Herzrasen bei CFS/ME – Dysautonomie und orthostatische Intoleranz
Herzrasen, Schwindel beim Aufstehen und Kreislaufprobleme bei CFS/ME sind Zeichen einer autonomen Dysregulation. Das Nervensystem kann die Kreislaufanpassung nicht mehr steuern.
Orthostatische Intoleranz – Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Benommenheit und Präsynkopen beim Aufstehen oder längeren Stehen – betrifft einen großen Teil der CFS/ME-Betroffenen. Die IOM-Kriterien (2015) listen orthostatische Intoleranz als alternatives Pflichtkriterium. POTS (Posturales Orthostatisches Tachykardiesyndrom) – ein Herzfrequenzanstieg von mindestens 30 bpm innerhalb von 10 Minuten nach dem Aufstehen – ist eine häufige Komorbidität.
— Die MOJO Perspektive
Herzrasen bei CFS/ME ist kein Herzproblem – es ist ein Nervensystem-Problem. Das autonome Nervensystem, das normalerweise unsichtbar und zuverlässig die Kreislaufregulation steuert, hat seine Feinabstimmung verloren. Der Vagusnerv – die 'Bremse' des Herzens – kann seine Funktion nicht ausreichend erfüllen. In der Regenerationsmedizin ist die Wiederherstellung der Vagusnerv-Funktion ein zentraler Hebel.
Wirkung & Mechanismus
Das autonome Nervensystem steuert die Kreislaufanpassung beim Positionswechsel: Beim Aufstehen muss der Blutdruck in den oberen Körperhälfte aufrechterhalten werden. Bei CFS/ME ist diese Regulation gestört:
Sympathikus-Parasympathikus-Dysbalance: Der Sympathikus reagiert überschießend (Tachykardie), während der Vagusnerv die Herzfrequenz nicht ausreichend bremsen kann. Das Ergebnis: Herzrasen bei minimalem Anlass.
Blutvolumen: Studien zeigen ein reduziertes Blutvolumen bei einem Teil der CFS/ME-Betroffenen, was die Kreislaufregulation zusätzlich erschwert.
Vagusnerv: Der Vagusnerv moduliert die Herzfrequenz direkt (Vagale Bremse). Bei reduziertem Vagustonus fehlt diese Bremse – die Herzfrequenz steigt schneller und fällt langsamer.
Was sagt die Forschung
Komaroff und Lipkin (2023) bestätigten autonome Dysfunktion als konsistenten Befund bei CFS/ME. Die IOM (2015) definierte orthostatische Intoleranz als Diagnosekriterium. Die POTS-CFS/ME-Komorbidität ist in mehreren Studien dokumentiert.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Orthostatische Intoleranz betrifft einen großen Teil der CFS/ME-Betroffenen und ist IOM-Diagnosekriterium.
- 2POTS (Herzfrequenzanstieg ≥30 bpm beim Aufstehen) ist eine häufige Komorbidität.
- 3Der Vagusnerv kann die Herzfrequenz nicht ausreichend bremsen (reduzierter Vagustonus).
- 4Sympathikus-Überaktivierung führt zu überschießenden Kreislaufreaktionen.
- 5Reduziertes Blutvolumen erschwert die Kreislaufregulation zusätzlich.
Konkret umsetzen
Kipptisch-Test und aktiver Stehtest
POTS kann durch einen Kipptisch-Test oder einen einfachen 'aktiven Stehtest' (Herzfrequenz im Liegen vs. nach 10 Minuten Stehen) objektiviert werden. Ein Herzfrequenzanstieg von ≥30 bpm ohne Blutdruckabfall spricht für POTS. Diesen Test kann auch der Hausarzt durchführen.
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Häufige Fragen
Ist Herzrasen bei CFS/ME gefährlich?
Quellen & Referenzen
- ME/CFS and Long COVID share similar symptoms and biological abnormalities: road map to the literature
- The inflammatory reflex
- The Chronic Fatigue Syndrome: A Comprehensive Approach to Its Definition and StudyFukuda K., Straus S.E., Hickie I. et al. – Annals of Internal Medicine (1994) DOI: 10.7326/0003-4819-121-12-199412150-00009
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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