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Glossar · Regenerationsmedizin

Krebszyklus (Citratzyklus): Ablauf, Bilanz und Merksatz

Auch: Krebszyklus · Krebs-Zyklus · Zitronensäurezyklus · Citronensäurezyklus · Tricarbonsäurezyklus · TCA-Zyklus · Krebs cycle · Citric Acid Cycle
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Pro Runde baut der Citratzyklus eine Acetylgruppe zu zwei CO2 ab und liefert 3 NADH, 1 FADH2 und 1 GTP (Zelle).
  • Ein einziges Enzym des Zyklus braucht zugleich Vitamin B1, B2, B3, B5 und Liponsäure; fehlt ein Helfer, bremst das die Runde (Zelle).
  • Zwischenprodukte wie Succinat sind Signale: In aktivierten Immunzellen hält Succinat ein Entzündungsprogramm in Gang (Zelle, Tier; Tannahill und Kollegen 2013).

„Was passiert im Krebszyklus, und warum ist er für meine Energie wichtig?“

Vielleicht kennst du den Krebszyklus aus der Schule: ein Kreis voller Namen, den man für die Prüfung auswendig lernt und danach vergisst. Und vielleicht taucht er jetzt wieder auf, in einem Befund zu organischen Säuren im Urin oder in einem Text über Mitochondrien und Müdigkeit.

Die mechanische Sicht sagt: Der Zyklus ist eine Maschine mit acht Schritten. Fällt ein Teil aus, etwa ein Enzym durch einen seltenen Gendefekt, steht sie still. Das ist richtig, und so lassen sich angeborene Stoffwechselkrankheiten erklären. Und trotzdem: Warum läuft derselbe Zyklus bei einem Menschen an einem Tag flott und an einem anderen träge, ohne dass ein Teil fehlt?

Die energetische Sicht sagt: Lebenskraft fließt, oder sie stockt. Sie spürt richtig, dass Energie kein fester Vorrat ist, sondern ein Fluss, der von Zustand und Umgebung abhängt. Und trotzdem: Woran im Körper zeigt sich, ob dieser Fluss läuft?

Die biologische Sicht verbindet beides: Der Krebszyklus ist ein Kreisverkehr, dessen Tempo die Mitochondrien laufend an Bedarf und Lage anpassen.

Was im Körper passiert

Stell dir den Citratzyklus als Kreisverkehr vor. Acetyl-CoA fährt ein, beladen mit zwei Kohlenstoffatomen aus Zucker, Fett oder Eiweiß. Auf der Runde werden die Kohlenstoffatome als CO2 abgeladen, das du ausatmest. Die wertvolle Fracht sind Elektronen: Sie werden auf die Träger NADH und FADH2 gepackt und zur Atmungskette gebracht (Zelle; Berg und Kollegen 2018).

Dort fließen die Elektronen wie Strom durch einen Draht. Ihre Energie pumpt Protonen über die innere Membran der Mitochondrien, es entsteht eine Spannung wie in einem Kondensator, und diese Spannung treibt die ATP-Synthase an (Zelle). Der Kreisverkehr selbst macht kaum ATP. Er lädt die Akkus, die die Atmungskette wieder entleert.

Wozu dieser Umweg? Weil der Kreisverkehr zugleich Abzweigungen hat: zu Bausteinen für Eiweiß, Fett und Blutfarbstoff, und zu Signalen. Melden die Mitochondrien Gefahr, stellen sie den Verkehr um, in der Forschung Cell Danger Response (Modell nach Naviaux). Zwischenprodukte wie Succinat stauen sich dann und werden in Immunzellen zum Alarmsignal (Zelle, Tier; Tannahill und Kollegen 2013). Ein träger Zyklus heißt darum nicht kaputt. Er kann umgeschaltet sein.

Krebszyklus (Citratzyklus): Ablauf, Bilanz und Merksatz: Der Citratzyklus, nach seinem Entdecker Hans Krebs auch Krebszyklus, Zitronensäurezyklus oder TCA-Zyklus genannt, ist ein Kreislauf aus acht Schritten im Inneren der Mitochondrien. Er baut Acetyl-CoA zu CO2 ab und belädt dabei die Elektronenträger NADH und FADH2, die die Atmungskette antreiben.

