Ketonkörper sind ein uralter Brennstoff. Jeder Mensch bildet sie nach einer Nacht ohne Essen, Neugeborene in den ersten Tagen, Fastende über Wochen. Gefährlich wird nicht der Brennstoff, sondern ein Stoffwechsel ohne Regler. Die Mitochondrien der Leber sind Sensor und Effektor: Sie bauen so viel Fett zu Ketonkörpern um, wie ankommt, und Insulin bestimmt, wie viel ankommt. Darum gilt auch hier die Reihenfolge der Regeneration: erst Sicherheit, dann Ressource, dann der Reiz. Von den sechs Ärzten der Regeneration plus Dr. Pharma wirkt hier Dr. Nahrung, und Dr. Pharma sitzt mit am Tisch, solange du Insulin oder SGLT2-Hemmer nimmst; deine ärztliche Behandlung läuft weiter.
Oft heißt es: „Ketose ist gefährlich.“ Ketonkörper sind nicht das Gift. Gefährlich wird es erst, wenn die Bremse Insulin fehlt; dann wird aus einem Brennstoff eine Säureflut.
Kurz gesagt: Ketose und Ketoazidose sind nicht zwei Stufen derselben Sache, sondern zwei verschiedene Zustände. In der Ketose bildet die Leber Ketonkörper als Brennstoff, und Insulin hält die Menge in Grenzen. In der Ketoazidose fehlt Insulin, die Bildung läuft ungebremst, und das Blut wird sauer. Das ist ein Notfall.
Ketose. Wenn du nachts nichts isst, fastest oder sehr wenig Kohlenhydrate isst, sinkt das Insulin, und die Leber baut Fett zu Ketonkörpern um, vor allem zu Beta-Hydroxybutyrat (BHB). Bei ketogener Ernährung liegt BHB im Blut meist zwischen etwa 0,5 und 3 mmol/l, nach Wochen ohne Essen bei etwa 5 bis 7 mmol/l; das Gehirn deckt dann rund zwei Drittel seines Bedarfs aus Ketonkörpern (Mensch; Cahill 2006). Der pH-Wert des Bluts bleibt normal.
Diabetische Ketoazidose. Fehlt Insulin, etwa bei Typ-1-Diabetes, vergessenem Insulin oder einem schweren Infekt, läuft die Fettfreisetzung ungebremst. Die Ketonkörper steigen bis etwa 20 mmol/l (Mensch; Puchalska und Crawford 2017). Für die Diagnose sieht die Ärztin auf Ketonkörper, Blutzucker, pH-Wert unter etwa 7,3 und ein gesunkenes Bikarbonat, den Puffer des Bluts (Mensch, Leitlinie; Kitabchi und Kollegen 2009). Meist ist auch der Blutzucker hoch, über 250 mg/dl.
Euglykämische Ketoazidose. Euglykämisch heißt: bei fast normalem Blutzucker. Diabetesmittel aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer (Gliflozine) lassen Zucker über den Urin ab. Der Blutzucker sieht dann gut aus, während Insulin fehlt und Ketonkörper steigen. In einer Fallserie lag der Zucker bei den meisten Episoden unter 200 mg/dl, ausgelöst oft durch weniger Insulin, wenig Essen oder Kohlenhydrate, Alkohol oder Krankheit (Mensch; Peters und Kollegen 2015). Darum gehört die Kombination aus SGLT2-Hemmern und ketogener Kost zu deiner Ärztin; die Übersichtsarbeit zu Gegenanzeigen rät davon ab (Mensch; Watanabe und Kollegen 2020).
Weitere Formen. Selten entsteht eine Ketoazidose nach viel Alkohol mit wenig Essen, bei langem Hungern oder in der Stillzeit, wenn das Kind viel Zucker über die Milch bekommt und die Mutter wenig isst; für die Stillzeit sind Fälle unter kohlenhydratarmer Kost beschrieben (Watanabe und Kollegen 2020). Das klärt deine Frauenärztin mit dir.
Wann es ein Notfall ist. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, starker Durst, viel Wasserlassen, eine tiefe, schwere Atmung, Atem, der nach Nagellack riecht, und zunehmende Benommenheit sind Zeichen einer Ketoazidose. Nimmst du Insulin oder SGLT2-Hemmer, hast du Typ-1-Diabetes oder stillst du und bemerkst diese Zeichen, ruf den Notruf 112, auch wenn dein Blutzucker normal aussieht.
Zwei Sichten, die viele kennen. Die mechanische Sicht sagt: Ketonkörper im Urin sind ein Alarmzeichen, Ketose ist der Anfang einer Entgleisung. Sie kommt aus der Klinik, in der Ketonkörper meist bei Menschen mit Diabetes auf der Notaufnahme gemessen werden, und schützt genau diese Menschen. Und trotzdem: Warum bildet jeder gesunde Mensch nach einer Nacht ohne Essen Ketonkörper, und warum bleibt der pH-Wert bei Wochen des Fastens normal?
Die energetische Sicht sagt: Ketose ist der Urzustand des Menschen, die Angst vor Ketoazidose ist übertrieben und betrifft nur Typ-1-Diabetes. Sie hat recht, dass der Körper für Zeiten ohne Essen gebaut ist. Und trotzdem: Unter SGLT2-Hemmern oder in der Stillzeit kann eine Ketoazidose auch ohne Typ-1-Diabetes und bei normalem Zucker entstehen.
Die biologische Sicht verbindet beides: Entscheidend ist nicht, ob Ketonkörper da sind, sondern ob die Bremse Insulin wirkt.
