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FAQ · Diagnosen & Krankheitsbilder

Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?

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Kurzantwort

Fibromyalgie wird anhand der ACR-Kriterien (American College of Rheumatology) von 2010/2016 diagnostiziert. Die zwei zentralen Instrumente sind der Widespread Pain Index (WPI ≥ 7) und die Symptom Severity Scale (SSS ≥ 5). Es gibt keinen einzelnen Labortest – die Diagnose ist eine klinische Ausschlussdiagnose.

Antwort

Die Diagnose von Fibromyalgie hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Früher basierten die Kriterien auf der Untersuchung von 18 'Tender Points' – druckschmerzhaften Punkten am Körper. Dieses System hatte Schwächen: Die Ergebnisse hingen stark vom Untersucher ab, und die Methode erfasste nur Schmerz, nicht die anderen Kernsymptome.

Die revidierten ACR-Kriterien von 2010 (Wolfe et al., 2010) und ihre Aktualisierung von 2016 haben das System grundlegend verbessert. Sie verwenden zwei standardisierte Skalen: Den Widespread Pain Index (WPI), der erfasst, in wie vielen von 19 definierten Körperregionen du in der letzten Woche Schmerzen hattest. Und die Symptom Severity Scale (SSS), die den Schweregrad von drei Kernsymptomen bewertet – Müdigkeit, nicht-erholsamer Schlaf und kognitive Symptome – plus das Vorhandensein weiterer somatischer Beschwerden.

Die Diagnose wird gestellt, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: WPI ≥ 7 und SSS ≥ 5, ODER WPI 4–6 und SSS ≥ 9. Die Symptome bestehen seit mindestens drei Monaten. Es liegt keine andere Erkrankung vor, die die Symptome vollständig erklärt.

Wichtig: 'Keine andere Erkrankung' bedeutet nicht, dass keine Komorbiditäten existieren dürfen. Fibromyalgie kann zusammen mit Hashimoto, CFS/ME, Reizdarmsyndrom oder MCAS auftreten. Die Ausschlussdiagnostik dient dazu, behandelbare Ursachen nicht zu übersehen – nicht dazu, Fibromyalgie auszuschließen, sobald eine andere Diagnose vorliegt.

Im Detail

Die Labordiagnostik bei Fibromyalgie dient primär der Ausschlussdiagnostik. Typische Untersuchungen umfassen: Blutbild, CRP und BSG (Entzündungsmarker), TSH (Schilddrüsenfunktion), Vitamin D, Ferritin, Leberwerte, Nierenwerte. All diese Werte sind bei isolierter Fibromyalgie typischerweise unauffällig – genau das ist oft Teil des Problems, weil Betroffene dann zu hören bekommen: 'Ihnen fehlt nichts.'

Wolfe et al. (2010) betonten, dass die neuen Kriterien auch ohne körperliche Untersuchung anwendbar sind – sie basieren auf Selbstauskunft des Patienten. Das macht die Diagnose reproduzierbarer und weniger abhängig vom einzelnen Untersucher. Gleichzeitig erfassen sie das gesamte Symptomspektrum, nicht nur den Schmerz.

Eine ergänzende Diagnostik, die zunehmend Beachtung findet, ist die Herzratenvariabilitäts-Messung (HRV). Martinez-Lavin (2012) zeigte, dass die reduzierte HRV bei Fibromyalgie ein objektiver Marker für die autonome Dysregulation darstellt. Die HRV ist kein Diagnosekriterium, aber sie kann die klinische Diagnose untermauern und den Therapieverlauf dokumentieren.

, Die MOJO Perspektive

In der Regenerationsmedizin nutzen wir die ACR-Kriterien als Ausgangspunkt, ergänzen aber um eine systemische Perspektive: HRV-Messung zur Objektivierung der autonomen Dysregulation, Darm-Diagnostik (Mikrobiom, Permeabilität), Nährstoffstatus und Entzündungsmarker. Die Diagnose 'Fibromyalgie' ist der Anfang – nicht das Ende der diagnostischen Reise. Die entscheidende Frage ist: Was hält die zentrale Sensitivierung aufrecht? Gesundheit entsteht, wenn die Mitochondrien genug Lebensenergie produzieren und diese Energie über Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel optimal verteilt wird. Wie man das erreicht, vermitteln wir im Kurs LEBENSENERGIE für Betroffene und in der Grundausbildung Regenerationsmedizin für Fachkräfte.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1Die ACR-Kriterien von 2010/2016 sind der aktuelle diagnostische Standard (Wolfe et al., 2010).
  • 2Zwei Skalen: Widespread Pain Index (WPI ≥ 7) und Symptom Severity Scale (SSS ≥ 5).
  • 3Tender Points werden nicht mehr als primäres Diagnosekriterium verwendet.
  • 4Laborwerte dienen der Ausschlussdiagnostik – bei Fibromyalgie sind sie typischerweise unauffällig.
  • 5HRV-Messung kann die autonome Dysregulation objektiv dokumentieren (Martinez-Lavin, 2012).

Verwandte Fragen

Kann man Fibromyalgie im Blut nachweisen?
Es gibt keinen einzelnen Bluttest für Fibromyalgie. Standard-Laborwerte (Blutbild, Entzündungsmarker, Schilddrüse) sind typischerweise unauffällig. Die Blutuntersuchung dient der Ausschlussdiagnostik – andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sollen nicht übersehen werden.
Was sind die 2016er ACR-Kriterien?
Die 2016er Revision der ACR-Kriterien bestätigt die 2010er Kriterien und betont, dass Fibromyalgie als eigenständige Diagnose auch neben anderen Erkrankungen bestehen kann. Sie kann nicht 'ausgeschlossen' werden, nur weil eine andere Schmerzursache identifiziert wurde.

Quellen & Referenzen

  • The American College of Rheumatology Preliminary Diagnostic Criteria for Fibromyalgia and Measurement of Symptom Severity
    Wolfe F., Clauw D.J., Fitzcharles M.-A. et al.Arthritis Care & Research (2010) DOI: 10.1002/acr.20140
  • Fibromyalgia: A Clinical Review
    Clauw D.J.JAMA (2014) DOI: 10.1001/jama.2014.3266
  • Fibromyalgia: When Distress Becomes (Un)sympathetic Pain
    Martinez-Lavin M.Pain Research and Treatment (2012) DOI: 10.1155/2012/981565

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