Krebszyklus einfach erklärt

Der Zyklus beginnt, wenn Acetyl-CoA mit zwei Kohlenstoffatomen an Oxalacetat mit vier Kohlenstoffatomen andockt. Daraus entsteht Citrat mit sechs Kohlenstoffatomen, das Salz der Zitronensäure, das dem Zyklus seinen Namen gibt. In den folgenden Schritten gibt das Molekül zwei Kohlenstoffatome als CO2 ab und wird Schritt für Schritt wieder zu Oxalacetat. Das Oxalacetat steht dann für die nächste Runde bereit: Es wird nicht verbraucht, sondern immer wieder neu beladen (Zelle; Berg und Kollegen 2018). Hans Krebs beschrieb den Kreislauf 1937 und erhielt dafür 1953 den Nobelpreis. Im Englischen heißt er Krebs cycle, citric acid cycle oder TCA cycle, nach den drei Säuregruppen des Citrats (tricarboxylic acid).

Ablauf in acht Schritten

  1. Citrat-Synthase: Acetyl-CoA und Oxalacetat verbinden sich zu Citrat.
  2. Aconitase: Citrat wird zu Isocitrat umgebaut. Das Enzym trägt einen Eisen-Schwefel-Cluster.
  3. Isocitrat-Dehydrogenase: Isocitrat wird zu Alpha-Ketoglutarat; das erste CO2 und das erste NADH entstehen.
  4. Alpha-Ketoglutarat-Dehydrogenase: Alpha-Ketoglutarat wird zu Succinyl-CoA; das zweite CO2 und das zweite NADH entstehen. Dieser Enzymkomplex braucht Thiamin (B1), Liponsäure, Coenzym A (aus B5), FAD (aus B2) und NAD+ (aus B3).
  5. Succinyl-CoA-Synthetase: Succinyl-CoA wird zu Succinat; dabei entsteht ein GTP, das einem ATP entspricht.
  6. Succinat-Dehydrogenase: Succinat wird zu Fumarat, und FADH2 entsteht. Dieses Enzym ist zugleich Komplex II der Atmungskette.
  7. Fumarase: Fumarat wird zu Malat.
  8. Malat-Dehydrogenase: Malat wird zu Oxalacetat; das dritte NADH entsteht, und die Runde ist geschlossen.

Citratzyklus Merksatz

Die Reihenfolge der acht Zwischenprodukte, Citrat, Isocitrat, Alpha-Ketoglutarat, Succinyl-CoA, Succinat, Fumarat, Malat, Oxalacetat, lässt sich mit einem Satz aus ihren Anfangsbuchstaben merken: Citronen in alten Säcken sind fast mehr Obst.

Citratzyklus Bilanz

Pro Runde entstehen 2 CO2, 3 NADH, 1 FADH2 und 1 GTP. Ein Molekül Glukose liefert zwei Acetyl-CoA, also zwei Runden: 4 CO2, 6 NADH, 2 FADH2 und 2 GTP. Direkt bildet der Zyklus damit kaum Energie. Sein Ertrag sind die Elektronen: Über die Atmungskette ergeben die Träger einer Runde rund zehn ATP; der genaue Wert hängt davon ab, wie viele Protonen man je ATP an der ATP-Synthase ansetzt (Zelle; Berg und Kollegen 2018).

Mehr als Energie: Baustoffe und Signale

Der Zyklus ist zugleich eine Werkstatt. Citrat wird für den Bau von Fettsäuren abgezweigt, Alpha-Ketoglutarat und Oxalacetat für Aminosäuren, Succinyl-CoA für Häm, den Farbstoff der roten Blutkörperchen. Was abfließt, füllt die Zelle wieder auf, etwa über die Pyruvat-Carboxylase, die aus Pyruvat Oxalacetat macht. Dieses Nachfüllen heißt Anaplerose (Zelle).

