Aus Sicht der Regenerationsmedizin zeigt das metabolische Syndrom, dass chronisch nicht für immer heißen muss. Krankheit kann chronisch werden. Gesundheit auch. Die Zellen reagieren auf Entlastung: Dr. Bewegung schafft Abnehmer für den Brennstoff, Dr. Nahrung verringert die Überladung, Dr. Pharma, deine ärztliche Behandlung, läuft weiter. Wie die fünf Werte zusammenhängen, erklärt der Überblick zum metabolischen Syndrom.
Oft heißt es: „Wir sind wie ein Auto, das sich abnutzt.“ Ein Auto wird durch Belastung schlechter. Dein Stoffwechsel kann sich wieder einstellen, wenn die Überladung sinkt und das Insulin Pausen bekommt.
Das metabolische Syndrom ist ein Befundmuster aus Bauchumfang, Triglyzeriden, HDL-Cholesterin, Blutdruck und Nüchternzucker, kein fester Organschaden. Werte, die sich verschoben haben, können sich zurückverschieben. Bei manchen Menschen so weit, dass die Ärztin das Muster nicht mehr feststellt. Die Fachgesellschaften nennen darum Veränderungen im Lebensstil als ersten Schritt der Behandlung (Grundy et al., 2005). Ein Versprechen für den Einzelnen ist das nicht.
Was das Diabetes Prevention Program zeigt. In dieser amerikanischen Studie bekamen 3.234 Menschen mit erhöhtem Blutzucker, aber noch ohne Diabetes, per Los eines von drei Angeboten: ein Lebensstilprogramm mit dem Ziel, mindestens 7 Prozent Gewicht abzunehmen und 150 Minuten pro Woche aktiv zu sein, ein Diabetesmedikament oder ein Scheinmedikament. Nach durchschnittlich 2,8 Jahren hatten im Lebensstilprogramm 58 Prozent weniger Menschen einen Typ-2-Diabetes entwickelt als unter Scheinmedikament, unter dem Medikament 31 Prozent weniger (Mensch; Knowler et al., 2002). Prädiabetes umkehren heißt in dieser Studie also vor allem: den Übergang in den Diabetes bei vielen verhindern oder hinausschieben.
Und das metabolische Syndrom? Zu Beginn hatte gut die Hälfte der Teilnehmenden das Muster. Bei den übrigen sank das Risiko, es neu zu entwickeln, im Lebensstilprogramm um 41 Prozent, unter dem Medikament um 17 Prozent. Nach drei Jahren hatten es unter Scheinmedikament 51 Prozent neu entwickelt, im Lebensstilprogramm 34 Prozent (Mensch; Orchard et al., 2005).
Drei Sichten, die viele kennen. Die mechanische Sicht behandelt jeden Wert einzeln, mit Medikamenten für Blutdruck, Blutfette und Zucker. Das schützt nachweislich Herz und Gefäße. Und trotzdem: Ein gesenkter Wert ist nicht dasselbe wie ein Stoffwechsel, der sich wieder selbst regelt. Die energetische Sicht sagt: Der Körper findet ins Gleichgewicht zurück, wenn man ihm die Bedingungen dafür gibt. Damit hat sie recht, das zeigen die Studien. Und trotzdem: Welche Bedingungen genau, und warum gelingt es bei den einen und bei anderen nicht? Die biologische Sicht antwortet unten mit der Zelle.
Im Detail
Was in der Zelle passiert. Insulinresistenz beginnt meist mit Überladung: Muskel und Leber speichern mehr Fett, als sie verbrennen, und Fettzwischenprodukte stören das Insulinsignal (Mensch, Tier; Samuel und Shulman, 2012). Die Zelle schließt die Tür halb, um sich zu schützen. Stell dir eine Vorratskammer vor, die überquillt: Neue Lieferungen bleiben im Flur stehen. Wird die Kammer leerer, weil weniger ankommt oder mehr verbraucht wird, öffnet sich die Tür wieder. Darum wirken Bewegung und eine Gewichtsabnahme auf mehrere Werte zugleich.
Auch ohne große Abnahme. In einer kleinen Studie mit acht Männern mit Prädiabetes verbesserte sich die Insulinwirkung, wenn alle Mahlzeiten in ein Zeitfenster von sechs Stunden am frühen Tag fielen, obwohl sich das Gewicht nicht änderte (Mensch; Sutton et al., 2018). Das ist ein Hinweis, kein Beweis: Die Gruppe war sehr klein, und die Studie lief fünf Wochen.
Wovon es abhängt. Je länger Zucker und Insulin erhöht sind, desto mehr Reserve der insulinbildenden Zellen ist aufgebraucht. In Studien zur Remission bei Typ-2-Diabetes gelang die Rückkehr vor allem, solange diese Reserve noch da war (Mensch; Taylor et al., 2018). Dazu kommen Gene, Alter, Schlaf, Dauerstress und Medikamente, die den Stoffwechsel belasten können.
Was wir nicht wissen. Die großen Studien untersuchten Freiwillige mit bereits erhöhtem Blutzucker; für andere Gruppen sind die Zahlen weniger sicher (Orchard et al., 2005). Wie viele Menschen das Muster über viele Jahre ganz verlassen, ist weniger gut untersucht als die ersten Jahre. Kehren die Bedingungen zurück, die das Muster gefördert haben, können auch die Werte zurückkehren.
Bei der Ärztin bleibt: die Diagnose, die Einordnung deines Herz-Kreislauf-Risikos und jede Änderung an Medikamenten. Bessern sich deine Werte, kann sich der Bedarf an Blutdruck- oder Zuckermedikamenten ändern; das stellt sie mit dir ein.
Ein Auto wird durch Belastung schlechter. Dein Stoffwechsel kann sich wieder einstellen, wenn die Überladung sinkt.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Gut belegt ist, dass ein Lebensstilprogramm bei Menschen mit Prädiabetes den Übergang in Typ-2-Diabetes und das Neuauftreten des metabolischen Syndroms seltener macht (Knowler et al., 2002; Orchard et al., 2005). Wie viele Menschen ein bestehendes Muster dauerhaft verlassen, ist weniger gut untersucht. Die Studie zum Essen im Zeitfenster war sehr klein (Sutton et al., 2018). Umkehren ist kein Versprechen und hängt nicht nur vom Willen ab.