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Glossar · Therapien & Interventionen

Acetoacetat: der erste Ketonkörper und was Teststreifen messen

Auch: AcAc · Acetacetat · Acetessigsäure · 3-Oxobutansäure · Acetoacetate · Acetoacetic acid
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Acetoacetat entsteht in den Mitochondrien der Leber aus Acetyl-CoA und ist die Vorstufe von BHB und Aceton (Mensch; Puchalska und Crawford 2017).
  • Das Verhältnis von BHB zu Acetoacetat spiegelt, wie viel NADH in den Mitochondrien bereitliegt (Mensch, Tier; Veech 2004).
  • Urin-Teststreifen zeigen Acetoacetat, Blutmessgeräte meist BHB, Atemgeräte Aceton; darum liefern die drei Wege verschiedene Bilder (Mensch).

„Was ist Acetoacetat, und warum zeigt mein Urin-Teststreifen etwas anderes als die Blutmessung?“

Vielleicht hast du nach ein paar Tagen mit wenig Kohlenhydraten einen Teststreifen in den Urin gehalten, und er hat sich lila gefärbt. Nach drei Wochen bleibt er fast hell, obwohl du nichts geändert hast. Ist die Ketose vorbei? Und was ist eigentlich dieses Acetoacetat, das der Streifen misst?

Die mechanische Sicht sagt: Acetoacetat ist ein Laborwert. Er wird bestimmt, wenn bei Diabetes eine Übersäuerung droht, die Ketoazidose. Das ist richtig und wichtig. Und trotzdem: Warum bildet ein gesunder Körper Acetoacetat jede Nacht und bei jeder längeren Essenspause, ohne dass etwas entgleist?

Die energetische Sicht sagt: Wenn der Körper auf Fett umschaltet, fühlen sich viele Menschen wacher und gleichmäßiger. Dieses Erleben ist echt und in Fastentraditionen lange beschrieben. Und trotzdem: Ein Farbumschlag auf dem Streifen sagt nicht, wie gut du dich fühlst oder wie gut dein Körper Brennstoff verwertet.

Die biologische Sicht verbindet beides: Acetoacetat ist ein Brennstoff, den die Leber für andere Organe herstellt, und der Ausgangspunkt der anderen Ketonkörper. Welcher davon gerade überwiegt, hängt vom Zustand deiner Mitochondrien ab.

Oft heißt es: „Zucker ist der Übeltäter.“ Acetoacetat zeigt nicht, dass Zucker schlecht ist. Es zeigt, dass dein Körper einen zweiten Brennstoff kennt und ihn bildet, sobald Zucker und Insulin knapp werden.

Was im Körper passiert

Stell dir die Leber als Raffinerie vor. Wenn das Insulin sinkt, kommen viele Fettsäuren bei ihr an, mehr, als sie selbst verbrennen kann. In den Mitochondrien der Leberzellen werden sie zu Acetyl-CoA zerlegt. Je zwei Acetyl-CoA verbinden sich zu Acetoacetyl-CoA, dann über die Zwischenstufe HMG-CoA zu Acetoacetat (Mensch; Puchalska und Crawford 2017).

Acetoacetat ist wasserlöslich und reist mit dem Blut zu Herz, Muskeln und Gehirn. Dort wandelt ein Enzym namens SCOT es zurück in Acetyl-CoA, das im Citratzyklus der Mitochondrien verbrannt wird. Der Leber selbst fehlt dieses Enzym. Sie stellt Ketonkörper her, verbraucht sie aber nicht (Mensch; Puchalska und Crawford 2017).

Noch in der Leber nimmt ein Teil des Acetoacetats Wasserstoff aus dem Träger NADH auf und wird zu BHB. Dieser Schritt läuft in beide Richtungen. Liegt viel NADH bereit, überwiegt BHB; ist wenig da, bleibt mehr Acetoacetat. Veech (2004) beschreibt das Verhältnis der beiden darum als Anzeiger für den Redoxzustand der Mitochondrien, also dafür, wie voll ihr Speicher an Elektronen ist (Tier, Mensch). Ein kleiner Teil des Acetoacetats zerfällt von selbst zu Aceton, das du ausatmest.

Acetoacetat: der erste Ketonkörper und was Teststreifen messen: Acetoacetat (AcAc) ist der erste Ketonkörper, den deine Leber aus Fett bildet, wenn wenig Zucker und Insulin da sind. Aus ihm entstehen Beta-Hydroxybutyrat und Aceton. Herz, Muskeln und Gehirn nutzen Acetoacetat als Brennstoff, und Urin-Teststreifen messen vor allem ihn.

Name und Formel. Acetoacetat ist das Salz der Acetessigsäure, systematisch 3-Oxobutansäure, englisch acetoacetate. Die Säure hat die Summenformel C4H6O3, als Strukturformel CH3-CO-CH2-COOH: eine Kette aus vier Kohlenstoffatomen mit einer Ketogruppe am dritten. Im Blut liegt sie als Anion vor, darum heißt der Stoff in der Medizin Acetoacetat oder kurz Acetacetat, abgekürzt AcAc. Nicht verwechseln: Acetylaceton, in der Chemie als acac abgekürzt, ist ein anderer Stoff ohne Rolle im Stoffwechsel, und Aceton ist der Ketonkörper, der aus Acetoacetat entsteht.

Wann der Körper Acetoacetat bildet. Über Nacht, beim Fasten, bei langer Bewegung und bei sehr kohlenhydratarmer Kost sinkt das Insulin, und die Leber bildet mehr Ketonkörper. Im längeren Fasten decken sie einen großen Teil des Energiebedarfs des Gehirns (Mensch; Cahill 2006). Einen Überblick über alle drei gibt die Seite Ketonkörper: BHB, Acetoacetat und Aceton.

