Glukagon
Glukagon — Glukagon ist ein Peptidhormon, das von den Alpha-Zellen der Langerhans-Inseln im Pankreas produziert wird. Es ist der funktionelle Gegenspieler von Insulin: Glukagon erhöht den Blutzucker durch Stimulation der hepatischen Glukoneogenese und Glykogenolyse. Bei Typ-2-Diabetes ist die Glukagonregulation gestört.
Glukagon und Insulin bilden ein Gegenspieler-System zur Blutzuckerregulation:
Insulin (Beta-Zellen): Senkt Blutzucker → Glukose rein in die Zellen Glukagon (Alpha-Zellen): Erhöht Blutzucker → Glukose raus aus der Leber
Wirkungen von Glukagon:
- Stimulation der Glykogenolyse (Glykogenabbau in der Leber)
- Stimulation der Glukoneogenese (Zuckerneubildung in der Leber)
- Stimulation der Lipolyse (Fettfreisetzung aus dem Fettgewebe)
- Stimulation der Ketogenese (Ketonkörperproduktion)
Glukagon-Dysregulation bei Typ-2-Diabetes: Bei Typ-2-Diabetes ist nicht nur das Insulin gestört – auch das Glukagon ist pathologisch: Die Alpha-Zellen sezernieren Glukagon, obwohl der Blutzucker bereits hoch ist. Normalerweise hemmt hoher Blutzucker die Glukagonsekretion – bei Insulinresistenz versagt diese Regulation. Samuel & Shulman (2012) beschreiben, wie die gestörte Glukagon-Suppression zur hepatischen Glukoseüberproduktion beiträgt.
Die „bihormale" Theorie: Roger Unger postulierte bereits in den 1970er-Jahren: Typ-2-Diabetes ist nicht nur eine Insulinmangel-Erkrankung, sondern eine bihormonale Störung – zu wenig Insulin UND zu viel Glukagon. Die ADA (2019) erkennt die Rolle der Alpha-Zell-Dysfunktion in der Pathophysiologie des Typ-2-Diabetes an.
Therapeutische Relevanz: GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid, Liraglutid) wirken unter anderem durch Hemmung der Glukagonsekretion – sie adressieren also beide Seiten der Störung.
— Die MOJO Perspektive
Die Glukagon-Dysregulation zeigt: Typ-2-Diabetes ist komplexer als „zu wenig Insulin". Es ist ein Zusammenbruch des gesamten pankreatischen Regulationssystems. In der Regenerationsmedizin betrachten wir das Insulin-Glukagon-Verhältnis – nicht nur den Insulinspiegel isoliert. Das Zusammenspiel bestimmt die metabolische Richtung.
Das Wichtigste in Kürze
- 1Glukagon ist der funktionelle Gegenspieler von Insulin: Es erhöht den Blutzucker.
- 2Bei Typ-2-Diabetes ist die Glukagonsekretion paradox erhöht trotz hohem Blutzucker.
- 3Die „bihormonale Theorie": Diabetes = zu wenig Insulin + zu viel Glukagon.
- 4GLP-1-Rezeptoragonisten hemmen die Glukagonsekretion als Teil ihres Wirkmechanismus.
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Quellen & Referenzen
- Classification and Diagnosis of Diabetes: Standards of Medical Care in Diabetes
- Mechanisms for Insulin Resistance: Common Threads and Missing Links
- Type 2 Diabetes: Etiology and Reversibility
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
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Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
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