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FAQ · Diagnosen & Krankheitsbilder

Wie hängen Immunsystem und Stoffwechsel zusammen?

Wer „Immunsystem und Stoffwechsel“ sucht, hat oft bemerkt, dass beides zugleich aus dem Takt geraten ist: Blutzucker oder Bauchumfang steigen, und Infekte dauern länger. Die Frage dahinter: Hängt das zusammen, und was heißt das für mich?
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Immunzellen stellen ihren Zellstoffwechsel um: im Angriff auf schnelle Glykolyse, beim Aufräumen eher auf Mitochondrien (Zelle, Tier; O'Neill et al. 2016).
  • Entzündungsbotenstoffe wie TNF-alpha schwächen das Insulinsignal in Leber und Muskeln (Zelle, Tier; Hotamisligil 2006).
  • Im wachsenden Bauchfett nehmen Fresszellen zu, die Entzündungsbotenstoffe bilden (Tier, Mensch; Lumeng und Saltiel 2011).

In der Regenerationsmedizin sind Stoffwechsel und Immunsystem zwei der drei Systeme, in denen dasselbe Muster läuft: Schutzmodus oder Aufbaumodus. Die Mitochondrien sind dabei Sensor und Effektor, sie lesen das Brennstoffangebot und schalten mit. Darum wirkt, was deinen Stoffwechsel entlastet, auch auf deine Abwehr. Krankheit kann chronisch werden. Gesundheit auch.

Oft heißt es: „Schon wieder ein neuer Infekt.“ Häufige Infekte sind nicht nur Pech mit Keimen. Eine Abwehr, die im Dauerüberschuss an Zucker und Fett im Alarm steckt, antwortet auf echte Erreger oft schlechter.

Ja, und zwar in zwei Richtungen.

Vom Stoffwechsel zur Abwehr. Immunzellen brauchen Energie wie jede Zelle, und wie sie diese gewinnen, bestimmt mit, was sie tun. Eine Fresszelle, die Bakterien angreift, verbrennt Zucker schnell über die Glykolyse. Eine Fresszelle, die aufräumt und repariert, arbeitet eher mit ihren Mitochondrien (Zelle, Tier; O'Neill et al. 2016). Wie das im Einzelnen abläuft, erklärt der Beitrag Immunmetabolismus.

Von der Abwehr zum Stoffwechsel. Entzündungsbotenstoffe wie TNF-alpha stören das Insulinsignal in Leber und Muskeln. Die Zellen nehmen weniger Zucker auf, und der Körper braucht mehr Insulin (Zelle, Tier; Hotamisligil 2006). Geht diese Entzündung vom Stoffwechsel selbst aus, heißt sie Metaflammation.

Wo sich beides trifft. Im Bauchfett. Wird es zu voll, wandern Fresszellen ein und bilden Entzündungsbotenstoffe, die im ganzen Körper wirken (Tier, Mensch; Lumeng und Saltiel 2011). Welche Rolle das beim metabolischen Syndrom spielt, zeigt der Beitrag Metaflammation und metabolisches Syndrom.

Zwei Sichten, die du vielleicht kennst. Die mechanische Sicht trennt die Fächer: Für die Abwehr ist die Immunologie da, für den Zucker die Diabetologie. Das hat beiden Feldern Tiefe gegeben. Und trotzdem: Warum geraten Abwehr und Blutzucker so oft gemeinsam aus dem Takt?

Die energetische Sicht sagt: Abwehr kostet Kraft, und ein überlasteter Körper wehrt sich schlechter. Sie spürt richtig, dass Immunität eine Frage der Energie ist. Und trotzdem: Woher weiß eine Immunzelle, ob sie angreifen oder ruhen soll?

Die biologische Sicht antwortet: an ihrem Brennstoff.

