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Forschungsupdate · Diagnosen & Krankheitsbilder

Faecalibacterium prausnitzii bei Long COVID: Das Bakterium, das über drei Phasen einer Pandemie verschwindet — und was sein Fehlen erklärt

Dr. Gerrit Kefersteinaktualisiert 3 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Meta-Analyse (k=10 Kohorten, drei Kontinente): F. prausnitzii bei COVID-19 konsistent erniedrigt — pooled logFC −1,24 (95 %-KI −1,68 bis −0,80; I²=74 %; keine Publikationsbias). Die Richtung war in jeder Kohorte gleich (Mateescu et al. 2025).
  • Prospektive Kohorte (n=106, 258 Stuhlproben, Shotgun-Metagenomik): F. prausnitzii und B. pseudocatenulatum zeigen die stärksten inversen Korrelationen mit PACS nach 6 Monaten — stärker als alle pathogenen Opportunisten. Das Fehlen der Beschützer, nicht das Vorhandensein der Pathogene, war der bessere Prädiktor (Liu et al. 2022).
  • Mikrobielle Erholung als Prognosezeichen: Genesene ohne PACS normalisieren ihr Mikrobiom innerhalb von ~6 Monaten (vergleichbar mit gesunden Kontrollen). Patienten mit PACS bleiben bei 6 Monaten persistent dysbiottisch (Liu et al. 2022, Chen et al. 2022).

Moderate Evidenz. Gute Hinweise aus Studien, aber noch nicht abschließend bestätigt.

Du bist Monate nach COVID-19 noch erschöpft. Du vergisst Dinge, die du früher im Schlaf konntest. Dein Bauch macht Ärger. Und dein Arzt sagt: „Die Blutwerte sind normal." — Das ist frustrierend. Aber normal bedeutet hier: Die Standard-Marker zeigen nichts. Auf einer tieferen Ebene — im Darmmikrobiom — zeigt die Forschung ein konsistentes Muster: Butyratproduzierende Bakterien wie F. prausnitzii sind bei Long-COVID-Betroffenen erniedrigt. In zehn Kohorten. Auf drei Kontinenten. Mit der stärksten inversen Korrelation zu genau den Symptomen, die du beschreibst. Das ist messbar — auch wenn es in CRP, Blutbild oder CT nicht auftaucht.

Was im Körper passiert

F. prausnitzii ist kein exotisches Supplement-Bakterium. Es macht 5–15 % deiner gesamten Darmflora aus — eines der häufigsten Bakterien überhaupt. Was es produziert — Butyrat — hält die Darmbarriere intakt, bremst systemische Entzündung und schützt über die Darm-Hirn-Achse indirekt das Gehirn. Bei schwerer COVID-19 sinkt es drastisch. Wer danach ohne Langzeitfolgen genesen: normalisiert es innerhalb von sechs Monaten. Wer Long COVID entwickelt: tut das oft nicht. Ein doppelblinder Versuch mit 463 Patienten zeigt: Wer den Darm mit Synbiotika adressiert, verbessert Brain Fog und Fatigue — aber nicht die Lunge. Das Muster ist eindeutig: Darm → Hirn. Nicht Darm → Lunge. Bei manchen Betroffenen ist der Darm-Hirn-Pfad möglicherweise relevanter als der Lungenpfad.

Long-COVID gehört vor allem zum Immunsystem: Infekt und Entzündung.

Ein einzelnes Darmbakterium zeigt über alle drei Phasen von COVID-19 dasselbe Muster: Bei schwerer Erkrankung ist es in zehn unabhängigen Kohorten konsistent erniedrigt (Meta-Analyse: logFC −1,24). Bei Genesung ohne Langzeitfolgen normalisiert es sich innerhalb von sechs Monaten. Bei Long COVID bleibt es persistierend niedrig — mit der stärksten inversen Korrelation zu anhaltenden Symptomen aller untersuchten Bakterien. Faecalibacterium prausnitzii produziert Butyrat: den Haupttreibstoff der Darmbarriere, einen zentralen anti-inflammatorischen Signalgeber und — über die Darm-Hirn-Achse — einen Modulator neuropsychiatrischer Funktion. Ein doppelblinder RCT mit 463 Patienten zeigt: Wer den Darm über Synbiotika adressiert, verbessert Fatigue, Konzentration und Gedächtnis signifikant. Nicht die Lunge. Dieses Muster spricht dafür, dass der Darm bei manchen Long-COVID-Betroffenen ein zentraler, nicht ein peripherer Akteur ist. Kausalität ist nicht bewiesen. Aber die Konvergenz aus Beobachtung, Mechanismus und Intervention macht die Hypothese so stark wie wenige andere in der Long-COVID-Forschung.