Die Zwischenprodukte sind außerdem Signale. Succinat sammelt sich in aktivierten Immunzellen an und hält dort über den Schalter HIF-1α die Bildung des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-1β in Gang (Zelle, Tier; Tannahill und Kollegen 2013). Alpha-Ketoglutarat ist Helfer für Enzyme, die Markierungen an der Erbsubstanz und ihren Spulen entfernen; so reicht der Zyklus bis in die Steuerung der Gene (Zelle; Martínez-Reyes und Chandel 2020).

Wie der Zyklus sein Tempo findet

Der Kreisverkehr läuft so schnell, wie die Zelle Energie verbraucht. Viel NADH und ATP bremsen mehrere Enzyme, viel ADP und Calcium beschleunigen sie. Calcium steigt in Muskelzellen bei jeder Anspannung; so passt sich der Zyklus dem Bedarf an (Zelle). Sauerstoff braucht er nicht direkt, aber indirekt: Fehlt er, staut sich NADH, und die Runde stockt. Die Zelle weicht dann auf die Bildung von Laktat aus.

zum Merken
Der Krebszyklus macht kaum ATP. Er lädt die Elektronenträger, die die Atmungskette antreiben, und meldet, wie es der Zelle geht.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Nervensystem (Neurometabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Den Citratzyklus spürst du nicht, aber du kannst beobachten, wie gut deine Energie fließt. Eine Woche lang zum Beispiel:

Wie ist deine Energie nach einer Nacht mit gutem Schlaf, und wie nach einer kurzen Nacht?

Wie fühlt sich dein Körper bei einer Bewegung an, bei der du noch gut sprechen kannst, und wie in den Stunden danach?

Wenn du einen Befund zu organischen Säuren oder B-Vitaminen hast: Welche Fragen dazu möchtest du deiner Ärztin stellen?

Was du daraus machst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Ablauf, Enzyme und Bilanz des Citratzyklus sind seit Jahrzehnten gesichert (Zelle). Dass Zwischenprodukte wie Succinat und Alpha-Ketoglutarat als Signale wirken, ist an Zellen und Tieren gut gezeigt; wie stark das bei chronischen Beschwerden des Menschen mitspielt, ist offen. Organische Säuren im Urin geben Hinweise auf Engpässe, sie sind aber kein eindeutiger Test für eine Störung des Zyklus. Das Umschalten auf Schutz ist ein Modell nach Naviaux.

Ob ein auffälliger Befund bei dir einen Mangel, eine angeborene Stoffwechselstörung oder etwas anderes zeigt, klärt deine Ärztin.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Der Kreislauf in den Zellkraftwerken: Citratzyklus (Krebszyklus, TCA-Zyklus)
  • Werte im Urin, die auf einen Stau hindeuten: organische Säuren (Citrat, Succinat, Alpha-Ketoglutarat)
  • Vitamine, die der Zyklus braucht: Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Niacin (B3), Pantothensäure (B5)
  • Der Zyklus wird wieder aufgefüllt: Anaplerose
  • Mein Körper bildet viel Milchsäure: Laktat, anaerobe Glykolyse
  • Mein Eisen ist niedrig: Eisenmangel, Eisen-Schwefel-Cluster
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Quellen (4)
  • Stryer Biochemie
    Berg J.M., Tymoczko J.L., Gatto G.J., Stryer L. – Springer Spektrum, 8. Auflage (2018) DOI: 10.1007/978-3-662-54620-8
  • Mitochondrial TCA cycle metabolites control physiology and disease
    Martínez-Reyes I., Chandel N.S. – Nature Communications (2020) DOI: 10.1038/s41467-019-13668-3
  • Succinate is an inflammatory signal that induces IL-1β through HIF-1α
    Tannahill G.M., Curtis A.M., Adamik J., Palsson-McDermott E.M., McGettrick A.F. et al. – Nature (2013) DOI: 10.1038/nature11986
  • Metabolic features of the cell danger response
    Naviaux R.K. – Mitochondrion (2014) DOI: 10.1016/j.mito.2013.08.006

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
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