Was bedeutet immunneutrale Ernährung?
Immunneutrale Ernährung zielt darauf ab, chronische immunologische Überaktivierung durch Nahrungsbestandteile zu vermeiden. Simopoulos (2002) zeigte in Biomedicine & Pharmacotherapy, dass ein Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 2:1 bis 4:1 – statt der üblichen 15:1 bis 20:1 – mit reduzierter Entzündung und verbesserter Immunregulation assoziiert ist. Calder (2006) beschrieb in Am J Clin Nutr, wie Omega-3-Fettsäuren die T-Zell-Proliferation, Zytokinproduktion und Eicosanoid-Synthese modulieren. Mosser & Edwards (2008) zeigten, dass das immunologische Milieu die Makrophagenpolarisierung beeinflusst – Ernährung kann dieses Milieu mitgestalten.
Der Begriff 'immunneutral' beschreibt eine Ernährungsstrategie, die das Immunsystem nicht chronisch in einen proinflammatorischen Zustand versetzt. In der Praxis bedeutet das:
Was reduziert wird: Überschüssige Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure aus Pflanzenölen), industriell verarbeitete Lebensmittel mit hoher glykämischer Last, Transfette und potenzielle Trigger wie Gluten und Casein bei entsprechender Empfindlichkeit.
Was betont wird: Omega-3-reiche Nahrung (fetter Fisch, Weidefleisch, Algenöl), glycin- und prolinreiche Proteinquellen (Knochenbrühe, Gelatin, Bindegewebsreiche Teile), Gemüse als Polyphenol- und Mikronährstoffquelle.
Simopoulos (2002) zeigte, dass das Omega-6/Omega-3-Verhältnis der stärkste ernährungsbedingte Modulator der Eicosanoid-Balance ist. Calder (2006) beschrieb die immunmodulatorischen Mechanismen von Omega-3 im Detail: Hemmung der NF-κB-Aktivierung, Reduktion der TNF-α- und IL-6-Produktion, Förderung der Resolvinsynthese.
Die animal-based Ernährung – reich an Kollagen, Organen und tierischen Fetten mit günstigem Fettsäureprofil – wird in der Fachliteratur zunehmend als eine Form der immunneutralen Ernährung diskutiert.
Im Detail
Immunneutrale Ernährung ist kein starres Protokoll, sondern ein funktionelles Prinzip: Die Nahrungszusammensetzung soll das Immunsystem in einen regulierten Zustand bringen – weder chronisch aktiviert noch supprimiert.
Omega-6/Omega-3-Verhältnis als zentraler Hebel: Simopoulos (2002) fasste die Evidenz zusammen: Die westliche Ernährung liefert ein Omega-6/Omega-3-Verhältnis von 15:1 bis 20:1 (hauptsächlich durch Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Soja-, Maisöl). Linolsäure (Omega-6) wird zu Arachidonsäure metabolisiert, die über COX-2 zu PGE2 und über 5-LOX zu LTB4 umgewandelt wird – beides potente proinflammatorische Mediatoren. Ein Verhältnis von 2:1 bis 4:1 war in epidemiologischen Studien mit reduzierter Entzündung assoziiert.
Omega-3 als aktiver Entzündungsauflöser: Calder (2006) beschrieb in Am J Clin Nutr, dass EPA und DHA nicht nur 'weniger entzündlich' sind als Omega-6, sondern aktiv die Entzündungsauflösung fördern: EPA wird zu Resolvin E1 metabolisiert, DHA zu Resolvin D1 und Protectin D1. Diese spezialisierten pro-resolving Mediatoren (SPMs) aktivieren M2-Makrophagen und fördern die Phagozytose apoptotischer Zellen.
Makrophagenpolarisierung und Ernährung: Mosser & Edwards (2008) zeigten, dass das Mikro-Milieu die Makrophagenpolarisierung bestimmt. Eine Ernährung, die chronisch proinflammatorische Signale liefert (hohes Omega-6, hohe glykämische Last, Transfette), begünstigt die M1-Polarisierung. Eine immunneutrale Ernährung verschiebt die Balance in Richtung M2 – regenerativ und reparaturfördernd.
Animal-based Ernährung als Implementierung: In der Fachliteratur wird eine Ernährung, die auf tierischen Proteinen (einschließlich Bindegewebe und Organe), tierischen Fetten mit günstigem Fettsäureprofil (Weidetiere, Fisch) und fermentierten Lebensmitteln basiert, als eine praktische Umsetzung immunneutraler Prinzipien diskutiert. Der Vorteil: hohe Bioverfügbarkeit aller essenziellen Aminosäuren, günstiges Omega-6/Omega-3-Verhältnis, reichlich Glycin und Prolin.
— Die MOJO Perspektive
In der Regenerationsmedizin ist immunneutrale Ernährung kein 'Diätplan', sondern ein therapeutisches Werkzeug im Bereich 'Dr. Nutrition'. Keferstein et al. (2025) beschreiben Ernährung als einen der sieben Säulen der regenerativen Medizin. Der Fokus liegt nicht auf Kalorien oder Makronährstoff-Verhältnissen, sondern auf der immunologischen Wirkung der Nahrung: Fördert sie Entzündung oder Regulation?
Das Wichtigste in Kürze
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Quellen & Referenzen
- The importance of the ratio of omega-6/omega-3 essential fatty acids
- n-3 Polyunsaturated fatty acids, inflammation, and inflammatory diseases
- Exploring the full spectrum of macrophage activation
- Regenerative Medicine: A System for Chronic HealthKeferstein G, Wesseling C, Höhfeld D et al. – Preprints.org (2025) DOI: 10.20944/preprints202510.2117.v1
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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