MOJO LogoMOJO

Überblick · Diagnosen & Krankheitsbilder

Reizdarmsyndrom (IBS): Ursachen, Diagnose und was hilft

Was ist IBS? Reizdarmsyndrom verstehen: Symptome, Subtypen, Diagnose nach Rom IV und S3-Leitlinie und was laut Studien hilft. Die Psyche ist nie die Schuld.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Reizdarm ist eine Störung der Darm-Hirn-Interaktion mit messbaren Veränderungen in der Darmwand, keine Einbildung und keine psychische Erkrankung (Mensch; Ford et al., 2020).
  • Die Ärztin stellt die Diagnose aus dem Beschwerdebild nach Rom IV und klärt gezielt andere Ursachen wie Zöliakie und chronisch entzündliche Darmerkrankungen ab (Mensch, Leitlinie; Layer et al., 2021).
  • Am besten untersucht sind FODMAP-Reduktion mit Wiedereinführung, lösliche Ballaststoffe, darmgerichtete Hypnotherapie und Medikamente je nach Leitsymptom (Mensch, Studien und Leitlinie; Ford et al., 2020).

„Ich habe ständig Bauchschmerzen, Blähungen und wechselnden Stuhl, und alle Befunde sind unauffällig. Ist das ein Reizdarm, und was hilft?“

Du kennst das: Der Bauch krampft, mal drängt der Stuhl am Morgen, mal geht tagelang nichts, und abends ist der Bauch so gebläht, dass die Hose spannt. Darmspiegelung und Blutwerte sind unauffällig, und irgendwann fällt der Satz: „Das ist ein Reizdarm, das ist der Stress.“ Vielleicht suchst du nach IBS, weil du endlich verstehen willst, was in deinem Bauch passiert.

Die mechanische Sicht sucht den Schaden: eine Entzündung, eine Engstelle, einen Tumor. Diese Sicht schützt dich, denn sie sorgt dafür, dass eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, eine Zöliakie oder Darmkrebs nicht übersehen werden. Und trotzdem: Warum tut der Darm weh, wenn alles heil aussieht?

Die energetische Sicht sagt: Dein Bauch ist dein Gefühlszentrum, er reagiert auf alles, was dich belastet, und braucht Ruhe. Sie spürt richtig, dass Hektik, Sorgen und schlechter Schlaf den Darm lauter machen. Und trotzdem: Wo im Körper entsteht diese Empfindlichkeit, und warum reicht Entspannung allein oft nicht?

Die biologische Sicht verbindet beides: Die Beschwerden sind echt, und sie entstehen in der Darmwand und in der Verarbeitung ihrer Signale. Dein Darm ist nicht kaputt. Er schützt sich.

Oft heißt es: „Die Ärztin müsste das lösen.“ Die Ärztin klärt, dass nichts Gefährliches dahintersteckt, und das ist viel. Was die Darmwand danach braucht, liegt zu einem großen Teil im Alltag: Essen, Schlaf, Rhythmus und Verfahren, die ihre Signale leiser stellen.

Was im Körper passiert

Stell dir die Darmwand als Grenze mit Wachposten vor. Nerven melden Dehnung und Bewegung, Abwehrzellen achten auf Gefahr. Bei Reizdarm rücken beide enger zusammen: Mastzellen, Wächterzellen des Immunsystems, liegen dichter an den Nervenfasern, und ihre Botenstoffe machen die Nerven empfindlicher; je näher sie lagen, desto stärker war der Schmerz (Mensch; Barbara et al., 2004). Schon normale Dehnung durch Gas oder Stuhl kommt dann als Schmerz an (Mensch; Ritchie, 1973). Fachleute nennen das viszerale Hypersensitivität.

Wozu tut der Darm das? Eine Darmwand, die Gefahr gemessen hat, etwa durch einen Infekt, Antibiotika, veränderte Darmbakterien oder lange Anspannung, stellt ihre Melder empfindlicher: lieber zu früh warnen als zu spät. Wir nennen das Schutzmodus; in der Forschung heißt ein solches Schutzprogramm der Zellen Cell Danger Response (Modell nach Naviaux, 2014). Stress kann diesen Schutz verstärken: Das Stresssignal CRH macht die Darmwand über Mastzellen durchlässiger (Mensch; Vanuytsel et al., 2014). Die Psyche ist darin ein Verstärker, nicht die Ursache.

