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Im Kontext · Symptome & Beschwerden

Animal Based Ernährung bei chronischen Schmerzen: was Studien zeigen

Animal Based Ernährung heißt überwiegend tierisch mit Obst und Honig. Was Befragungen zu Schmerzen melden, welche Bausteine dahinterstehen, was offen ist.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Zu Animal Based Ernährung gibt es keine Studie; die einzige große Datenquelle ist eine Befragung zur strengeren karnivoren Kost (Mensch, Selbstauskunft; Lennerz et al. 2021).
  • Von 502 Befragten mit Beschwerden des Bewegungsapparats berichteten 96 von hundert Besserung oder Verschwinden, ohne Vergleichsgruppe und ohne Untersuchung (Mensch; Lennerz et al. 2021).
  • Plausible Wege sind mehr Glycin aus Bindegewebe und weniger Linolsäure; untersucht sind sie nur einzeln, nicht bei Gelenkschmerzen (Zelle, Mensch; de Paz-Lugo et al. 2018; Ramsden et al. 2021).

Begrenzte Evidenz. Wenige Studien oder methodische Einschränkungen, aber mechanistisch plausibel.

„Was ist Animal Based Ernährung, und kann sie bei chronischen Schmerzen etwas verändern?“

Du kennst die Berichte: Jemand isst seit Monaten fast nur Fleisch, Fisch, Eier, Brühe und Obst, und Knie, Finger und Rücken sind ruhiger als seit Jahren. Vielleicht hast du nach Erfahrungen mit Animal Based gesucht, weil deine Schmerzen trotz gesunder Ernährung bleiben. Und vielleicht hat dir jemand gesagt: „So viel Fleisch ist doch ungesund.“

Die mechanische Sicht der Ernährungsmedizin sagt: Große Bevölkerungsstudien sprechen für viel Gemüse, Vollkorn und Pflanzenöle und für wenig rotes und verarbeitetes Fleisch. Ihre Stärke sind Daten von sehr vielen Menschen über Jahrzehnte. Und trotzdem: Warum berichten gerade manche Menschen mit Schmerzen, dass es ihnen mit dem Gegenteil besser geht?

Die energetische Sicht vieler Anhänger sagt: Der Mensch ist an tierische Nahrung angepasst, und wer zu ihr zurückkehrt, findet sein Gleichgewicht. Sie hat recht, dass Wohlbefinden ein echtes Signal ist und dass Weglassen Ruhe bringen kann. Und trotzdem: Ein gutes Gefühl nach einigen Wochen sagt nicht, welcher Teil der Umstellung gewirkt hat und was nach Jahren ist.

Die biologische Sicht fragt eine Ebene tiefer: Was ändert sich an Bausteinen und Fettsäuren im Gewebe, wenn sich der Teller so verändert?

Oft heißt es: „Keine Studie heißt: wirkt nicht. Die Leitlinie ist das Beste für mich.“ Dass es keine Studie zu Animal Based und Schmerz gibt, heißt nicht, dass sie nichts verändert. Es heißt auch nicht, dass sie wirkt. Unbewiesen ist nicht widerlegt, aber auch nicht belegt.

Was im Körper passiert

Stell dir dein Bindegewebe als Baustelle vor, die nie fertig wird. Jeden Tag reißen Arbeiter alte Fasern heraus und setzen neue ein. Dafür brauchen sie Material, und sie brauchen Ruhe auf der Baustelle.

Das Material liefert Kollagen aus dem Essen: Haut, Knorpel, Sehnen und Brühe aus Knochen enthalten viel Glycin und Prolin, mageres Muskelfleisch deutlich weniger. Knorpelzellen bildeten im Labor mehr Kollagen, wenn mehr Glycin vorhanden war (Zelle; de Paz-Lugo et al. 2018).

Die Ruhe hängt an den Fettsäuren in deinen Zellmembranen. Aus der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure bilden Zellen Prostaglandine, die Entzündung und Schmerz vermitteln; aus den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA eher Botenstoffe, die Entzündung beenden (Mensch, Übersicht; Calder 2006). Was in den Membranen steckt, hängt auch davon ab, wie viel Samenöl und wie viel Fisch du isst.

