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FAQ · Diagnosen & Krankheitsbilder

Wie wird Reizdarm diagnostiziert?

Die Vorstellung, Reizdarm sei eine Diagnose, die man erst stellen darf, wenn alles andere ausgeschlossen wurde, hat zu langen Diagnoseverzögerungen und unnötiger Überdiagnostik geführt. Die moderne Gastroenterologie hat sich davon verabschiedet.
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • IBS wird heute positiv diagnostiziert nach Rome-IV-Kriterien – nicht mehr nur als Ausschlussdiagnose.
  • Rome IV: Wiederkehrende Bauchschmerzen ≥1x/Woche über 3 Monate + Zusammenhang mit Stuhlveränderungen.
  • Basisdiagnostik: Blutbild, CRP, Zöliakie-Serologie, fäkales Calprotectin – bei Warnsymptomen erweiterte Diagnostik.

Bei der Reizdarmdiagsnostik steht die systematische Ausschlussdiagnostik im Vordergrund — Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten müssen zuverlässig abgegrenzt werden. Die Regenerationsmedizin erweitert diese Standarddiagnostik um Zonulin, sekretorisches IgA und Mikrobiomanalysen, um funktionelle Darmstörungen differenzierter einzuordnen.

Die Diagnose des Reizdarmsyndroms basiert auf den Rome-IV-Kriterien (Drossman, 2016): Wiederkehrende Bauchschmerzen, durchschnittlich mindestens 1 Tag pro Woche in den letzten 3 Monaten, mit Symptombeginn mindestens 6 Monate vor der Diagnose, verbunden mit mindestens 2 von 3 Kriterien: (1) Zusammenhang mit der Stuhlentleerung, (2) Veränderung der Stuhlfrequenz, (3) Veränderung der Stuhlform (Bristol-Stuhlformen-Skala).

Entscheidend: IBS ist heute eine positive Diagnose, nicht nur eine Ausschlussdiagnose. Wenn die Rome-IV-Kriterien erfüllt sind und keine Warnsymptome vorliegen, kann die Diagnose mit hoher Sicherheit gestellt werden.

Warnsymptome, die eine erweiterte Diagnostik erfordern: Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Symptome (wecken aus dem Schlaf), Beginn nach dem 50. Lebensjahr, familiäre Belastung für CED oder Darmkrebs.

Die empfohlene Basisdiagnostik umfasst: Blutbild, CRP (Entzündungsmarker), Zöliakie-Serologie (tTG-IgA), fäkales Calprotectin (unterscheidet funktionelle von entzündlichen Darmerkrankungen). Bei IBS-D zusätzlich: Stuhluntersuchung auf Parasiten, ggf. Gallensäure-Malabsorptionstest.

Im Detail

Ford et al. (2020, The Lancet) empfehlen einen „positive diagnostic approach": Wenn die Rome-IV-Kriterien erfüllt sind, keine Warnsymptome vorliegen und die Basislabordiagnostik unauffällig ist, kann die IBS-Diagnose mit einem positiven prädiktiven Wert von >95 % gestellt werden. Ausgedehnte endoskopische Diagnostik ist bei jungen Patienten ohne Warnsymptome in der Regel nicht erforderlich.

Zur Subtyp-Klassifikation wird die Bristol-Stuhlformen-Skala verwendet: Typ 1–2 = Verstopfung (IBS-C), Typ 6–7 = Durchfall (IBS-D), wechselnd = gemischter Typ (IBS-M). Der Subtyp bestimmt den therapeutischen Ansatz.

Bei postinfektiösem Verdacht ist die Anamnese entscheidend: Thabane et al. (2007, Alimentary Pharmacology & Therapeutics) zeigten in einer Meta-Analyse, dass das Risiko für IBS nach einer akuten bakteriellen Gastroenteritis 6-fach erhöht ist. Die Frage nach einem Auslöser-Infekt gehört zur IBS-Diagnostik.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (3)

Brauche ich eine Darmspiegelung bei Reizdarm?

Nicht zwingend. Bei jungen Patienten (<50 Jahre) mit erfüllten Rome-IV-Kriterien, ohne Warnsymptome und mit unauffälligem Basislabor, ist eine Koloskopie in der Regel nicht erforderlich. Bei Warnsymptomen, familiärer Belastung oder Beginn nach dem 50. Lebensjahr wird eine Koloskopie empfohlen.

Was ist fäkales Calprotectin?

Calprotectin ist ein Protein, das von neutrophilen Granulozyten freigesetzt wird und im Stuhl gemessen werden kann. Erhöhte Werte sprechen für eine Entzündung im Darm (CED), normale Werte machen IBS wahrscheinlich. Es ist der wichtigste nicht-invasive Marker zur Unterscheidung von funktionellen und entzündlichen Darmerkrankungen.

Was sind die Bristol-Stuhlformen?

Die Bristol-Stuhlformen-Skala klassifiziert Stuhl in 7 Typen von hart (Typ 1–2) bis flüssig (Typ 6–7). Sie wird zur Subtyp-Klassifikation bei IBS verwendet: IBS-C (Typ 1–2), IBS-D (Typ 6–7), IBS-M (wechselnd).
Quellen (3)
  • Functional Gastrointestinal Disorders: History, Pathophysiology, Clinical Features and Rome IV
    Drossman D.A. – Gastroenterology (2016) DOI: 10.1053/j.gastro.2016.02.032
  • Irritable bowel syndrome
    Ford A.C., Sperber A.D., Corsetti M. et al. – The Lancet (2020) DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31548-8
  • Systematic review and meta-analysis: the incidence and prognosis of post-infectious irritable bowel syndrome
    Thabane M., Kottachchi D.T., Marshall J.K. – Alimentary Pharmacology & Therapeutics (2007) DOI: 10.1111/j.1365-2036.2007.03399.x
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