Was die Melder leiser werden lässt, sind Signale von Sicherheit, die sich wiederholen: Essen, das der Darm verträgt, Schlaf, Rhythmus, ruhiges Ausatmen und Verfahren, die die Schmerzverarbeitung beruhigen. Dein Körper lernt, was du wiederholst, in beide Richtungen.

Das Reizdarmsyndrom, kurz RDS, international IBS (Irritable Bowel Syndrome), ist eine Störung der Darm-Hirn-Interaktion: Bauchschmerzen, Blähungen und veränderter Stuhl kommen immer wieder, ohne dass Darmspiegelung oder Blutwerte eine Entzündung oder einen Schaden zeigen (Drossman, 2016). Ältere Namen sind Colon irritabile und nervöser Darm. Je nach Kriterien und Land betrifft IBS etwa 5 bis 10 von 100 Menschen, Frauen häufiger als Männer (Ford et al., 2020).

Reizdarm ist keine Einbildung und keine psychische Erkrankung. In der Darmwand sind Veränderungen messbar, etwa empfindlichere Nerven und aktivierte Abwehrzellen nah an diesen Nerven (Mensch; Barbara et al., 2004). Nach heutigem Wissen schädigt Reizdarm das Gewebe nicht, er kann den Alltag aber stark einschränken.

Dieser Überblick führt durch Symptome und Subtypen, die Biologie der Darmwand, die Rolle von Stress und Psyche, die Diagnose nach Rom IV und S3-Leitlinie und das, was laut Studien hilft. Jeder Abschnitt verweist auf die Seite, die das Thema vertieft.

IBS Symptome und die vier Subtypen

Im Mittelpunkt stehen wiederkehrende Bauchschmerzen, die mit dem Stuhlgang zusammenhängen: Sie bessern sich danach oder kommen mit einer Veränderung von Häufigkeit oder Form des Stuhls (Lacy et al., 2016). Dazu kommen oft Blähungen und ein Blähbauch, der morgens flach ist und sich im Lauf des Tages aufbläht, Fachleute sagen Distension, außerdem Schleim im Stuhl und das Gefühl, nicht vollständig entleert zu sein. Mehr dazu auf der Seite zu Blähungen.

Die Subtypen. Nach der Form des Stuhls an Tagen mit Beschwerden, gemessen mit der Bristol-Stuhlskala von Typ 1 (harte Kugeln) bis Typ 7 (flüssig), unterscheiden die Rom-IV-Kriterien vier Typen: Reizdarm mit vorwiegend Durchfall (IBS-D), mit vorwiegend Verstopfung (IBS-C), den Mischtyp (IBS-M) und einen nicht zuzuordnenden Typ (IBS-U) (Lacy et al., 2016). Viele wechseln über die Jahre den Typ. Die Subtypen vertiefen die Seiten zu Durchfall und Verstopfung.

Was mitläuft. Viele Menschen mit Reizdarm sind erschöpft, schlafen schlechter, denken wie durch Watte oder haben Angst vor dem nächsten Schub. Das ist kein Zufall: Darm und Gehirn teilen dieselben Signalwege. Reizdarm tritt außerdem häufig zusammen mit anderen Diagnosen auf, etwa Hashimoto, CFS oder MCAS. Zu jedem dieser Begleiter gibt es eine eigene Seite unter den verwandten Themen. Wie Angst und Darm sich gegenseitig alarmieren, erklärt die Seite Angst.

Reizdarm Ursachen: was in der Darmwand passiert

Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Die Forschung beschreibt mehrere Wege, die zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken (Mensch, Übersicht; Enck et al., 2016).