Studiendesign: Evidenz-Triangulation: Systematischer Review + Meta-Analyse (2025), prospektive Kohortenstudie (2022), randomisierte doppelblinde placebokontrollierte Studie (2024) · COVID-19-Patienten aller Schweregrade (akut, Genesung, PACS); SIM01-RCT: n=463 Erwachsene mit PACS in Hongkong (CDC-Kriterien, Median 4 Monate post-COVID) · Stichprobe Meta-Analyse: k=10 Kohorten, gepoolte Daten für F. prausnitzii; Liu: n=106 COVID-19 + 68 Kontrollen, 258 Stuhlproben; SIM01: n=232 Verum vs. n=231 Placebo · Dauer Meta-Analyse: Recherche bis Oktober 2025; Liu-Kohorte: Aufnahme bis 6 Monate Follow-up (Shotgun-Metagenomik); SIM01: 6 Monate Intervention + 6 Monate Follow-up

Hintergrund

Ein Bakterium, das mehr tut als verdauen

Faecalibacterium prausnitzii ist keine exotische Spezies. Es macht 5–15 % der gesamten Darmbakterien eines gesunden Menschen aus — eines der häufigsten Bakterien überhaupt.

Sein Verschwinden ist kein Randphänomen. Es ist, als würde der häufigste Baum im Wald plötzlich fehlen.


Warum dieses eine Bakterium so zentral ist

Weil es Butyrat produziert — und Butyrat ist nicht irgendein Stoffwechselprodukt. Es ist ein Signalmolekül, das an der Schnittstelle von Stoffwechsel, Immunsystem und Nervensystem operiert:

Für die Darmzellen: Energielieferant

Kolonozyten — die Zellen, die deine Darmschleimhaut bilden — decken 60–70 % ihres Energiebedarfs aus Butyrat, nicht aus Glukose. Wenn Butyrat fehlt, hungern die Zellen, die deine Barriere zur Außenwelt bilden.

Für die Darmbarriere: Der Kleber

Butyrat stärkt Tight Junctions — die Proteinverbindungen zwischen Darmzellen, die bestimmen, was ins Blut darf und was nicht. Weniger Butyrat = lockerere Verbindungen = erhöhte intestinale Permeabilität.

Für das Immunsystem: Die Bremse

Butyrat hemmt NF-kB — einen der zentralen Transkriptionsfaktoren für Entzündung. Es fördert die Differenzierung regulatorischer T-Zellen (Tregs). Wenn diese Bremse fehlt, läuft das Immunsystem leichter in chronische Aktivierung.

Für das Gehirn: Indirekter Schutz

Über die Darm-Hirn-Achse — vagale Afferenzen, zirkulierende Zytokine, mikrobielle Metaboliten im Blut — beeinflusst der Zustand des Darmmikrobioms die Mikroglia-Aktivierung und die Neurotransmitter-Balance im ZNS (Cryan & Dinan, 2012).


Wenn dieses Bakterium ausfällt

…dann fällt nicht ein System aus. Es fallen mehrere Sicherungsmechanismen gleichzeitig aus.

Warum COVID-19 dieses Bakterium trifft

SARS-CoV-2 ist kein reines Atemwegsvirus. Der ACE2-Rezeptor — das Eingangstor für das Virus — ist auf Darmepithelzellen hochexprimiert. Virale RNA wurde in Darmbiopsien Monate nach der Akutinfektion nachgewiesen.

Die Hypothese: Das Virus schädigt die Darmschleimhaut direkt, verändert das Milieu — und butyratproduzierende anaerobe Bakterien wie F. prausnitzii, die auf ein stabiles, sauerstoffarmes Milieu angewiesen sind, verlieren ihren Lebensraum.

Das ist die Ausgangslage. Was folgt, sind drei Studien, die dieses Muster über drei Phasen einer Pandemie nachzeichnen.

Kennzahl: Faecalibacterium prausnitzii logFC −1,24 bei COVID-19. Meta-Analyse Mateescu et al. 2025, k=10 Kohorten.

logFC −1,24: F. prausnitzii ist bei COVID-19 signifikant erniedrigt (Mateescu et al. 2025, k=10)

Ergebnisse

Phase 1: Schwere COVID-19 — das Bakterium verschwindet

Mateescu et al. (2025) führten den bislang umfassendsten systematischen Review und eine Meta-Analyse zum Darmmikrobiom bei COVID-19 durch (PROSPERO CRD420251160970; PubMed, Embase, Web of Science, Scopus, Cochrane bis Oktober 2025).

