chronische Immunaktivierung – ist nach Infektion und Impfung derselbe.
- 3Dies betrifft eine Subgruppe von Geimpften, nicht alle – die Häufigkeit ist Gegenstand laufender Forschung.
- 4Das Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS) wird zunehmend als eigenständige Entität anerkannt.
- 5Die biologische Frage ist unabhängig von der politischen Impfdebatte.
Verwandte Fragen
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Quellen & Referenzen
- Detection of S1 spike protein in CD16+ monocytes up to 245 days in SARS-CoV-2-negative post-COVID-19 vaccine syndrome (PCVS) individualsPatterson B.K., Yogendra R., Francisco E.B. et al. – Human Vaccines & Immunotherapeutics (2025) DOI: 10.1080/21645515.2025.2494934
- Persistence of SARS CoV-2 S1 Protein in CD16+ Monocytes in Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC) up to 15 Months Post-InfectionPatterson B.K., Francisco E.B., Yogendra R. et al. – Frontiers in Immunology (2022) DOI: 10.3389/fimmu.2021.746021
- Long COVID: major findings, mechanisms and recommendationsDavis H.E., McCorkell L., Vogel J.M. et al. – Nature Reviews Microbiology (2023) DOI: 10.1038/s41579-022-00846-2
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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