Alpha-Synuclein (α-Synuclein)
Alpha-Synuclein (α-Synuclein) — Alpha-Synuclein (α-Synuclein, α-Syn) ist ein 140 Aminosäuren langes Protein, das vorwiegend in präsynaptischen Nervenendigungen vorkommt und an der synaptischen Vesikelfreisetzung beteiligt ist. In seiner fehlgefalteten, aggregierten Form bildet es Lewy-Körperchen und Lewy-Neuriten - die pathologischen Kennzeichen von Morbus Parkinson, Demenz mit Lewy-Körperchen und Multisystematrophie (zusammengefasst als Synucleinopathien).
Alpha-Synuclein ist eines der häufigsten Proteine im Gehirn und macht etwa 1 % des gesamten zytosolischen Proteins in Neuronen aus.
Physiologische Funktion:
- Reguliert die Größe des synaptischen Vesikelpools und die Neurotransmitter-Freisetzung.
- Beteiligt an der SNARE-Komplex-Assemblierung (notwendig für die Vesikelfusion an der präsynaptischen Membran).
- Kann an Lipidmembranen binden und deren Krümmung beeinflussen.
- Spielt eine Rolle bei der mitochondrialen Funktion und dem Lipidstoffwechsel.
Fehlfaltung und Aggregation:
α-Synuclein ist intrinsisch ungeordnet (kein stabiler gefalteter Zustand im Zytosol). Unter bestimmten Bedingungen - oxidativer Stress, mitochondriale Dysfunktion, Entzündung, genetische Mutationen - nimmt es eine β-Faltblattstruktur an und aggregiert:
- Monomere -> Oligomere (toxisch, stören Membranen) -> Protofibrillen -> Fibrillen -> Lewy-Körperchen (intrazelluläre Einschlüsse).
Oligomere gelten - analog zu Aβ bei Alzheimer - als die toxischste Form: Sie permeabilisieren Zellmembranen, hemmen das Proteasom und die Autophagie, beeinträchtigen mitochondriale Funktion und lösen Neuroinflammation aus.
Prionartiges Spreading:
Eine der bedeutendsten Entdeckungen der letzten zwei Jahrzehnte: Fehlgefaltetes α-Synuclein kann wie ein Prion von Zelle zu Zelle übertragen werden und dort die Fehlfaltung von nativem α-Synuclein induzieren (Seeding). Dies wurde belegt durch:
- Transplantations-Studien: Gesunde fötale Neurone, die in das Gehirn von Parkinson-Patienten transplantiert wurden, entwickelten nach Jahren ebenfalls Lewy-Körperchen.
- Tiermodelle: Injektion von α-Synuclein-Fibrillen in Mäusegehirne führt zu einer progressiven Ausbreitung der Pathologie entlang neuronaler Verbindungen.
Die Braak-Hypothese und die Darm-Hirn-Achse:
Heiko Braak beschrieb 2003 ein stereotypisches Ausbreitungsmuster der α-Synuclein-Pathologie von kaudal nach rostral (Braak-Stadien I-VI). Seine Hypothese: Die Pathologie beginnt im enterischen Nervensystem (Darm) und im Bulbus olfactorius (Riechorgan) und breitet sich über den Vagusnerv ins Gehirn aus.
Unterstützende Evidenz:
- Obstipation und Riechstörungen treten oft Jahre bis Jahrzehnte vor motorischen Symptomen auf.
- α-Synuclein-Ablagerungen wurden in Darmbiopsien von Parkinson-Patienten nachgewiesen - teilweise vor der Diagnose.
- Epidemiologische Studien zeigen: Nach Vagotomie (Durchtrennung des Vagusnervs) ist das Parkinson-Risiko reduziert.
- Im Tiermodell breitet sich α-Synuclein nach Darminjektion über den Vagusnerv ins Gehirn aus.
Genetik:
Mutationen im SNCA-Gen (das α-Synuclein kodiert) verursachen familiären Parkinson: Punktmutationen (A53T, A30P, E46K) und Gen-Duplikationen/Triplikationen. Mehr Kopien -> mehr Protein -> früherer Krankheitsbeginn. Auch der SNCA-Promotor-Polymorphismus beeinflusst die Expression und das Parkinson-Risiko.
— Die MOJO Perspektive
Alpha-Synuclein macht die Darm-Hirn-Achse greifbar: Eine Pathologie, die klinisch als Bewegungsstörung in Erscheinung tritt, beginnt möglicherweise im enterischen Nervensystem - dem 'zweiten Gehirn' im Darm. In der Regenerationsmedizin verdeutlicht dies, warum Darmgesundheit, Mikrobiomdiversität und Entzündungsregulation keine 'Nice-to-haves' sind, sondern essenzielle Faktoren für die neurologische Gesundheit. Die drei Systeme - Nervensystem, Immunsystem, Stoffwechsel - sind durch den Darm untrennbar verbunden.
Das Wichtigste in Kürze
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- 5
— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern

Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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