Das Ergebnis über zehn unabhängige Kohorten auf drei Kontinenten:

  • Faecalibacterium prausnitzii: pooled logFC = −1,24 (95 %-KI −1,68 bis −0,80; k=10; I²=74 %)
  • Mikrobielle Diversität: Shannon-Index SMD = −0,69 (95 %-KI −0,84 bis −0,54; I²=42 %)
  • Opportunisten: Enterococcus spp. erhöht (logFC +1,45; 95 %-KI 1,12–1,78)
  • Assoziation mit Outcomes: Dysbiose korrelierte mit ICU-Aufnahme (OR 1,92), Mortalität (HR 1,67) und Schweregrad

Was bedeutet logFC −1,24?

Vereinfacht: F. prausnitzii war im Median auf weniger als die Hälfte des Normalniveaus reduziert. Das ist ein gepoolter Effekt — manche Kohorten zeigten noch drastischere Verluste.

Der Egger-Test zeigte keine Publikationsbias (p=0,32). Die Heterogenität (I²=74 %) erklärt sich primär durch geografische Variation — nicht durch widersprüchliche Richtungen. F. prausnitzii sinkt bei COVID-19. In jeder untersuchten Kohorte.


Phase 2: Genesung — der Darm als Prognosemarker

Liu et al. (2022, Gut) verfolgten 106 COVID-19-Patienten über sechs Monate mit serieller Shotgun-Metagenomik (258 Stuhlproben) und verglichen sie mit 68 nicht infizierten Kontrollen.

Drei Phasen: F. prausnitzii bei schwerer COVID-19, Genesung und Long COVID

Der überraschende Befund: Die Mikrobiomzusammensetzung bei Aufnahme — also während der akuten Infektion — war bereits prädiktiv dafür, wer sechs Monate später PACS entwickeln würde und wer nicht.

  • 76 % der Patienten hatten nach sechs Monaten PACS (häufigste Symptome: Fatigue, Gedächtnisprobleme, Haarausfall)
  • Patienten OHNE PACS zeigten bei 6 Monaten ein Mikrobiom vergleichbar mit gesunden Kontrollen — butyratproduzierende Bakterien kehrten zurück, pathogene Opportunisten normalisierten sich
  • Patienten MIT PACS blieben dysbiottisch: niedrige F. prausnitzii, niedrige B. pseudocatenulatum, erhöhte Ruminococcus gnavus und Bacteroides vulgatus
  • Die stärksten inversen Korrelationen mit PACS bei 6 Monaten zeigten zwei Butyrat-Produzenten: F. prausnitzii und Bifidobacterium pseudocatenulatum (p<0,05)

Das ist ein entscheidender Punkt: Die Bakterien, die am meisten mit dem Nicht-Auftreten von Long COVID korrelierten, waren dieselben, die Butyrat produzieren. Nicht die Pathogene sagten PACS vorher — sondern das Fehlen der Beschützer.

Chen et al. (2022, Gut) bestätigten in einer separaten Kohorte das Zeitfenster: Die mikrobielle Diversität bei Genesenen braucht Monate zur Normalisierung — bei schweren Verläufen sechs Monate oder länger.


Phase 3: Intervention — der Darm als Hebel

Lau et al. (2024, The Lancet Infectious Diseases, RECOVERY-Trial) stellten die entscheidende nächste Frage: Wenn der Darm verändert ist — hilft es, ihn zu adressieren?

Design:

  • 463 PACS-Patienten in Hongkong (CDC-Kriterien, Median 4 Monate post-COVID)
  • SIM01: 20 Mrd. KBE (B. adolescentis, B. bifidum, B. longum) + Präbiotika, 2× täglich für 6 Monate
  • Placebo: 1 mg Vitamin C + Stärkefüller, identisch verpackt
  • Doppelblind, Intention-to-Treat, Bonferroni-korrigiert für 14 Symptome

Ergebnisse nach 6 Monaten (Bonferroni-signifikant bei p<0,0036):

SymptomOR (95 %-KI)p-WertBenefit
Fatigue2,27 (1,52–3,40)0,0001+47 %
Gedächtnisverlust1,97 (1,27–3,04)0,0024+56 %
Konzentration2,64 (1,69–4,14)<0,0001+62 %
GI-Beschwerden2,00 (1,30–3,05)0,0014+30 %
Allg. Unwohlsein2,36 (1,43–3,90)0,0008+31 %

Nicht signifikant: Kurzatmigkeit, Husten, Muskelschmerz, Brustschmerz, Haarausfall, Stimmung, Schlafstörung.


