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Glossar · Diagnosen & Krankheitsbilder

Mastzellstabilisatoren: was sie sind und wie sie wirken

Auch: Mastzellstabilisator · Mastzellenstabilisatoren · Mastzellenstabilisator · Mast cell stabilizers · Mastzellstabilisierende Substanzen · Degranulationshemmer
Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Mastzellstabilisatoren setzen vor der Ausschüttung an, Antihistaminika danach; beide Ansätze ergänzen sich (Zelle).
  • Cromoglicinsäure wird geschluckt kaum aufgenommen und wirkt vor allem in der Darmschleimhaut; bei Gesunden verhinderte sie, dass Stress den Darm über Mastzellen durchlässiger macht (Mensch; Vanuytsel et al., 2014).
  • Ketotifen verbindet eine Blockade der Histamin-H1-Rezeptoren mit einer Stabilisierung der Mastzellen (Zelle, Mensch).

„Was sind Mastzellstabilisatoren, wie wirken sie, und gibt es natürliche Mastzellstabilisatoren wie Luteolin?“

Du kennst das vielleicht: Du nimmst Antihistaminika, und trotzdem kommen Flush, Bauchkrämpfe oder Juckreiz wieder. Irgendwann fällt das Wort Mastzellstabilisator, und du fragst dich, was das ist und ob es natürliche Mastzellstabilisatoren gibt.

Die mechanische Sicht der Pharmakologie sucht den Schalter: einen Wirkstoff, der die Mastzelle festhält, bevor sie ausschüttet. Ihre Stärke ist Präzision; Cromoglicinsäure wirkt genau dort, wo viele Beschwerden entstehen, in der Darmschleimhaut. Und trotzdem: Warum ist dieselbe Mastzelle an ruhigen Tagen gelassener als an stressigen, obwohl der Wirkstoff gleich bleibt?

Die energetische Sicht der Naturheilkunde setzt auf Pflanzenstoffe wie Quercetin und Luteolin und auf einen Körper, der sich selbst beruhigen kann. Sie hat recht damit, dass Pflanzen Stoffe enthalten, die in Zellversuchen Mastzellen dämpfen. Und trotzdem: Was davon kommt im Körper an, und reicht ein Stoff, wenn der Körper weiter Alarm meldet?

Die biologische Sicht verbindet beides: Wie leicht eine Mastzelle auslöst, ist eine Schwelle. Wirkstoffe verschieben sie, und der Zustand des ganzen Körpers verschiebt sie auch.

Oft heißt es: „Bei Histamin hilft nur Verzicht.“ Bei Histamin geht es nicht nur ums Weglassen: Wie leicht Mastzellen auslösen, ist eine Schwelle, die Wirkstoffe und der Zustand des Körpers verschieben.

Was im Körper passiert

Stell dir eine Mastzelle als Feuerwache vor, voll mit Schläuchen, die alle gleichzeitig ausrollen, wenn die Sirene geht. Antihistaminika fangen einen Teil des Wassers auf, wenn es schon fließt, und zwar nur das Histamin, nicht die anderen Botenstoffe. Ein Mastzellstabilisator macht die Sirene leiser: Die Zelle braucht einen stärkeren Anlass, bevor sie ausrollt (Zelle).

Der Schritt, an dem das passiert, hängt an Calcium. Strömt Calcium in die Zelle, verschmelzen die Bläschen mit der Zellhülle und entleeren sich (Zelle). Cromoglicinsäure und Flavonoide wie Quercetin und Luteolin bremsen diesen Ablauf an unterschiedlichen Stellen. Deshalb sinkt nicht nur Histamin, sondern auch die Menge an Prostaglandinen, Leukotrienen und Tryptase (Zelle).

Wozu ist die Schwelle überhaupt verstellbar? Mastzellen sind Wächter an den Grenzen des Körpers. Meldet das Nervensystem Gefahr, etwa über das Stresssignal CRH, stellt der Körper seine Wächter schärfer (Mensch; Vanuytsel et al., 2014). Ein Mastzellstabilisator senkt die Empfindlichkeit von außen. Was die Schwelle auf Dauer verschiebt, ist der Zustand, in dem der Körper lebt.

