In der Regenerationsmedizin sind Stoffwechsel und Immunsystem zwei der drei Systeme, in denen dasselbe Muster läuft: Schutzmodus oder Aufbaumodus. Die Mitochondrien sind dabei Sensor und Effektor, sie lesen das Brennstoffangebot und schalten mit. Darum wirkt, was deinen Stoffwechsel entlastet, auch auf deine Abwehr. Krankheit kann chronisch werden. Gesundheit auch.
Oft heißt es: „Schon wieder ein neuer Infekt.“ Häufige Infekte sind nicht nur Pech mit Keimen. Eine Abwehr, die im Dauerüberschuss an Zucker und Fett im Alarm steckt, antwortet auf echte Erreger oft schlechter.
Ja, und zwar in zwei Richtungen.
Vom Stoffwechsel zur Abwehr. Immunzellen brauchen Energie wie jede Zelle, und wie sie diese gewinnen, bestimmt mit, was sie tun. Eine Fresszelle, die Bakterien angreift, verbrennt Zucker schnell über die Glykolyse. Eine Fresszelle, die aufräumt und repariert, arbeitet eher mit ihren Mitochondrien (Zelle, Tier; O'Neill et al. 2016). Wie das im Einzelnen abläuft, erklärt der Beitrag Immunmetabolismus.
Von der Abwehr zum Stoffwechsel. Entzündungsbotenstoffe wie TNF-alpha stören das Insulinsignal in Leber und Muskeln. Die Zellen nehmen weniger Zucker auf, und der Körper braucht mehr Insulin (Zelle, Tier; Hotamisligil 2006). Geht diese Entzündung vom Stoffwechsel selbst aus, heißt sie Metaflammation.
Wo sich beides trifft. Im Bauchfett. Wird es zu voll, wandern Fresszellen ein und bilden Entzündungsbotenstoffe, die im ganzen Körper wirken (Tier, Mensch; Lumeng und Saltiel 2011). Welche Rolle das beim metabolischen Syndrom spielt, zeigt der Beitrag Metaflammation und metabolisches Syndrom.
Zwei Sichten, die du vielleicht kennst. Die mechanische Sicht trennt die Fächer: Für die Abwehr ist die Immunologie da, für den Zucker die Diabetologie. Das hat beiden Feldern Tiefe gegeben. Und trotzdem: Warum geraten Abwehr und Blutzucker so oft gemeinsam aus dem Takt?
Die energetische Sicht sagt: Abwehr kostet Kraft, und ein überlasteter Körper wehrt sich schlechter. Sie spürt richtig, dass Immunität eine Frage der Energie ist. Und trotzdem: Woher weiß eine Immunzelle, ob sie angreifen oder ruhen soll?
Die biologische Sicht antwortet: an ihrem Brennstoff.
Im Detail
Was im Körper passiert. Stell dir die Abwehr als Feuerwehr vor, deren Fahrzeuge an derselben Tankstelle tanken wie alle anderen. Ist der Tank immer randvoll, bleiben mehr Fahrzeuge mit Blaulicht unterwegs, auch ohne Brand. So ähnlich wirkt ein Dauerüberschuss an Zucker und Fett: Er begünstigt die schnellen, angreifenden Programme der Immunzellen (Modell nach Hotamisligil 2017). Phasen, in denen Energie knapp ist und Muskeln arbeiten, geben den ruhigen, regulierenden Programmen Raum (Mensch, Übersicht; Gleeson et al. 2011).
Was offen ist. Die meisten Befunde zum Stoffwechsel der Immunzellen stammen aus Zellkultur und Mäusen. Beim Menschen ist gut belegt, dass Übergewicht mit stiller Entzündung einhergeht; wie viel davon Ursache und wie viel Folge ist, wird noch erforscht (Hotamisligil 2017).
Wer klärt was. Ob hinter häufigen Infekten, langsamer Wundheilung oder erhöhten Entzündungswerten eine Krankheit steckt, klärt deine Ärztin. Nimmst du Medikamente für Blutzucker oder Blutdruck, besprichst du größere Änderungen beim Essen vorher mit ihr, weil sich der Bedarf an diesen Mitteln ändern kann.
Deine Entscheidung. Du kannst beobachten, wie viele Stunden am Tag dein Körper ohne Essen ist, wie oft du dich bewegst und wie lange Infekte bei dir dauern. Diese Notizen helfen dir und deiner Ärztin, Stoffwechsel und Abwehr zusammen zu sehen.
Deine Abwehr tankt an derselben Stelle wie dein Stoffwechsel. Was im Blut kreist, entscheidet mit, ob Immunzellen angreifen oder heilen.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Die Grundlagen stammen überwiegend aus Zelle und Tier (O'Neill et al. 2016). Beim Menschen sind die Zusammenhänge zwischen Bauchfett, stiller Entzündung und Insulinresistenz gut beobachtet, ihre Richtung ist aber nicht in jedem Punkt geklärt (Hotamisligil 2017). Den Stoffwechsel deiner Immunzellen misst kein Routinelabor.