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FAQ · Therapien & Interventionen

Kann ich Resolvine über die Ernährung steigern?

Wer nach Resolvinen sucht, will meist wissen, ob man mit Fisch, Omega-3 oder weniger Pflanzenöl die Entzündungsauflösung im eigenen Körper anschieben kann, etwa bei Gelenkschmerzen, einer Darmentzündung oder einer stillen Entzündung.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Resolvine der E-Serie entstehen aus EPA, die der D-Serie aus DHA; im Labor beenden sie Entzündung aktiv (Zelle, Tier; Serhan, 2014).
  • Omega-6 und Omega-3 konkurrieren um dieselben Enzyme; viel Omega-6 verschiebt die Bildung zur entzündungsfördernden Seite (Modell nach Serhan und Petasis, 2011).
  • Beim Menschen hingen gemessene Resolvine nicht mit einer Omega-3-Gabe zusammen, ihre Rolle ist umstritten (Mensch; Schebb et al., 2022).

In der Regenerationsmedizin ist Entzündung ein Ablauf, der abschließen muss, nicht nur ein Feuer, das man löscht. Das Immunsystem bringt dafür eigene Signale mit, und die Bausteine dafür kommen aus der Nahrung. Wie viel davon beim Menschen wirklich über Resolvine läuft, ist offen; die kritische Übersicht von 2022 nehmen wir ernst. Von den sechs Ärzten der Regeneration plus Dr. Pharma spricht hier Dr. Nahrung: mit der Frage, welche Fette dein Körper Tag für Tag in seine Zellen einbaut.

Oft heißt es: „Krankes muss man zerstören oder blockieren.“ Entzündung muss nicht nur gedämpft werden, sie muss abschließen. Die Ernährung liefert dafür Bausteine, aber keinen Schalter, den du umlegen kannst.

Was Resolvine sind. Resolvine gehören zu den spezialisierten entzündungsauflösenden Mediatoren, kurz SPMs. Die Gruppe um Charles Serhan beschrieb sie seit den 2000er-Jahren als Botenstoffe, die eine Entzündung aktiv beenden: Sie stoppen den Zustrom von Abwehrzellen und lassen Fresszellen aufräumen (Zelle, Tier; Ariel und Serhan, 2007). Resolvine der E-Serie entstehen aus EPA, Resolvine der D-Serie aus DHA (Serhan und Petasis, 2011).

Woher die Bausteine kommen. EPA und DHA stecken vor allem in fettem Seefisch wie Hering, Makrele, Lachs und Sardinen, in Meeresfrüchten und in kleineren Mengen in Eiern und im Fleisch von Weidetieren (Lehrbuchwissen). Die pflanzliche Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure aus Lein- oder Rapsöl wandelt der Körper nur in geringem Umfang in EPA und noch weniger in DHA um (Lehrbuchwissen).

Was dagegen spricht, dass mehr Bausteine mehr Resolvine machen. Eine Gruppe von 18 Fachleuten prüfte 2022 die Studienlage kritisch. Ihr Ergebnis: Menschliche Abwehrzellen können Resolvine höchstens in geringem Umfang bilden, die Mengen im Blut liegen oft unter dem, was sich verlässlich messen lässt, und beim Menschen hingen die gemessenen Werte nicht mit einer Gabe von Omega-3 zusammen (Mensch, Zelle; Schebb et al., 2022). Ob Resolvine im menschlichen Körper die Rolle spielen, die ihnen Zell- und Tierversuche zuschreiben, ist damit offen.

Zwei Sichten, die viele kennen. Die mechanische Sicht sagt: Entzündung wird gesenkt, mit Kühlung, Schmerzmitteln oder Kortison, und Resolvine sind ein Laborthema. Sie hat recht, dass diese Mittel zuverlässig wirken, wenn sie nötig sind. Und trotzdem: Warum klingt eine Entzündung bei manchen von selbst ab und bei anderen nie ganz?

Die energetische Sicht sagt: Iss Fisch, meide Pflanzenöl, dann räumt der Körper selbst auf. Sie spürt richtig, dass das Ende einer Entzündung von innen kommt. Und trotzdem: Ob ein Teller Hering beim Menschen messbar mehr Resolvine macht, hat niemand gezeigt.

Die biologische Sicht hält beides: Die Bausteine kommen aus der Nahrung, aber was der Körper daraus macht, regelt er selbst.

Im Detail

Wie Resolvine entstehen. Aus EPA und DHA, die in den Hüllen der Zellen sitzen, bauen Enzyme wie die Lipoxygenasen in mehreren Schritten Resolvine, Protectine und Maresine (Zelle, Tier; Serhan und Petasis, 2011). Dieselben Enzyme verarbeiten auch die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure, aus der eher Botenstoffe entstehen, die eine Entzündung anfachen. Viel Omega-6 neben wenig Omega-3 verschiebt diese Konkurrenz darum zu Gunsten der entzündungsfördernden Seite (Modell nach Serhan, 2014). Wie stark das beim Menschen ins Gewicht fällt, ist nicht gemessen.