Mastzellstabilisatoren: was sie sind und wie sie wirken: Mastzellstabilisatoren sind Wirkstoffe, die Mastzellen daran hindern, ihre Botenstoffe wie Histamin, Prostaglandine und Leukotriene freizusetzen. Ein Mastzellstabilisator setzt vor der Ausschüttung an, ein Antihistaminikum danach. Bekannt sind die Arzneimittel Cromoglicinsäure und Ketotifen, in Zellstudien wirken auch Quercetin und Luteolin so.

Wie sie wirken. Mastzellen sind Wächterzellen des Immunsystems in Haut, Darm und Atemwegen. Sie lagern Histamin und Dutzende weitere Botenstoffe in kleinen Bläschen, den Granula. Bei einem Auslöser strömt Calcium in die Zelle, und die Granula entleeren sich; das heißt Degranulation (Zelle). Mastzellstabilisatoren setzen an diesem Schritt an: Sie machen die Zelle weniger auslösebereit, sodass weniger Botenstoffe freigesetzt werden. Antihistaminika dagegen besetzen die Andockstellen von Histamin, nachdem es freigesetzt ist. Beide Ansätze schließen sich nicht aus.

Cromoglicinsäure. Cromoglicinsäure, auch Dinatriumcromoglicat (DNCG), wurde ursprünglich für Asthma entwickelt. Geschluckt wird sie kaum ins Blut aufgenommen und wirkt deshalb vor allem in der Schleimhaut von Magen und Darm (Mensch). Molderings et al. (2016) ordnen sie in ihrer Übersicht der Behandlungsmöglichkeiten beim Mastzellaktivierungssyndrom ein, vor allem bei Beschwerden im Verdauungstrakt. Vanuytsel et al. (2014) zeigten an gesunden Freiwilligen, dass das Stresssignal CRH den Dünndarm über Mastzellen durchlässiger macht und dass Cromoglicinsäure das verhinderte (Mensch).

Ketotifen. Ketotifen verbindet zwei Wirkungen: Es besetzt die Histamin-H1-Rezeptoren und stabilisiert zusätzlich Mastzellen (Zelle, Mensch). Weil es ins Gehirn gelangt, macht es häufig müde.

Zulassung. Cromoglicinsäure und Ketotifen sind Arzneimittel mit Zulassungen für allergische Erkrankungen. Eine eigene Zulassung für das Mastzellaktivierungssyndrom haben sie in Deutschland nicht; ob sie dort infrage kommen, entscheidet die Ärztin im Einzelfall.

Natürliche Mastzellstabilisatoren. Quercetin und Luteolin sind Flavonoide, Farbstoffe aus Pflanzen; Quercetin steckt etwa in Zwiebeln und Äpfeln, Luteolin in Petersilie, Sellerie und Thymian. In Kulturen menschlicher Mastzellen hemmte Quercetin die Freisetzung der Entzündungsbotenstoffe IL-8 und TNF stärker als Cromoglicinsäure, und auf die Haut von Freiwilligen aufgetragen schwächte es Kontaktreaktionen ab (Zelle, Mensch; Weng et al., 2012). Luteolin hemmt in Zellstudien die Aktivierung von Mastzellen und die Ausschüttung von Histamin und Entzündungsbotenstoffen (Zelle). Für Palmitoylethanolamid (PEA), einen körpereigenen Abkömmling einer Fettsäure, und für Vitamin C gibt es Hinweise auf eine dämpfende Wirkung auf Mastzellen, vor allem aus Zell- und Tierstudien. Kontrollierte Studien mit diesen Stoffen bei Menschen mit MCAS fehlen; dazu kommt, dass Quercetin und Luteolin aus dem Darm nur in kleinen Mengen ins Blut gelangen.

Zeit. Übersichten beschreiben, dass sich die Wirkung von Mastzellstabilisatoren über Wochen aufbaut, während Antihistaminika schneller spürbar sind (Molderings et al., 2016). Ein Urteil nach wenigen Tagen sagt deshalb wenig.

zum Merken
Ein Antihistaminikum fängt auf, was schon fließt. Ein Mastzellstabilisator macht die Sirene leiser. Wie oft sie heult, bestimmt der ganze Körper.