Empfindliche Nerven. Schon 1973 zeigte ein Versuch mit einem Ballon im Dickdarm, dass Menschen mit Reizdarm bei geringerer Dehnung Schmerz spüren als andere (Mensch; Ritchie, 1973). Diese viszerale Hypersensitivität ist einer der am besten belegten Befunde.

Abwehrzellen nah an den Nerven. Barbara et al. (2004) fanden in der Dickdarmschleimhaut von Menschen mit Reizdarm mehr aktivierte Mastzellen nah an Nervenfasern, und das hing mit der Stärke der Bauchschmerzen zusammen (Mensch). Botenstoffe aus solchen Schleimhautproben erregten im Versuch Nervenzellen, die Schmerz aus dem Darm melden (Gewebe von Mensch und Ratte; Barbara et al., 2007).

Darmbakterien. Die Gemeinschaft der Darmbakterien, das Mikrobiom, ist bei Reizdarm im Mittel verändert, die Befunde sind aber uneinheitlich, und ein typisches Reizdarm-Mikrobiom lässt sich nicht festlegen (Mensch, systematische Übersicht; Pittayanon et al., 2019). Eine Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) findet sich bei Reizdarm häufiger als bei Gesunden (Mensch, Metaanalyse; Shah et al., 2020). Wer nach SIBO Symptomen und Psyche sucht: Blähungen, Unruhe und Brain Fog kommen bei beidem vor. Mehr dazu bei Mikrobiom und Dysbiose und Reizdarm oder SIBO.

Nach einem Infekt. Etwa jeder zehnte Mensch entwickelt nach einer bakteriellen, viralen oder parasitären Darminfektion einen Reizdarm (Mensch, Metaanalyse; Klem et al., 2017). Die Seite Kann Reizdarm nach Infektionen entstehen? erklärt, was zurückbleibt.

Bewegung des Darms. Bei Durchfall bewegt sich der Darm oft schneller, bei Verstopfung langsamer. Gesteuert wird das vom Nervensystem der Darmwand und vom Vagusnerv, dem großen Nerv zwischen Darm und Gehirn. Mehr dazu bei Vagusnerv und Peristaltik und im Überblick zum Nervensystem.

Darm-Hirn-Achse: welche Rolle Stress und Psyche spielen

Darm und Gehirn sprechen über Nerven, Hormone, Abwehrzellen und Stoffwechselprodukte der Darmbakterien miteinander, in beide Richtungen (Mensch und Tier, Übersicht; Cryan und Dinan, 2012). Der Vagusnerv leitet dabei vor allem Meldungen vom Darm zum Gehirn und kann über einen Reflex Entzündung in der Darmwand dämpfen (Übersicht; Bonaz et al., 2018). Mehr dazu bei Darm-Hirn-Achse und im Überblick Vagusnerv.

Psyche als Verstärker, nie als Schuld. In einer Bevölkerungsstudie über zwölf Jahre bekamen Menschen mit mehr Angst später häufiger Darmbeschwerden, und Menschen mit Darmbeschwerden später häufiger Angst (Mensch; Koloski et al., 2012). Etwa jeder vierte Mensch mit Reizdarm hat auch eine Angststörung, die meisten nicht (Mensch, Metaanalyse; Zamani et al., 2019). Stress wirkt über messbare Wege: Das Stresssignal CRH macht die Darmwand über Mastzellen durchlässiger (Mensch; Vanuytsel et al., 2014). Reizdarm ist darum keine psychische Erkrankung; die Seite Ist Reizdarm eine psychische Erkrankung? erklärt den Unterschied.

Wenn die seelische Last im Vordergrund steht, gehört sie in eine Psychotherapie, die genau das behandelt; was dein Nervensystem im Alltag stabilisiert, läuft daneben weiter. Wenn dunkle Gedanken kommen, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar: 0800 111 0 111.

Diagnose: Rom IV, S3-Leitlinie und was die Ärztin abklärt

Rom IV. Nach den internationalen Rom-IV-Kriterien liegt ein Reizdarm vor, wenn Bauchschmerzen in den letzten drei Monaten an mindestens einem Tag pro Woche auftraten, die Beschwerden mindestens sechs Monate vorher begonnen haben und mindestens zwei von drei Merkmalen zutreffen: Zusammenhang mit dem Stuhlgang, veränderte Stuhlhäufigkeit, veränderte Stuhlform (Lacy et al., 2016).