Messung in Urin, Blut und Atem. Urin-Teststreifen beruhen auf einer Farbreaktion mit Nitroprussid. Sie zeigen Acetoacetat und schwächer Aceton, aber kein BHB. Blutmessgeräte für die Fingerkuppe messen meist BHB, das Labor kann beide Ketonkörper bestimmen. Atemgeräte schätzen die Ketose über Aceton. Nach einigen Wochen Ketose verwertet der Körper die Ketonkörper anders, mehr davon kreist als BHB, und die Niere scheidet weniger Acetoacetat aus. Der Streifen wird heller, obwohl die Ketose bleibt. Ein heller Streifen heißt darum nicht, dass keine Ketonkörper gebildet werden.

Acetoacetat und Ketoazidose. Bei einer diabetischen Ketoazidose fehlt Insulin fast ganz, Ketonkörper steigen weit über die Werte einer Ernährungsketose, und weil Acetoacetat und BHB Säuren sind, wird das Blut sauer (Mensch; Puchalska und Crawford 2017). Für diese Lage setzen neuere Leitlinien auf Ketonwerte aus dem Blut statt auf den Urin-Streifen, weil sich beide Messungen unterscheiden (Mensch, Übersicht; Dhatariya 2016). Wer Diabetes hat, bespricht mit der Ärztin, welcher Test im Alltag passt. Den Unterschied der beiden Zustände erklärt Ketose oder Ketoazidose.

zum Merken
Acetoacetat ist der erste Ketonkörper: Die Leber baut ihn aus Fett für andere Organe, und dein Teststreifen zeigt nur ihn.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem der Stoffwechsel; was in der Zelle passiert, passiert im ganzen System.

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Regeneration braucht, wofür die sechs Ärzte der Regeneration stehen: Atmung, Nahrung, Bewegung, Naturkraft, Verbindung und Story; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung. Wenn du wissen möchtest, was deine Ketonkörper zeigen, kannst du drei Dinge beobachten:

Welcher Test passt zu deiner Frage? Urin zeigt Acetoacetat, Blut meist BHB, Atem Aceton.

Wann misst du? Werte sind erst vergleichbar, wenn Tageszeit, letzte Mahlzeit und Trinkmenge ähnlich sind.

Was begleitet die Werte bei dir: klarer Kopf, Unruhe, Schlaf, Kopfschmerz?

Nimmst du Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente, stellst du die Ernährung nur zusammen mit deiner Ärztin um. Mit deinen Notizen und den Begriffen unten wird das Gespräch konkreter.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Die Bildung von Acetoacetat ist am Menschen gut beschrieben und Lehrbuchwissen. Dass das Verhältnis von BHB zu Acetoacetat den Redoxzustand der Mitochondrien spiegelt, stammt aus Messungen in Tier und Mensch; im Blut ist es ein Mittelwert vieler Organe, kein Fenster in eine einzelne Zelle. Urin-Teststreifen sind grob, ihre Farbe hängt auch davon ab, wie viel du getrunken hast. Einen Zielwert für Acetoacetat gibt es nicht. Bei Diabetes oder Nierenerkrankung gehört jede Umstellung, die Ketose auslöst, in die Hände der Ärztin. In Schwangerschaft und Stillzeit ist eine ketogene Kost ausgeschlossen.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Ketone im Urin: Acetoacetat (Nitroprussid-Teststreifen)
  • Ketone im Blut: Beta-Hydroxybutyrat (BHB)
  • Ketone im Atem: Aceton
  • Gefährliche Übersäuerung bei Diabetes: Diabetische Ketoazidose
  • Wie sauer mein Blut ist: Blutgasanalyse (pH-Wert, Bicarbonat)
  • Umschalten zwischen Zucker und Fett: Metabolische Flexibilität
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Häufige Fragen (4)

Was ist Acetoacetat?

Acetoacetat ist der erste Ketonkörper, den die Leber aus Fettsäuren bildet, wenn wenig Zucker und Insulin da sind. Aus ihm entstehen BHB und Aceton. Gehirn, Herz und Muskeln verbrennen es in ihren Mitochondrien (Puchalska und Crawford 2017).

Ist Acetacetat dasselbe wie Acetoacetat?

Ja. Acetacetat, Acetoacetat und Acetessigsäure meinen denselben Stoff; Acetoacetat ist das Salz der Säure, wie es im Blut vorliegt. Acetylaceton und Aceton sind andere Stoffe.

Warum zeigen Urin-Teststreifen nach einigen Wochen weniger an?

Die Streifen messen Acetoacetat, kein BHB. Nach einigen Wochen Ketose kreist mehr davon als BHB im Blut, und die Niere scheidet weniger Acetoacetat aus. Der Streifen wird heller, obwohl die Ketose bleibt. Ein Blutwert für BHB zeigt dann ein genaueres Bild.

Wie hängen Acetoacetat und Aceton zusammen?

Aceton entsteht, wenn Acetoacetat von selbst Kohlendioxid abspaltet. Es ist flüchtig, wird über die Lunge abgeatmet und gibt dem Atem in der Ketose den leicht fruchtigen Geruch. Als Brennstoff spielt Aceton kaum eine Rolle.
Quellen (1)
  • Multi-dimensional Roles of Ketone Bodies in Fuel Metabolism, Signaling, and Therapeutics
    Puchalska P., Crawford P.A. – Cell Metabolism (2017) DOI: 10.1016/j.cmet.2016.12.022

Fachlich geprüft von Dr. Gerrit Keferstein,

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