Im Detail

Was im Körper passiert. Stell dir die Abwehr als Feuerwehr vor, deren Fahrzeuge an derselben Tankstelle tanken wie alle anderen. Ist der Tank immer randvoll, bleiben mehr Fahrzeuge mit Blaulicht unterwegs, auch ohne Brand. So ähnlich wirkt ein Dauerüberschuss an Zucker und Fett: Er begünstigt die schnellen, angreifenden Programme der Immunzellen (Modell nach Hotamisligil 2017). Phasen, in denen Energie knapp ist und Muskeln arbeiten, geben den ruhigen, regulierenden Programmen Raum (Mensch, Übersicht; Gleeson et al. 2011).

Was offen ist. Die meisten Befunde zum Stoffwechsel der Immunzellen stammen aus Zellkultur und Mäusen. Beim Menschen ist gut belegt, dass Übergewicht mit stiller Entzündung einhergeht; wie viel davon Ursache und wie viel Folge ist, wird noch erforscht (Hotamisligil 2017).

Wer klärt was. Ob hinter häufigen Infekten, langsamer Wundheilung oder erhöhten Entzündungswerten eine Krankheit steckt, klärt deine Ärztin. Nimmst du Medikamente für Blutzucker oder Blutdruck, besprichst du größere Änderungen beim Essen vorher mit ihr, weil sich der Bedarf an diesen Mitteln ändern kann.

Deine Entscheidung. Du kannst beobachten, wie viele Stunden am Tag dein Körper ohne Essen ist, wie oft du dich bewegst und wie lange Infekte bei dir dauern. Diese Notizen helfen dir und deiner Ärztin, Stoffwechsel und Abwehr zusammen zu sehen.

zum Merken
Deine Abwehr tankt an derselben Stelle wie dein Stoffwechsel. Was im Blut kreist, entscheidet mit, ob Immunzellen angreifen oder heilen.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Grundlagen stammen überwiegend aus Zelle und Tier (O'Neill et al. 2016). Beim Menschen sind die Zusammenhänge zwischen Bauchfett, stiller Entzündung und Insulinresistenz gut beobachtet, ihre Richtung ist aber nicht in jedem Punkt geklärt (Hotamisligil 2017). Den Stoffwechsel deiner Immunzellen misst kein Routinelabor.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Wie Abwehr und Stoffwechsel zusammenhängen: Immunmetabolismus
  • Stille Entzündung aus dem Stoffwechsel: Metaflammation
  • Mein Körper hört schlechter auf Insulin: Insulinresistenz
  • Feiner Entzündungswert im Blut: hochsensitives C-reaktives Protein (hsCRP)
  • Ich bin oft krank, und Infekte dauern lange: rezidivierende Infekte
  • Bauchfett um die Organe: viszerales Fettgewebe
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (4)

Was ist Immunmetabolismus?

Ein Forschungsfeld, das untersucht, wie der Zellstoffwechsel von Immunzellen ihre Aufgabe bestimmt und wie die Abwehr den Stoffwechsel des Körpers verändert (O'Neill et al. 2016). Mehr dazu im Fachbeitrag Immunmetabolismus.

Was ist Metaflammation?

Eine stille, anhaltende Entzündung, die nicht von Erregern kommt, sondern vom Stoffwechsel, vor allem von überfülltem Bauchfett (Hotamisligil 2017). Die Definition steht im Glossar Metaflammation.

Warum werden Menschen mit Diabetes häufiger krank?

Ein dauerhaft hoher Blutzucker verändert, wie Abwehrzellen arbeiten, und Menschen mit Diabetes haben häufiger und schwerere Infekte (Lehrbuchwissen). Eine Abwehr, die im Stoffwechsel-Alarm steckt, antwortet auf echte Erreger oft schlechter. Wie gut dein Blutzucker eingestellt ist, besprichst du mit deiner Ärztin.

Hilft Bewegung Immunsystem und Stoffwechsel zugleich?

Studien sprechen dafür. Regelmäßige Bewegung verringert das Bauchfett, senkt Entzündungssignale auf Abwehrzellen und lässt Muskeln Zucker aufnehmen (Gleeson et al. 2011). Wie viel für dich passt, hängt von deinem Ausgangspunkt ab.
Quellen (1)

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

“
Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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