Das Muster, das alles zusammenfügt

Fünf signifikante Symptome — und alle fünf liegen entweder auf der Darm-Hirn-Achse (Fatigue, Gedächtnis, Konzentration) oder im Darm selbst (GI-Beschwerden, Unwohlsein).

Kein einziges respiratorisches Symptom wurde signifikant verbessert.

Wer den Darm adressiert, verbessert die Gehirn-Symptome. Nicht die Lunge.

Metagenom-Befunde im SIM01-Arm:

  • Erhöhte mikrobielle Diversität vs. Baseline
  • Anreicherung von Buttersäure-Biosynthese-Pfaden (CENTFERM-PWY, PWY-5100)
  • Reduktion von Antibiotikaresistenz-Genen
  • Placebo-Gruppe: keine dieser Veränderungen

Limitationen des RCT

  • Placebo war Vitamin C (1 mg) — nicht vollständig inert
  • 100 % chinesische Ethnizität — Mikrobiom variiert ethnisch
  • Einzelzentrum (Prince of Wales Hospital, Hongkong)
  • Subjektive Endpunkte (Fragebogen, keine Biomarker als primärer Outcome)
  • Unabhängige Replikation fehlt

Dennoch: Ein doppelblinder RCT mit 463 Patienten, fünf signifikante Symptome — das ist mehr als Beobachtung. Es ist ein erster kausaler Hinweis.

Was bedeutet das für dich

Was diese Forschung für dich bedeutet

Wenn du nach COVID-19 Monate lang erschöpft bist, dein Gedächtnis nicht mehr funktioniert wie zuvor und dein Bauch rebelliert — dann zeigt diese Forschung:

  • Es gibt ein biologisches Korrelat
  • Es ist messbar
  • Es ist nicht „in deinem Kopf" im abwertenden Sinne

Es ist ein Bakterium, das fehlt — und dessen Fehlen eine Kaskade auslöst, die vom Darm bis ins Gehirn reicht.


Was wir wissen

F. prausnitzii ist bei Long COVID konsistent erniedrigt. Das ist über zehn Kohorten repliziert. Wer es wiederherstellt (oder dessen Mikrobiom sich spontan erholt), hat bessere Outcomes.

Was wir vermuten

Der Mechanismus läuft über Butyrat-Mangel → Barrieredysfunktion → systemische Entzündung → Darm-Hirn-Achse. Diese Kette ist physiologisch etabliert, aber bei Long COVID noch nicht als lineare Kausalität bewiesen.

Was wir nicht wissen

  • Ob F. prausnitzii-Depletion Long COVID verursacht — oder ob Long COVID das Bakterium depletiert — oder beides gleichzeitig
  • Ob eine direkte Zufuhr von F. prausnitzii helfen würde (ein solches Supplement existiert Stand 2026 nicht)
  • Ob SIM01 außerhalb einer chinesischen Kohorte gleich wirkt
  • Ob Ernährungsumstellung allein die gleiche Wirkung hat wie eine Synbiotikum-Intervention

Die Grenzen der Evidenz

Die SIM01-Studie ist ein starkes Signal — aber eine einzelne Studie.

  • Placebo war Vitamin C (nicht völlig inert)
  • Die Prozentwerte sind relativ: 47–62 % Benefit-Steigerung über Placebo, nicht absolute Heilungsraten
  • 9 von 14 Symptomen verbesserten sich nicht signifikant nach Bonferroni-Korrektur

Mikrobiom-Modulation ist kein Allheilmittel für Long COVID. Es ist ein Ansatz, der bei einem spezifischen Symptomcluster (Fatigue + neuropsychiatrische Symptome + GI-Beschwerden) erste positive Interventionsdaten hat. Respiratorische Symptome brauchen andere Erklärungen.


Was das für dich konkret heißt

Diese Befunde machen multimodale Ansätze rationaler.

Wenn bei dir Fatigue, Brain Fog und Darmprobleme im Vordergrund stehen, könnte das Mikrobiom ein sinnvoller Hebel sein — neben, nicht statt ärztlicher Begleitung.