S3-Leitlinie. Die deutsche S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom fasst den Begriff etwas weiter: länger als drei Monate anhaltende Beschwerden, die auf den Darm bezogen werden und meist mit Stuhlveränderungen einhergehen, die die Lebensqualität deutlich mindern und für die sich keine andere Erkrankung als Ursache findet (Layer et al., 2021). Reizdarm ist damit eine positive Diagnose aus dem Beschwerdebild, ergänzt um einen gezielten, nicht endlosen Ausschluss.

Was abgeklärt wird. Den Ausschluss anderer Ursachen klärt die Ärztin. Üblich sind Blutbild, Entzündungswert, Calprotectin im Stuhl und Antikörper auf Zöliakie. Ein niedriger Calprotectinwert macht eine chronisch entzündliche Darmerkrankung sehr unwahrscheinlich (Mensch, Metaanalyse; Menees et al., 2015). Zöliakie findet sich bei Reizdarmbeschwerden häufiger als in der Allgemeinbevölkerung (Mensch, Metaanalyse; Irvine et al., 2017). Je nach Bild kommen Schilddrüsenwerte, Stuhl auf Erreger, Atemtests auf Laktose, Fruktose oder SIBO nach festen Standards (Rezaie et al., 2017), deren Aussagekraft begrenzt ist,, und eine Darmspiegelung dazu. Bei Verstopfung mit dem Gefühl, nicht alles herauszubekommen, prüft die Ärztin den Beckenboden, etwa mit einer Druckmessung im Enddarm und einem Ballonexpulsionstest. IgG-Bluttests auf Nahrungsmittel empfiehlt die Leitlinie nicht (Layer et al., 2021). Auch eine Arbeitsgruppe der Europäischen Akademie für Allergologie rät davon ab, weil viele Menschen positive Werte haben, ohne auf das Lebensmittel zu reagieren (Stapel et al., 2008).

Warnzeichen. Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Beschwerden oder nächtlicher Durchfall, Blutarmut, ein Beginn nach 50 oder Darmkrebs, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie in der Familie passen nicht zum typischen Reizdarm. Sie gehören in die ärztliche Abklärung, bevor von Reizdarm die Rede ist.

Calprotectin und Stress. Ob Stress allein Calprotectin erhöhen kann, ist kaum untersucht. Ein erhöhter Wert wird darum nicht dem Stress zugeschrieben, sondern ärztlich abgeklärt. Mehr dazu bei Laborwerte, Reizdarm oder chronisch entzündliche Darmerkrankung, Reizdarm oder funktionelle Dyspepsie und Reizdarm oder SIBO.

Reizdarm behandeln: was laut Studien hilft

Die Behandlung richtet sich nach dem Leitsymptom und nach dem, was dich am meisten einschränkt. Die S3-Leitlinie setzt auf mehrere Wege nebeneinander (Layer et al., 2021).

FODMAP-Reduktion. FODMAPs sind vergärbare Zucker und Zuckeralkohole, die im Dünndarm schlecht aufgenommen werden und im Dickdarm Gas und Wasser ziehen. In einer kontrollierten Crossover-Studie mit 30 Menschen mit Reizdarm sanken die Beschwerden unter FODMAP-armer Kost deutlich stärker als unter üblicher Kost (Mensch; Halmos et al., 2014). Gedacht ist sie in drei Phasen: kurz reduzieren, einzeln wieder einführen, dann auf Dauer nur das meiden, was du nicht verträgst. Eine lange strenge Phase verringert die Bifidobakterien im Darm (Mensch; Staudacher und Whelan, 2017). Eine Ernährungsfachkraft kann dich durch die Phasen begleiten. Mehr dazu bei FODMAP oder ballaststoffreich und Reizdarm Trigger im Überblick.