Wozu das Ganze? Gewebe kann nur umbauen, wenn eine Entzündung abschließt. Animal Based verändert beides zugleich, Material und Fettsäuren, und lässt dabei vieles weg. Welcher Teil bei wem den Unterschied macht, lässt sich so nicht sagen.

Animal Based Ernährung ist eine tierisch betonte Ernährung: Fleisch, Fisch, Eier, Innereien, Brühe aus Knochen und tierische Fette, dazu Obst, Honig und oft Milchprodukte. Getreide, Hülsenfrüchte, Samenöle und stark verarbeitete Lebensmittel fallen weg. Sie liegt zwischen der streng karnivoren Ernährung, die alles Pflanzliche weglässt, und einer gemischten Kost. Ein festes Protokoll mit Regeln gibt es nicht.

Viele Menschen mit chronischen Schmerzen stoßen auf Animal Based, weil andere berichten, ihre Gelenke seien ruhiger geworden. Diese Erfahrungen sind echt, aber sie sind keine Studie. Für Animal Based als Ganzes gibt es keine einzige Studie, weder zu Schmerz noch zu anderen Beschwerden. Die Daten stammen aus einer Befragung zur strengeren karnivoren Kost und aus Studien zu einzelnen Bausteinen.

Darum trennt dieser Artikel drei Fragen: Was berichten Menschen? Welche Wege sind biologisch plausibel? Und was weiß niemand?

Wirkung und Mechanismus

Bindegewebe statt nur Muskelfleisch. Animal Based betont Teile vom Tier, die sonst oft wegfallen: Haut, Knorpel, Sehnen und Brühe aus Knochen. Sie sind reich an Glycin und Prolin, den Bausteinen des Kollagens. In Versuchen mit Knorpelzellen stieg die Kollagenbildung mit dem Glycingehalt (Zelle; de Paz-Lugo et al. 2018). Ob mehr Glycin aus dem Essen beim Menschen Knorpel oder Sehnen stärkt, ist nicht untersucht.

Weniger Samenöle, andere Fettsäuren. Wer Samenöle wie Sonnenblumen- oder Sojaöl weglässt, isst weniger Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure. Aus Omega-6 entstehen vor allem Botenstoffe, die Entzündung und Schmerz vermitteln, aus den Omega-3-Fettsäuren im Fisch eher solche, die Entzündung beenden (Mensch, Übersicht; Simopoulos 2002; Calder 2006). Die bisher beste Studie zu diesem einen Baustein betraf Kopfschmerz: Bei 182 Menschen mit Migräne senkte eine Kost mit mehr Omega-3 aus Fisch, mit oder ohne weniger Linolsäure, über 16 Wochen die Zahl der Kopfschmerzstunden und Kopfschmerztage (Mensch; Ramsden et al. 2021). Für Gelenk- und Muskelschmerzen gibt es eine solche Studie nicht.

Weglassen als Entlastung. Fallen viele Lebensmittel weg, hat das Immunsystem weniger zu prüfen. Ein Körper im Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response, kann dann leichter umschalten (Modell). Das ist eine Hypothese. Ob sie erklärt, warum manche nach der Umstellung weniger Schmerz spüren, oder ob Gewichtsverlust, weniger Zucker und die Erwartung mitwirken, lässt sich aus Berichten nicht trennen.

Was sagt die Forschung

Die einzige große Datenquelle ist eine Online-Befragung von 2029 Erwachsenen, die sich mindestens sechs Monate karnivor ernährten, also strenger als Animal Based (Lennerz et al. 2021). Ein Viertel von ihnen gab Beschwerden des Bewegungsapparats an. Von diesen berichteten 42 von hundert, die Beschwerden seien verschwunden, und 54 von hundert, sie hätten sich gebessert (Mensch, Selbstauskunft). Die Grenzen sind groß: keine Vergleichsgruppe, keine Untersuchung, und es antworteten Menschen, die dabeigeblieben und zufrieden waren.

