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FAQ · Diagnosen & Krankheitsbilder

Kann man das metabolische Syndrom umkehren?

„Das ist ein metabolisches Syndrom, damit müssen Sie jetzt leben.“ So oder ähnlich klingt es oft. Die Frage, ob man das umkehren kann, ist darum auch die Frage: Muss es immer schlechter werden, und ist das heilbar?
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Ein Lebensstilprogramm senkte bei Prädiabetes das Risiko für Typ-2-Diabetes um 58 Prozent (Mensch; Knowler et al., 2002).
  • Im selben Programm sank das Risiko, ein metabolisches Syndrom neu zu entwickeln, um 41 Prozent (Mensch; Orchard et al., 2005).
  • Insulinresistenz beginnt mit Überladung der Zelle und lässt nach, wenn die Überladung sinkt (Mensch, Tier; Samuel und Shulman, 2012).

Aus Sicht der Regenerationsmedizin zeigt das metabolische Syndrom, dass chronisch nicht für immer heißen muss. Krankheit kann chronisch werden. Gesundheit auch. Die Zellen reagieren auf Entlastung: Dr. Bewegung schafft Abnehmer für den Brennstoff, Dr. Nahrung verringert die Überladung, Dr. Pharma, deine ärztliche Behandlung, läuft weiter. Wie die fünf Werte zusammenhängen, erklärt der Überblick zum metabolischen Syndrom.

Oft heißt es: „Wir sind wie ein Auto, das sich abnutzt.“ Ein Auto wird durch Belastung schlechter. Dein Stoffwechsel kann sich wieder einstellen, wenn die Überladung sinkt und das Insulin Pausen bekommt.

Das metabolische Syndrom ist ein Befundmuster aus Bauchumfang, Triglyzeriden, HDL-Cholesterin, Blutdruck und Nüchternzucker, kein fester Organschaden. Werte, die sich verschoben haben, können sich zurückverschieben. Bei manchen Menschen so weit, dass die Ärztin das Muster nicht mehr feststellt. Die Fachgesellschaften nennen darum Veränderungen im Lebensstil als ersten Schritt der Behandlung (Grundy et al., 2005). Ein Versprechen für den Einzelnen ist das nicht.

Was das Diabetes Prevention Program zeigt. In dieser amerikanischen Studie bekamen 3.234 Menschen mit erhöhtem Blutzucker, aber noch ohne Diabetes, per Los eines von drei Angeboten: ein Lebensstilprogramm mit dem Ziel, mindestens 7 Prozent Gewicht abzunehmen und 150 Minuten pro Woche aktiv zu sein, ein Diabetesmedikament oder ein Scheinmedikament. Nach durchschnittlich 2,8 Jahren hatten im Lebensstilprogramm 58 Prozent weniger Menschen einen Typ-2-Diabetes entwickelt als unter Scheinmedikament, unter dem Medikament 31 Prozent weniger (Mensch; Knowler et al., 2002). Prädiabetes umkehren heißt in dieser Studie also vor allem: den Übergang in den Diabetes bei vielen verhindern oder hinausschieben.

Und das metabolische Syndrom? Zu Beginn hatte gut die Hälfte der Teilnehmenden das Muster. Bei den übrigen sank das Risiko, es neu zu entwickeln, im Lebensstilprogramm um 41 Prozent, unter dem Medikament um 17 Prozent. Nach drei Jahren hatten es unter Scheinmedikament 51 Prozent neu entwickelt, im Lebensstilprogramm 34 Prozent (Mensch; Orchard et al., 2005).

Drei Sichten, die viele kennen. Die mechanische Sicht behandelt jeden Wert einzeln, mit Medikamenten für Blutdruck, Blutfette und Zucker. Das schützt nachweislich Herz und Gefäße. Und trotzdem: Ein gesenkter Wert ist nicht dasselbe wie ein Stoffwechsel, der sich wieder selbst regelt. Die energetische Sicht sagt: Der Körper findet ins Gleichgewicht zurück, wenn man ihm die Bedingungen dafür gibt. Damit hat sie recht, das zeigen die Studien. Und trotzdem: Welche Bedingungen genau, und warum gelingt es bei den einen und bei anderen nicht? Die biologische Sicht antwortet unten mit der Zelle.

Im Detail

Was in der Zelle passiert. Insulinresistenz beginnt meist mit Überladung: Muskel und Leber speichern mehr Fett, als sie verbrennen, und Fettzwischenprodukte stören das Insulinsignal (Mensch, Tier; Samuel und Shulman, 2012). Die Zelle schließt die Tür halb, um sich zu schützen. Stell dir eine Vorratskammer vor, die überquillt: Neue Lieferungen bleiben im Flur stehen. Wird die Kammer leerer, weil weniger ankommt oder mehr verbraucht wird, öffnet sich die Tür wieder. Darum wirken Bewegung und eine Gewichtsabnahme auf mehrere Werte zugleich.