Ballaststoffe. Nicht alle sind gleich. Lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen besserten Reizdarmbeschwerden in Studien, Kleie nicht (Mensch, Metaanalyse; Moayyedi et al., 2014; Bijkerk et al., 2009). Das Ballaststoff-Paradoxon erklärt, warum.

Verfahren über das Gehirn. Darmgerichtete Hypnotherapie und kognitive Verhaltenstherapie empfiehlt die Leitlinie (Layer et al., 2021). Sie setzen an der Verarbeitung der Darmsignale an, nicht weil Reizdarm psychisch wäre. Nach darmgerichteter Hypnotherapie blieb die Besserung bei den meisten, die angesprochen hatten, über Jahre erhalten (Mensch, ohne Kontrollgruppe; Gonsalkorale et al., 2003). Bewegung und ruhiges Atmen sind einfache Wege, das Nervensystem zu beruhigen; Studien zur Vagusnerv-Stimulation bei Reizdarm sind noch früh (Bonaz et al., 2018).

Medikamente. Je nach Leitsymptom kommen krampflösende Mittel und Pfefferminzöl bei Schmerz, niedrig dosierte trizyklische Antidepressiva als Dämpfer der Schmerzweiterleitung (nicht wegen einer Depression), Mittel, die Durchfall bremsen, oder solche, die Wasser in den Darm ziehen, in Frage (Ford et al., 2020). Das im Darm wirkende Antibiotikum Rifaximin besserte in zwei großen Studien bei Reizdarm ohne Verstopfung Blähungen und Gesamtbeschwerden bei etwas mehr Menschen als ein Scheinmedikament (Mensch, randomisiert; Pimentel et al., 2011). Probiotika wirken je nach Stamm unterschiedlich, die Studien sind uneinheitlich (Ford et al., 2020). Welches Medikament für dich passt und wie es zu deinen anderen Medikamenten passt, klärst du mit deiner Ärztin.

Verlauf, Alltag und wer was klärt

Reizdarm verläuft in Wellen. Ruhige Wochen wechseln mit lauten, oft im Takt von Infekten, Schlaf, Belastung und Essen. Nach einem Infekt bessern sich die Beschwerden bei vielen über die Jahre (Mensch; Barbara et al., 2019). Ein Körper, der Schutz gelernt hat, kann auch Sicherheit lernen.

Wer was klärt. Diagnose, Ausschluss anderer Ursachen und Medikamente liegen bei deiner Ärztin, oft einer Gastroenterologin. Eine Ernährungsfachkraft begleitet eine FODMAP-Phase, eine Psychotherapeutin eine darmgerichtete Hypnotherapie oder Verhaltenstherapie. Du bringst mit, was du beobachtest: Stuhlform, Zeitpunkte, Mahlzeiten, Nächte. Was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Für die Menschen um dich herum gibt es eine eigene Seite für Angehörige. Wie Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel zusammen regulieren, erklärt die Regenerationsmedizin.

zum Merken
Bei Reizdarm ist der Darm nicht kaputt. Seine Wand meldet lauter, als nötig wäre, und das kann sich ändern.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du deinem Darm auf die Spur kommen möchtest, kannst du zwei Wochen lang auf drei Dinge achten:

Wie sieht dein Stuhl aus, nach der Bristol-Stuhlskala, und wann kommen Schmerz und Blähbauch?

Welche Mahlzeiten, Nächte und Tage machen den Darm lauter, welche leiser?

Was beruhigt dich spürbar: Wärme auf dem Bauch, langsames Ausatmen, ein Spaziergang nach dem Essen?

Diese Notizen helfen dir und deiner Ärztin bei der Einordnung. Ob du eine FODMAP-Phase mit einer Ernährungsfachkraft beginnst, eine darmgerichtete Hypnotherapie suchst oder ein Medikament besprichst, entscheidest du.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Gut belegt ist, dass Reizdarm häufig ist, dass die Darmwand Signale verstärkt verarbeitet und dass FODMAP-Reduktion, lösliche Ballaststoffe, darmgerichtete Hypnotherapie und einige Medikamente die Beschwerden lindern können (Mensch, Studien und Leitlinien). Warum die Regulation bei manchen kippt, ist nicht geklärt; vermutlich wirken Veranlagung, Infekte, Darmbakterien und Belastung zusammen. Die Befunde zu Darmbakterien sind uneinheitlich, Atemtests haben Grenzen, und einen Bluttest, der Reizdarm beweist, gibt es nicht. Dass ein Schutzmodus das Bild zusammenhält, ist ein Modell.

