Immunneutral
Immunneutral — Immunneutral beschreibt ein Ernährungsparadigma, das Nahrungsmittel nach ihrer immunologischen Wirkung bewertet: Eine Ernährung, die das Immunsystem fordert, aber nicht chronisch überfordert – immunregulierend und kräftigend statt nur eliminierend.
Der Begriff 'immunneutral' adressiert eine konzeptuelle Lücke in der Ernährungswissenschaft. Bestehende Paradigmen definieren Ernährung über historische Epochen (Paleo), diagnostische Einengung (AIP – Autoimmune Protocol) oder Makronährstoff-Verhältnisse (Low Carb). Keines stellt die immunologische Wirkung der Nahrung ins Zentrum.
Immunneutral bedeutet nicht 'immunfrei' oder 'immuninaktiv' – physiologische Immunstimulation durch Nahrung ist normal und wünschenswert (Hormesis). Immunneutral beschreibt den Zustand, in dem die Nahrung das Immunsystem in einem physiologischen Rahmen fordert, ohne es chronisch zu überfordern.
Der Rahmen basiert auf drei Säulen:
- Reduktion immunologischer Trigger: Identifikation und Reduktion von Nahrungsmitteln mit hohem Immunaktivierungspotenzial (Lektine, Gliadine, Solanine, Histamin) – individuell verschieden.
- Unterstützung der Darmbarriere: Schutz der Tight-Junction-Integrität als Schnittstelle zwischen Nahrung und Immunsystem (Fasano 2011).
- Bereitstellung immunregulierender Substrate: Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) als Substrate für Resolvine und andere SPMs (Serhan 2014).
Der Ansatz integriert Erkenntnisse aus Immunologie (Vojdani et al. 2020), Gastroenterologie (Fasano 2011, Lammers et al. 2008), Lipidbiochemie (Serhan 2014) und klinischer Erfahrung (AIP-Studien: Konijeti et al. 2017) zu einem praxistauglichen Rahmen für chronische Gesundheit.
— Die MOJO Perspektive
Immunneutrale Ernährung ist die ernährungsmedizinische Anwendung des regenerationsmedizinischen Paradigmas: Ernährung als immunologisches Signal, das die Anpassungsfähigkeit der drei Systeme moduliert (Keferstein et al. 2025). Nicht Ideologie, sondern Physiologie bestimmt die Nahrungsmittelauswahl.
Das Wichtigste in Kürze
- 1
- 2
- 3
- 4
— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Quellen & Referenzen
- Zonulin and its regulation of intestinal barrier function: the biological door to inflammation, autoimmunity, and cancer
Fasano A. – Physiological Reviews (2012)DOI: 10.1152/physrev.00003.2008 - Pro-resolving lipid mediators are leads for resolution physiology
Serhan CN – Nature (2014)DOI: 10.1038/nature13479 - Interaction between food antigens and the immune system: Association with autoimmune disorders
Vojdani A., Gushgari L.R., Vojdani E. – Autoimmunity Reviews (2020)DOI: 10.1016/j.autrev.2020.102459 - Regenerative Medicine: A System for Chronic Health
Keferstein G, Wesseling C, Höhfeld D et al. – Preprints.org (2025)DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v1
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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