fT3 und fT4 (freie Schilddrüsenhormone)
fT3 und fT4 (freie Schilddrüsenhormone) — fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Thyroxin) sind die ungebundenen, biologisch aktiven Anteile der Schilddrüsenhormone im Blut. Nur die freien Hormone können in die Zellen eintreten und dort wirken. fT3 ist das aktive Hormon, fT4 das Speicherhormon, das in T3 umgewandelt wird.
Im Blut sind über 99 % der Schilddrüsenhormone an Transportproteine gebunden: Thyroxin-bindendes Globulin (TBG, ca. 75 %), Albumin (ca. 15 %) und Transthyretin (ca. 10 %). Nur die freien (ungebundenen) Hormone – fT3 und fT4 – können durch die Zellmembran diffundieren und im Zellkern an Schilddrüsenhormon-Rezeptoren binden, um die Genexpression zu regulieren.
fT4 (freies Thyroxin):
fT4 macht etwa 0,02 % des Gesamt-T4 im Blut aus. Normalbereich: ca. 0,8–1,8 ng/dl (10–23 pmol/l). T4 ist das quantitativ dominante Schilddrüsenhormon (ca. 90 % der Produktion), hat aber nur etwa 10 % der biologischen Aktivität von T3. Seine Hauptfunktion: als zirkulierendes Reservehormon, das in den Zielgeweben bei Bedarf in T3 umgewandelt wird.
fT3 (freies Trijodthyronin):
fT3 macht etwa 0,3 % des Gesamt-T3 im Blut aus. Normalbereich: ca. 2,3–4,2 pg/ml (3,5–6,5 pmol/l). T3 ist das biologisch aktive Hormon – es bindet mit 10-fach höherer Affinität an den Schilddrüsenhormon-Rezeptor als T4. Etwa 80 % des T3 entsteht nicht in der Schilddrüse, sondern durch Dejodierung von T4 in Leber, Niere, Muskulatur und Gehirn durch die Dejodinase-Enzyme (DIO1, DIO2, DIO3), die Selen als Kofaktor benötigen.
Konversionsstörung:
Bei einer Konversionsstörung wird T4 nicht ausreichend in T3 umgewandelt. Das Muster: fT4 normal oder erhöht, fT3 niedrig oder im unteren Normbereich. Ursachen: Selenmangel, systemische Inflammation (IL-6 hemmt DIO1/DIO2), chronischer Stress (Cortisol fördert DIO3 → rT3 statt T3), Leberfunktionsstörungen, DIO2-Polymorphismen (genetisch, ca. 16 % der Bevölkerung betroffen).
Das reverse T3 (rT3) ist das biologisch inaktive Spiegelprodukt: Wenn T4 durch DIO3 in rT3 statt durch DIO2 in T3 umgewandelt wird, entsteht kein aktives Hormon. Ein erhöhtes rT3 bei niedrigem fT3 ist ein Hinweis auf eine aktive Konversionsblockade.
— Die MOJO Perspektive
In der Regenerationsmedizin ist fT3 der entscheidende Wert – nicht TSH oder fT4. Denn fT3 zeigt, wie viel aktives Hormon tatsächlich in deinen Zellen ankommt. Die mitochondriale ATP-Produktion, die Neurotransmitter-Synthese, die Fettsäureoxidation – all das hängt von T3 ab. Ein 'normaler' TSH und 'normales' fT4 bei niedrigem fT3 bedeutet: Dein Stoffwechsel läuft auf Sparflamme, obwohl die Standard-Laborwerte 'normal' aussehen.
Das Wichtigste in Kürze
- 1fT3 ist das biologisch aktive Schilddrüsenhormon – 10-fach stärkere Rezeptorbindung als T4.
- 280 % des T3 entsteht durch Konversion von T4 in peripheren Geweben (Selen-abhängig).
- 3Konversionsstörung: fT4 normal, fT3 niedrig – trotz 'normalem' TSH können Symptome bestehen.
- 4rT3 (reverses T3) zeigt eine aktive Konversionsblockade an (Stress, Inflammation, Selenmangel).
— Erkennen · Verstehen · Verändern
Erkennen
Verstehen
Verändern
Quellen & Referenzen
- Type 2 deiodinase polymorphism (Thr92Ala) and hypothyroidism treatmentPanicker V., Saravanan P., Vaidya B. et al. – Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2009) DOI: 10.1210/jc.2008-1301
Wie wir Evidenz bewerten
Wir betrachten Evidenz als Gesamtbild: Mechanistische Studien, Beobachtungsdaten, klinische Erfahrung und – wenn verfügbar – randomisierte Studien fließen gemeinsam in unsere Bewertung ein. Jede Aussage benennt transparent ihre Evidenzbasis.
Unser Evidenzverständnis lesen
Arzt · Regenerationsmedizin · Gründer des MOJO Instituts
Mehr über den Autor