Zu den Bausteinen gibt es mehr: Zellversuche zu Glycin und Kollagen (de Paz-Lugo et al. 2018), Übersichten zu Fettsäuren und Entzündung (Simopoulos 2002), Studien bei rheumatoider Arthritis, in denen Fischöl Morgensteifigkeit und schmerzhafte Gelenke verringerte (Mensch; Calder 2006), und eine randomisierte Studie zu Fettsäuren bei Migräne (Ramsden et al. 2021). Studien, die Animal Based oder karnivore Kost bei Gelenk- oder Muskelschmerzen mit einer Vergleichsgruppe prüfen, gibt es nicht. Die Bewertung lautet darum: begrenzt.

zum Merken
Unbewiesen ist nicht widerlegt. Ein ruhigeres Gelenk ist ein echtes Signal, aber noch keine Erklärung.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Drei Systeme antworten gemeinsam: Stoffwechsel, Nervensystem und Immunsystem; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Bevor du Animal Based ausprobierst oder dabei bleibst, kannst du in einer Woche drei Dinge klären:

Was soll sich ändern? Schreib auf, welche Schmerzen, wo und wie stark, und woran du nach einigen Wochen eine Veränderung merken würdest. Ein Versuch mit Ziel und Enddatum lässt sich auswerten, ein offenes Ende kaum.

Was würdest du tatsächlich essen? Wer Brühe, Innereien und Fisch nicht mag, landet schnell bei magerem Muskelfleisch, das wenig Glycin und kaum Omega-3 liefert.

Welche Werte kennst du von dir? Blutfette, Harnsäure, Nierenwerte und Ferritin vorher machen später sichtbar, was sich verändert hat.

Deine Medikamente laufen weiter, eine Änderung geht nur über deine Ärztin. Nimmst du Insulin oder andere blutzuckersenkende Mittel, Blutdrucksenker, Entwässerungstabletten oder Lithium, oder hast du eine Nierenerkrankung oder Gicht, planst du die Umstellung vorher mit ihr. Was du daraus machst, entscheidest du.

  • Bindegewebe mitdenken: Animal Based heißt in der Idee nicht mehr Steak, sondern mehr vom ganzen Tier: Haut, Knorpel, Brühe aus Knochen, Fisch mit Haut. Diese Teile liefern das Glycin, das magerem Muskelfleisch fehlt.
  • Samenöle erkennen: Linolsäure steckt vor allem in Sonnenblumen-, Soja-, Mais- und Distelöl und in vielen Fertigprodukten. Ein Blick auf die Zutatenlisten zeigt in wenigen Tagen, wo sie bei dir vorkommt; mehr unter Linolsäure.
  • Mastfleisch und Weidefleisch unterscheiden: Wie viel Omega-3 im Fleisch steckt, hängt vom Futter ab: Tiere von der Weide haben in der Regel mehr Omega-3 im Fett als Tiere aus der Mast mit viel Getreide (Simopoulos 2002). Fetter Fisch liefert ein Vielfaches davon.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Für Animal Based Ernährung gibt es keine Studie, weder zu Schmerz noch zu anderen Beschwerden. Die Befragung von Lennerz und Kollegen (2021) betraf die strengere karnivore Kost, beruht auf Selbstauskunft ohne Vergleichsgruppe und erfasste vor allem Menschen, die dabeigeblieben waren. Der Glycinbefund stammt aus Zellversuchen (de Paz-Lugo et al. 2018). Die beste kontrollierte Studie zu Fettsäuren und Schmerz betraf Migräne, nicht Gelenke (Ramsden et al. 2021). Was eine stark tierische Kost über Jahre für Blutfette, Nieren und Darmflora bedeutet, ist nicht geklärt; bei vielen steigt das LDL-Cholesterin deutlich (Lennerz et al. 2021).

Ob hinter deinen Schmerzen eine Erkrankung mit eigener Behandlung steht, etwa ein entzündliches Rheuma oder Gicht, klärt deine Ärztin. Viel Fleisch kann bei manchen Menschen einen Gichtanfall begünstigen; ein neu heißes, geschwollenes Gelenk gehört darum zur Ärztin.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Ich esse überwiegend tierisch: tierisch betonte, kohlenhydratarme Ernährung
  • Das schlechte Cholesterin: LDL-Cholesterin, Apolipoprotein B
  • Harnsäure und Gicht: Harnsäure, Hyperurikämie
  • Meine Nierenwerte: Kreatinin, eGFR
  • Die Fettsäuren in meinem Blut: Omega-3-Index, Fettsäureprofil
  • Mein Eisenspeicher: Ferritin
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (6)

Was ist Animal Based Ernährung?