Besprich mit deinem Arzt, ob eine Mikrobiom-Analyse, ernährungsmedizinische Beratung oder eine Studie zu Synbiotika für deine Situation relevant sein könnte.

Was wir nicht wissen

Meta-Analyse (Mateescu et al. 2025)

  • Heterogenität I²=74 % (moderat-hoch) — primär durch geografische Variation und Sequenzierungsmethoden
  • Egger-Test unauffällig, aber kleinere Kohorten möglicherweise unterrepräsentiert
  • Unterschiedliche SARS-CoV-2-Varianten über den Recherchezeitraum
  • Keine individuelle Patientendaten-Meta-Analyse — nur aggregierte Effektgrößen

Kohortenstudie (Liu et al. 2022)

  • Beobachtungsdesign — kein Kausalschluss möglich
  • Hongkong-Kohorte: Diät, Genetik, Mikrobiom-Ausgangslage regionsspezifisch
  • PACS-Definition breit (mindestens 1 Symptom bei 6 Monaten)
  • Confounders: Antibiotika, Antivirale, Hospitalisierungsdauer, Ernährungsumstellung
  • Korrelation zeigt nicht, ob Wiederherstellung die Genesung verursacht oder begleitet

SIM01-RCT (Lau et al. 2024)

  • Einzelzentrum — 100 % chinesische Ethnizität
  • Placebo = 1 mg Vitamin C + Stärkefüller (Vitamin C ist antioxidativ, wenn auch bei 1 mg klinisch irrelevant)
  • Subjektive Endpunkte (Fragebogen-basiert)
  • 14 Symptome getestet — Bonferroni lässt 9 nicht-signifikant erscheinen
  • Unabhängige Replikation steht aus
  • SIM01 enthält kein F. prausnitzii direkt — fördert indirekt über Bifidobakterien + Präbiotika

Mechanismus Darm-Hirn

  • Gut etabliert bei Parkinson, Alzheimer, Depression, ME/CFS — bei Long COVID noch nicht als lineare Kausalität demonstriert
  • Alternative Mechanismen (virale Persistenz, Autoimmunität, endotheliale Dysfunktion) können unabhängig wirken
  • Die Butyrat-Hypothese erklärt neuropsychiatrische + GI-Symptome — nicht respiratorische, nicht muskuloskelettale. Long COVID ist heterogen.

Zum Nachschlagen

Wer klärt was

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Seelische Last gehört zu deiner Therapeutin. Was du im Alltag für deine Regeneration tust, begleitet ein Mentor. Entscheiden tust du.

Ob eine Krankheit dahintersteckt und wie sie behandelt wird, klärt deine Ärztin. Nimm deine Beobachtungen und die Fragen aus diesem Artikel mit; was du für deine Regulation tust, läuft parallel weiter.

Häufige Fragen (5)

Verursacht niedriges F. prausnitzii Long COVID — oder ist es eine Folge?

Beide Richtungen sind plausibel. Szenario A: F. prausnitzii fehlt → weniger Butyrat → schwächere Darmbarriere → systemische Entzündung → Long COVID. Szenario B: Schwere COVID-19 (Antibiotika, Immobilisation, Ernährungsumstellung, direkter viraler Darmschaden) depletiert F. prausnitzii → das hält die Dysbiose aufrecht, die Long COVID perpetuiert. Szenario C: Beides gleichzeitig — ein sich selbst verstärkender Teufelskreis. Die SIM01-Studie zeigt, dass Mikrobiom-Modulation Symptome verbessern KANN — das ist ein Hinweis auf kausale Relevanz (Szenario A oder C), aber aus einer einzelnen Studie noch kein Beweis.

Gibt es ein F. prausnitzii-Supplement, das ich kaufen kann?

Nein — Stand 2026 existiert kein zugelassenes Präparat mit lebenden Faecalibacterium prausnitzii. Der Grund ist technisch: F. prausnitzii ist strikt anaerob — es stirbt bei Kontakt mit Sauerstoff. Die Herstellung und Stabilisierung als Supplement ist ein ungelöstes Problem. In der Forschung werden indirekte Ansätze verfolgt: (1) Präbiotika, die F. prausnitzii im Darm füttern (fermentierbare Ballaststoffe, Inulin, resistente Stärke). (2) Synbiotika mit Bifidobakterien + Präbiotika, die ein Milieu schaffen, in dem F. prausnitzii wachsen kann (wie SIM01). (3) Next-Generation Probiotics (NGPs) in Forschungspipelines. Kaufbare Produkte mit „Darm-Mikrobiom-Support" enthalten in der Regel andere Stämme — nicht F. prausnitzii selbst.