Auch ohne große Abnahme. In einer kleinen Studie mit acht Männern mit Prädiabetes verbesserte sich die Insulinwirkung, wenn alle Mahlzeiten in ein Zeitfenster von sechs Stunden am frühen Tag fielen, obwohl sich das Gewicht nicht änderte (Mensch; Sutton et al., 2018). Das ist ein Hinweis, kein Beweis: Die Gruppe war sehr klein, und die Studie lief fünf Wochen.

Wovon es abhängt. Je länger Zucker und Insulin erhöht sind, desto mehr Reserve der insulinbildenden Zellen ist aufgebraucht. In Studien zur Remission bei Typ-2-Diabetes gelang die Rückkehr vor allem, solange diese Reserve noch da war (Mensch; Taylor et al., 2018). Dazu kommen Gene, Alter, Schlaf, Dauerstress und Medikamente, die den Stoffwechsel belasten können.

Was wir nicht wissen. Die großen Studien untersuchten Freiwillige mit bereits erhöhtem Blutzucker; für andere Gruppen sind die Zahlen weniger sicher (Orchard et al., 2005). Wie viele Menschen das Muster über viele Jahre ganz verlassen, ist weniger gut untersucht als die ersten Jahre. Kehren die Bedingungen zurück, die das Muster gefördert haben, können auch die Werte zurückkehren.

Bei der Ärztin bleibt: die Diagnose, die Einordnung deines Herz-Kreislauf-Risikos und jede Änderung an Medikamenten. Bessern sich deine Werte, kann sich der Bedarf an Blutdruck- oder Zuckermedikamenten ändern; das stellt sie mit dir ein.

zum Merken
Ein Auto wird durch Belastung schlechter. Dein Stoffwechsel kann sich wieder einstellen, wenn die Überladung sinkt.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel, im Austausch mit dem Immunsystem (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Gut belegt ist, dass ein Lebensstilprogramm bei Menschen mit Prädiabetes den Übergang in Typ-2-Diabetes und das Neuauftreten des metabolischen Syndroms seltener macht (Knowler et al., 2002; Orchard et al., 2005). Wie viele Menschen ein bestehendes Muster dauerhaft verlassen, ist weniger gut untersucht. Die Studie zum Essen im Zeitfenster war sehr klein (Sutton et al., 2018). Umkehren ist kein Versprechen und hängt nicht nur vom Willen ab.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Die fünf Werte, die zusammen auftreten: metabolisches Syndrom
  • Mein Zucker ist erhöht, aber noch kein Diabetes: Prädiabetes, gestörte Glukosetoleranz
  • Die Zellen hören schlechter auf Insulin: Insulinresistenz
  • Der Wert aus Insulin und Zucker: HOMA-IR
  • Die Reserve meiner Bauchspeicheldrüse: Beta-Zell-Funktion
  • Mein Risiko für Herz und Gefäße: kardiovaskuläres Gesamtrisiko
  • Weniger Medikamente, wenn die Werte besser werden: Deeskalation der Therapie
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (5)

Kann man Insulinresistenz umkehren?

Bei vielen Menschen lässt sie nach, wenn die Zellen weniger überladen sind, etwa durch Bewegung und Gewichtsabnahme (Samuel und Shulman, 2012). Im Diabetes Prevention Program zeigte sich das an deutlich weniger neuen Diabetesfällen (Knowler et al., 2002). Wie weit es geht, hängt auch davon ab, wie lange sie schon besteht.

Kann man Prädiabetes umkehren?

Bei einem Teil der Menschen ja: Im Diabetes Prevention Program entwickelten im Lebensstilprogramm 58 Prozent weniger Menschen einen Typ-2-Diabetes als unter Scheinmedikament (Knowler et al., 2002). Bei anderen schreitet er trotzdem fort. Die Werte zu kontrollieren bleibt darum Aufgabe deiner Ärztin.

Ist das metabolische Syndrom heilbar?

Heilung im Sinne von „für immer weg“ verspricht keine Studie. Die Werte können sich aber so weit bessern, dass die Kriterien nicht mehr erfüllt sind. Kommen die alten Bedingungen zurück, können auch die Werte zurückkommen.

Kann ich meine Medikamente absetzen, wenn meine Werte besser sind?

Das entscheidest du nach dem Gespräch mit deiner Ärztin. Bessern sich Blutdruck oder Zucker, kann sich der Bedarf ändern, und zu viel Medikament kann dann selbst Beschwerden machen. Darum stellt sie die Dosis mit dir ein.

Wie schnell verändern sich die Werte?

Unterschiedlich. In einer kleinen Studie besserte sich die Insulinwirkung schon nach fünf Wochen Essen im Zeitfenster (Sutton et al., 2018). In der großen Lebensstilstudie wurden die Unterschiede über Jahre gemessen (Orchard et al., 2005). Zucker und Blutfette reagieren oft schneller als der Bauchumfang.

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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