Ob deine Beschwerden zu einem Reizdarm passen und ob etwas anderes dahintersteckt, klärt deine Ärztin. Du bringst mit, seit wann es so ist, wie dein Stuhl aussieht und was es besser oder schlechter macht; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Mein Darm meldet alles lauter: viszerale Hypersensitivität
  • Mal Durchfall, mal Verstopfung: Reizdarmsyndrom vom Mischtyp (IBS-M)
  • Mein Bauch bläht sich im Lauf des Tages auf: abdominelle Distension
  • Ich möchte eine Entzündung im Darm ausschließen: Calprotectin im Stuhl
  • Könnte es Zöliakie sein?: Transglutaminase-IgA-Antikörper mit Gesamt-IgA
  • Es kommt nicht alles heraus: Entleerungsstörung, anorektale Manometrie, Ballonexpulsionstest
  • Seit einem Magen-Darm-Infekt ist es so: postinfektiöses Reizdarmsyndrom
  • Ich will das Essen gezielt testen: FODMAP-Reduktion mit Wiedereinführung
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (11)

Was ist IBS?

IBS steht für Irritable Bowel Syndrome, auf Deutsch Reizdarmsyndrom. Gemeint sind wiederkehrende Bauchschmerzen mit verändertem Stuhl, ohne dass Untersuchungen eine Entzündung oder einen Schaden zeigen (Lacy et al., 2016). Die Fachwelt zählt IBS zu den Störungen der Darm-Hirn-Interaktion (Drossman, 2016).

Ist Reizdarm eine Ausschlussdiagnose?

Nicht mehr im alten Sinn. Die Ärztin stellt die Diagnose aus dem typischen Beschwerdebild nach Rom IV und klärt gezielt ab, was nicht übersehen werden darf, etwa Zöliakie und chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Lacy et al., 2016; Layer et al., 2021). Eine endlose Suche ist ohne Warnzeichen nicht nötig.

Ist Reizdarm gefährlich?

Nach heutigem Wissen schädigt Reizdarm den Darm nicht. Er kann den Alltag aber stark einschränken. Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Beschwerden oder ein Beginn nach 50 passen nicht zum typischen Reizdarm und gehören in die ärztliche Abklärung.

Kann Reizdarm wieder verschwinden?

Bei vielen werden die Beschwerden über die Jahre leiser, bei manchen verschwinden sie, bei anderen bleiben sie in Wellen. Nach einem Infekt bessern sie sich bei vielen über die Jahre (Mensch; Barbara et al., 2019). Wie es bei dir verläuft, lässt sich nicht vorhersagen.

Brauche ich eine Darmspiegelung bei Reizdarm?

Nicht in jedem Fall. Ob sie nötig ist, entscheidet die Ärztin nach Alter, Warnzeichen, Familie und Basiswerten wie Calprotectin (Layer et al., 2021). Bei Warnzeichen, einem Beginn nach 50 oder Darmkrebs in der Familie gehört sie meist dazu.

Was ist Calprotectin, und kann Stress es erhöhen?

Calprotectin ist ein Eiweiß aus Abwehrzellen, das im Stuhl gemessen wird. Ein niedriger Wert macht eine chronisch entzündliche Darmerkrankung sehr unwahrscheinlich (Mensch, Metaanalyse; Menees et al., 2015). Ob Stress allein Calprotectin erhöht, ist kaum untersucht; ein erhöhter Wert gehört in die ärztliche Abklärung.

Muss ich die FODMAP-Diät lebenslang einhalten?