Im Detail
Die Bremse Insulin. Stell dir die Ketonkörper als Holzfeuer im Ofen vor. In der Ketose sitzt ein Zugregler auf dem Ofenrohr, das Insulin. Selbst wenn wenig davon da ist, bremst es zwei Dinge: Das Fettgewebe gibt nur so viele Fettsäuren frei, wie gebraucht werden, und die Leber baut nur einen Teil davon zu Ketonkörpern um. Steigen die Ketonkörper, regen sie die Bauchspeicheldrüse zu etwas mehr Insulin an, und der Regler zieht nach (Mensch; Puchalska und Crawford 2017). Darum pendelt die Ketose sich ein.
Wenn der Regler fehlt. Bei absolutem Insulinmangel läuft das Feuer ohne Regler. Das Fettgewebe flutet die Leber mit Fettsäuren, das Hormon Glukagon treibt zusätzlich an, und in den Mitochondrien der Leberzellen entstehen mehr Ketonkörper, als Muskeln und Gehirn verbrennen können. BHB und Acetoacetat sind Säuren. Solange wenige davon da sind, fängt der Puffer des Bluts, das Bikarbonat, sie ab. Steigen sie weiter, ist der Puffer verbraucht, und der pH-Wert fällt (Mensch, Leitlinie; Kitabchi und Kollegen 2009). Gleichzeitig steigt der Zucker, die Niere spült ihn mit viel Wasser und Salzen aus, und der Körper trocknet aus. Die tiefe Atmung ist der Versuch, Säure als Kohlendioxid abzuatmen.
Warum SGLT2-Hemmer die Lage verschieben. Diese Mittel senken den Zucker über die Niere, unabhängig vom Insulin. Der Zucker sieht darum normal aus, und weniger Insulin scheint nötig; gleichzeitig steigt das Glukagon. Kommt eine sehr kohlenhydratarme Kost hinzu, sinkt das Insulin weiter, und die Ketonbildung gewinnt (Mensch; Peters und Kollegen 2015). Ein normaler Zuckerwert schließt eine Ketoazidose dann nicht aus. Ob du ein solches Mittel nimmst, änderst oder pausierst, etwa vor einer Operation oder bei Krankheit, entscheidest du mit deiner Ärztin.
Werte nebeneinander.
- Ernährungsketose: BHB meist etwa 0,5 bis 3 mmol/l, pH normal, Zucker normal oder niedrig, Insulin vorhanden
- langes Fasten: BHB etwa 5 bis 7 mmol/l, pH normal (Cahill 2006)
- diabetische Ketoazidose: BHB bis etwa 20 mmol/l, pH unter etwa 7,3, Bikarbonat gesunken, Zucker meist über 250 mg/dl
- euglykämische Ketoazidose: wie oben, aber Zucker oft unter 200 mg/dl
Wie du Ketonkörper im Blut, Urin oder Atem misst und was die Werte bedeuten, steht unter Laborwerte bei ketogener Ernährung und Ketonkörper im Überblick.
Was das für dich heißt. Für Erwachsene ohne Diabetes, die kein Insulin und keine SGLT2-Hemmer nehmen, ist eine Ernährungsketose keine Ketoazidose. Mit Typ-1-Diabetes, mit Insulin, SGLT2-Hemmern oder anderen blutzuckersenkenden Mitteln, mit Blutdruckmitteln oder Entwässerungstabletten stellst du die Ernährung nur gemeinsam mit deiner Ärztin um, weil sich Zucker, Salze und Wasser in den ersten Tagen schnell verschieben. In Schwangerschaft und Stillzeit passt eine ketogene Kost nicht (Watanabe und Kollegen 2020). Wer sonst keine ketogene Ernährung machen sollte, steht unter Kontraindikationen ketogener Ernährung.
Was wir nicht wissen. Die Grenzwerte der Ketoazidose stammen aus Leitlinien für Menschen mit Diabetes (Kitabchi und Kollegen 2009). Zur euglykämischen Ketoazidose gibt es vor allem Fallserien und Meldungen, keine Zahlen, wie oft sie unter ketogener Kost genau auftritt (Peters und Kollegen 2015). Die Fälle in der Stillzeit sind Einzelberichte (Watanabe und Kollegen 2020).
Deine Entscheidung. Was du mitbringen kannst: die Liste deiner Medikamente, ob du stillst, und wenn du ohnehin misst, deine Ketonwerte mit Uhrzeit. Damit kann deine Ärztin in wenigen Minuten einordnen, ob für dich eine Ernährungsketose oder ein Risiko für eine Ketoazidose im Raum steht. Was du daraus machst, entscheidest du.
Nicht die Ketonkörper machen den Notfall, sondern das fehlende Insulin. Mit Bremse ist es Ketose, ohne Bremse Ketoazidose.
Das Fundament dahinter
In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.
Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.
Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.
Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.
Deine Entscheidung
Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:
- Ist es biologisch plausibel?
- Ist das Risiko klein?
- Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
- Kannst du es an dir beobachten?
Was wir nicht wissen: Die Unterschiede zwischen Ketose und Ketoazidose sind Lehrbuchwissen und am Menschen gut belegt (Cahill 2006; Puchalska und Crawford 2017). Die Grenzwerte der Ketoazidose kommen aus einer Leitlinie für Erwachsene mit Diabetes (Kitabchi und Kollegen 2009). Zur euglykämischen Ketoazidose unter SGLT2-Hemmern gibt es Fallserien, keine Zahlen, wie oft sie unter ketogener Kost genau auftritt (Peters und Kollegen 2015). Fälle in der Stillzeit sind Einzelberichte (Watanabe und Kollegen 2020).