3 Min. Lesezeit
FAQ · Diagnosen & Krankheitsbilder

Kann Long COVID auch von der Impfung kommen?

Die Frage, ob COVID-19-Impfungen postakute Syndrome auslösen können, ist politisch aufgeladen, aber biologisch relevant. Das Spike-Protein ist das Spike-Protein – unabhängig davon, ob es vom Virus oder von der mRNA produziert wird. Eine evidenzbasierte, neutrale Betrachtung ist notwendig.

Als PDF herunterladen
Teilen
Auf X teilen
Auf LinkedIn teilen
Auf Facebook teilen
Auf WhatsApp teilen
Link kopieren für Instagram
Link kopieren
Kurzantwort

Ja, es gibt zunehmende Evidenz dafür. Patterson et al. (2025) wiesen das S1-Spike-Protein in CD16+ Monozyten bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung bei SARS-CoV-2-negativen Personen mit PASC-ähnlichen Symptomen nach. Der biologische Mechanismus – Spike-Protein-Persistenz und chronische Immunaktivierung – ist derselbe wie nach Infektion.

Antwort

Die biologische Grundlage für PASC-ähnliche Symptome nach COVID-19-Impfung ist zunehmend dokumentiert:

Die zentrale Studie: Patterson et al. (2025, Human Vaccines & Immunotherapeutics) wiesen S1-Spike-Protein in CD16+ Monozyten bei SARS-CoV-2-negativen Personen bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung nach. Diese Personen zeigten PASC-ähnliche Symptome: Fatigue, Brain Fog, Herzrasen, Atemnot.

Derselbe Mechanismus: Ob das Spike-Protein vom Virus (bei Infektion) oder von der mRNA (bei Impfung) produziert wird – es ist strukturell identisch. Die S1-Untereinheit bindet an ACE2-Rezeptoren und kann unabhängig vom Viruskontext Endothelschäden, Gerinnungsstörungen und chronische Immunaktivierung verursachen.

Wichtig zu verstehen:

  • Dies betrifft eine Subgruppe von Geimpften, nicht alle
  • Die Häufigkeit ist Gegenstand laufender Forschung und noch nicht verlässlich beziffert
  • Die biologische Frage (Spike-Persistenz) ist unabhängig von der politischen Impfdebatte
  • Die Impfung hat bei der Mehrheit der Geimpften schwere COVID-19-Verläufe verhindert – und gleichzeitig kann sie bei einer Subgruppe postakute Syndrome auslösen. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Das Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS) wird zunehmend als eigenständige Entität anerkannt, die dieselben diagnostischen und therapeutischen Ansätze erfordert wie postinfektiöses Long COVID.

Im Detail

Die Evidenz für Spike-Protein-Persistenz nach Impfung:

Patterson et al. (2022, 2025): Die Arbeitsgruppe um Bruce Patterson zeigte in zwei Studien:

  1. S1-Protein in CD16+ Monozyten bis 15 Monate nach Infektion (2022, Frontiers in Immunology)
  2. S1-Protein in CD16+ Monozyten bis 245 Tage nach Impfung bei SARS-CoV-2-negativen PCVS-Patienten (2025, Human Vaccines & Immunotherapeutics)

Die CD16+ nicht-klassischen Monozyten sind besonders relevant: Sie patrouillieren entlang der Gefäßwände und können bei Aktivierung durch das Spike-Protein Endothelzellen schädigen. Dies erklärt die vaskulären Symptome (POTS, Mikrothromben, Raynaud-ähnliche Phänomene) sowohl nach Infektion als auch nach Impfung.

Biologische Plausibilität:

  • Die mRNA-Impfung instruiert körpereigene Zellen, das Spike-Protein zu produzieren
  • Das produzierte Spike-Protein ist strukturell mit dem viralen Spike identisch
  • Bei den meisten Geimpften wird das Spike-Protein innerhalb von Tagen bis Wochen abgebaut
  • Bei einer Subgruppe persistiert das Spike-Protein oder seine Fragmente – möglicherweise durch Sequestrierung in bestimmten Zelltypen oder Geweben

Terminologie:

  • Long COVID / PASC: Nach SARS-CoV-2-Infektion
  • Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS): Nach COVID-19-Impfung
  • Spike-Protein-Syndrom: Übergreifender Begriff für beide Entitäten, der den gemeinsamen Mechanismus betont

— Die MOJO Perspektive

Die Regenerationsmedizin interessiert sich für Mechanismen, nicht für politische Einordnungen. Das Spike-Protein ist das Spike-Protein. Ob es vom Virus oder von der mRNA produziert wird, ist für den biologischen Mechanismus irrelevant. Die klinische Frage ist: Persistiert das Spike-Protein in diesem Patienten? Wenn ja, welche Systeme sind dadurch dysreguliert? Diese Fragen sind neutral, evidenzbasiert und unabhängig von der Impfentscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1S1-Spike-Protein wurde in CD16+ Monozyten bis zu 245 Tage nach COVID-19-Impfung bei SARS-CoV-2-negativen Personen nachgewiesen (Patterson et al., 2025).
  • 2Der biologische Mechanismus – Spike-Protein-Persistenz und chronische Immunaktivierung – ist nach Infektion und Impfung derselbe.
  • 3Dies betrifft eine Subgruppe von Geimpften, nicht alle – die Häufigkeit ist Gegenstand laufender Forschung.
  • 4Das Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS) wird zunehmend als eigenständige Entität anerkannt.
  • 5Die biologische Frage ist unabhängig von der politischen Impfdebatte.