Nein. Gedacht ist sie in drei Phasen: kurz reduzieren, einzeln wieder einführen, dann nur das meiden, was du nicht verträgst. Eine lange strenge Phase verringert die Bifidobakterien im Darm (Mensch; Staudacher und Whelan, 2017).

Soll ich bei Reizdarm auf Ballaststoffe verzichten?

Nicht pauschal. Lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen besserten Reizdarmbeschwerden in Studien, Kleie nicht (Mensch, Metaanalyse; Moayyedi et al., 2014). Manche gut vergärbaren Ballaststoffe gehören zu den FODMAPs und machen bei manchen Menschen mehr Gas.

Welche Rolle spielt der Vagusnerv bei Reizdarm?

Der Vagusnerv verbindet Darm und Gehirn, leitet vor allem Meldungen vom Darm nach oben und kann Entzündung in der Darmwand dämpfen (Übersicht; Bonaz et al., 2018). Ob eine gezielte Stimulation des Vagusnervs bei Reizdarm hilft, ist erst in kleinen Studien untersucht.

Stört Reizdarm den Schlaf?

Viele Menschen mit Reizdarm schlafen schlechter und erleben nach unruhigen Nächten einen lauteren Darm. Beschwerden, die dich nachts aus dem Schlaf wecken, passen aber nicht zum typischen Reizdarm und gehören in die ärztliche Abklärung.

Ist Reizdarm eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Nein, aber beides kann zusammenkommen. Eine Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit lässt sich mit einem Atemtest prüfen, eine Zöliakie mit Antikörpern im Blut. IgG-Bluttests auf Nahrungsmittel empfiehlt die Leitlinie nicht (Layer et al., 2021). Auch eine Arbeitsgruppe der Europäischen Akademie für Allergologie rät davon ab, weil viele Menschen positive Werte haben, ohne auf das Lebensmittel zu reagieren (Stapel et al., 2008).
Quellen (7)
  • Irritable bowel syndrome
    Ford A.C., Sperber A.D., Corsetti M. et al. – The Lancet (2020) DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31548-8
  • Irritable bowel syndrome
    Enck P., Aziz Q., Barbara G. et al. – Nature Reviews Disease Primers (2016) DOI: 10.1038/nrdp.2016.14
  • Bowel Disorders
    Lacy B.E., Mearin F., Chang L. et al. – Gastroenterology (2016) DOI: 10.1053/j.gastro.2016.02.031
  • Rifaximin Therapy for Patients with Irritable Bowel Syndrome without Constipation
    Pimentel M., Lembo A., Chey W.D. et al. – New England Journal of Medicine (2011) DOI: 10.1056/NEJMoa1004409
  • A Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms of Irritable Bowel Syndrome
    Halmos E.P., Power V.A., Shepherd S.J. et al. – Gastroenterology (2014) DOI: 10.1053/j.gastro.2013.09.046
  • Activated mast cells in proximity to colonic nerves correlate with abdominal pain in irritable bowel syndrome
    Barbara G., Stanghellini V., De Giorgio R. et al. – Gastroenterology (2004) DOI: 10.1053/j.gastro.2003.11.055
  • Efficacy of Probiotics in Irritable Bowel Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis
    Ford A.C., Quigley E.M.M., Lacy B.E. et al. – Alimentary Pharmacology and Therapeutics (2014) DOI: 10.1111/apt.13167

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
MOJO

Dein nächster Schritt

Verstehen, was dein Körper tut.

LEBENSENERGIE erklärt, wie Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel deine Energie steuern: verständlich, alltagsnah, in deinem Tempo.

0 € für 14 Tage · danach 29 €/Mo · Kündigung mit einem Klick im Kursbereich

Nächster Mitmachabend: Kulturbad Rüngsdorf, 06. November 2026, 19:00 Uhr CET. Eintritt frei, einfach vorbeikommen.

Zum EventAlle Events

War das hilfreich?

Niemand hat die Wahrheit allein. Fehlt etwas oder stimmt etwas nicht? Schreib es in einen Kommentar. Wie wir arbeiten

KommentareAls Erste schreiben

0/2000

Dein Kommentar wird nach E-Mail-Bestätigung sichtbar.