Warum verbesserte SIM01 Brain Fog und Fatigue, aber nicht die Lunge?

Die Darm-Hirn-Achse ist anatomisch und biochemisch gut dokumentiert: Vagusnerv-Afferenzen, mikrobielle Metaboliten im Blut (einschließlich Butyrat), und Zytokin-Signaling verbinden den Darm direkt mit dem Zentralnervensystem. Die Lunge hat keine vergleichbare bidirektionale Achse zum Darm. Bei respiratorischen Long-COVID-Symptomen dominieren andere Mechanismen: Mikrothrombosen, Endotheldysfunktion, fibrotische Veränderungen — die alle nicht über Butyrat reguliert werden. Das SIM01-Ergebnis passt also perfekt zur Biologie: Der Darm-Hirn-Pfad wurde adressiert und respondierte. Der Darm-Lungen-Pfad ist schwächer und weniger direkt.

Wie lange dauert es, bis sich das Darmmikrobiom nach COVID-19 erholt?

Die Kohortenstudien zeigen: Bei Patienten OHNE Langzeitfolgen normalisiert sich das Mikrobiom innerhalb von ungefähr sechs Monaten (Diversität und Zusammensetzung vergleichbar mit Kontrollen). Bei PACS-Patienten bleibt die Dysbiose mindestens sechs Monate lang bestehen — manche Kohorten zeigen anhaltende Veränderungen auch darüber hinaus. Die SIM01-Studie deutet darauf hin, dass aktive Intervention (Synbiotika über 6 Monate) die Erholung beschleunigen kann — im Vergleich zu reinem Abwarten. Faktoren, die die Erholung beeinflussen können: Schwere der Akutinfektion, Antibiotika-Exposition, Ernährung post-COVID, Stresslevel.

Sind Probiotika bei Long COVID sicher — oder riskant?

Im SIM01-Versuch (n=463) waren unerwünschte Ereignisse in Verum- und Placebo-Gruppe vergleichbar (10,8 % vs. 10,4 %). Kein schwerwiegendes Ereignis wurde dem Synbiotikum zugeordnet. Allgemein gelten Probiotika als sicher bei immunkompetenten Erwachsenen. Bei immungeschwächten Personen (aktive Immunsuppression, HIV mit niedriger CD4-Zahl, Z.n. Organtransplantation), schwerkranken Intensivpatienten und nach größerer GI-Chirurgie gibt es dokumentierte Fälle von Bakteriämie durch Probiotika-Stämme. In diesen Populationen wird individuelle Rücksprache mit dem behandelnden Arzt empfohlen. Für die meisten Long-COVID-Betroffenen im ambulanten Setting: geringes Risikoprofil, aber fachliche Begleitung sinnvoll — nicht wegen Sicherheit, sondern wegen Stammauswahl und Erwartungsmanagement.
Quellen (5)
  • Gut Microbiome Dysbiosis in COVID-19: A Systematic Review and Meta-Analysis of Diversity Indices, Taxa Alterations, and Mortality Risk
    Mateescu D-M., Ilie A-C., Cotet I. et al. – Microorganisms (2025) DOI: 10.3390/microorganisms13112570
  • Gut microbiota dynamics in a prospective cohort of patients with post-acute COVID-19 syndrome
    Liu Q., Mak J.W.Y., Su Q. et al. – Gut (2022) DOI: 10.1136/gutjnl-2021-325989
  • A synbiotic preparation (SIM01) for post-acute COVID-19 syndrome in Hong Kong (RECOVERY): a randomised, double-blind, placebo-controlled trial
    Lau R.I., Su Q., Lau I.S.F. et al. – The Lancet Infectious Diseases (2024) DOI: 10.1016/S1473-3099(23)00685-0
  • Six-month follow-up of gut microbiota richness in patients with COVID-19
    Chen Y., Gu S., Chen Y. et al. – Gut (2022) DOI: 10.1136/gutjnl-2021-324090
  • Mind-altering microorganisms: the impact of the gut microbiota on brain and behaviour
    Cryan J.F., Dinan T.G. – Nature Reviews Neuroscience (2012) DOI: 10.1038/nrn3346
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Energie, Funktion und Struktur sind auf jeder Ebene der menschlichen Erfahrungswelt untrennbar miteinander verbunden.
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