Das Fundament dahinter

In jeder Zelle sind Mitochondrien Sensor und Effektor: Sie spüren, ob Herausforderung oder Gefahr ansteht, und stellen danach Energie bereit oder schalten in den Schutzmodus, in der Forschung Cell Danger Response.

Von den drei Systemen spricht hier vor allem das Immunsystem, im Austausch mit dem Stoffwechsel (Immunmetabolismus).

Was sich oft genug wiederholt, bleibt: Über das Körpergedächtnis werden aus Zuständen Eigenschaften, in beide Richtungen.

Von den sechs Ärzten der Regeneration spricht hier vor allem Dr. Nahrung; die ärztliche Behandlung läuft weiter.

Deine Entscheidung

Deine Entscheidung beginnt mit Beobachten.

Du kannst eine Woche lang festhalten, welche Beschwerden wann auftreten: Haut, Darm, Kopf, Herz. Mastzellstabilisatoren setzen an unterschiedlichen Orten an, Cromoglicinsäure etwa vor allem im Darm; ein klares Bild deiner Beschwerden ist die beste Grundlage für das Gespräch mit deiner Ärztin.

Wenn du bereits einen Mastzellstabilisator nimmst, ärztlich verordnet oder als Pflanzenstoff, kannst du notieren, wie sich deine Beschwerden entwickeln. Weil sich die Wirkung langsam aufbaut, zeigen Notizen über Wochen mehr als der Eindruck eines Tages.

Und du kannst darauf achten, an welchen Tagen deine Mastzellen ruhiger sind. Schlaf, Stress und Mahlzeiten verschieben die Schwelle mit, und dieses Muster gehört zu deinem Bild dazu.

Vor jedem Ausprobieren kannst du dich fragen:

  1. Ist es biologisch plausibel?
  2. Ist das Risiko klein?
  3. Hat deine Ärztin geklärt, dass keine Gefahr dahintersteckt?
  4. Kannst du es an dir beobachten?

Was wir nicht wissen: Gut belegt ist der Wirkmechanismus in Zellstudien und für Cromoglicinsäure auch beim Menschen im Darm. Für das Mastzellaktivierungssyndrom gibt es nur kleine Studien und Fallserien, keine großen kontrollierten Studien; die Einordnung stützt sich vor allem auf Übersichtsarbeiten (Molderings et al., 2016). Für Quercetin, Luteolin, PEA und Vitamin C fehlen kontrollierte Studien bei Menschen mit MCAS, und wie viel davon im Gewebe ankommt, ist offen. Nicht jeder Mensch mit MCAS spricht auf einen Mastzellstabilisator an, und vorhersagen lässt sich das bisher nicht.

Zum Nachschlagen

Begriffe fürs Arztgespräch
  • Meine Mastzellen schütten zu leicht aus: Mastzellaktivierung, Degranulation
  • Ein Mittel, das die Ausschüttung bremst: Mastzellstabilisator
  • Ein Mittel, das Histamin abfängt: H1- oder H2-Antihistaminikum
  • Meine Beschwerden sitzen vor allem im Darm: gastrointestinale Mastzellaktivierung
  • Pflanzenstoffe, die Mastzellen dämpfen: Flavonoide (Quercetin, Luteolin)
  • Ist das für meine Erkrankung zugelassen?: Zulassungsstatus, Anwendung außerhalb der Zulassung (Off-Label)
Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Quellen (2)
  • Quercetin Is More Effective than Cromolyn in Blocking Human Mast Cell Cytokine Release and Inhibits Contact Dermatitis and Photosensitivity in Humans
    Weng Z, Zhang B, Asadi S, et al. – PLoS ONE (2012) DOI: 10.1371/journal.pone.0033805
  • Flavonoids as anti-inflammatory agents: inhibiting mast cell activation
    Theoharides T.C., Asadi S., Panagiotidou S. – Journal of Allergy and Clinical Immunology (2012) DOI: 10.1016/j.jaci.2011.11.002
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