Die mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 haben in der Pandemie viele schwere Verläufe verhindert. Gleichzeitig wird untersucht, welche seltenen Nebenwirkungen auftreten und wie sie entstehen. Ein Fallbericht des japanischen Arztes Takuji Shirasawa (2025) beschreibt einen Mann mit Gerinnseln in den Halsschlagadern nach der vierten Impfung und eine Behandlung mit eiweißspaltenden Enzymen. Hier erfährst du, was der Bericht zeigt, welche Mechanismen diskutiert werden und was ein Einzelfall nicht beweisen kann.
Der Fallbericht
Ein 60-jähriger Mann hatte nach seiner vierten mRNA-Impfung über drei Monate Konzentrations- und Denkstörungen, oft als Gehirnnebel bezeichnet. Eine Magnetresonanzangiographie (MRA), eine Gefäßdarstellung im MRT, zeigte lange, fadenförmige Gerinnsel (Thromben) in beiden inneren Halsschlagadern.
Behandelt wurde nicht mit einem klassischen Gerinnungshemmer wie Heparin oder einem direkten oralen Antikoagulans. Der Autor setzte stattdessen eine Kombination ein aus eiweißspaltenden (proteolytischen) Enzymen wie Nattokinase, Serrapeptase und Bromelain, dazu Kurkumin, Resveratrol, Boswellia, Liponsäure und Vitamin D3 sowie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS).
In den Kontroll-MRAs bis Februar 2024 wurden die Gerinnsel laut Autor deutlich kleiner. Er berichtet außerdem, dass die Denkstörungen in dieser Zeit nachließen.
Wie Spike-Protein mit Gerinnung zusammenhängen könnte
Das Spike-Protein ist der Teil des Coronavirus, mit dem es an Zellen andockt. Nach einer mRNA-Impfung bilden Körperzellen dieses Protein vorübergehend selbst, damit das Immunsystem es kennenlernt. In der Forschung werden mehrere Wege diskutiert, über die Spike-Protein, ob aus der Infektion oder aus der Impfung, die Gerinnung beeinflussen könnte:
- Gefäßwand: Spike-Protein kann an ACE2-Rezeptoren auf den Zellen der Gefäßinnenwand (Endothel) binden. Das könnte eine Entzündung in der Gefäßwand auslösen und die Gerinnung aktivieren.
- Immunzellen: Eine starke Immunreaktion setzt Entzündungsbotenstoffe frei, die Blutplättchen aktivieren können.
- Exosomen: Einige Arbeiten diskutieren kleine Bläschen aus Immunzellen, die Faktoren mit Einfluss auf die Gerinnung transportieren.
- VITT: Bei der seltenen impfstoffinduzierten immunthrombotischen Thrombozytopenie wurden Antikörper gegen den Plättchenfaktor 4 (PF4) nachgewiesen. Sie trat vor allem nach Vektorimpfstoffen auf. Für mRNA-Impfstoffe ist dieser Mechanismus nicht eindeutig belegt.
- Blutplättchen direkt: Einige Berichte vermuten, dass Spike-Protein Blutplättchen direkt aktiviert. Eindeutige klinische Belege gibt es dafür nicht.

Modell aus dem Fallbericht: aktivierte Fresszellen (Makrophagen) setzen Exosomen frei, die zusammen mit Blutplättchen Gerinnsel fördern. Es handelt sich um die Hypothese des Autors. Mehrere Schritte, etwa ein Einbau in das Erbgut, sind beim Menschen nicht nachgewiesen.
Verlauf im Labor
Der Bericht verfolgt über die Behandlungszeit zwei Blutwerte, die beim Abbau von Gerinnseln entstehen: D-Dimere und Fibrin-Spaltprodukte (FDP). Nach Beginn der Enzymgabe stiegen beide Werte an und fielen danach wieder ab. Der Autor deutet das als Zeichen dafür, dass Gerinnselmaterial abgebaut wurde.

Verlauf von D-Dimeren (rot) und Fibrin-Spaltprodukten (grün) von September 2022 bis Januar 2024 mit den Zeitpunkten der MRA-Kontrollen.
Was Nattokinase in Studien zeigt
Nattokinase ist ein Enzym aus Natto, fermentierten Sojabohnen. Im Labor spaltet es Fibrin, das Gerüst von Blutgerinnseln. In einer klinischen Studie aus China mit 1.062 Teilnehmenden (Chen 2022) wurden Menschen mit Arteriosklerose und erhöhten Blutfetten über zwölf Monate mit Nattokinase behandelt. Die Dicke der Gefäßwand und die Größe von Plaques in der Halsschlagader nahmen ab, stärker bei höheren als bei niedrigeren Mengen. Diese Studie betrifft Arteriosklerose, nicht Gerinnsel nach einer Impfung.
Was ein Einzelfall nicht zeigen kann
Ein Fallbericht beschreibt eine Person. Er kann nicht klären, ob die Gerinnsel durch die Impfung entstanden sind, ob sie sich auch ohne diese Behandlung zurückgebildet hätten und welcher Bestandteil der Kombination welchen Anteil hatte. ASS hemmt selbst die Blutplättchen. Zusammen mit ASS oder Gerinnungshemmern verstärken Enzyme wie Nattokinase die Wirkung auf die Gerinnung, auch das gehört zur Abwägung in ärztlicher Hand.
Diagnostik und Behandlung von Gerinnseln in den Halsschlagadern liegen bei Neurologie und Gefäßmedizin. Ob proteolytische Enzyme bei impfassoziierten Gefäßproblemen einen Platz haben, können nur kontrollierte Studien mit vielen Teilnehmenden zeigen.
Einordnung
Der Bericht ist ein Beispiel dafür, wie bildgebende Verfahren und Laborwerte einen Verlauf sichtbar machen können. Er wirft Fragen auf, die Forschung verdienen: welche Rolle Spike-Protein bei Gerinnungsstörungen spielt und ob der Abbau von Fibrin ein Ansatz sein kann. Eine Antwort gibt er noch nicht.
Quellen
Shirasawa, T. (2025). Imaging Diagnosis of and Treatment for Spike Protein-Induced Thrombosis after COVID-19 mRNA Vaccination. Mathews Journal of Case Reports, 10(1):195. DOI: 10.30654/MJCR.10195
Chen, H., Chen, J., Zhang, F., et al. (2022). Effective management of atherosclerosis progress and hyperlipidemia with nattokinase: A clinical study with 1,062 participants. Frontiers in Cardiovascular Medicine, 9, 964977. https://doi.org/10.3389/fcvm.2022.964977