Verwandte Fragen

Was ist das Post-COVID-Vaccine-Syndrom (PCVS)?
PCVS beschreibt anhaltende Symptome nach COVID-19-Impfung bei Personen, die keine SARS-CoV-2-Infektion hatten. Die Symptome – Fatigue, Brain Fog, POTS, Schmerzen – ähneln denen von postinfektiösem Long COVID. Die zugrunde liegende Hypothese: Das von der mRNA produzierte Spike-Protein persistiert bei einer Subgruppe und löst chronische Immunaktivierung aus.
Schützt die Impfung vor Long COVID?
Die Datenlage ist gemischt. Einige Studien zeigen ein reduziertes Long-COVID-Risiko nach Impfung, andere finden keinen signifikanten Unterschied. Die Impfung scheint das Risiko schwerer Akutverläufe zu reduzieren, der Effekt auf postakute Syndrome ist weniger klar.

Quellen & Referenzen

  • Detection of S1 spike protein in CD16+ monocytes up to 245 days in SARS-CoV-2-negative post-COVID-19 vaccine syndrome (PCVS) individuals
    Patterson B.K., Yogendra R., Francisco E.B. et al.Human Vaccines & Immunotherapeutics (2025) DOI: 10.1080/21645515.2025.2494934
  • Persistence of SARS CoV-2 S1 Protein in CD16+ Monocytes in Post-Acute Sequelae of COVID-19 (PASC) up to 15 Months Post-Infection
    Patterson B.K., Francisco E.B., Yogendra R. et al.Frontiers in Immunology (2022) DOI: 10.3389/fimmu.2021.746021
  • Long COVID: major findings, mechanisms and recommendations
    Davis H.E., McCorkell L., Vogel J.M. et al.Nature Reviews Microbiology (2023) DOI: 10.1038/s41579-022-00846-2

Wie wir Evidenz bewerten

Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.

Unser Evidenzverständnis lesen

Persönliche Einordnung: MOJO Analyse

In der MOJO Analyse ordnen wir gemeinsam ein, wo du stehst und welche nächsten Schritte Sinn machen.

MOJO Analyse entdecken

Ein dezentrales System für chronische Gesundheit

MOJO baut ein Netzwerk aus Wissen, ausgebildeten Mentoren und Forschung — unabhängig von der Pharma-Industrie. Als Unterstützer:in hilfst du, dieses System Realität werden zu lassen.

Unterstützer:in werden
Regenerationsmedizin-Impulse

Mehr zu Long COVID?

Wir vertiefen Themen wie Long COVID regelmäßig im Newsletter – mit konkreten Impulsen, neuen Forschungsergebnissen und praktischen Tipps.

Evidenzbasierte Impulse zu Long COVID und Regenerationsmedizin. Jederzeit abmeldbar.

Offener Dialog

Niemand hält das Zepter der Wahrheit alleinig in der Hand

Wissenschaft ist kein Gebäude fertiger Wahrheiten – sondern ein lebendiger Prozess des Fragens, Prüfens und Korrigierens. Jeder unserer Artikel ist eine Einladung zum Dialog, nicht das letzte Wort.

In jeder Wissensdisziplin existieren vier Quadranten. Gerade der vierte – unsere blinden Flecken – birgt das größte Potenzial für echte Erkenntnis:

4 Quadrantendes Wissens
Gesichertes WissenWir wissen, dass wir es wissen
Offene FragenWir wissen, dass wir es nicht wissen
Implizites WissenWir wissen nicht, dass wir es wissen
Blinde FleckenWir wissen nicht, dass wir es nicht wissen

Rund 50 % wissenschaftlicher Ergebnisse sind nicht reproduzierbar. Vieles, was an Universitäten gelehrt wird, wird im Laufe der Jahre revidiert. Die bedeutendsten Durchbrüche kamen oft von Einzelgängern, die zunächst belächelt wurden. Wir sehen Wissen als evolutionären Prozess.

Prüfe alles, was wir schreiben. Kopiere einen fertigen Prompt und füge ihn in deine bevorzugte KI ein. Findest du etwas, das nicht stimmt? Sag es uns.

Kommentare

Starte den Dialog

Sei die erste Person, die diesen Artikel kommentiert. Deine Perspektive bereichert unser Wissen.

Deine Perspektive zählt

Jeder Beitrag macht unser Wissen reicher. Teile deine Sichtweise, Korrektur oder Ergänzung.

0/2000

Dein Kommentar wird nach E-Mail-Bestätigung sichtbar.