Warum die Messung so schwer ist. Resolvine sind instabil und kommen in sehr kleinen Mengen vor, viel kleiner als andere Fettsäure-Botenstoffe. Schebb und Kollegen bemängeln, dass die üblichen Messverfahren diese Mengen nicht verlässlich erfassen und dass die vermuteten Rezeptoren in Mausversuchen nicht bestätigt wurden (Schebb et al., 2022). Einen Bluttest für Resolvine im Alltag gibt es nicht.

Was sich messen lässt. Wie viel EPA und DHA in deinen Zellen ankommt, zeigt der Omega-3-Index, der Anteil dieser Fettsäuren in den Hüllen der roten Blutkörperchen. Er sagt etwas über die Bausteine, nicht über die Resolvine selbst. Mehr zur Biologie der Entzündungsauflösung steht im Beitrag Resolvine und SPMs, zur Rolle der Fresszellen unter Makrophagenpolarisierung.

Wer mit der Ärztin spricht. Wer Blutverdünner nimmt oder eine Operation vor sich hat, bespricht größere Mengen Fischöl mit der Ärztin, weil Omega-3 die Blutgerinnung beeinflussen kann (Lehrbuchwissen). Steckt hinter der Frage eine entzündliche Erkrankung, klärt die Ärztin, was sie unterhält; was du beim Essen veränderst, läuft parallel weiter.

Deine Entscheidung. Du kannst beobachten, wie oft Fisch und Meeresfrüchte auf deinem Teller landen und wie viel Omega-6 aus Pflanzenölen und Fertigprodukten daneben steht. Das versorgt deinen Körper mit Bausteinen, ohne dass du dir davon ein messbares Resolvin-Plus versprechen musst.

zum Merken
Die Ernährung liefert die Bausteine für Resolvine, nicht den Schalter. Ob mehr Fisch beim Menschen mehr Resolvine macht, ist offen.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Dass Resolvine Entzündung aktiv beenden, ist in Zell- und Tierversuchen gut beschrieben. Beim Menschen ist umstritten, ob sie in nennenswerter Menge entstehen, ob sie sich verlässlich messen lassen und ob Omega-3 aus Nahrung oder Präparaten ihre Menge erhöht (Schebb et al., 2022). Eine Menge an Fisch oder Omega-3, die Resolvine nachweislich steigert, gibt es nicht.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Botenstoffe, die eine Entzündung beenden: Resolvine, spezialisierte pro-resolvierende Mediatoren (SPMs)
  • Omega-3 aus Fisch: Eicosapentaensäure (EPA), Docosahexaensäure (DHA)
  • Wie viel Omega-3 in meinen Zellen steckt: Omega-3-Index
  • Omega-6, das Entzündung anfachen kann: Arachidonsäure
  • Die Entzündung klingt nicht ab: gestörte Entzündungsauflösung (Resolution)
  • Allgemeiner Entzündungswert im Blut: C-reaktives Protein (CRP)
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (4)

Was sind Resolvine?

Resolvine sind Botenstoffe aus den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. In Zell- und Tierversuchen beenden sie eine Entzündung aktiv, indem sie den Zustrom von Abwehrzellen stoppen und das Aufräumen fördern (Ariel und Serhan, 2007). Sie gehören mit Protectinen und Maresinen zu den SPMs.

Reicht ein Fischöl-Präparat, um Resolvine zu steigern?

Das ist nicht gezeigt. Fischöl hebt EPA und DHA in den Zellen, aber beim Menschen hingen die gemessenen Resolvine nicht mit einer Omega-3-Gabe zusammen (Schebb et al., 2022). Ob du ein Präparat nimmst, entscheidest du; wer Blutverdünner nimmt, bespricht das vorher mit der Ärztin.

Hilft Leinöl für Resolvine?

Leinöl liefert Alpha-Linolensäure, eine pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Der Körper wandelt sie nur in geringem Umfang in EPA und noch weniger in DHA um (Lehrbuchwissen). Für die Bausteine der Resolvine ist sie darum eine schwache Quelle.

Kann man Resolvine im Blut messen?

Nicht im Alltag. Resolvine kommen in sehr kleinen Mengen vor und sind instabil; ob die üblichen Verfahren sie verlässlich erfassen, ist umstritten (Schebb et al., 2022). Messen lässt sich der Omega-3-Index, er zeigt die Bausteine, nicht die Resolvine.
Quellen (3)
  • Pro-resolving lipid mediators are leads for resolution physiology
    Serhan CN – Nature (2014) DOI: 10.1038/nature13479
  • Resolvins and Protectins in Inflammation Resolution
    Serhan C.N., Petasis N.A. – Chemical Reviews (2011) DOI: 10.1021/cr100396c
  • Resolvins and protectins in the termination program of acute inflammation
    Ariel A., Serhan C.N. – Trends in Immunology (2007) DOI: 10.1016/j.it.2007.02.007

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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