Mein Weg mit CFS/ME – Markus' Geschichte von Perspektivwechsel und Regulation
Markus war IT-Berater, immer online, immer erreichbar – bis sein System nach einer verschleppten Grippe zusammenbrach. Sein Weg zeigt: Der Perspektivwechsel von Willenskraft zu Regulation hatte messbare Auswirkungen. Eine anonymisierte Geschichte.
Der Wendepunkt
Der Wendepunkt kam nicht als einzelner Moment, sondern als schrittweises Verstehen. Markus las über CFS/ME und erkannte das Muster: die postinfektiöse Auslösung, die Post-Exertional Malaise, die autonome Dysfunktion. Aber der eigentliche Durchbruch war ein anderer Gedanke:
'Was, wenn mein System nicht kaputt ist – sondern in einem Modus feststeckt, der einmal sinnvoll war?'
Sein Sympathikus – der 'Fight-or-Flight'-Modus – war jahrelang sein Erfolgsrezept gewesen. Immer alert, immer bereit, immer leistungsfähig. Aber nach der Infektion hatte sich dieser Modus verselbstständigt. Das Nervensystem konnte nicht mehr herunterfahren. Die chronische Sympathikus-Dominanz hielt Immunsystem und Stoffwechsel in einem pathologischen Gleichgewicht.
Dantzer (2008) beschrieb den Mechanismus der 'Sickness Behavior': Das Immunsystem kommuniziert über proinflammatorische Zytokine mit dem Gehirn und induziert Müdigkeit, sozialen Rückzug, Appetitlosigkeit. Bei CFS/ME scheint dieser Mechanismus chronifiziert zu sein – das Gehirn empfängt dauerhaft ein 'krank-Signal', auch wenn die akute Infektion längst vorbei ist.
Markus' Perspektivwechsel: Von 'Ich muss kämpfen' zu 'Mein System braucht Regulation, nicht Willenskraft'. Von 'Ich bin kaputt' zu 'Mein Nervensystem ist in einem Modus gefangen, der sich verändern lässt'.
Heute
Nach zwei Jahren beschreibt Markus seinen Zustand als 'ein anderer Mensch – im doppelten Sinn'. Sein Bell Score ist von 30 auf 55 gestiegen. Er arbeitet 15–20 Stunden die Woche als Remote-Berater, mit striktem Pacing und ohne Überstunden. Er kann leichte Spaziergänge machen, kochen, sein Leben weitgehend selbstständig organisieren. Individuelle Verläufe sind sehr unterschiedlich – diese Geschichte ist kein typisches Ergebnis.
Er ist nicht der alte Markus. Die 60-Stunden-Wochen sind Geschichte, das Fitnessstudio auch. Aber er hat etwas gefunden, das er vorher nicht hatte: Ein Verständnis dafür, wie sein Körper funktioniert. Und die Erkenntnis, dass Regulation kein Zeichen von Schwäche ist, sondern die klügste Form der Selbstführung.
Markus sagt: 'Die Grippe war der Trigger, aber mein chronisch überlastetes Nervensystem hatte keine Reserven mehr. CFS/ME hat mich gezwungen, das zu verstehen. Nicht als Bestrafung – als Information.'
, Die MOJO Perspektive
Markus' Geschichte illustriert einen Aspekt von CFS/ME, der zu selten beleuchtet wird: die Rolle der prämorbiden Sympathikus-Dominanz. Viele CFS/ME-Betroffene berichten von einem 'High-Achiever'-Muster vor der Erkrankung: chronischer Stress, Leistungsorientierung, wenig Erholung. Die Infektion war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. In der Regenerationsmedizin fragen wir: Was hat das System schon vor der Infektion in eine vulnerable Position gebracht? Die Antwort liegt oft im chronisch überaktivierten Nervensystem – und der Perspektivwechsel von 'Kampf' zu 'Regulation' ist nicht nur psychologisch, sondern neurobiologisch wirksam. Gesundheit entsteht, wenn die Mitochondrien genug Lebensenergie produzieren und diese Energie über Nervensystem, Immunsystem und Stoffwechsel optimal verteilt wird. Wie man das erreicht, vermitteln wir im Kurs LEBENSENERGIE für Betroffene und in der Grundausbildung Regenerationsmedizin für Fachkräfte.
, Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Häufige Fragen
Kann chronischer Stress CFS/ME auslösen?
Ist der Perspektivwechsel von Willenskraft zu Regulation 'nur Psychologie'?
Was ist der Bell Score?
Quellen & Referenzen
- From inflammation to sickness and depression: when the immune system subjugates the brain
- ME/CFS and Long COVID share similar symptoms and biological abnormalities: road map to the literature
- Metabolic features of chronic fatigue syndromeNaviaux R.K., Naviaux J.C., Li K. et al. – Proceedings of the National Academy of Sciences (2016) DOI: 10.1073/pnas.1607571113
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
Unser Evidenzverständnis lesen
Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
Mehr über den Autor