Eine überwiegend tierische Ernährung: Fleisch, Fisch, Eier, Innereien, Brühe aus Knochen und tierische Fette, dazu Obst, Honig und oft Milchprodukte. Getreide, Hülsenfrüchte und Samenöle fallen weg. Anders als die karnivore Ernährung lässt sie Obst und damit Kohlenhydrate und etwas Vitamin C zu. Ein festes Protokoll gibt es nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Animal Based und karnivor?

Karnivor heißt nur tierische Lebensmittel, ohne jede Pflanze. Animal Based ist lockerer und erlaubt Obst, Honig und oft auch etwas Gemüse. Die Daten, die meist zitiert werden, stammen aus einer Befragung zur karnivoren Kost (Lennerz et al. 2021); für Animal Based selbst gibt es keine.

Welche Erfahrungen gibt es mit Animal Based bei Schmerzen?

In einer Befragung zur karnivoren Kost gab ein Viertel der 2029 Teilnehmenden Beschwerden des Bewegungsapparats an; 42 von hundert davon berichteten, sie seien verschwunden, 54 von hundert, sie hätten sich gebessert (Lennerz et al. 2021). Das ist Selbstauskunft ohne Vergleichsgruppe von Menschen, die dabeigeblieben sind. Wer aufgehört hat, weil es nicht half, kommt darin kaum vor.

Ist Mastfleisch schlechter als Weidefleisch?

Beim Fett unterscheiden sie sich: Fleisch von Weidetieren enthält in der Regel mehr Omega-3 als Fleisch aus der Mast mit viel Getreide (Simopoulos 2002). Wie viel dieser Unterschied für Schmerzen ausmacht, ist nicht untersucht. Verarbeitetes Fleisch wie Wurst schneidet in Bevölkerungsstudien ungünstiger ab als unverarbeitetes Fleisch.

Ist Knochenbrühe bei Gelenkschmerzen sinnvoll?

Brühe aus Knochen, Haut und Knorpel enthält Gelatine und damit Glycin und Prolin, die Bausteine des Kollagens. Ob sie Gelenkschmerzen verändert, ist nicht untersucht. Lange gekochte Brühe enthält oft viel Histamin; wer darauf empfindlich reagiert, merkt das manchmal an Kopfschmerz, Hautrötung oder Bauchbeschwerden.

Ist Animal Based gefährlich?

Für die ersten Monate berichteten Befragte zur strengeren karnivoren Kost wenige Beschwerden (Lennerz et al. 2021). Offen sind die Langzeitfolgen: Das LDL-Cholesterin steigt bei vielen, Harnsäure und Nierenwerte können sich verändern, und mit Leber kommt viel Vitamin A. Mit Medikamenten für Blutzucker, Blutdruck oder zum Entwässern, mit Lithium, einer Nierenerkrankung, Gicht, in der Schwangerschaft oder nach einer Essstörung planst du eine Umstellung nur mit deiner Ärztin.
Quellen (4)
  • High glycine concentration increases collagen synthesis by articular chondrocytes in vitro: acute glycine deficiency could be an important cause of osteoarthritis
    de Paz-Lugo P., Lupianez J.A., Melendez-Hevia E. – Amino Acids (2018) DOI: 10.1007/s00726-018-2611-x
  • The importance of the ratio of omega-6/omega-3 essential fatty acids
    Simopoulos A.P. – Biomedicine & Pharmacotherapy (2002) DOI: 10.1016/s0753-3322(02)00253-6
  • Exploring the full spectrum of macrophage activation
    Mosser D.M., Edwards J.P. – Nature Reviews Immunology (2008) DOI: 10.1038/nri2448
  • n-3 Polyunsaturated fatty acids, inflammation, and inflammatory diseases
    Calder P.C. – American Journal of Clinical Nutrition (2006) DOI: 10.1093/ajcn/83.6.1505s

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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